Lyrikzeitung & Poetry News

16. Mai 2012

48. Reina Sofía für Cardenal

Einsortiert unter: Nikaragua, Spanisch — Schlagworte: , , — lyrikzeitung @ 19:30

Der 87jährige Dichter Ernesto Cardenal erhält den diesjährigen Premio Reina Sofía (Königin-Sofía-Preis) für Iberoamerikanische Literatur. Der Preis wird seit 21 Jahren vergeben – jetzt zum ersten Mal an einen Nikaraguaner. Er ist mit 42.000 € dotiert und soll das poetische Werk eines lebenden Autors auszeichnen, das durch seinen literarischen Wert eine bedeutende Bereicherung des kulturellen Erbes Lateinamerikas und Spaniens darstellt.

Der Botschafter Spaniens in Nikaragua, León de la Torre Krais, würdigte den berühmten Dichter bei einem intimen Empfang  mit Freunden und Mitgliedern des Internationalen Poesiefestivals Granada (Nikaragua). Cardenal sagte: “Dieser Preis bedeutet mir viel. Ich wurde fast nie ausgezeichnet, der einzige internationale Poesiepreis, den ich erhielt, war der chilenische Pablo-Neruda-Preis, den mir die damalige Präsidentin Michelle Bachelet überreichte”. / El nuevo diario

13. Mai 2012

39. Lorca-Schriften aufgetaucht

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In Spanien sind bislang unbekannte Schriften des Dichters Federico García Lorca (1898-1936) entdeckt worden. Dazu gehört auch der möglicherweise letzte Liebesbrief, den der Autor vor seinem Tod geschrieben hatte. Wie die Zeitung «El País» am Samstag berichtete, wurden die Schriften im Nachlass des Kunstsammlers und -kritikers Juan Ramírez de Lucas (1917-2010) gefunden, der als junger Student mit dem Poeten eine Liebesbeziehung unterhalten hatte. …

Der irische Hispanist und Lorca-Biograf Ian Gibson plädierte dafür, die jetzt entdeckten Schriften möglichst bald zu veröffentlichen. Der dreiseitige, handgeschriebene Liebesbrief beginnt nach Angaben der Zeitung mit der Anrede: «Mein geliebter Juanito.» Er endet mit den Worten: «Mit Liebe von dieser Pausbacke, die Dich so sehr mag.» / Spaniens Allgemeine Zeitung

Die Identität des Liebhabers, dem Federico García Lorca in den letzten Jahren seines Lebens leidenschaftliche Gedichte schrieb, war bisher geheim. Jetzt wurde bekannt, daß der Kunstkritiker Juan Ramírez de Lucas in einer Schachtel Zeugnisse ihrer jahrelangen leidenschaftlichen Beziehung aufbewahrte, darunter ein bisher unbekanntes Gedicht und ein Tagebuch. Er gab die Schachtel seiner Schwester kurz vor seinem Tod 2010.

Aus den Dokumenten geht hervor, daß Lorca und der 19jährige Ramírez de Lucas gemeinsam nach Mexiko gehen wollten. Aber die Eltern des Studenten verweigerten die Zustimmung und drohten Lorca mit der Polizei.

Deshalb ging er nach Albacete, um mit ihnen zu reden, und Lorca ging nach Granada, wo einige Tage später Francos Truppen einmarschierten. Im August 1936 wurde er erschossen.

Unter den Dokumenten ist ein Brief Lorcas, in dem er den Freund zu Geduld mahnt und ihn auffordert, nicht mit seiner Familie zu brechen, sondern “politisch” zu sein. Der Brief ist in der spanischen Zeitung El País abgedruckt.

Das handschriftliche Gedicht beschreibt die hoffnungslose Anziehung zum “blonden jungen Mann aus Albacete”. / Giles Tremlett in Madrid , Guardian 10.5.

9. Mai 2012

26. Lyrik bei literaturkritik.de

ungewöhnlich viel lyrik- bzw. gedichtbezogenes kündigt literaturkritik.de in der aktuellen woche an: gleich sieben titel/beiträge (nicht nur dank grass) gegenüber null bis eins im regelfall.

in literaturkritik.de sind die unten angegebenen Artikel neu erschienen. Bitte beachten Sie, dass diese zum Teil erst im Rahmen einer der nächsten Ausgaben und dort in bestimmten thematischen Zusammenhängen veröffentlicht werden. Die zur Zeit neueste Ausgabe erreichen Sie unter der Adresse:
http://www.literaturkritik.de/public/welcome.php.

Buch 07.05.2012
Friederike Mayröcker: ich sitze nur GRAUSAM da
Suhrkamp Verlag, Berlin 2012
Rezension in literaturkritik.de von Herbert Fuchs
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=16644

03.05.2012
Walter Hinderer: Politische Lyrik: Eine heikle Angelegenheit

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=16648

[...]

Buch 02.05.2012
Felix Philipp Ingold (Hg.): “Als Gruss zu lesen”. Russische Lyrik von 2000 bis 1800. Dörlemann Verlag, Zürich 2012
Rezension in literaturkritik.de von literaturkritik.de Redaktion

http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=16596

Buch 02.05.2012
Nils Bernstein: „kennen sie mich herren / meine damen und herren”. Phraseologismen in Moderner Lyrik am Beispiel von Ernst Jandl und Nicanor Parra. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2011
Rezension in literaturkritik.de von literaturkritik.de Redaktion
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=16606

Buch 02.05.2012
George Steiner: Gedanken dichten. Essay. Suhrkamp Verlag, Berlin 2011
Rezension in literaturkritik.de von Walter Delabar
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=16612

[...]
02.05.2012
Kai Köhler: Die Moral, das Ich, die Politik und das Geistlose: Grundsätzliches zum Verhältnis von Literatur und Politik anlässlich von Günter Grass’ Gedicht „Was gesagt werden muss“
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=16647

01.05.2012
Dieter Lamping: Ein Gedicht als Skandal: „Was gesagt werden muss“ von Günter Grass – und anderen
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=16646

24. April 2012

89. Berenberg Verlag startet Lyrik-Reihe

Im August 2012 erscheint im Berliner Berenberg Verlag erstmals Lyrik. Die zweisprachige Reihe wird mit Gedichten des US-Amerikaners Jeffrey Yang und des Argentiniers Sergio Raimondi eröffnet.

„Ein angelsächsischer Verleger hat mal gesagt, ein Verlag, in dem noch nie Gedichte veröffentlicht wurden, sei eigentlich gar keiner. Den Berenberg Verlag gibt es nun schon seit fast acht Jahren. Damit er endlich auch als Verlag bezeichnet werden kann, erscheinen bei uns im Herbst zum ersten Mal zwei Bände mit Gedichten“, begründet Verleger Heinrich von Berenberg die Ergänzung des bisherigen Programms. Künftig wird pro Halbjahr ein Lyrikband in neuem Format, jedoch in gewohnt hochwertiger Ausstattung erscheinen.

Der New Yorker Dichter Jeffrey Yang buchstabiert in seinem Debüt „Ein Aquarium“ ein maritimes Alphabet. Vom Meer aus betrachtet Yang die Welt, den Menschen und seine Kulturen, Wissenschaften, Geschichten, Poesien und Religionen. „Jeffrey Yangs funkelnde Unterwasser-Revue ist das aufregendste Debüt seit Jahren“, kommentiert Eliot Weinberger. Yang ist auch als Übersetzer, u.a. von Liu Xiaobo und Bei Dao, und als Lektor bei New Directions und NYRB Classics tätig. Beatrice Faßbender hat „Ein Aquarium“ übersetzt. Im November 2012 geht Jeffrey Yang in Deutschland auf Lesereise.

Der argentinische Schriftsteller Sergio Raimondi macht in „Für ein kommentiertes Wörterbuch“ den Hafen der argentinischen Stadt Bahía Blanca zum Ausgangspunkt seiner lyrischen Erkundung der Welt. Der Hafen leiht seinen Beobachtungen und Überlegungen den Rahmen und die Motive. In einem Wörterbuch beseelter Technik und bedrohter Natur stellt sich Raimondi die Frage, wie und warum der Mensch in diesen Zeiten lebt oder leben könnte. Timo Berger hat Raimondis Gedichte ins Deutsche übertragen.

Der Berenberg Verlag wurde 2004 von Petra und Heinrich von Berenberg gegründet. Schwerpunkte des Verlages sind biographische und autobiographische Literatur und Essays sowie Bücher zur Zeitgeschichte. Seit Herbst 2010 erscheint im Verlag auch Belletristik. Im selben Jahr wurde Heinrich von Berenberg mit dem Karl-Heinz Zillmer-Preis der Hamburgischen Kulturstiftung für verdienstvolles verlegerisches Handeln ausgezeichnet.

Berenberg Verlag
www.berenberg-verlag.de

 

19. April 2012

70. ALBA erscheint

Wir erwarten Euch diesen
Freitag, 20. April, um 19.30

Café Commune, Reichenberger Straße 157, Berlin

Wir stellen die erste Nummer der deutsch-lateinamerikanischen Literaturzeitschrift vor!

Mit Julián Herbert u.a.

Musik: Nico Miquea, Martin Goldenbaum, Zé Berlin

Der Eintritt ist frei.

Flyer auf facebook.com/revista.alba

***

Erstes Heft mit Texten u.a. von Alonso Cueto, Julián Herbert, Jorge Kanese, Mariana Mariasch, Horacio Castellanos Moya, Víctor Montoya, Lina Meruane, Cristina Peri Rossi, Fernanda Trías, Raúl Zurita sowie einem Dossier zu zeitgenössischer Lyrik aus Kolumbien.

Preis: 6,80€

Herausgeber/Redaktion: Timo Berger, Rike Bolte, Jorge J. Locane, Léonce W. Lupette, Julieta Mortati, María Ignacia Schulz, Karina Theurer, Claudia Wente, Association Alba Culture Hispano-Américaine à Paris.

22. März 2012

96. Wunsch zu schreiben

Einsortiert unter: Chile, Spanisch — Schlagworte: — lyrikzeitung @ 10:04

Der Wunsch zu schreiben verfolgte Rivera Letelier. Er begann mit Lyrik, aber er hütete sich, von seinem Hobby zu sprechen: Gedichte schreiben galt als Beschäftigung für Schwule. Konsequenterweise veröffentlichte er seine Lyrik erst 15 Jahre später, nach dem Ende der Diktatur. 500 Exemplare von “Poemas y Pomadas” ließ er auf eigene Kosten drucken, und er selbst ging von Tür zu Tür, um die Bücher zu verkaufen. / orf

21. März 2012

88. Raúl Zurita in Germersheim übersetzt

Einsortiert unter: Chile, Spanisch — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 10:32

Der chilenische Dichter Raúl Zurita gehört zu den renommiertesten Vertretern der lateinamerikanischen Gegenwartsliteratur und ist dennoch in Deutschland bisher wenig bekannt. Nun ist ein neuer Gedichtband erschienen, für den Zurita rund 20 Texte ausgewählt hat, die von Studentinnen und Dozentinnen des Fachbereichs Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft (FTSK) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) ins Deutsche übersetzt worden sind. / Jura-Forum

Im Mai 2012 wird der Dichter zu einer Lesung aus dem neuen Band „Die Wasserstädte“ in Germersheim erwartet.

Zurita, Raúl: “Las ciudades de agua. Die Wasserstädte”, 2012, (zweisprachige Ausgabe, dt. u. span.), hrsg. v. Liliana Bizama Muñoz, 132 S., ISBN 978-3-86465-008-6

5. März 2012

19. Fátima Miranda – Die Pop-Diva unter den Lautpoeten

Einsortiert unter: Spanien, Spanisch — Schlagworte: , , , — lyrikzeitung @ 18:42

Fátima Miranda ist eine stimmliche Unmöglichkeit, eine klangliche Abnormalität, eine Außerirdische des Gesangs. Auf dem poesiefestival berlin präsentiert sie am 7.6.2012 zum ersten Mal in Deutschland ihr neues Programm „perVERSIONS“.
Sie entführt altbekannte Evergreens in die unendlichen Weiten ihres klanglichen Universums, moduliert sie, dreht sie durch ihren lautpoetischen Transformator und schickt sie zurück auf die Erde. Das Konzert ist in sieben Atmosphären strukturiert, die jeweils aus 3-4 Liedern bestehen. Vertraute, innige Stimmungen wechseln sich ab mit extrovertierten Songs voll kosmischer Klarheit, groteskem Humor und abgründiger Brillanz. Lou Reeds „Walk on the Wild Side“ singt Miranda im Bellcanto mit Tröte, Schubert-Lieder werden zu Walgesang – Fátima Miranda ist ein Gesamtkunstwerk
Mit auf der Bühne ist der Pianisten Miguel Ángel Alonso Mirón. Das Piano ist bei „perVERSIONS“ keine Begleitung der Stimme, sondern ein multi-klangliches Instrument und der Pianist ist Teil der Performance.

Die in Madrid lebende Vokalperformerin Fátima Miranda hat sich ein hochvirtuoses Repertoire an stimmlichen Techniken und darstellerischen Mitteln erarbeitet, die ihren Soloperformances ein unverwechselbares Gesicht geben und in vielen Zügen einzigartig sind. Miranda benutzt ihre Stimme nicht nur zum Sprechen und Singen, sondern auch wie ein Perkussions- und Blasinstrument, kombiniert östliche, westliche und selbsterfundene Gesangstechniken und verfügt über einen Stimmumfang von vier Oktaven. In ihren multimedialen Auftritten zeigen sich spanisches Erbe und Temperament sowie die Neigung zu grotesker Übertreibung und ironischer Brechung.

Das 13. poesiefestival berlin findet statt vom 1. – 9.6.2012 in der Akademie der Künste, Hanseatenweg 10. Weitere Informationen unter: www.literaturwerkstatt.org

Das poesiefestival berlin wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und findet statt in Kooperation mit der Akademie der Künste.

Do 7.6.2012, 20.00 Uhr
Fátima Miranda: perVERSIONS
Akademie der Künste,
Hanseatenweg 10, 10557 Berlin

25. Februar 2012

110. Komplex und flexibel

Einsortiert unter: Kuba, Spanisch, USA — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 11:24

José Kozers Prolog ist eine angemessene Einleitung in diese atemberaubende Serie von 64 Gedichten, die alle den gleichen Titel tragen: “Ein sechzigjähriger Mann schreibt ein Gedicht und nennt es Anima. Tage später schreibt er eins in ähnlichem Ton und nennt es Anima, da bemerkt er, daß er eine Serie von Gedichten angefangen hat, die alle den gleichen Titel haben müssen.” …

In der spanischsprechenden Welt gilt Kozer seit langem als einer der größten kubanischen Dichter seiner Generation. Er veröffebtlichte 52 Bände Lyrik und Prosa und ist der erste lebende Dichter der Diaspora, von dem ein Buch in Kuba veröffentlicht wurde.

Die Schwerverständlichkeit der Gedichte sollte den Leser nicht irritieren. Für Kozer ist schwierige Lyrik anregend: das Gedicht muß für Komplexität offen sein und flexibel genug, sie auch zu artikulieren. Statt einer klar ablesbaren Botschaft ist es ein poetischer Vorgang oder eine Reise durch verschiedene Materialien. Dies bildet die Erfahrung der Anima. Gestatte dir nicht, diese Gedichte für abstrakte symbolistische Sendschreiben zu halten; sie suchen nur die klarsten Details der Bewegung und Unmittelbarkeit der Welt:

Vermeide Aphorismen, Kozer: jedes allgemeine Gesetzt widerspricht sich selbst.
Glück ist Luft Olivenbäume blühendes Zuckerrohr (der Anblick)
Tabak in Blüten  (rauch nicht)
iß einmal am Tag. 

Stuart Cooke, The Australian

Anima
By Jose Kozer
Translated by Peter Boyle
Shearsman Books, 268pp, $35

11. Januar 2012

47. Verjährter Mord

Einsortiert unter: El Salvador, Spanisch — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 15:43

Die Mörder von Roque Dalton, einem der bedeutendsten salvadorianischen Schriftsteller, werden straflos bleiben – zumindest in ihrer Heimat. Ein Gericht in San Salvador hat am Montag das Strafverfahren gegen die ehemaligen Guerilla-Kommandanten Joaquín Villalobos und Jorge Meléndez definitiv eingestellt. Der Fall sei verjährt, begründete Richter Romeo Giammattei seine Entscheidung. Villalobos und Meléndez sollen den Mord an Dalton geplant und an der Vollstreckung beteiligt gewesen sein. Der Dichter und Romancier war nach Zeugenaussagen am 10. Mai 1975 in der Nähe von San Salvador erschossen worden. Seine Leiche wurde nie gefunden.

… Dalton, ein undogmatischer Denker, passte nicht in das militärische Schema von Befehl und Gehorsam. Man warf ihm vor, Agent des US-Geheimdienstes CIA zu sein und für den kubanischen Geheimdienst zu arbeiten. Obwohl es dafür nie Anhaltspunkte gab, wurde sein Tod beschlossen und vollstreckt. Seine Leiche wurde auf einem Lavafeld verscharrt und wahrscheinlich von streunenden Hunden verschleppt. / CECIBEL ROMERO, taz 10.1.

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