Lyrikzeitung & Poetry News

18. Juni 2011

81. Sindhidichter verunglückt

Einsortiert unter: Pakistan, Sindhi — Schlagworte: , , , — lyrikzeitung @ 07:46

Der Sindhidichter Hassan Dars starb am Donnerstag im Alter von 45 Jahren in Hyderabad an einem Verkehrsunfall. Seine Anhänger betrauern ihn als einen inspirierenden und sozial aktiven Dichter. Er war mit der Dichterin Amar Mahboob verheiratet, die beiden wurden in ihren unterschiedlichen Schreibstilen bewundert.

In seiner Jugend regte der Kampf um Demokratie junge Künstler und Journalisten dazu an, ihr Talent für sozialen Wandel im Land einzusetzen. In dieser Zeit blühte die Sindhilyrik auf, hunderte Bände mit Gedichten und Kurzgeschichten wurden veröffentlicht, die den Widerstand der Massen thematisierten.

Auch Hassan schrieb mehrere lange Gedichte, die später in Urdu und Englisch übersetzt wurden. Bekannte Sänger vertonten seine Gedichte.

Der Kritiker Rauf Nizamani schrieb, Hassan Dars war der Dichter der Politik und der Liebe. Seine Gedichte seien außergewöhnlich in ihrer Bildsprache. Sein Tod sei ein großer Verlust für die Sindhiliteratur.

Angesichts der tragischen Umstände seines Todes wurde eine offizielle Untersuchung des Unfalls gefordert. Die Regierung solle sich um die Sicherheit des Straßenverkehrs und die Verbesserung der medizinischen Notfallversorgung kümmern. / Jan Khaskheli, The News.com (Pakistan)

13. September 2010

61. Meine Anthologie: Grammatik

Einsortiert unter: Indien, Sindhi — Schlagworte: , , , — lyrikzeitung @ 18:18

Hölderlin und Goethe müssen warten. Ablenkung vor nicht ganz freudvoller Arbeit findet sich trotzdem. Ein Zufallsfund im Netz erinnert mich an ein Buch: “Die schönsten Gedichte aus Pakistan und Indien. Islamische Lyrik aus tausend Jahren”, herausgegeben von Annemarie Schimmel (C.H. Beck 1996). Qadi Qadan – Qadi ist hier kein Vorname, sondern eine Art Berufsbezeichnung: der Kadi Qadan nämlich war ein indischer Richter, Kadi, und mystischer Dichter im 16. Jahrhundert. Sein Vier- bzw. richtiger Zweizeiler, ein Dōha, ist in Sindhi geschrieben, er ist ein Pionier der Dichtung dieser Sprache. Mystiker nicht, aber gelehrte Mystikforscher und Zeloten werden mir sagen, daß es ganz anders gemeint ist – für mich ist es ein großartiges Liebesgedicht (und nur so auch anderes mitbedeutend). Wenn ich keinen Wein kenne, wie könnte mir Wein ein göttliches Symbol sein?

Laß die Grammatik den Leuten -
ich studier’ den Geliebten,
Und eine einzige Letter
les’ ich und les’ immer wieder!

QADI QADAN (gest. 1551)

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