Im Wechsel tragen Krüger und Grössel seine Gedichte und lyrischen Texte vor. Ehefrau Monica liest auf schwedisch. Das Werk Tranströmers ist mit insgesamt rund 500 Seiten überschaubar. Der Hanser-Verlag hat mit “Sämtliche Gedichte”, seinen Memoiren “Die Erinnerungen sehen mich” und “Das große Rätsel” drei Bücher herausgegeben, inzwischen in der achten bis zehnten Auflage. / Der Westen
23. März 2012
9. März 2012
41. Übersetzungsstreit
Since his Nobel moment in October, three different Transtromer books have been released (or reissued): THE DELETED WORLD: Poems (Farrar, Straus & Giroux, $13), with translations by the Scottish poet Robin Robertson; TOMAS TRANSTROMER: Selected Poems (Ecco/HarperCollins, $15.99), edited by Robert Hass; and FOR THE LIVING AND THE DEAD: Poems and a Memoir (Ecco/HarperCollins, $15.99), edited by Daniel Halpern. These books join two major collections already in print: “The Half-Finished Heaven: The Best Poems of Tomas Transtromer,” from Graywolf Press, translated by Robert Bly, and “The Great Enigma: New Collected Poems,” from New Directions, translated by Robin Fulton. So a little complaining, a glut of books: pretty typical.
But what’s unusual about Transtromer is that the most interesting debates over English versions of his work actually took place before his Nobel victory. In this case, the argument went to the heart of the translator’s function and occurred mostly in The Times Literary Supplement. The disputants were Fulton, one of Transtromer’s longest-serving translators, and Robertson, who has described his own efforts as “imitations.” Fulton accused Robertson (who doesn’t speak Swedish) of borrowing from his more faithful versions while inserting superfluous bits of Robertson’s own creation — in essence, creating poems that are neither accurate translations nor interesting departures. Fulton rolled his eyes at “the strange current fashion whereby a ‘translation’ is liable to be praised in inverse proportion to the ‘translator’s’ knowledge of the original language.” Robertson’s supporters countered that Fulton was just annoyed because Robertson was more concerned with the spirit of the poems than with getting every little kottbulle exactly right.
To understand this dispute, it’s necessary to have a sense of the poetry itself. Transtromer prefers still, pared-down arrangements that rely more on image and tone than, say, peculiarities of diction or references to local culture. The voice is typically calm yet weary, as if the lines were meant to be read after midnight, in an office from which everyone else had gone home. And his gift for metaphor is remarkable, as in the start of “Open and Closed Spaces” (in Fulton’s translation):
A man feels the world with his work like a glove.
He rests for a while at midday having laid aside
the gloves on the shelf.
They suddenly grow, spread,
and black out the whole house from inside.
The first comparison is surprising enough — work is a glove? With which we feel the world? But notice how quickly yet smoothly Transtromer extends the metaphor into even stranger territory; the gloves expand from the refuge of the house (which is implicitly the private self) to obscure everything we know and are. The poem becomes a meditation on what constitutes a prison, what could be considered a release (“‘Amnesty,’ runs the whisper in the grass”) and whether these might lie closer together than we realize.
/ David Orr, New York Times 11.3. (sic)
Die zitierte Passage lautet in der Übersetzung von Hanns Grössel, Tomas Tranströmer: Sämtliche Gedichte, Hanser 1999, S. 99:
Ein Mann befühlt die Welt mit dem Beruf wie mit einem Handschuh.
Mitten am Tage ruht er ein Weilchen aus und hat die Handschuhe aufs Regal abgelegt.
Dort wachsen sie plötzlich, breiten sich aus
und verdunkeln das ganze Haus von innen.
Und recht ähnlich bei Pierre Zekeli, Tomas Tranströmer: Formeln der Reise. Berlin: Volk und Welt 1983 (“Weiße Lyrikreihe”), S. 41:
Ein Mann tastet an der Welt mit seinem Beruf: seinem Handschuh.
Er ruht eine Weile aus mitten am Tag und legt die Handschuhe weg aufs Regal.
Dort wachsen sie plötzlich, breiten sich aus
und verdunkeln das ganze Haus von innen.
Die Übersetzung von Zekeli wurde entnommen entweder aus Tomas Tranströmer: Gedichte. Literarisches Colloquium Berlin 1969 oder aus Schwedische Lyrik der Gegenwart, Horst Erdmann Verlag Tübingen und Basel 1979 (beide sind als Quellen angebeben, aber nicht einzeln nachgewiesen). Grössels Übersetzungen erschienen selbständig in Buchform ab 1985 bei Hanser und sind in dem zitierten Band zusammengefaßt.
9. Dezember 2011
19. April 2011
90. Zweite Neue
Ece Ayhan (aus: Lyrikwiki Labor)

L&Poe Woche der türkischen Poesie
Weil seine Gedichte sowohl leicht als auch schwer zu lesen sind, weil sie ein bestehendes Gedichtverständnis verwerfen und ein neues postulieren. Ece Ayhan ist unter den Lyrikern der 1950er-Generation jener, der als Erster zu nennen ist, wenn es darum geht, sich und das Gelesene zu hinterfragen. Seine Lyrik weckt bei jedem Leser Befremden. (…)
Seine Gedichte erklären tatsächlich nichts. Sie deuten lediglich etwas an und ziehen sich wieder zurück, bevor sie es erklären. (…)
Neben einer Lyrik, die mit Leib und Seele und lebendig erzählt, lässt sich die gleichzeitige Existenz einer Lyrik, die das Gedicht als reine Kunst- und Dichtform begreift, nicht abstreiten. Wir können diese Form auch eine Art ‘intellektuelle Dichtung’ nennen, die aber das Gefühl nicht völlig verneint. Jene, für die Lyrik in erster Linie Ausdruck des Lebendigen und des Gefühls ist, werden Ayhans Gedichte nicht als eine Bereicherung der türkischen Dichtkunst begreifen.
Aus: Doğan Hızlan, Vom Vernebeln und Verdecken (1968). In: Mark Kirchner (Hrsg.): Geschichte der türkischen Literatur in Dokumenten. Hintergründe und Materialien zur Türkischen Bibliothek. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2008, S. 154f. (Deutsch von Nayhan Özdemir)
Nazım Hikmet schreibt für sich und für den Leser. Ece Ayhan hingegen schreibt nur für sich und übernimmt keine missionarische Verantwortung für seine Gedichte, was in seiner Aussage ‘Ich werde nicht dienen’ zum Ausdruck kommt.
Aus: Edip Cansever, Mit der Sprache spielen (1967). In Mark Kirchner, a.a.O. S. 152. (Deutsch von Nayhan Özdemir)
Ece Ayhan (1931-2002) wird neben İlhan Berk zur hermetischen Richtung der sogenannten “Zweiten Neuen” gerechnet, die eine Gegenbewegung zum sozialistischen Realismus und zur Garip (der Ersten Neuen) war. Er selbst lehnte diese Bezeichnung ab und zog es vor, von “Ziviler Dichtung” zu sprechen.
(Damit ist die lange Woche der türkischen Poesie 2011 beendet. Ich plane das Projekt fortzusetzen, vielleicht jeweils im April oder Mai mit einer Woche der xxx Poesie. Vielleicht auch mit “analogem” Anteil, sprich einer Veranstaltung im Falladahaus. Vielleicht hat ja jemand Lust, mitzumachen. – 2012 gibt es, letztes “Vielleicht”, eine “Woche der altgriechischen Poesie”. –
Eigentlich wollte ich auch aus der Quelle des Logos schöpfen. Aber Möglichkeiten gibt es ja immer.)