Getagged: Alfred Kolleritsch
95. Petrarcapreis für Adonis und Robertson
Der 1930 in Syrien geborene, in Paris lebende Dichter und Essayist Adonis (Pseuonym für Ali Ahmad Said) und der 1955 in Schottland geborene, in London lebende Dichter Robin Robertson erhalten im Juni den Petrarca-Preis. Die Auszeichnung ist mit 20.000 Euro dotiert und wird auf die beiden Gewinner aufgeteilt.
Adonis, Träger des Goethe-Preises der Stadt Frankfurt und Fellow des Wissenschaftskollegs in Berlin, ist der bekannteste arabische Dichter der Gegenwart. Seine strikte Verurteilung der Dogmatisierung der arabischen Kultur hat er in dem Satz zusammengefasst: „Ich kann nicht an einer Revolution teilnehmen, die aus den Moscheen kommt.“ Von Adonis sind zuletzt die Bücher Von der Dichtung zur Revolution (Fischer 2013) und die Liebesgedichte Der Wald der Liebe in uns (Jung und Jung 2013) erschienen.
Von Robin Robertson ist soeben eine von Jan Wagner übersetzte Sammlung von Gedichten im Lyrik Kabinett (Hanser 2013) unter dem Titel Am Robbenkap erschienen. (…)
Der Preis wurde von Hubert Burda gestiftet, der Jury gehören Peter Hamm, Peter Handke, Alfred Kolleritsch und Michael Krüger an.
71. Nicht verstörend
Für den Dichter Alfred Kolleritsch hat das Fragment nichts Verstörendes. Kein Trümmerhaufen und keine verlorene Welt verdüstern den Horizont. Vielmehr wird für Kolleritsch erst so – im «Geheimnis der Zerklüftung», in der «zersprungenen Welt» – Ding an Ding erfahrbar, und die Erscheinungen «ringen nach Namen».
Wer die Sprache so wage, notiert Alfred Kolleritsch einmal, «dass sie sich im Gedicht verkriecht, / bringt ein Stück Welt zurück». Und er bringt nicht nur die Welt zurück, sondern rettet auch noch das Schweigen, jenes Unsagbare, das Kolleritsch immer wichtig ist. Nach einer langen Krankheit kehrt der Doyen der österreichischen Literatur nun in das «Gebirge des Möglichen» zurück, das für ihn die Welt ist. / Nico Bleutge, NZZ 16.4.
Alfred Kolleritsch: Es gibt den ungeheuren «Anderen». Gedichte. Literaturverlag Droschl, Graz 2013. 80 S., Fr. 27.90.
25. Neuer Kolleritsch
Seit mehr als 50 Jahren steht der steirische Autor Alfred Kolleritsch für das Experiment. Jetzt hat der 81-Jährige den Lyrikband “Es gibt den ungeheueren Anderen” herausgebracht. Mehr im ORF-Video*
*) Wäre eine solche Nachricht in irgendeiner ARDZDF-Station denkbar – außer Grass hat ein neues politisches Gedicht an die Uno geschickt?
86. Elke Erb erhält Ernst-Jandl-Preis für Lyrik 2013
Die deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin Elke Erb wird dieses Jahr mit dem Ernst-Jandl-Preis für Lyrik ausgezeichnet. Wie Kulturministerin Claudia Schmied heute, Donnerstag, in einer Aussendung mitteilte, wird die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung der Autorin am 15. Juni im Rahmen der Ernst-Jandl-Lyriktage in Neuberg an der Mürz überreicht.
Für Schmied gehört Erb “seit geraumer Zeit zu den bedeutenden Stimmen der deutschsprachigen Lyrik. Ihre Texte fordern uns dazu auf, uns vorbehaltlos zu öffnen und uns auf ihre sensible, ästhetische, souveräne, oft mehrdeutige Sprache einzulassen.” Der Preis wird Erb für ihr lyrisches Gesamtwerk verliehen, mit dem sie “uns die unendliche Vielfalt von Welt und Sprache” vermittle, so die Ministerin weiter. Die Jury bezeichnete Erbs Lyrik als “ein Schreiben an der Welt entlang, ein offener Prozess, in dem die Formen der Wahrnehmung ebenso überprüft werden wie ihre sprachlichen Mittel”.
Elke Erb wurde 1938 in Scherbach (Eifel) geboren und studierte in Halle Germanistik, Slawistik, Geschichte und Pädagogik. Nach ihrem Lehrerexamen arbeitete sie beim Mitteldeutschen Verlag als Lektorin und ab 1966 als freiberufliche Autorin. Neben regelmäßigen Veröffentlichungen von Kurzprosa, Lyrik und prozessualen Texten machte sich Erb auch als Übersetzerin und Nachdichterin russischer Poesie einen Namen. Seit dem Mai des Vorjahres ist sie auch Mitglied der Akademie der Künste in Berlin.
Der Ernst-Jandl-Preis für Lyrik wurde nach dem Tod des Autors und Dichters im Jahr 2000 initiiert und wird seit 2001 im Zweijahresrhythmus vergeben. Die Auswahl trifft eine fünfköpfige Fachjury, der aktuell Paul Jandl, Alfred Kolleritsch, Friederike Mayröcker, Thomas Poiss und Klaus Reichert angehören. Vor zwei Jahren ging der Preis an Peter Waterhouse.
46. Mehr als ein gutes Dutzend. Lyrik 2011 (3)
Anthologie ∙ Einzeltitel ∙ Essayband ∙ Zeitschrift
Wird in den nächsten 4 Tagen in alphabetischer Folge ergänzt. Nachträge der Leser sind durchaus erwünscht und erbeten und können hier als Kommentar eingetragen werden. (Bitte erst unter dem jeweiligen Buchstaben eintragen, hier also nur Ha – Kr – Die ergänzten Titel werden in die Liste übernommen, in den Kommentaren können Sie nachlesen, was unserm geballten Sachverstand entgangen war, M.G.)
- Ulla Hahn · Wiederworte, 192 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2011.
- Dirk Uwe Hansen: Sirenen. Gedichte (Grillenfänger 24). Udo Degener Verlag Potsdam, 44 S.
- Walter Hasenclever · Der Jüngling (edition grillenfänger 23). 52 Seiten, Broschüre, Klammerheftung, Potsdam, udo degener verlag 2011. F
- Seamus Heaney · Die Amsel von Glanmore. Gedichte 1965 – 2006, zweisprachige Ausgabe, herausgegeben von Michael Krüger, 430 Seiten, Broschur, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2011.
- Andreas Heidtmann (Hg.), poet. Literaturmagazin, 11. Ausgabe: Gedichte · Gedichtkommentare · Prosa · Gespräche · Reportagen · Illustrationen, mit Gedichten von Uwe Kolbe, Franz Hodjak, Christian Schloyer, Dirk von Petersdorff, Martina Weber, Manfred Enzensperger, Thilo Krause, Sascha Kokot, Tim Holland, Peggy Neidel, Anne Dorn, Felix Philipp Ingold, Theo Breuer, Augusta Laar, Max Czollek, Tina Ilse Maria Gintrowski, Jörg Bernig, Ulrich Koch, Michael Speier, Adolf Endler, Steffen Popp, Ulrich Koch, Dirk von Petersdorff, Levin Westermann, Elisabeth Langgässer, Kerstin Preiwuss, Harald Hartung, Ulrike Almut Sandig, Norbert Lange, Nadja Küchenmeister, Clemens Eich, Michael Speier, Volker Sielaff, Vorwort des Herausgebers, 297 Seiten, Klappenbroschur, poetenladen Verlag, Leipzig 2011.
- Hel ToussainT: Nachbarin Dimitrowa. (Schock Edition Fünf mal zwölf Gedichte Herausgegeben von Kai Pohl)
- Axel Helbig (Hg.) · Ostragehege. Die literarische Arena, 62. Ausgabe, Zeitschrift für Literatur und Kunst, mit Gedichten von Thomas Böhme, Kerstin Hensel, Daniela Seel u.a., 76 Seiten, Broschur, Literarische Arena e. V., Dresden 2011.
- Angelika Hentschel: Unerhörte Zeiten. Esslingen: Civitas Imperii Verlag 2011.
- Rolf Hermann ∙ Kurze Chronik einer Bruchlandung, 101 Seiten, Klappenbroschur, Verlag X-Time, Bern 2011.
- Rainer Hesse ∙ Sternenlicht und unberührter Schnee, 112 Seiten, Broschur, Lyrikedition 2000 · Allitera Verlag, München 2011.
- Fermín Higuera ∙ Ich möchte ans Meer gehen – Yo quiero ir al mar. Gedichte 1982-2006. [zweisprachig]. Aus dem Spanischen von Juana und Tobias Burghardt. 179 Seiten, broschiert, Edition Delta, Stuttgart 2011.
- Michael Hillen · Beschattete Erinnerungen, 36 Seiten, geheftete Broschur, Silver Horse Edition, Marklkofen 2011.
- Herbert Hindringer ∙ Judith Sombray ∙ Nähekurs, 48 Seiten, Broschur, fixpoetry.Verlag, Hamburg 2011.
- Hadayatullah Hübsch: Das Vergessen ist die Mutter der Verwahrlosung. Gedichte, mit Linolschnitten von Frank Wildenhahn (Frontispiz, signiert / Umschlag)Vorbemerkung: Hendrik Liersch (signiert). 56 Seiten, 100 Exemplare, Handsatz (Texte) und Maschinensatz(Vorbemerkung), ISBN 978-3-942280-12-9. 16,-
- hochroth Nr. 3, Herausgegeben von G. H. H. Beiträge von Walter Famler, Joachim Sartorius, Caspar Wündrich, Benoît Gréan, Gert Pehling, René Haddad, Ilarie Voronca, Piet de Moor, A. S. J. Tessimond. hochroth Verlag 2011.
- Robert Hodel (Hg.): Hundert Gramm Seele. Deset deka duše. Serbische Poesie aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hg. u. übertragen von Robert Hodel. Leipziger Literaturverlag 2011. 316 S.
- Florian Höllerer (Hg.): Ulf Stolterfoht: handapparat heslach. Quellen, Dokumente und Materialien. roughbook 018. Berlin, Rettenegg, Stuttgart und Solothurn, November 2011. 32 S.
- Georg Hoprich ∙ Bäuchlings legt sich der Himmel, Nachwort von Bertram Reinecke, 101 Seiten, Broschur, Verlag Reinecke & Voß, Leipzig 2011.
- Horn, Hans: Niemand zahlt mir ein Bier. (Schock Edition Fünf mal zwölf Gedichte Herausgegeben von Kai Pohl)
- Horn, Katja: Abseitsmoral. (Schock Edition Fünf mal zwölf Gedichte Herausgegeben von Kai Pohl)
- Norbert Hummelt · Pans Stunde, 91 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Luchterhand Literaturverlag, München 2011.
- Laura (Riding) Jackson, Christian Filips und Monika Rinck: PARA-Riding. roughbook 015, Berlin und Solothurn, September 2011. 190 S.
- Franz Janowitz · Auf der Erde. Gedichte (edition grillenfänger 28). 56 Seiten, Broschüre, Klammerheftung, Potsdam, udo degener verlag 2011.
- Mathias Jeschke: Das Gebet der Ziege. Mit einem Nachwort von Arne Rautenberg. 80 S., Klapenbroschur, 14,90 EUR (= Blaue Reihe, Bd. 5).
- Nina Russo Karcher • Manchmal berührt mich das Dunkel, zweisprachige Ausgabe, ins Italienische übertragen von Fausto Romanato, Vorwort von Sonja Viola Senghaus, 186 Seiten, Broschur, Pop Verlag, Ludwigsburg 2011.
- Adrian Kasnitz, Schrumpfende Städte, luxbooks 2011.
- Sebastian Kleinschmidt (Hg.): Sinn und Form 63. Jh. H. 6/ 2011. Adam Zagajewski: Ich kann keine Erinnerung an Czesław Miłosz schreiben. Angela Krauss: Das im Leben verborgene Gedicht. Michael Mertes über John Donne. Igor Pomeranzew: Gespräch mit Joseph Brodsky über John Donne. Gespräch mit Richard Wagner. Gedichte von Esther Kinsky, John Donne, Joseph Brodsky.
- Heinrich von Kleist. Poesiealbum 296. Hg. Richard Pietraß, Auswahl Arno Pielenz, Grafik Josef Hegenbarth. Märkischer Verlag Wilhelmshorst 2011. 30 S.
- Thomas Kling, „Das brennende Archiv“, Unveröffentlichte Gedichte, Briefe, Handschriften und Photos aus dem Nachlaß sowie zu Lebzeiten entlegen publizierte Gedichte, Essays und Gespräche, zusammengestellt von Norbert Wehr und Ute Langanky, Schreibheft. Zeitschrift für Literatur, Nr. 76, Februar 2011
- Hubert Klöpfer (Hg.) · Wetzstein Gedichtekalender 2012, faksimilierte Abschriften des Autographen Thomas Bader mit Gedichten von Ingeborg Bachmann, ∙ Bertolt Brecht, ∙ Joseph von Eichendorff, ∙ Marie von Ebner-Eschenbach, ∙ Theodor Fontane, ∙ Stefan George, ∙ Johann Wolfgang von Goethe, ∙ Heinrich Heine, ∙ Hermann Hesse, ∙ Friedrich Hölderlin, ∙ Christoph Meckel, ∙ Conrad Ferdinand Meyer, ∙ Rainer Maria Rilke, ∙ Theodor Storm ∙ Georg Trakl, 24 Blätter, 24 x 45 cm, Ringbindung, Klöpfer & Meyer, Tübingen 2011.
- Synke Köhler, waldoffen, 73 Seiten, Broschur, Lyrikedition 2000 · Allitera Verlag, München 2011.
- Ko Un: Blüten des Augenblicks. Übersetzt von Hans-Jürgen Zaborowski. Suhrkamp. 154 Seiten.
- Alfred Kolleritsch, Günter Waldorf (Hg.): manskripte, Zeitschrift für Literatur. Nr. 194/ Dezember 2011, 154 S. Lyrik von Ronald Pohl, Marcus Pöttler, Elke Erb, Walle Sayer, Willi Hengstler. Prosa von Yoko Tawada, Elfriede Jelinek u.v.a. Essays von Klaus Hoffer, Jürg Laederach, Andreas Unterweger, Klaus Peter Dencker.
- Thomas Kraft (Hg.): Rock Lyrik. Mit Konzertfotografien von Helmut Ölschlegel. München: dtv 2011. 128 Seiten. Gedichte von Marcel Beyer, Friedrich Ani, Helmut Krausser, Lydia Daher u.v.a.
- Erika Kronabitter (Hg.): Feldkircher Lyrikpreis 2011. Gedichte. 150 Seiten. edition art science, St. Wolfgang. Reihe: Lyrik der Gegenwart, Band 14.
- Jürgen Kross ∙ unverwandt, 109 Seiten, Broschur, Brandes & Apsel, Frankfurt am Main 2011.
61. Grazer Geist
Die manuskripte sind nun schon seit fünfzig Jahren ein immerwährendes Mirakel aus Graz. So großzügig, wie die Seiten aufgemacht sind, die sich als Kladde zum Stöbern und Hängenbleiben präsentieren, wirkt auch das Feld, das darin über das konkrete Umfeld der österreichischen Sprachkritik und Sprachreflexion hinaus eröffnet wird – seit 1960 und offenkundig über 2010 hinaus. Die ‘Marginalie’ des Herausgebers Alfred Kolleritsch, die den zum Jubiläum erschienenen Doppelband eröffnet, ist von weiser Lakonie und lässt das Lebenswerk für sich selbst sprechen. Lyrik, Essay, Theater – in den aus allen Nähten platzenden Jubiläumsbänden sind insgesamt 145 Autoren versammelt, die Grazer Geist verkörpern, auch wenn sie oft ganz woanders leben (bevorzugt im so ganz anderen Berlin). Sie definieren das Programm der Zeitschrift, das es ausformuliert gar nicht gibt. / HELMUT BÖTTIGER, Süddeutsche Zeitung
Auch schön (eher in Graz als Berlin denkbar):
Es gibt die Klassiker wie Urs Allemann, Günter Brus, Barbara Frischmuth, Elfriede Jelinek, Friederike Mayröcker, Michael Scharang, Peter Turrini…
manuskripte. Zeitschrift für Literatur 189/190. Graz 2010. 2 Bände, 675 Seiten, 24,90 Euro.
110. Alfred Kolleritsch 80
Zum Glück für die deutschsprachige Literatur der Nachkriegszeit gab es nicht nur die ‘Gruppe 47′ mit ihren Großwesiren. ‘Graz, Stadtpark 1′ hieß seit dem Ausgang der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts und für lange Zeit die erste Adresse der jüngeren deutschsprachigen Literatur, bekannt auch als deren ‘Genie-Ecke’. In dieser Grenzregion, wo eine Peripherie an die andere stößt, mit Reibungszonen, die selbst jeden Vers konkreter Poesie zum umkämpften Politikum machten, hier wollte man Avantgarde sein, hier war man einer experimentellen Literatursprache verpflichtet, und anders als in Berlin, München oder Wanne-Eickel wäre hier auch niemand auf die Idee gekommen, so zu schreiben wie ihm der Schnabel gewachsen ist.
Das alles begann mit der ‘Revolution im Stadtpark’ und Alfred Kolleritsch, der heute achtzig Jahre alt oder besser – wovon seine wasserklaren, klugen und neugierigen Augen zeugen – jung wird, war ihr Prophet. / VOLKER BREIDECKER, Süddeutsche Zeitung 16.2.
‘Das schönste Fremde ist bei dir.’ (Alfred Kolleritsch zum 80. Geburtstag, hrsg. von Andrea Stift und Andreas Unterweger, Literaturverlag Droschl, Graz/Wien 2011, 192 Seiten, 25 Euro.)
24. Dichterfeier in Graz
Mit einem Fest im Schauspielhaus und in der Aula der Alten Universität ist am Samstag in Graz das 50-Jahr-Jubiläum der Literaturzeitschrift “manuskripte” gefeiert worden. Rund 500 Gratulanten aus Kunst und Politik waren dabei.
Über 150 Persönlichkeiten aus dem Literaturbetrieb waren gekommen, um Herausgeber Alfred Kolleritsch zu seinem Lebenswerk zu gratulieren. / orf
13. Autorentreffen zu 50 Jahren “manuskripte”
Der Schriftsteller Alfred Kolleritsch, Mitbegründer des Forum Stadtpark in Graz, sprach mit Thomas Trenkler über die Literaturzeitschrift “manuskripte”, die er seit 50 Jahren herausgibt.
Standard: Am Samstag werden mehr als 140 Autoren beim Festakt im Grazer Schauspielhaus dabei sein. Ein derart großes Autorentreffen gab es noch nie, oder?
Kolleritsch: Es war etwas verwegen von mir, alle wichtigen Autoren, die im Laufe der letzten 50 Jahre in denmanuskripten publiziert haben, einzuladen. Das Erfreuliche – und gleichzeitig Erschreckende – ist, dass fast alle zugesagt haben. Peter Handke kommt mit Hubert Burda, Ulla Berkéwicz kommt, Robert Menasse, auch Peter Turrini. Eine bunte Fülle. Die Jelinek kommt nicht, sie hat aber einen schönen Text geschickt.
118. “Manuskripte” 50 Jahre
Das erste Heft der “manuskripte” erschien am 4. November 1960 zur Eröffnung des Forum Stadtpark, mit dem die Zeitschrift lange Zeit auf organisatorischer wie auf ideeller Ebene verbunden war. Ein hektografiertes Heft, 15 Blätter in einer Auflage von 100 Stück, Preis drei Schilling, ausschließlich Lyrik beinhaltend. Der Titel “manuskripte” war programmatisch: Es wurden fast nur unveröffentlichte literarische Texte abgedruckt, Essays und kulturpolitische Artikel waren Mangelware, Rezensionen gab es nicht.
Blickt man auf die 188 bisher erschienenen Nummern der Zeitschrift zurück, so entfaltet sich eine deutschsprachige Literaturgeschichte en miniature. Bereits in der zweiten Nummer veröffentlichte Kolleritsch Texte der Vertreter der “Wiener Gruppe”, die in den “manuskripten” eines ihrer wichtigsten Veröffentlichungsorgane hatten. Auch Ernst Jandl und Friederike Mayröcker debütierten Anfang der 1960er Jahre in der Zeitschrift. Kolleritsch räumte aber nicht nur der österreichischen Avantgarde einen für sie überlebensnotwendigen Platz ein, sondern bemühte sich auch, ausländische Literaturen zu vermitteln. Schwerpunkte in den frühen Heften waren etwa (von Heimito von Doderer) vermittelte estnische Lyrik, tschechische Experimentalpoesie, brasilianische konkrete Literatur ( Noigandres ) oder Literatur der Stuttgarter Gruppe. / Peter Landerl, Wiener Zeitung