Lyrikzeitung & Poetry News

22. Mai 2012

80. Cowboy- und 9/11 Truth Poets

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Beim Festival der Worte gibts am 30.5. ein Performers Café, in dem einige der bekanntesten Dichter der kanadischen Stadt Moose Jaw auftreten werden.

Die Mitchell Boys, ein reimendes Duo aus den beiden Cowboypoeten Ken und Slim Mitchell, tragen ihre Spielart südsaskatschewanischer Lyrik vor. Der lokale Folksänger Norm Walker wird u.a. das Lied “Magic: A 9/11 Truth Movement Song” zu Gehör bringen. / Aaron Stuckel, Moose Jaw Times Herald 22.5.

78. Fünf in Venedig

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Jack Hirschman (USA), John Unrau (Kanada), John Akpata (Kanada), Jacques Roubaud (Frankreich) und Thomas Kunst (Deutschland) bei einer Veranstaltung in Venedig am 5.3. 2011

19. Mai 2012

60. Zu scharfe Kost

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Meine erste Begegnung mit den Gedichten Anne Sextons löste damals einen inneren Erdrutsch aus, wie das selten, bei der Entdeckung einer Dichtung oder anderer Ausdrucksformen der Kunst geschieht. Sextons Texte hatten eine erschreckende Offenheit, Nacktheit. Ihre sprachliche Bilderflut war wie eine übersüße, starke, oder zu scharfe Kost. Etwas Hochprozentiges. Ich las und spürte: hier ging es ans Eingemachte.

Sexton war, wie Sylvia Plath, Vertreterin der Confessional Poetry; einer Poesieströmung, die im Amerika der 50′er / 60′er Jahre durch ihren intimen Charakter, der eng an die Biographie der DichterInnen gekoppelt war, Aufsehen erregte. Sexton war in erster Linie aus Selbstrettungsgründen Dichterin geworden. Ihre Texte changieren zwischen zerbrechlicher Zartheit und unerbittlicher Sezierung. Bildpralle Verse bohren sich mit psychoanalytisch forschendem Blick in Intimsphären vor der Kulisse des gesellschaftspolitischen Hintergrundes. / Kerstin Becker über Anne Sexton, fixpoetry

Anne Sexton. Verwandlungen. Hrsg. u. Vorw. v. Elisabeth Bronfen. Aus d. Amerikan. v. Silvia Morawetz. S.Fischer, Frankfurt am Main 1995

17. Mai 2012

49. Poetry Bailout

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In der Süddeutschen Zeitung vom 9.5. schreibt Carlos Spoerhase über ökonomische Metaphern in der amerikanischen Literaturwissenschaft. Dabei geht er auf die Lyriker und Literaturwissenschaftler Adam Kirsch und Charles Bernstein ein:

Kirsch deutet den Niedergang der kleinen Buchhandlungen, die Verkleinerung der Kulturteile in den großen Zeitungen, die Verlagerung des Literaturbetriebs ins Internet und die kulturelle Randständigkeit der Literatur in den USA als Indizien für ein multiples kulturelles Organversagen, das den baldigen Zahlungsausfall des Systems ‘Literatur’ nach sich ziehen werde. Kirsch geht es aber nicht allein darum, ob sich anspruchsvollere Literatur noch gut verkauft und Resonanz in den maßgeblichen Medien findet. Die Melancholie seines Prologs wird vielmehr von dem Eindruck gespeist, dass ein großes literarisches Traditionsunternehmen, das in den letzten 3000 Jahre aufgebaut wurde, nun dem Ende entgegengeht: Der kulturelle Kanon verliert seine Wirkmacht. (…)

Der Lyriker und Literatheoretiker Charles Bernstein, der an der University of Pennsylvania lehrt, hat das eben in ‘Poetry Bailout Will Restore Confidence of Readers’ versucht (Charles Bernstein: Attack of the Difficult Poems. University of Chicago Press). Laut Bernstein sei auf dem Buchmarkt viel zu lange mit bloßen Poesie-Derivaten und giftigen Literatur-Anleihen gehandelt worden. Nun gelte es, die von verantwortungslosen Autoren und gierigen Verlegern produzierte Poesie wieder stärker zu beaufsichtigen. Vor allem aber müsse eine große Menge von wertlosen Gedichten, von ungedeckten ‘subprime poems’ vom Markt genommen werden, um dem massiven Vertrauensverlust der Lyrikleser entgegen zu wirken.

In dieser ebenso konsequenten wie satirischen Übertragung der ökonomischen Metapher auf den Bereich der Literatur ist der Leser der Betrogene, der nach fremden Regulierungsinstanzen ruft. Nicht so bei Kirsch. Hinter Kirschs kulturkritischer Klage über den aktuellen Wertverfall der Literatur steht eine andere Figur: Es ist der Poet in der Rolle des betrogenen Investors, der sich um die pflichtschuldige Überweisung seiner Kettenbrief-Dividende gebracht sieht.

14. Mai 2012

42. Marathonlesung

Auch nicht schlecht, also wer näher an Paris ist:

Monday 14th May 7:00 pm
Shakespeare & Company, 37 rue de la Bûcherie, 75005 Paris

Tonight we welcome a marathon reading of poets from Brooklyn-based indie  Ugly Duckling Presse, ‘a publishing collective specializing in experimental poetry and new editions of forgotten textual artists, produces lovely, cheeky books by authors you’ve probably never heard of but your grandchildren will likely read in college.’ – New York Times. Afterwards stay for music with punk, electronic Paris-based Ava’s Verden http://www.myspace.com/avasverden.

Authors include Steve Dalachinsky, the author of In Glorious Black & White; Christian Hawkey, the author of three books of poetry and associate professor at Pratt Institute; Filip Marinovich; Matvei Yankelvich, author of Today I Wrote Nothing;

Yuko Otomo bilingual poet and author of Garden: Selected Haiku, Small PoemsThe Hand of the Poet, Cornell Box Poems, Genesis, and Fragile; Sarah Riggs, a translator and author of 60 Textos along with 28 télégrammes and 43 Post-Its, also a member of the bilingual poetry association Double Change; Jacqueline Waters, the author of the poetry collection A Minute Without Danger, and two chapbooks, The Saw That Talked and The Garden of Eden a College; Uljana Wolf the author of two books of poetry, kochanie ich habe brot gekauft and falsche freunde, as well as the essay BOX OFFICE. Hosted by Vladislav Davidzon.

5. Mai 2012

15. Catch poet laureate Philip Levine at noon via live video stream

Einsortiert unter: Englisch, USA — Schlagworte: — lyrikzeitung @ 19:50

Poet Laureate Philip Levine is doing a live reading and conversation today in a webcast originating from the Library of Congress in Washington. Schools and libraries nationwide have been set up to watch and participate — and anyone on the Web can listen in. The webcast begins at noon Pacific time*.

After reading and discussing three of his poems, Levine will participate in an extended question-and-answer session, which will be included in the webcast.

Levine was announced as U.S. poet laureate in August 2011; his tenure began in October. Now based in Fresno, Levine was born in Detroit. His first jobs were working the line in the auto industry in factories for Cadillac and Chevrolet. His poetry has often focused on the issues faced by the working class.

Levine, who has been awarded the Pulitzer Prize and the National Book Award for his poetry, was a longtime professor — so he’ll probably enjoy fielding students’ questions.

*) Offenbar 21:00 Uhr MESZ

3. Mai 2012

10. 13. poesiefestival berlin

Einige der klangvollsten Stimmen der internationalen Gegenwartslyrik kommen vom 1. – 9. Juni zum 13. poesiefestival berlin der Literaturwerkstatt Berlin. Mit dabei sind u.a. Ken Bastock (Kanada), Horácio Costa (Brasilien), Ngwatilo Mawiyoo (Kenia), Abdelwahab Meddeb (Tunesien/Frankreich), Michael Palmer (USA) Hama Tuma (Äthiopien), JUN Yan (China), Fatima Naoot (Ägypten).

Zum diesjährigen Übersetzungsworkshop VERSschmuggel treffen Dichter aus Brasilien auf ihre deutschsprachigen Kollegen und übersetzten sich gegenseitig. Lyrikline.org nutzt die Gelegenheit, um mit einigen Autoren ins Studio zu gehen und sie für die Webseite aufzunehmen.

Während des Festivals treffen sich zudem die internationalen Partner von lyrikline.org. Das Treffen bietet ein Forum für den Ideen- und Erfahrungsaustausch, für die Diskussion von Problemen und Perspektiven, und es dient der stärkeren Vernetzung über Ländergrenzen hinweg.

Weitere Informationen unter www.poesiefestival.org

1. Mai 2012

1. Bücher hinter der Glasscheibe

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Auch Selbstverlags-Plattformen schießen weiter aus dem Boden, als wäre der Menschheit damit gedient, dass noch mehr nichtlektorierte Bücher das Licht der Welt erblickten. Leben kann davon ohnehin niemand; der amerikanische Durchschnittsautor erzielt im Jahr derzeit sechstausend Dollar, in England sieht es genau so mau aus.

„Die aktuelle Idee, Bücher hinter eine Glasscheibe zu stecken“, so George Lossius von der Firma Publishing Technology, „wird in fünf bis sieben Jahren nicht mehr funktionieren.“ Der technologische Wandel werde sich weiter beschleunigen, die Verleger hätten auf ihn bisher viel zu ängstlich reagiert. Sie starrten auf Amazon wie auf einen Todesstern. / faz.net

24. April 2012

89. Berenberg Verlag startet Lyrik-Reihe

Im August 2012 erscheint im Berliner Berenberg Verlag erstmals Lyrik. Die zweisprachige Reihe wird mit Gedichten des US-Amerikaners Jeffrey Yang und des Argentiniers Sergio Raimondi eröffnet.

„Ein angelsächsischer Verleger hat mal gesagt, ein Verlag, in dem noch nie Gedichte veröffentlicht wurden, sei eigentlich gar keiner. Den Berenberg Verlag gibt es nun schon seit fast acht Jahren. Damit er endlich auch als Verlag bezeichnet werden kann, erscheinen bei uns im Herbst zum ersten Mal zwei Bände mit Gedichten“, begründet Verleger Heinrich von Berenberg die Ergänzung des bisherigen Programms. Künftig wird pro Halbjahr ein Lyrikband in neuem Format, jedoch in gewohnt hochwertiger Ausstattung erscheinen.

Der New Yorker Dichter Jeffrey Yang buchstabiert in seinem Debüt „Ein Aquarium“ ein maritimes Alphabet. Vom Meer aus betrachtet Yang die Welt, den Menschen und seine Kulturen, Wissenschaften, Geschichten, Poesien und Religionen. „Jeffrey Yangs funkelnde Unterwasser-Revue ist das aufregendste Debüt seit Jahren“, kommentiert Eliot Weinberger. Yang ist auch als Übersetzer, u.a. von Liu Xiaobo und Bei Dao, und als Lektor bei New Directions und NYRB Classics tätig. Beatrice Faßbender hat „Ein Aquarium“ übersetzt. Im November 2012 geht Jeffrey Yang in Deutschland auf Lesereise.

Der argentinische Schriftsteller Sergio Raimondi macht in „Für ein kommentiertes Wörterbuch“ den Hafen der argentinischen Stadt Bahía Blanca zum Ausgangspunkt seiner lyrischen Erkundung der Welt. Der Hafen leiht seinen Beobachtungen und Überlegungen den Rahmen und die Motive. In einem Wörterbuch beseelter Technik und bedrohter Natur stellt sich Raimondi die Frage, wie und warum der Mensch in diesen Zeiten lebt oder leben könnte. Timo Berger hat Raimondis Gedichte ins Deutsche übertragen.

Der Berenberg Verlag wurde 2004 von Petra und Heinrich von Berenberg gegründet. Schwerpunkte des Verlages sind biographische und autobiographische Literatur und Essays sowie Bücher zur Zeitgeschichte. Seit Herbst 2010 erscheint im Verlag auch Belletristik. Im selben Jahr wurde Heinrich von Berenberg mit dem Karl-Heinz Zillmer-Preis der Hamburgischen Kulturstiftung für verdienstvolles verlegerisches Handeln ausgezeichnet.

Berenberg Verlag
www.berenberg-verlag.de

 

23. April 2012

81. Kurzes Aufhalten der Verwirrung

Einsortiert unter: Englisch, USA — Schlagworte: , , , — lyrikzeitung @ 12:02

Und wenn Frost sich in seinen Texten einer überlieferten Formensprache bedient, dann liegt das wohl daran, dass sie einem grundlegenden und humanen Wunsch korrespondiert. Der Leipziger Germanist Walfried Hartinger sprach in solchem Zusammenhang gern von Humanisierung der Natur und Naturalisierung der Menschheit.  Im Gedicht Desert Places dreht Frost das Verhältnis:

They cannot scare me with their empty places
Between stars -  on stars where no human race is.
I have it in me so much nearer home
To scare myselve with my own desert places.

Für Robert Frost seien Gedichte ein kurzes Aufhalten der Verwirrung gewesen, schreibt Lars Vollert im Nachwort. Und wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass die in späterer Kindheit einsetzende Verwirrung für keinen von uns aufgehört hat, aber auch die Sehnsucht nach Klarheit nicht. / Jan Kuhlbrodt, fixpoetry

Robert Frost: Promises to keep// Poems, Gedichte// Zweisprachige Ausgabe//Übersetzung und Nachwort von Lars Vollert//C.H. Beck// 8.Auflage//München 2011

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