Lyrikzeitung & Poetry News

18. Mai 2012

56. Matrix

2005 erscheint die erste Ausgabe der Literaturzeitschrift Matrix, die der Pop Verlag Ludwigsburg seitdem viermal im Jahr herausbringt. Gegen das Vergessen und das Vergessen des Vergessens lautet das Motto jener ersten Matrix, das man naturgemäß auch als übergreifendes Motto für alle Literatur und Kunst lesen kann. Im Mai 2012 erscheint Matrix, die Zeitschrift für Literatur und Kunst, zum 27. Mal, diesmal, nach Schwerpunktausgaben zu, beispielsweise, Herta Müller in Matrix 18, sorbischer Literatur in Matrix 24 (ediert von Róža Domašcyna) oder Thomas Bernhard in Matrix 25, mit einem Schwerpunkt zu Wjatscheslaw Kuprijanow. …

Friede­rike Mayröckers dieses Jäck­­chen (nämlich) des Vo­gel Greif überragt alle von mir gelesenen Lyriktitel des guten Jahr­gangs 2009 dermaßen, daß der Peter-Huchel-Preis fast schon wieder zu klein ist für die­ses große, lebendige Buch. Ich gehe in diesem Augenblick des Schreibens noch einen Schritt weiter und benenne dieses Jäckchen (näm­lich) des Vogel Greif als das mich am meisten begeisternde unter den von mir zur Kenntnis genommenen Gedicht­büchern im deutschen Sprachraum nach 2000. Bei jeder Ge­legen­heit wiederhole ich gern: Friederike Mayrö­cker (Man müszte wenigs­tens zwei­hundert Jahre alt werden): spätes­tens seit 1999 ein lyri­scher Liebling …

Matrix 28 erscheint Ende Juni 2012. Der Preis der rund 280 Seiten umfassenden Ausgabe (davon sind 255 Seiten dem rund um mehr als ein Dutzend neuer Gedichte von Friederike Mayröcker angelegten atmenden Alphabet, in dem kein Buchstabe ausgelassen wird,  gewidmet) beträgt, man reibe sich ruhig die Augen, es ist kein Druckfehler: 10,00 EUR. Ab sofort freut sich Traian Pop, der Verleger des POP Verlags in Ludwigsburg, auf Vorbestellungen bzw. Interesse an einem Matrix-Abonnement: pop-verlag@gmx.de/ Theo Breuer, Edition Das Labor

15. April 2012

51. Kito Lorenc und Miodrag Pavlović teilen sich den Petrarca-Preis

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Sie machen Literatur zum Ausdrucksmittel der Kultur ihres Landes: Der Sorbe Kito Lorenc und der Serbe Miodrag Pavlović werden in diesem Jahr mit dem Petrarca-Preis geehrt. Mit der Auszeichnung soll die Arbeit europäischer Schriftsteller gewürdigt werden, die trotz ihrer Bedeutung für ihre heimatliche Literatur in Deutschland nicht ihrem Rang gemäß wahrgenommen wurden. Die beiden Preisträger teilen sich den mit 20.000 Euro dotierten Preis.

Kito Lorenc, 1938 in Schleife geboren, hat sein ganzes Leben für den Erhalt der sorbischen Sprache und Kultur gekämpft: als Mitarbeiter am Institut für Sorbische Volksforschung in Bautzen, als Dramaturg am Sorbischen Theater und als sorbisch-deutscher Lyriker.

Miodrag Pavlović, 1928 in Novi Sad geboren, war zunächst Arzt und später Mitarbeiter eines Verlags in Belgrad. Heute lebt er in Süddeutschland. Sein lyrisches und erzählendes Werk ist in der Übersetzung von Peter Urban auch in Deutschland zugänglich.

Der von Hubert Burda gestiftete Petrarca-Preis wird am 23. Juni in Marbach verliehen. Der Verleihung des Petrarca-Preises findet alljährlich an verschiedenen Orten statt und soll auch in Marbach wieder als „Gipfeltreffen des Geistes“ und als „Fest der Poesie“ den Austausch in den Vordergrund stellen.

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27. März 2012

122. Kuhlbrodts Sehnsuchtsbücher

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Im jungen Leipziger Verlag Reinecke & Voss sind zuletzt einige Bücher erschienen, ohne die ich nicht mehr leben möchte. Das klingt pathetisch, ist aber so. Denn es handelt sich um Bücher, die geradezu wie für mich gemacht scheinen, weil sie so etwas wie eine Sehnsuchtslücke in meiner Lektüreliste füllen. Sie lassen mich verstehen, weshalb Sprache, bei alle politischen Verwerfungen und diktatorischen Transformationen immer noch etwas ist, worin man sich verlieren kann, einerseits in eine Vorstellung von Sprache selbst und andererseits in eine konkrete, ständig bedrohte Sprache, wie das Wendisch oder Sorbisch eine ist. …

Die Begegnung mit Buchmanns Texten, die mir nun der Verlag Reinecke & Voss bescherte, sind dazu geeignet mein Wissenschafts- und Weltbild auf den Kopf zu stellen. (sic!) . Nicht der Gebrauch lässt mich die Dinge erkennen. Das sprechende Tier wird sich der Schönheit der Sprache bewusst, indem er sie betrachtet. Der Philologe als solcher ist Müßiggänger, so scheint es. Und aus seinem Müßiggang heraus entstehen ihm Sätze über den Gegenstand, den er liebt, über die Sprache. In Buchmanns  „Grammatik der Sprachen von Babel“ wird die Sprache nicht, wie sonst üblich, in ein nationalsprachliches Korsett gepresst, und auch nicht als Phänomen, dass sich mehr oder weniger organisch durch die Zeiten hindurch zu einer Nationalsprache geformt hat, dass gleichsam der natürliche Ausdruck eines Kulturraums ist.

Sprache erscheint dem Leser auch nicht als Referenz irgendeines Vorsprachlichen. Natürlich rennt man mit derlei Gedanken bei Strukturalisten, Poststrukturalisten und Postpoststrukturalisten offene Türen ein, aber die Art in der das geschieht ist an Eleganz nicht zu überbieten. Und Eleganz hat einen Erkenntniswert, wie Schönheit die Wahrheit erst ins Licht rückt.

Im zweiten hier angeführten Text geht Buchmann einem Schritt weiter, in dem er eine real existierende Sprache, das Sorbisch oder Wendisch aus einem Zustand doppelter Bedrohung begreift. Einerseits durch  die erdrückende Übermacht des Amtsdeutsch und andererseits durch die paternalistischen Rettungsversuche der Mehrheitsgesellschaft, die sich genau jener amtsdeutschen Wendungen bedient.
Und so scheint es fast wie ein Wunder, dass die Wendische Sprache über die Jahrhunderte fortexistierte, in denen ihr Sprachraum selbst immer kleiner wurde, und, weil sich unter einem Großteil  des wendischen Siedlungsgebietes Braunkohlelagerstädten befinden, auch abgegraben. Was nach der Flutung der Tagebaugebiete zu Vogelschutzinseln und Heimatmuseen mit Artefakten der sorbischen Kultur führte. / Jan Kuhlbrodt, Fixpoetry

Jürgen Buchmann:
Encheiridion Vandalicum oder Das Buch von den Wenden. 76 Seiten, 10 Euro. ISBN: 978-3-942901-02-4

Grammatik der Sprachen von Babel 96 Seiten, 9,95 Euro. ISBN: 978-3-9813470-1-2
Reinecke und Voß, Leipzig 2011/2012

17. Oktober 2011

72. Ćišinski-Preis für Benedikt Dyrlich

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Die Stiftung für das sorbische Volk verlieh Benedikt Dyrlich am vergangenen Samstag den Ćišinski-Preis 2011. Dyrlich habe „in und außerhalb der Lausitz, vor allem aber im slawischen Ausland“ für sorbische Lyrik geworben, begründet die Stiftung ihre Entscheidung. / vorwärts.de

20. September 2011

102. Sorbe in Übersee

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Jan Kilian, am 22. März 1811 in Döhlen unweit von Bautzen geboren und am 12. September 1884 als evangelisch-lutherischer Pfarrer in Serbin/Texas gestorben, ist für die Sorben bis in die heutige Zeit ein bedeutender Mann. Sie erinnern mit verschiedenen Veranstaltungen an den 200. Geburtstag Kilians.

Als Pfarrer wirkte er von 1837 bis 1848 in Kotitz bei Weißenberg, gründete 1843 die lutherische Gemeinde Weigersdorf/Klitten, war dort Pfarrer sowie auch aktiv in der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Döbbrick in der Niederlausitz, bis er 1854 mit nahezu 600 Sorben nach Texas auswanderte. Dort gründete er 1855 die bedeutendste sorbische Kolonie in Übersee und war bis 1883 Pfarrer sowie bis 1872 Lehrer in Serbin. Er dichtete in sorbischer Sprache Choräle, war Dichter weltlicher Texte und veröffentlichte religiöse Schriften. Bis heute treffen sich in Serbin alljährlich mehr als 2000 Nachkommen der sorbischen Auswanderer zum großen Fest…

Auch der Sorbische Künstlerbund widmet sein 33. Fest der Poesie dem Gedenken an Kilian. Das alljährliche Festival der Lyrik und Musik beginnt am Freitag um 18 Uhr mit einem Literaturabend in der tschechischen Stadtbibliothek Varnsdorf, den sorbische und tschechische Poeten gestalten. In der Kirche zu Hochkirch werden am Sonnabend um 19.30 Uhr beim internationalen Poesieabend Kilians Gedichte in acht Sprachen von sorbischen, deutschen, tschechischen, polnischen, syrischen und amerikanischen Dichtern vorgetragen, darunter auch auf Arabisch und Englisch. / Alfons Lehmann, Lausitzer Rundschau

5. Juli 2011

16. Benedikt Dyrlich erhält Cišinski-Preis

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Der sorbische Autor und Publizist Benedikt Dyrlich erhält den Cišinski-Preis 2011. Das hat das Kuratorium der Stiftung für das sorbische Volk in Bautzen entschieden. Wie eine Sprecherin der Stiftung am Dienstag mitteilte, wird Dyrlich für seine Bemühungen geehrt, sorbische Lyrik aus Vergangenheit und Gegenwart bekannt zu machen. Dabei habe er sich nicht nur Verdienste in und außerhalb der Lausitz, sondern vor allem im slawischen Ausland erworben. Der Preis wird am 15. Oktober bei einem Festakt in Panschwitz-Kuckau verliehen. / MDR

9. Februar 2011

40. Rückblende März 2001: Zwischen Wunderland und Widerstand

Die isländische Schriftstellerin Steinunn Sigurdardottir erklärt Deutschland zum  “Wunderland für Lyrik”: “das einzige Land, wo Lyrik verkaufbar ist”. Michael Braun schreibt über die “dunkleren Traditionen des Leonce-und-Lena-Wettbewerbs”, dazu gehöre “die Ignoranz der Vorjurys, die mit blamabler Beharrlichkeit die interessanten jungen Dichter dieser Jahre einfach übersahen”. Thomas Kling zum Beispiel.

scheinschlag hat Ansichten zu “Matthias” BAADER Holst, “Untergrundpoet, Punk, Anarchist, Vagant, Dadaist, radikaler Künstler, Rebell”, aber auch ein

performender Dichter mit asketischem Körper, ungezügeltem Intellekt und dem Machtapparat einer Sprache, die nicht leicht mit ihm zu teilen war. Den Kopf kahl rasiert wie einer, der das Äußere ganz von sich abschneiden will. Ein Nosferatu-Typ, auratisch, mit einer hohl klingenden, dunklen Orakelstimme. Eine wie der Dadaist Johannes Baader “charismatische Begnadung”.

Die englische Lyrik beginnt mit Runen, Rätseln und mit einem analphabetischen Schäfer, dem von einem Engel aufgetragen wird, Loblieder auf Gott zu singen: Caedmon.

Die Greifswalder Literaturzeitschrift “Wiecker Bote” stellt ihre Autoren Angelika Janz und Richard Anders während der Leipziger Frühjahrsmesse im Gohliser Schlößchen vor. Angelika Janz liest aus dem in Vorbereitung befindlichen Lyrikband “Unter Strom im Frühlicht”. Richard Anders liest Gedichte und poetologische Texte unter dem nicht zufällig an André Breton erinnernden Titel “Wolkenlesen”.

Ingrid Fichtners Gedichte wehen von irgendwo her. Und einen Schlusspunkt setzen sie selten. Kito Lorenc schreibt im Widerschein des Sorbischen und Karel Hynek Mácha ist der Heine der Tschechen.

Es starben der  Petersburger Nonkonformist Viktor Kriwulin, der Amerikaner A.R. Ammons (schon am 25. Februar) und die kubanische Dichterin Rafaela Chacon Nardi.

Für Brinkmann ist es nie zu spät, meint die Berliner Volksbühne, und die Hamburger “Welt” weiß, daß Lyrik nicht “quälende Unverständlichkeit” heißt. Unter der Überschrift “Als wir alle Brandstifter waren” schreibt der serbisch-amerikanische Lyriker Charles Simic über seine Joschka-Jahre (und meint nicht “Joschkas” Tätigkeit für Atomkonzerne). Auch Volker Braun gedenkt des Straßenkämpfers und schreibt in der FAZ (!) die Geschichte um:

Man mußte sich nur vorstellen, daß er, der Lismus, in den Westen käme. Undenkbar war das nicht. — Zuerst die Währungsreform, das war der Köder, der Umtausch der DM in Mark. 1 : 5, zugleich wurden die Preise gesenkt, Wahnsinn, die Mieten. Ein ständiger Sommerregen aus dem Staatshaushalt. Die Konzerne (Kombinate) der Plankommission unterstellt, je genauer die Planung, desto härter trifft uns der Zufall. Die Arbeitsämter geschlossen, “keine Leute” hieß es auf einmal in Bochum. Die entbehrlichen Professoren ins Neuland geschickt, für die Buschzulage, gefestigte Gewi-Dozenten missionierten das Grundlagenstudium. Von Schnitzler, reaktiviert, übernahm es, das Bayerische Fernsehen auf Linie zu bringen. “Die Zukunft sitzt”, wie der Dichter Kunze sagt, “am Tische”.

Natürlich wurde uns Ost-Überheblichkeit nachgesagt, wenn wir drüben die Demokratie einführten. Dem Westler nützt ja nun, in dem fortgeschrittenen System, seine Erfahrung wenig, er mußte erst lernen, richtig zu denken, sich anzustellen und zu warten. Während wir, so ins Recht gesetzt, endgültig verblödeten und ihre Dienstjahre annullierten, weil wir neue Persönlichkeiten erzogen. … Und ich vergaß mal meine kritischen Ambitionen; wohingegen sie ihre linke Vergangenheit auftrugen, die Studienräte und Redakteure. Joschka Straßenkämpfer. … Und sie erlebten einmal eine Revolution.

Eines der grossen programmatischen Dichtwerke der klassischen Moderne wurde erneut zugänglich und lesbar gemacht mit «Eventail (für Stéphane Mallarmé)». Es gibt sie noch, die wagemutigen Verleger, zum Beispiel auch jene,

die Neues entdecken und jüngeren Talenten zum Durchbruch verhelfen, Verleger, denen Literatur und vor allem die anspruchsvolle Gattung Poetik persönlich noch etwas bedeuten. Urs Engeler ist einer von ihnen. Seit 1992 gibt er «Zwischen den Zeilen» heraus, eine «Zeitschrift für Gedichte und ihre Poetik», die sich in verhältnismässig kurzer Zeit durchsetzen konnte, weil sie es nicht allein beim Abdruck von Gedichten bewenden lässt, sondern die Autoren gleichzeitig auffordert, sich über ihr Geschaffenes essayistisch zu äussern.

Alle feiern die Dichterin Elisabeth Borchers zum 75. Geburtstag. Für die FAZ begann es mit einem Skandal, berichtet die FR:

Im Juli 1960 veröffentlichte die FAZ eia wasser regnet schlaf, ein Gedicht der zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Lyrikerin Elisabeth Borchers. Der Text, eine wunderbare, im Ton des Wiegenlieds gehaltene, zwischen Traum und Wirklichkeit oszillierende Imagination, die eine vermeintliche Begegnung mit einem “ertrunkenen Matrosen” tatsächlich nur auf einer rein assoziativ arbeitenden Ebene anklingen lässt, erregte die Gemüter der Leser. Von einer “schizophren Stammelnden” war die Rede, ja sogar einmal mehr von “entarteter Kunst”.

Ein junger Dichter,  Jan Wagner, vermag es, den Alltag in Schönheit zu verwandeln, und der Tagesspiegel berichtet vom “Kuwaitischen Widerstand”, der klingt so:

“Ach, das Stöhnen dringt / aus dem tiefen Berg des Bewusstseins / und der verräterische Stich / enthüllt die Wut der Herzen.” Deutsche Romantik? Nein: arabische Postmoderne. Die Verse …  stammen von Khazna Buresly und finden sich in einer Lyrik-Anthologie, die zugleich politische Streitschrift ist. “Das Echo kuwaitischer Kreativität”, heißt sie.

7. August 2010

43. Sorbisch und Serbisch

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Eine angenehme Spannung brachte der Abend auch mit der Darstellung der sorbisch-serbischen Literaturbeziehungen. Poet Kito Lorenz, vor zwei Jahren mit dem internationalen Poetenpreis »Goldener Schlüssel Smederevo«, einer Stadt bei Belgrad, ausgezeichnet, und die Dichterin Roza Domascyna, selbst Teilnehmerin dieses Poesiefestivals in Serbien, rezitierten ihre Gedichte sorbisch und deutsch. Sie waren auch in einer dreisprachigen Anthologie – sorbisch, deutsch und serbisch – vom vor zwei Jahren verstorbenen bekannten serbischen Dichter und Übersetzer deutscher Literatur Zlatko Krasnij und seinem Sohn Jan Krasnij übersetzt und herausgegeben worden. Jan Krasnij nahm in Bautzen die Gelegenheit wahr, über diese fruchtbaren sorbisch-serbischen Literaturbeziehungen zu sprechen und Gedichte von Lorenc und Domascyna in Serbisch zu rezitieren.

Den interessanten und begeisternden poetischen Reigen schloss der slowenische Verleger und Literat aus dem österreichischen Klagenfurt Lojze Wieser mit literarischen Leckerbissen in Dialekten seiner Muttersprache und in Deutsch. Der bekannte Verleger von Peter Handkes Büchern brachte auch eine von ihm herausgegebene Anthologie mit Gedichten von Kito Lorenc in Deutsch unter dem Titel »Erinnerungen an eine Nacht im Freien« mit. Wieser sprach gleichzeitig über die wichtige Rolle der Literatur für den Identitätserhalt nationaler Minderheiten sowie ihrer Muttersprachen und ermutigte sorbische Literaten, seiner großen Bücherreihe »Europa« Themen über die Sorben beizusteuern. /  Alfons Lehmann, Lausitzer Rundschau


2. August 2010

9. Fest der sorbischen Poesie

Mit großer Begeisterung und mit internationalem Flair ist am Sonnabend im idyllischen Hof des Cottbuser Wendischen Museums das 32. Fest der sorbischen Poesie, zu dem der Sorbische Künstlerbund eingeladen hatte, eröffnet worden. …

Werner Meschkank, Kustos des Wendischen Museums und selbst Dichter, führte zweisprachig durch das bunte Programm. …

Die Eröffnungsveranstaltung des diesjährigen Festes zu Ehren des sorbischen Malers und Schriftstellers Martin Nowak-Njechornski (1900 – 1990) und der Volksdichterin Agnes Buder (1860 – 1937) gestalteten die sorbischen Literaten Dorothea Scholze, Jan Meschkank, Werner Meschkank, Tomasz Nawka, Bernd Pittkunings, Wora Wiazowa-Lehmann, Benedikt Dyrlich und Jurij Koch gemeinsam mit den tschechischen Dichtern Milan Hrabal (Varnsdorf) und Alica Prajzentová (Usti nad Labem). / Alfons Lehmann, Lausitzer Rundschau

18. Juni 2010

102. Die Siege der Serben

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(Serbow dobyća)

Von Johann Woko in Kotten

Die Serben ziehn gegen die Deutschen ins Feld,
Verstehen kein einziges Wörtlein deutsch. Verstehen kein einziges Wörtlein deutsch.

Sie sammeln die Goldfüchse allesammt sich,
Sie legen die klirrenden Sporen sich an. :,:

Sie gürten die blitzenden Schwerter sich um,
Versammeln sich alle im ebenen Feld. :,:

Ziehn gegen die Deutschen zum ersten Mal.
Erringen, erringen dort grossen Sieg. :,:

Als dieses erfahren der König und Fürst,
So lässt er sie allzumal kommen vor sich, :,:

Gibt jedem ein neues, ein prächtiges Kleid,
Verpflichtet sie alle zum Dienste des Kriegs. :,:

Zum andern Mal ziehen die Serben ins Feld,
Erringen dort wieder sehr grossen Sieg. :,:

Als dieses erfahren der König und Fürst,
So lässt er sie allzumal kommen vor sich, :,:

Er lässt sie bekleiden mit lauter Sammt,
Er kleidet sie alle in Scharlach roth. :,:

Zum dritten Mal ziehen die Serben ins Feld,
Erringen zum dritten Mal grossen Sieg. :,:

Als dieses erfahren der König und Fürst,
So lässt er sie allzumal kommen vor sich, :,:

So lässt er sie allzumal kommen vor sich,
Und gibt einen Goldfuchs dort jeglichem Mann. :,:

Er gibt einen Goldfuchs dort jeglichem Mann,
Dazu noch zum Schmucke das blitzende Schwert. :,:

Aus: Volkslieder der Sorben in der Ober- und Nieder-Lausitz. Hrsg. v. Leopold Haupt und Johann Ernst Schmaler. [Grimma 1841]. Anastatischer Neudruck. Berlin (Ost): Akademie-Verlag 1953. S. 32

Die Anfangszeile lautet im Original: “Serbjo so do Njemcow hotowachu”.

(Vorsorglich füge ich hinzu, daß ich im Text keinen Buchstaben verändert habe)

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