Getagged: Amir Shaheen

116. FIXPOETRY stellt Beyoglu Blues, Gedichte von Gerrit Wustmann vor

Lesung Beyoglu Blues

Sonntag, 27. Februar · 19:30 – 22:00

Bühne der Kulturen, Arkadas Theater, Platenstr.32, Köln-Ehrenfeld

FIXPOETRY stellt Beyoglu Blues, Gedichte von Gerrit Wustmann vor.

Deutsch-Türkische Lesung mit Gerrit Wustmann und Oya Erdogan. Außerdem lesen Andrea Karimé, Frank Milautzcki und Amir Shaheen. Moderation:Julietta Fix, Musik: Thomas Lebioda.

Vgl. hier

88. Lesehilfe

Ohne eine Zeile, die überraschend den Verstand durchzuckt und etwas aufblitzen lässt, das man so bisher nie zu sehen wagte, braucht man mit dem Lesen von Gedichten gar nicht erst anzufangen. Das gilt für Hölderlin wie für Gottfried Benn, aber auch für einen jungen Berliner Lyriker wie Steffen Popp. „Tannen im Grenzland, sie brüllten /wie eine Herde, im Sperrdraht“ schreibt er etwa über eine Nachtlandschaft, und schon betritt man „freies Feld, urweltlich ragte / unter dem Mond eine Garage / ein Zwergwürfel, unversöhnt“. Das Leseerlebnis beginnt mit einer Faszination – und es kehrt nach allen Etappen dessen, was man Verstehen nennt, im besten Fall wieder zu ihr zurück: Was Gedichte sagen, sagen sie nur, indem sie Gedichte sind.

Auf dem Weg dazwischen aber sind Erklärungen hilfreich. Zwei Dutzend poetologische Selbstauskünfte zu zeitgenössischen Gedichten hat Thomas Geiger in seiner Anthologie „Laute Verse“ versammelt. Ihr jeweiliger Ehrgeiz, von der autobiografischen Rahmung über die Materialanalyse bis zur Prosaparaphrase, ist so unterschiedlich wie der lyrische Ton, dem die beteiligten Autoren verpflichtet sind, wie ausführliche Werksproben beweisen.

Thomas Kling, Jahrgang 1957, den ältesten – und früh verstorbenen – Dichter, verbindet fast nichts mit der Jüngsten, der 1982 geborenen Nora Bossong. Vielleicht könnten sie sich dennoch auf einen Satz von Max Bense einigen, den Ulf Stolterfoht für „unangreifbar“ hält: „Literatur ist Sprache in einem unwahrscheinlichen Zustand.“ Was daraus folgt, nimmt in Stolterfohts ganz dem Eigensinn von Wörtern und Wortpartikeln gehorchender Sprache ganz andere Formen an als bei der mit erzählenden Elementen spielenden Bossong. Die Schönheit des perfekten Gedichts, erläutert er, vereine maximale Ordnung und Unordnung. Sie zeigt sich für ihn in einem Text, „in dem jedes seiner Glieder mit jedem anderen auf jede erdenkliche Weise verbunden wäre; ein so dichtes Geflecht, dass der ursprüngliche Text hinter einem schwarzen Gitter aus sich kreuzenden Bezügen verschwände – Struktur pur.“ So leuchten einem auch Stolterfohts sonst erst einmal gar nicht einleuchtende Gedichte ein. „Laute Verse“ bietet wertvolle Lesehilfe: Für die junge Lyrik hat es das so bisher nicht gegeben.**

/ Gregor Dotzauer, Tagesspiegel 13.12.2

**) Wirklich nicht? Wie schade! – Ich verweise auf die Anthologie “An Deutschland gedacht”, in der zahlreiche jüngere und auch ältere Autoren mit Text und Selbstkommentar vertreten sind, von den jüngeren nach Thomas Geigers Maßstab (außer Thomas Kling und Kathrin Schmidt, 1957 und 1958, sind alle bei ihm vertretenen Autoren in den 60er und 70er Jahren geboren, nur Nora Bossong jünger, 1982: also jung U 50): Melanie Arzenheimer, Peter Brings, Stephan Brings, Jürgen Brôcan, Uwe Claus, Crauss, Volker Demuth, Alex Dreppec, Ansgar Eyl, Tobias Falberg, Karin Fellner, Anke Glasmacher, Dieter M. Gräf, Stefan Heuer, Marc Hieronimus, Norbert Hummelt. Adrian Kasnitz, Christian Kreis, Stan Lafleur, Anton G. Leitner, Swantje Lichtenstein, Vesna Lubina, Hartwig Mauritz, Frank Milautzcki, Andreas Noga, Lothar Quinkenstein, Heinz Ratz, Arne Rautenberg, Bertram Reinecke, Jan Röhnert, Marcus Roloff, Sabine Römmer, Angela Sanmann, Walle Sayer, Frank Schablewski, Amir Shaheen, Rainer Stolz, Olaf Velte, Achim Wagner, Christoph Wenzel, Ron Winkler, Gerrit Wustmann.

Alle zu vernachlässigen? Wohl kaum. Von einigen werden wir sicher noch hören! Wer weiß schon genau, von welchen? Also empfehle ich neugierigen Lesern und Kritikern,  beide Anthologien supplementär zu benutzen. Lesestoff und Lesehilfe!

Und in Norbert Hummelts Anthologie “Quellenkunde” findet man poetologische Statements unter dem Quellenaspekt von durchweg jüngeren Autoren aus beiden “Listen” vereint. Voilà: ein Grenzüberschreiter! Denn, Zufall oder nicht, tatsächlich gibt es keine einzige Überschneidung zwischen den Anthologien von Geiger und Kutsch. Any idea?

Thomas Geiger (Hg.): Laute Verse.
Gedichte aus der Gegenwart. dtv, München 2009.
360 Seiten, 14,90 €.

163. „Tage der Poesie“ in Würselen: Dichtung in vielen Facetten

Deutschlandweite Premiere des „Deutschen Lyrikkalenders 2010“ zum Auftakt des Festivals am 6. November

Zum mittlerweile neunten Mal öffnet das Kulturzentrum „Altes Rathaus Würselen“ (Kaiserstraße 36, 52146 Würselen) in diesen Wochen seine Pforten für die „Tage der Poesie“. Die seit 2001 alljährlich wiederkehrende Veranstaltungsreihe genießt inzwischen weit überregionales Ansehen. Und dies mit gutem Grund, wie auch das in der kommenden Woche beginnende Programm zeigt: Zahlreiche bemerkenswerte Autoren konnten für die Lesungen verpflichtet werden, sodass sich Kulturfreunde auf ein besonderes Literaturvergnügen freuen dürfen.

Den Auftakt bildet auch in diesem Jahr eine bundesweite Literatur-Premiere, die, wie bereits in den letzten beiden Jahren, große Beachtung finden dürfte. Der „Deutsche Lyrikkalender 2010“ wird in der Eröffnungs-Lesung am Freitag, 6. 11, 20 Uhr, erstmals öffentlich einem Publikum vorgestellt. Auch die jüngste Ausgabe des Kalenders enthält wieder eine bemerkenswerte Auswahl deutschsprachiger Poesie aller Epochen: ein Spektrum, das kreuz und quer durch die Jahrhunderte von Rose Ausländer bis zu Walther von der Vogelweide und von Bettina von Arnim bis zu Uljana Wolf führt. Heiteres ist dabei so wenig ausgespart wie die poetische Tiefgründigkeit. An diesem Premiere-Abend werden mit Manfred Enzensperger, Klára Hurková, Hartwig Mauritz, Frank Milautzcki, Frank Schablewski, Christoph Wenzel u.a. renommierte Dichterinnen und Dichter, die in der neuen Ausgabe selbst vertreten sind, neben den eigenen Versen ihre ganz persönliche Gedicht-Auswahl aus dem Kalender lesen, sodass diese Veranstaltung ein ganz besonderes, unverwechselbares „Best-of“ deutscher Dichtung bieten wird – sozusagen aus erster Hand.

Die zweite Lesung des diesjährigen Festivals ist der internationalen Literatur gewidmet: Mit Youssuf Amine Elalamy konnte für Sonntag, den 22.11. (20 Uhr) ein nordafrikanischer Autor verpflichtet werden, der mit seinem preisgekrönten Roman „Gestrandet“ zurzeit auf Lesereise durch Deutschland ist.  Nachdem das Werk, das eindringlich vom Schicksal afrikanischer Flüchtlinge erzählt, zunächst in seinem Heimatland für Furore sorgte und sein Autor damit zum neuen Stern der nordafrikanischen Literatur avancierte, hat nunmehr auch die deutsche Übersetzung für einiges Aufsehen in den Feuilletons gesorgt. Bei der Würselener Lesung präsentiert der Autor den französischen Originaltext, während die deutsche Übersetzung von Donata Kinzelbach, der deutschen Verlegerin des Romans, gelesen wird.

Weiter geht es am Samstag,  5. Dezember, 20 Uhr,  mit einer Lesung, die den „Jahrestagen großer deutscher Dichter“ gewidmet ist. Am darauffolgenden Sonntag,  6. 12. , 20 Uhr, liest die in Berlin lebende Lyrikerin Rosemarie Zens aus ihren Werken. – Am Freitag, 11.12., 20 Uhr, folgt eine Lesung mit den Lyrikern Jürgen Nendza, Amir Shaheen und Gerrit Wustmann, die die jüngst erschienene und poetisch sehr reichhaltige Anthologie „Versnetze_zwei“ präsentieren. Dabei wird auch der Herausgeber, Axel Kutsch, mitwirken.

Zum Abschluss der diesjährigen „Tage der Poesie“ wird am Samstag, 12.12., 20 Uhr, Norbert Scheuer aus seinem Roman „Überm Rauschen“ lesen. Spätestens seit der in diesem Jahr erfolgten Nominierung zum „Deutschen Buchpreis“ darf Scheuer zu den vorzüglichsten Erzählern der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur gezählt werden.  Die Lesung wird musikalisch kongenial begleitet durch den virtuosen Multi-Instrumentalisten Harald Claßen, sodass die Besucher an diesem Abend ein literarisch-musikalisches Gesamtkunstwerk in höchst sinnlicher Qualität genießen können.

Literatur in vielen Facetten bietet also das diesjährige Programm, das wie in jedem Jahr von dem Lyriker und Prosa-Autor Christoph Leisten organisiert wird. Nicht nur bei Freunden der Lyrik dürfte das Programm auf großes Interesse stoßen: Auch der poetischen Erzählkunst wird ein gebührlicher Raum gewährt.

Der Eintritt zu alles Veranstaltungen ist frei; um einen freiwilligen Kostenbeitrag wird gebeten. – Das Gesamtprogramm der „Tage der Poesie“ ist detailliert im Internet anzusehen: www.tage-der-poesie.de.  Weiterführende Informationen auf Anfrage: info@christoph-leisten.de