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7. Mit Sappho

Sapphofortsätze

Von Christiane Kiesow

Vor etwa einem dreiviertel Jahr ging ein Aufruf durch das Internet: Sendet Sapphogedichte! Sofort setzte das Grübeln ein: welche Art Text eignet sich für eine solche Anthologie? Ich bin des Altgriechischen nicht mächtig, also fallen Übersetzungen schon einmal weg. Es gäbe die Möglichkeit, sich formal zu nähern, sich z.B. an sapphischen Strophen zu versuchen oder eine Hymne zu verfassen. Man könnte Sappho auch durch den Fleischwolf drehen und Anagramme basteln. Leerstellen besetzen, Lückenfüller spielen; von der Tonimitation über das Fortsetzen der Fragmente hin zur phonetischen Übersetzung, ist alles möglich. Auch inhaltlich könnte man sich austoben. War sie nicht Lehrerin und Lesbe? Hat sie nicht auf einer Insel gelebt, am anderen Ufer? Da war doch von Wasser die Rede und von Mädchen und Mond.

Doch mit diesen Überlegungen gingen auch Zweifel einher. Lauert bei allzu eifriger Formstrenge nicht die Gefahr, in eine spröde akademische Übung abzudriften? Würde sich die Anbetung einer Silikonpuppe thematisch zu radikal ausnehmen? Ist es eigentlich juristisch erlaubt, sapphisches Gaffen gegenüber minderjährigen Mädchen zu thematisieren oder ist es vielleicht zu seufzerverseucht? Außerdem lässt sich ein Gedicht in geschlechtergerechter Gebärdensprache schwer abdrucken. Doch während ich mir meine Schreibhemmungen zusammen sammelte, waren andere wesentlich mutiger. Viele von den Ideen wurden erfolgreich umgesetzt und so ist ein aufregend vielstimmiger, bunter Band zustande gekommen.

Nimmt man ihn zur Hand, fällt schon die Gestaltung des Einbandes positiv auf. Es handelt sich dabei um eine optisch an Hieroglyphen und strukturell an ein Gedicht erinnernde Anordnung von kleinen Piktogrammen, die bei ausreichender Kenntnis vom Stoff eindeutige Bezüge zu Sappho herstellen. Mond, Rosen, Herztöne, Frauenkörper, Schlaflider, Vasen, Wasser. Hier ein kleiner Rüffel an die Herausgeber: warum ist die Grafikerin Isabel Wienold eigentlich nicht im Autorenregister aufgeführt?

Blättert man in den Band hinein, sind die Gedichte dann in vier Kategorien eingeteilt. In Remix finden sich die Gedichte, die die Auseinandersetzung mit einer „zusammengesetzten Sappho suchen“, Gegenentwürfe und Nachschöpfungen einzelner Sapphischer Stückchen finden sich unter Einzelstücke, darauf folgt die thematische Einheit Alles wird Mond, die sich frei dem berühmten Fragment 168b widmet, zuletzt finden sich allerlei Arten von Fragmenten. An dieser Stelle stutze ich. Gibt es denn gar kein erotisches Kapitel? Ja – wo sind eigentlich die Venushügelvoyeurismen!

Liest man sich aber hinein, so stößt man durchaus auf vaginale Spuren. Bei Marcus Roloff finden sich „aprikosenhälften mit flimmerhärchen“, Michael Gratz hat sich dem Vagina Sonnet von Joan Larkin gewidmet. Gleich zweimal hintereinander. Wobei die phonetische Oberflächenübersetzung die wesentlich spannendere ist. Auf die ursprünglichen Zeilen „A famous poet told me, ‘Vagina’s ugly.’/Meaning, of course, the sound of it. In poems.“, dichtet er: „Effeminate poet sold in red china suckling. / Minnow’s force. They found a wit in poems.“

Weitere experimentelle Dichtung findet sich vor allem auf den hinteren Seiten des Bändchens. Dort bringt Clemens Schittko die Bestellinformation eines Online-Buchhändlers in Form und Bertram Reinecke erfindet die Gegenüberstellung eines sapphischen und eines alkäischen Fragments. Die größten Rätsel geben mir aber Elena L. Steinberger und Birgit Kreipe auf. Sie machen deutlich, worin die große Chance des Fragments besteht: nämlich durch Lücken hermeneutischen Leseansprüchen von vorn herein ein Schnippchen zu schlagen. Die Ursache für das Scheitern des Verstehens ist quasi inbegriffen. Egal, wie man es angeht, der Freiraum funktioniert immer als Letztbegründung. Denn man weiß ja nicht, ob und wenn ja: was und wie viel fehlt. Und wovon. Angelika Janz muss an dieser Stelle auch genannt werden, hat sie schließlich die Arbeit am Fragment zu einer Poetologie kultiviert. Wobei sie den umgekehrten Weg nimmt: sie resozialisiert das Fragment zum gesellschaftsfähigen Gedicht.

Blättert man wieder ein Stück zurück, so findet man sich bei einer Kumulation von Mond wieder. Es ist angenehm, das Fragment 168b von so vielen Seiten durchbuchstabiert zu sehen. Hier bietet der Sapphoband die Gelegenheit, einmal bei einem Thema zu verweilen. Es zu drehen und zu wenden und darüber nicht ungeduldig zu werden, sondern es von Text zu Text zu vervollständigen. Erwähnt sei hier auch Christoph Georg Rohrbach, der mit der Veröffentlichung in „Muse, die zehnte“ sein Gedichtdebüt begeht.

Aber Tod dem chronologischen Erzählen. Noch einmal forsch hereingegriffen in den Bilderbottich. Da „welkt Wald“ (Richard Duraj/Andreas Bülhoff) und da ist „aller Tag nur Wachliegen noch nach dir“ (Tobias Roth), es gibt „Plektron für Stimmbänder“ (Asmus Trautsch), „kubistische Kämme“ (Ulf Großmann) und etwas ist „von Schönheit gestanzt“ (Georg Leß). Da heißt es: „Anfang gut, alles gut“ (Philipp Günzel) und dazwischen winden sich Zungen (Phoebe Giannisi).

Ja – vielleicht hatte ich mir zu Beginn mehr Vulvavöllerei gewünscht, aber das ist nun nicht mehr so schlimm. Wer ernsthaft eine Anthologie betrachten will, muss immer den Teil bedenken, der fehlt.

Wie sollte man sonst Auswahl erkennen?

Muse, die zehnte. Antworten auf Sappho von Mytilene
Herausgegeben von Michael Gratz und Dirk Uwe Hansen
Erscheinungsdatum: 01.12.2014
110 Seiten; Softcover; 14,8 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-943672-50-3
14,95 EUR (D)

Mit Glykeria Basdeki, Kerstin Becker, Andreas Bülhoff, Jascha Dhal, Daniela Danz, Richard Duraj, Christiane Heidrich, Jenny Feuerstein, Phoebe Giannisi, Mascha Golda, Michael Gratz, Ulf Großmann, Alexander Gumz, Philipp Günzel, Marilyn Hacker, Bianka Hadler, Dirk Uwe Hansen, Andreas Hutt, Roman Israel, Angelika Janz, Anja Kampmann, Jorgos Kartakis, Odile Kennel, Birgit Kreipe, Erika Kronabitter, Jan Kuhlbrodt, Marianna Lanz, Joan Larkin, Georg Leß, Leonce W. Lupette, Anne Martin, Artur Nickel, Simone Katrin Paul, Martin Piekar, Bertram Reinecke, Rick Reuther, Christoph Georg Rohrbach, Marcus Roloff, Tobias Roth, Uwe Saeger, Clemens Schittko, Armin Steigenberger, Elena L. Steinbrecher, Brigitte Struzyk, Asmus Trautsch, Monika Vasik, Eva Christina Zeller

Zum Verlag (mit Leseprobe)

63. Lyrikpreis München 2014

Beim Finale zum Lyrikpreis München 2014 lasen am 18.10. um 19 Uhr im Vortragssaal der Bibliothek des Gasteig:

  • Konstantin Ames, Berlin
  • Kathrin Bach, Berlin
  • Markus Hallinger, Irschenberg
  • Tobias Roth, Berlin
  • Walter Fabian Schmid, Solothurn, CH
  • Sebastian Unger, Berlin

Die Jury entschied wie folgt:

Gewonnen hat Markus Hallinger.

Den zweiten Preis teilen sich Konstantin Ames und Kathrin Bach.

Die Jury:

  • Wolfram Malte Fues, Lyriker, Germanist, Basel
  • Andreas Heidtmann, Poetenladen, Leipzig
  • Birgit Kreipe, Gewinnerin des Preises 2013, Berlin
  • Àxel Sanjosé, Lyriker, Dozent an der LMU, München
  • Katharina Schultens, Lyrikerin, Berlin

56. “Lyrik im ausland”

Ricardo Domeneck, Birgit Kreipe und Rainer Stolz

Ricardo Domeneck, 1977 in São Paulo geboren, gehört zu den aufregendsten Stimmen Lateinamerikas, Er veröffentlichte fünf Gedichtbände, sowie Rezensionen und Übersetzungen in brasilianischen Zeitschriften und Zeitungen. Seine Gedichte wurden in Anthologien, u. a. in Deutschland, USA, Belgien, Spanien und Argentinien, übersetzt und publiziert. Auf Deutsch erschien von ihm zuletzt der Gedichtband “Körper: ein Handbuch.” im Verlagshaus J. Frank in der Übersetzung von Odile Kennel (2012). Seit 2002 lebt Domeneck in Berlin.
(Lesung findet in Portugiesisch/Brasilianisch, Deutsch u. Englisch statt)
http://www.belletristik-berlin.de/koerper-ein-handbuch

Birgit Kreipe, geboren in Hildesheim, Lyrikerin und Psychotherapeutin, lebt in Berlin. Neben zahlreichen Beiträgen für Zeitschriften (ostragehege, randnummer, edit u.a.) und Anthologien (Jahrbuch der Lyrik, Schneegedichte) sind von ihr die beiden Einzelveröffentlichungen “Schönheitsfarm” (2012) und “wenn ich wind sage seid ihr weg” (2010) erschienen. 2014 gewann Kreipe den Münchener Lyrikpreis, sowie den Irseer Pegasus Preis für ihre neuen Texte.
http://www.belletristik-berlin.de/schoenheitsfarm

Rainer Stolz, 1966 in Hamburg geboren. 1997 gründete er gemeinsam mit Lars-Arvid Brischke und Stephan Gürtler den Lyrikkreis „Die Freuden des jungen Konverters“, eine Gedicht-Werkstatt, die bis 2004 bestand. Für diesen Kreis gab Rainer Stolz gemeinsam mit Stephan Gürtler 2003 die Anthologie „Feuer, bitte! Berliner Gedichte über die Liebe“ (dahlemer verlagsanstalt, Berlin) heraus.
Zu seinen letzten Veröffentlichungen gehören „Stuckbrüche“ (SuKuLTuR-Verlag, Berlin 2006), “Während mich die Stadt erfindet” (Elfenbein Verlag, Berlin, 2007). 2012 “Spötter und Schwärmer. Haiku-Vogelporträts” (Edition Krautgarten, St. Vith). Am 15. Mai wird Rainer Stolz, seinen jüngst erschienen Gedichtband “Selbstporträt mit Chefkalender” vorstellen (Edition Voss beim Horlemann Verlag, 2014)
Mehr unter: http://www.horlemann.info/edition-voss/lyrikpapyri/buchtitel/selbstportraet-mit-chefkalender-202.html

  1. Mai 2014
    Geöffnet ab 20 Uhr, Beginn der Lesungen um 21 Uhr.
    Eintritt: 5 Euro

ausland – Territory for experimental music, performance and art
Lychener Str. 60, 10437 Berlin

11. Spoken Wor:l:ds Nairobi – Berlin

Berlin und Nairobi, Lyrik und Rap, vieles verbindet, vieles ist verschieden. Das Projekt Spoken Wor:l:ds führt die unterschiedlichen Welten zu einem genre-, künste- und kulturenübergreifendem Austausch zusammen. Vom 6.-12.4.2014 stellen Lyriker, Rapper und Spoken Word-Autoren aus Nairobi und ihre Kollegen aus Berlin die Ergebnisse ihrer gemeinsamen Arbeit in Diskussionen, Lesungen, Gesprächen, Workshops Performances und Konzerten vor – eine Woche mit gewichtigen Texten und wuchtigten Beats, neuen Tracks, Lyrik und Spoken Word aus Nairobi und Berlin. Mit dabei sind Checkmate Mido, L-Ness, Ogutu Muraya, Namatsi Lukoye, Sitawa Namwalie, Wanjiku Mwaura, Octopizzo, Poeticbee (alle Nairobi) und Josefine Berkholz, Diamondog, Erko, Christian Filips, Birgit Kreipe, LMNZ, Joe Madog und MC Josh (alle Berlin). 

Swahili Lyrik, Spoken Word, Slam Poetry oder Rap – die urbane Dichtung boomt in Nairobi. Neben den offiziellen Sprachen Englisch und Swahili reimt die jüngere Generation auf Sheng, einem Slang der städtischen Regionen Kenias. Lyrik-Veranstaltungen in der kenianischen Hauptstadt mischen Spoken Word und HipHop, Improvisation und Freestyle, Literatur, Musik, Tanz. Anders als in Berlin sind für die reimenden, rappenden, geschichtenerzählenden und beatboxenden Dichterinnen und Dichter in Nairobi Genreüberschreitungen selbstverständlich. Bereits im November trafen Rapper, Dichter und Spoken Word-Autoren aus Berlin in Nairobi auf ihre Kollegen aus Kenia und arbeiteten sechs Tage zusammen an neuen Werken. Jetzt werden die Kooperationen in Berlin fortgesetzt und die Ergebnisse dem Publikum präsentiert.

Viele der Künstler von Spoken Wor:l:ds aus Berlin und Nairobi sind in kulturellen Bildungsprojekten engagiert, soziales Engagement ist für sie selbstverständlich. In Berlin sind Workshops in Schulen ebenso wie in Strafanstalten Teil ihres Programms.

Die Leitung des Projekts haben Olad Aden, Isabel Ferrin-Aguirre und Susanne Stemmler.

Spoken Wor:l:ds Nairobi–Berlin ist ein Projekt der Literaturwerkstatt Berlin mit dem Kwani Trust und der Maono Cultural Group, gefördert im Fonds TURN der Kulturstiftung des Bundes und durch die Heinrich-Böll-Stiftung. Mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes und des Goethe-Instituts. Unterstützt durch Gangway e.V. Medienpartner: AfricAvenir.

So 6.4. 10.00–14.00

Spoken Wor:l:ds Nairobi–Berlin
Andere Schafe Afrika! – other sheep Africa!
Eine Installation, kuratiert von Christian Filips
Ort: Waschbar Uferhallen-Wedding
Uferstraße 8–11, 13357 Berlin
Eintritt frei
Anmeldung erbeten unter: andreschafeafrika@gmail.com

Mi 9.4. 19:00 Uhr

Spoken Wor:l:ds Nairobi–Berlin
Festival-Auftakt

Performance, Gespräche und CD-Premiere mit Checkmate Mido, L-Ness, Ogutu Muraya, Namatsi Lukoye, Sitawa Namwalie, Wanjiku Mwaura, Octopizzo, Poeticbee (alle Nairobi) und Josefine Berkholz, Diamondog, Erko, Christian Filips, Birgit Kreipe, LMNZ, Joe Madog und MC Josh (alle Berlin) Moderation Priya Basil

Ort: Heinrich Böll Stiftung,

Schumannstr. 8, 10117 Berlin

Eintritt frei

Do 10.4 20:00 Uhr
Spoken Wor:l:ds Nairobi–Berlin
Das gesprochene Gedicht

Performance und Gespräch mit Josefine Berkholz, Checkmate Mido, Diamondog, Christian Filips, Billy Kahora, Birgit Kreipe, L-Ness, Namatsi Lukoye, Ogutu Muraya, Sitawa Namwalie

Moderation Antije Krog

Ort: Literaturwerkstatt Berlin, Knaackstr. 97, 10435 Berlin

Eintritt frei

Fr 11.4. 19:00 Uhr
Spoken Wor:l:ds Nairobi–Berlin
Kultur als Brücke. Grenzüberschreitungen Afrika–Europa
Filmpremiere, Performances und Gespräche mit Olad Aden, Josefine Berkholz, Erko, L-Ness, MC Kah, Octopizzo, Christa Randzio-Plath, Wolfgang Schneider
Moderation Shelly Kupferberg
Ort: Werkstatt der Kulturen, Wissmannstraße 32, 12049 Berlin-Neukölln
Eine Kooperationsveranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Literaturwerkstatt Berlin und Gangway e.V.

Eintritt frei

Anmeldung erbeten unter: Forum.CY@fes.de

Sa 12.4. 20:00

Spoken Wor:l:ds Nairobi–Berlin
Benefizkonzert »Dandora!«

Konzert mit Checkmate Mido, L-Ness, Ogutu Muraya, Namatsi Lukoye, Sitawa Namwalie, Wanjiku Mwaura, Octopizzo, Poeticbee (alle Nairobi) sowie Josefine Berkholz, Diamondog, Erko, Christian Filips, Birgit Kreipe, LMNZ, Joe Madog und MC Josh (alle Berlin) Host Pyranja

Ort: Lido Berlin,
Cuvrystraße 7, 10997 Berlin
Eintritt: €5

4. Noch einmal: Lyrikpreis München

Andreas Heidtmann schreibt im Poetenladen über den Lyrikpreis München, Auszüge:

Das Feld der Finalisten war stark. Vielleicht reichte das Niveau an den Leonce-und Lena-Wett­bewerb heran. Ein Indiz dafür wäre, dass eine Reihe von Darm­städter Fina­listen in diesem und in den ver­gangenen Jahren auch beim Lyrikpreis München lasen, etwa Ale­xander Gumz, Sascha Kokot, Walter Fabian Schmid und Marie T. Martin. Und umge­kehrt las die Lyrikerin Sina Klein zuerst in München, ehe sie nach Darmstadt eingeladen wurde. Dass die teilnehmenden Open-Mike-Lyrik­preis­träger ohne Chance waren, zeugt nicht von schwachen Beiträgen, sondern von der Stärke der dichterischen Konkur­renz. (…)

Viel Zustimmung fand Kerstin Becker mit ihren ländlichen Szenen, die bäuer­liches Kolorit ein­banden, das Ernten von Kartoffeln (Erdäpfeln), das Verstecken in Milch­tonnen, das Spielen am Bach. Dass die Autorin das Ländliche so selbst­bewusst aufgriff, trug ihr viel Sympathie ein, zumal sie jedes Senti­ment ver­mied. Das Zerlegen von Ratten mit Rasierklingen oder das Ausnehmen eines Karpfens wirkte dem Idyl­lischen ent­gegen. (…)

Odile Kennels Texte waren vielleicht die avanciertesten des Abends, post­post­modern, souverän alle erdenk­lichen Ver­fahrens­weisen nutzend, kurze Formen wechsel­ten mit langen, Reim und Wortwitz, Speed­gedichte und sogar wörtliche Rede kamen vor, alles an Bord, aber bei so viel kunst­vollem Zauber durfte man am Ende auch die Frage stellen – wozu das alles? Egal, einen Preis hatte sie sich verdient. (…)

Birgit Kreipe hatte bereits im ersten Wahldurchgang die Mehrheit der Jury hinter sich. Ihr gelang mit dem Zyklus „nachts rücken die scheunen zusammen, werden zahm“ ein eigener poetischer Kosmos, in dem sie traumhafte, narrative und surreale Elemente ver­wob. Auch sprach­lich waren ihre Gedichte souve­rän von der Allite­ration bis zu hart kon­tras­tie­renden Elementen. Einer Über­poeti­sie­rung wirkte sie kühn mit Alltags­wendungen, ja, Vulga­rismen, entgegen wie etwa am Ende des sechsten Ge­dichts, wo zunächst mit „Marsh­mallow­knochen“ und „Vanille­schiffen“ eine gewisse klang­liche Anmut auf­kommt, ehe es unver­mittelt heißt: „fettsau wir hassen dich.“

89. Sieger beim Lyrikpreis München 2013

Der erste Preis in Höhe von 1000,- Euro, gespendet von dem Münchner Literaturbüro, wurde Birgit Kreipe zugesprochen.

„Märchenhaft und enigmatisch“ nannte die Jury ihre Gedichte, mit einer wunderbaren Dichte des Über-schichtens, die Räume öffnet, in denen Poesie aufkommt, überraschende, auch krasse Einzelbilder entstehen, traumhaft gehaltene Szenarien über Verlust und Ängste – insgesamt ein genau gearbeiteter Zyklus mit Dramaturgie.
Als Haltegerüst und Disziplinierung des lyrischen Ichs wurde die “Pseudo-Sonettform” gelobt, wobei die einen Juroren froh waren, dass Birgit Kreipe nur die Makroform des Sonetts einhält und sich Freiheiten erlaubt.

Der zweite Preis in Höhe von 500,- Euro, gespendet von dem “Bibliotheksverband Oberbayern e.V.” und den “Signaturen – Forum für autonome Poesie”, wurde von der Jury geteilt, und zwar zwischen Kerstin Becker und Odile Kennel.

Die beiden Dichterinnen, sagte der Jurysprecher Wolfram Malte Fues, zeichnen sich durch “sehr saubere und genau konstruierte Gedichte aus, abwechslungsreiche, durchgeformte Texte mit einer Vielfalt und Offenheit der Konstruktion; wobei die einen, die von Odile Kennel, mehr nach außen gehen und die von Kerstin Becker eher innengeleitet sind.”

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77. Kabel aus München

Der Lyrikpreis München ging so aus:

1. Preis: Birgit Kreipe

2. Preis: Kerstin Becker & Odile Kennel

70. Lyrikpreis München

Am 22. Februar 2014 findet das Finale zum Lyrikpreis München 2013 um 19 Uhr (bis ca. 22:30 Uhr, mit zwei kleinen Pausen)  im Vortragsraum der Bibliothek des Gasteig  (Rosenheimer Str. 5, 1. Stock) statt.

Als Kandidaten lesen:

  • Dominic Angeloch, Berlin
  • Kerstin Becker, Dresden
  • Alexander Gumz, Berlin
  • Dirk Uwe Hansen, Greifswald
  • Anja Kampmann, Leipzig
  • Odile Kennel, Berlin
  • Birgit Kreipe, Berlin
  • Martin Piekar, Bad Soden

Die Juroren des Finales:

  • Marco Beckendorf, Hochroth-Verlag, Berlin
  • Carl-Christian Elze, Lyriker, Leipzig
  • Wolfram Malte Fues, Lyriker, Prof. Dt.Lit., Basel
  • Andreas Heidtmann, Poetenladen, Leipzig
  • Àxel Sanjosé, Lyriker, Lehrbeauftr. LMU, München
  • Florian Voß, Lyriker, Lyrikedition 2000, Berlin

Eintritt: 6,- (erm. 5,-)

Außerhalb des Wettbewerbs lesen am 21. Februar um 19:30 Uhr im Münchner Literaturbüro, Milchstr. 4, die Lyriker _innen (jeweils ca. 20 Minuten):

 

  • Christine Fellner, Nördlingen
  • Sergio Goncales dos Santos, München
  • Elfriede Hafner-Kroseberg, München
  • Evelyne von Heimburg, München
  • Beate Ünver, Ditzingen

Der Eintritt ist frei.

Sonntag, 23.2.2014, 11:00 Uhr, Bibliothek

Poesie-Matinee

mit Carl-Christian Elze (Leipzig), Wolfram Malte Fues (Basel), Àxel Sanjosé (München) und Florian Voß (Berlin)

 

Die Lyriker unter den Juroren des Finales zum Lyrikpreis München lesen aus ihren Werken.
Flyer (pdf)

Eintritt: Euro 7.- / 5.-
Veranstalter: Signaturen – Forum für autonome Poesie (Kristian Kühn – Ulrich Schäfer-Newiger)
Mit freundlicher Unterstützung durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München

53. Lyrikpreis München

Die Jury wählte am 13. Dezember

  • Alexander Gumz, Berlin
  • Dirk Uwe Hansen, Greifswald
  • Anja Kampmann, Leipzig

ins Finale.

Damit stehen die Finalisten für den Lyrikpreis München am 22. Februar 2014 fest.
Es sind:

  • Dominic Angeloch, Berlin
  • Kerstin Becker, Dresden
  • Alexander Gumz, Berlin
  • Dirk Uwe Hansen, Greifswald
  • Anja Kampmann, Leipzig
  • Odile Kennel, Berlin
  • Birgit Kreipe, Berlin
  • Martin Piekar, Bad Soden

80. Lyrikpreis München

Die Vorjury hat

Konstantin Ames, Berlin
Eric Giebel, Darmstadt
Alexander Gumz, Berlin
Dirk Uwe Hansen, Greifswald
Anja Kampmann, Leipzig
Andra Schwarz, Leipzig

zur dritten Lesung am 13. Dezember,
um 19:30 Uhr, ins Münchner Literaturbüro,
Milchstraße 4, eingeladen.

Die Abendjury:

Bettina Hohoff, München
Jan Kuhlbrodt, Leipzig
Àxel Sanjosé, München
Tom Schulz, Berlin

Bis jetzt sind ins Finale (am 22. Februar) gewählt:

Dominic Angeloch, Berlin
Kerstin Becker, Dresden
Odile Kennel, Berlin
Birgit Kreipe, Berlin
Martin Piekar, Bad Soden

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