Getagged: Arnold Stadler

44. Dürener Förderung

Die Stadt Düren hat einen Namen in der Kunstförderung. Eine private Stiftung vergibt u.a. Stipendien an junge Künstler, die 2 Jahre lang jeden Monat 1250 Euro erhalten und, man höre, “Die Stipendiaten sollten möglichst im Umkreis von etwa 1.000 km von Düren leben und arbeiten.” Sollten, möglichst”…, damit können viele leben. (Quelle)

Von einem Dürener Förderstipendium für Lyrik konnte ich bei Google nichts finden. Und doch scheint es zu existieren. Die Edition Azur informiert bei Facebook über ein Förderstipendium für Nancy Hünger in Höhe von 6000 Euro. So, nun findet es auch Google (wenn es nicht von Frau Wulff geschlossen wird).

Im Bereich Literatur des Kunstfördervereins bildet die Lyrik zweifelsohne den Schwerpunkt der Arbeit. Neben der Kammermusik ist sie die zweite tragende Säule der Kulturarbeit des Vereins.
Begonnen wurde die Reihe “Der Lyrik eine Gasse” im September 2002 mit einer Lesung von Sarah Kirsch im Töpfereimuseum in Langerwehe. Danach sind wir aus räumlichen Gründen nach Schloss Burgau umgezogen. Dort stellt uns die Stadt Düren als Veranstaltungspartner den Konzertsaal für Lesungen zur Verfügung. In dieser Reihe waren viele berühmte Namen in Düren zu Gast. Zu nennen sind u.a. Hilde Domin, Christoph W. Aigner , Durs Grünbein, Arnold Stadler, Ulla Hahn, Silke Scheuermann, Dirk von Petersdorff, Jan Wagner, Raoul Schrott, Wolf Wondratschek und Norbert Hummelt. / Kunstförderverein Düren

Mehr:

Seit der Gründung des Vereins „Heinrich-Böll-Haus Langenbroich e.V.“ im Jahr 1989 konnten inzwischen über 150 Schriftstellerinnen und Schriftsteller, bildende Künstlerinnen und Künstler, Komponistinnen und Komponisten aus Asien, Afrika, Lateinamerika, Südost- und Südeuropa in das ehemalige Wohnhaus der Familie Böll in der Eifel eingeladen werden.
Die bewährte Zusammenarbeit zwischen der Heinrich-Böll-Stiftung, der Stadt Düren und dem Land Nordrhein-Westfalen ermöglichte den aus vielfach bedrängten Situationen kommenden Gästen, für einige Zeit finanziell abgesichert und frei von staatlicher Kontrolle oder Verfolgung kreativ und ungestört arbeiten zu können. Zusätzlich konnte 2003 die Zusammenarbeit in einem europaweit entstandenen Netzwerk von Institutionen, die politisch verfolgten Autorinnen und Autoren Hilfe anbieten, konnte erfolgreich fortgesetzt werden.

Gäste im Böllhaus kamen 2012 aus Syrien, Bahrein (Qassim Haddad), Rußland und Serbien. / mehr

Peill-Stiftung

In Düren geboren: Bruno Hillebrand, Michael Lentz (sowie etliche Fußballer, Politiker vieler Couleur etc.)

Zeitweilig in Düren lebten: Karl der Große, August Stramm

10. Wenn sich plötzlich ein Riss auftut

Es ist zur Tradition geworden, dass die Hugo-Ball-Preisträger zu separaten Lesungen nach Pirmasens eingeladen werden. So besteht die Möglichkeit, die Person selbst und ihr Schaffen näher kennenzulernen. Der Lyriker Ulrich Koch, diesjähriger Förderpreisträger zum Hugo-Ball-Preis, stellt sich am Donnerstag, 10. November 2011, um 20 Uhr im Carolinensaal vor. Moderiert wird der Abend von dem Journalisten und Literaturkritiker Michael Braun.

Kochs Gedichte „sprechen von der Vereinzelung und der Verlorenheit des Menschen. Sein stiller, aber verstörender poetischer Existenzialismus zeigt, was geschieht, wenn sich plötzlich ein Riss auftut in der Welt und der Abgrund sichtbar wird, in dem uns die Aufklärung zurückgelassen hat. Die Protagonisten dieser Gedichte fallen heraus aus allen Sicherheiten, sind allein gelassen in ihrer metaphysischen Obdachlosigkeit. In kleinen Alltagsszenen verbirgt sich bei Koch das Unheimliche, unerwartete Erschütterungen, die zwangsläufig die Ordnung der Dinge durcheinanderbringen. Zur Eindringlichkeit dieser Gedichte hat ihr Leser Arnold Stadler angemerkt: ‚Selig der Dichter, dessen Schmerz zur Sprache wurde‘. Ein solcher Dichter ist Ulrich Koch.“ So lautet Michael Brauns Text zur Urkunde des Förderpreises.

Ulrich Koch wurde am 20. November 1966 in Winsen an der Luhe geboren, lebt nun in Radenbeck bei Lüneburg. Er arbeitet als Angestellter einer Personalagentur in Hamburg. In den 90er Jahren erhielt er für sein Werk mehrere Stipendien, der Förderpreis des Stuttgarter Schriftstellerhauses wurde ihm 2007 zugesprochen. Zuletzt sind seine Gedichtbände „Der Tag verging wie eine Nacht ohne Schlaf“ und „Lang ist ein kurzes Wort“ im Allitera-Verlag München erschienen. Auf www.milchmaedchenpresse.de veröffentlicht Ulrich Koch seine neuesten Gedichte im Internet.

Michael Braun, 1958 in Hauenstein/Pfalz geboren, lebt in Heidelberg. Er ist unter anderem Herausgeber des Deutschlandfunk-Lyrik-Kalenders sowie mehrerer Anthologien zur deutschsprachigen Lyrik des 20. und 21. Jahrhunderts. Zum 125. Geburtstag von Hugo Ball gab er den Sammelband „Der magische Bischof der Avantgarde“ im Wunderhorn Verlag heraus.

Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.

18. Deutsch-Schweizer Autorentreffen in Rottweil

Eine literarische Plattform für Autoren aus zwei Nationen bietet die 27. Auflage des Deutsch-Schweizer Autorentreffens, das in Rottweil und der Schweizer Partnerstadt Brugg im jährlichen Wechsel veranstaltet wird.

Dieses Jahr findet das Treffen vom 23. bis 25. September wieder in Rottweil statt. / Südkurier

Aus Deutschland sind u.a. Nadja Küchenmeister und Arnold Stadler dabei.

78. „GeBalltes“ Wochenende in Pirmasens

Am kommenden Samstag, 19. Februar 2011, wird in der Festhalle Pirmasens einer der Höhepunkte im Programm des Hugo-Ball-Jahres 2011 stattfinden: Zur „Langen Nacht der Preisträger“ reisen nicht weniger als zehn der bisherigen Hugo-Ball-Preisträger an und werden sich in Talkrunden und Lesungen mit Moderation und Musik präsentieren. So berühmte Autoren wie Judith Hermann, Klaus Wagenbach, Robert Menasse, Feridun Zaimoglu oder Thomas Rosenlöcher – um nur einige zu nennen – zeigen ihre Entwicklung seit der jeweiligen Verleihung des Hugo-Ball-Preises auf. Sie wurden stets von einer findigen und mit der richtigen Portion Spürsinn für Schriftstellerkarrieren ausgestatteten Jury ausgewählt, was sicher auch als eine Auszeichnung für den Hugo-Ball-Preis selbst zu werten ist, den die Stadt Pirmasens seit 1990 alle drei Jahre verleiht.

Gleich am darauf folgenden Morgen, am Sonntag, 20.Februar, wird mit der Verleihung des Hugo-Ball-Preises 2011 an den Schriftsteller Andreas Maier der nächste Höhepunkt im Rahmen des Hugo-Ball-Jahres geboten: die nicht minder hochkarätig besetzten Laudatoren, der Büchner-Preisträger Arnold Stadler und der Literaturkritiker Michael Braun, werden den Hauptpreisträger und den des Förderpreises, den Lyriker Ulrich Koch, würdigen. Stilvoll umrahmt wird die Preisverleihung von Balthasar Streiff, dem bedeutendsten Schweizer Alphornkünstler unserer Tage, der traditionelle undzeitgenössische Elemente dieses Musikinstrumentes perfekt und einfühlsam zuverbinden weiß.

Am 22. Februar 2011 feiert die Stadt Pirmasens den 125. Geburtstag von Hugo Ball, der 1916 im Cabaret Voltaire in Zürich mit Dada eine der wichtigsten Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts begründet hat, mit einem Festvortrag des Professors für Kunsttheorie und Ästhetik, Bazon Brock, im Carolinensaal.

www.pirmasens.de/hugo-ball-jahr

31. Rückblende Januar 2001

Am 1. Januar 2001, vor 10 Jahren, gab es die ersten regelmäßigen Nachrichten der Lyrikzeitung. Ich starte heute eine Reihe Rückblende. In der wird es die nächsten 120 Tage je eine von mir ausgewählte Nachricht aus jedem Monat L&Poe von 2001 bis 2010 geben. (Im Archiv, siehe rechter Rand, gibt es Sammelbeiträge aus den ersten Jahren. Das Einarbeiten dauert, aber es hat begonnen.)

Im Januar 2001 gab es u.a. Nachrichten über “Lutz Seilers ungeheure Gedichte”, über Paul Celan als “German-speaking Romanian Jew”, über “Slowenische Avantgarde. Srecko Kosovels «Integrale»”, “Huchel-Preis an Oskar Pastior”, die “Neuausgabe des “roten Pflastersteins”: Das surrealistische Gedicht.” und “Erotische Liebesgedichte von Dieter Schlesak”. Thomas Kling lebte noch und schrieb über eine Barockrenaissance, und es gab den Nachruf auf Gregory Corso.

Eine Konstante von Anfang an war offenbar die Klage über das niedrige Lyrikniveau der “Zeit”. Hier die erste Rückblende:

Mager dagegen – wie stets spätestens seit der vorletzten Zeit-Reform – die Bilanz in den 16 Seiten “Zeit”-Feuilleton samt Literaturbeilage (Ausgabe 2/2001): 4 Gedichte statt einer Rezension von – Zeitleser ahnen es** - Robert Gernhardt auf der 16. (48.) Seite, die Kurzbesprechung einer Sammlung von Schüttelreimen Carl Amérys (42) – der Rest der Seite ist größtenteils mit Besprechungen von, immerhin, Dichterbiographien gefüllt: Eichendorff und Brentano mitsamt der Liebesgeschichte von Ricarda und Richard Huch; zwar Lyrik ist das auch nicht; kommen noch anderthalb Sätze zu einem Buch über Schillers Ballade vom verschleierten Bild zu Sais und ihre griechischen und ägyptischenHintergründe; als Zugabe unter 8 Fotos rauchender Dichter etwa 3 von Lyrikern (Jan Skácel, Arnold Stadler, Joseph Brodsky, 45). – Vielleicht noch die Werbung: Doktor Faustus oder Doktor Schiwago? 73 % aller ZEIT-Leser lesen mehrmals wöchentlich in einem Buch (36). Sollte es das Letztgenannte sein, könnten sie ja, wenn sie im Schluß des Buches herumlesen, auf die großartigen, wenn auch leider immer noch nicht adäquat übersetzten Gedichte von Boris Pasternak stoßen. Armes Deutschland der Dichter und Lenker.

112. Benefizlesung

Der Verein “lauter niemand” bietet mit einer jährlich erscheinenden Zeitschrift Nachwuchsdichtern die Möglichkeit, sich einem ersten Publikum zu präsentieren: “Wir wollen unbekannten Autoren eine Chance geben”, sagt der Vorsitzende Clemens Kuhnert (45), “aber auch Möglichkeiten schaffen, sich zu vernetzen.”Dafür gibt es neben der Zeitschrift das wöchentlich stattfindende “Literaturlabor” (sonntags, 21 Uhr im Rumbalotte continua, Metzer Str. 9). Doch durch Miete, Druckkosten und einen Umzug des Büros sind Schulden aufgelaufen. Deshalb ruft der Verein heute zur Benefizveranstaltung. Renommierte Schriftsteller lesen zugunsten des Dichter-Nachwuchses. Neben Dückers unter anderem dabei: Torsten Schulz (“Boxhagener Platz”), Kathrin Röggla (“Wir schlafen nicht”) und Volker Braun (“Hinze und Kunze”). / B.Z.

Mittwoch (!), 20.30 Uhr, “Max und Moritz”, Oranienstraße 162, Eintritt: 7 Euro.

www.lauter-niemand.de

54. „Wenn wir zweifelnde Menschen erziehen könnten”

Von Sonnenaufgängen, Nebel, Frost und Schnee, von Feuerrändern und Fragestellungen, von klaren Nächten und „immerwährendem Heimweh“ ist in den Gedichten des Gustav Januš, des im deutschen Sprachraum meistübersetzten und meistgelesenen Lyrikers slowenischer Sprache, die Rede.

Als ich zum ersten Mal Verse von ihm in dem von Handke übersetzten Band „Gedichte“ der Reihe „Bibliothek Suhrkamp“ las, war ich überrascht. Zum einen enthielt das Buch fast satirische, auf eine Pointe hin geschriebene Gedichte. Zum anderen aber von Zweifeln und Fragen über das Sein geleitete, von den stillen Regungen der Seele durchwobene Texte, die dem, was Handke in seiner Petrarca-Preisrede auf Januš formulierte, viel näher kamen: dem „Absichtslosen; Willen-Losen“.

Gustav Januš als einen Naturlyriker zu begreifen, hieße ihn falsch zu verstehen. Die Natur ist im Kosmos dieses Dichters ja eigentlich Sprache geworden, eine Sprache, die es ermöglicht, Innenbilder aufleuchten zu lassen und Erkenntisse über ihn und die Welt zu präzisieren. Der Schriftsteller Arnold Stadler befand, alle „Aussagesätze und Verse“ im Werk Gustav Januš`seien „Existenzbeweise“ und zitiert als Beispiel den Satz „Die Zugvögel sind wieder da.“ Stadler: „Eine Art cogito, ergo sum – Die Zugvögel sind da. Also bin ich auch da.“ …

„Kalkberge, Hügel, Täler, Steine; ihre Strukturen, Spuren, Zeichen, Farben“, so hat Gustav Januš eimal gesagt, seien die Elemente, aus denen er seine Bilder im Gleichgewicht von Vitalität und Ruhe zu entwickeln versuche. Es ist  spannend zu sehen, wie Bilder und Gedichte bei ihm aufeinander antworten, obgleich beides auch für sich stehen kann und muß. In Bildern und Gedichten, so Januš, suche er „nach Zuständen oder Orten, die vorher nicht da waren.“

Alltägliches und Transzendentes und ein wacher Sinn für die uns umgebende Natur gehören bei diesem Dichter zusammen: „Mein Ideal ist der zweifelnde Mensch“, sagt der ehemalige Volksschullehrer. „Wenn wir zweifelnde Menschen erziehen könnten – das wäre eine große Aufgabe.“

/ Volker Sielaff, Dresdner Neueste Nachrichten  9.6.

Gustav Januš ist am 15. Juni, 20 Uhr, in der Reihe „Literarische Alphabete“ des Literaturforum Dresden in der Sächsischen Akademie der Künste zu Gast. In Zusammenarbeit mit der Sächsischen Akademie der Künste.


55. Dankesrede von Arnold Stadler zur Verleihung des Hebelpreises

Arnold Stadler ist ein würdiger, geradezu idealer Hebelpreisträger im Jubiläumsjahr, schreibt die FAZ. Auch ist der Preis wohl ein würdigerer Preis als mancher andere, für die Zeitung; denn sie druckt die Dankrede ab, in der er über vieles plaudert und auch einige Sentenzen gibt wie diese: “Der Mensch ist unterwegs, von hier nach dort, vom Leben zum Tod. Aber unterwegs ist es auch schön.”