Lyrikzeitung & Poetry News

8. Februar 2012

29. Zu schwarz? Zu kommunistisch?

Einsortiert unter: Frankreich, Französisch, Haiti — Schlagworte: , , , — lyrikzeitung @ 09:19

Vater und Sohn Duvalier (“Baby Doc” und “Papa Doc”) regierten das Land mit brutalem Terror. Der Schriftsteller Michel Séonnet widmet einem der Opfer der Duvalier-Herrschaft, dem haitianischen Dichter Jacques-Stephen Alexis, eine Hommage: er stellte sein ihm gewidmetes Werk ins Netz, “Jacques-Stephen Alexis, ou Le voyage vers la lune de la belle amour humaine” (Jacques-Stephen Alexis oder Die Reise zum Mond der schönen Menschenliebe), das 1983 erschienen war.

Auf seiner Website schreibt er: “Zu schwarz, Alexis? Zu kommunistisch? Dem politischen Mord folgte eine Art literarisches Vergessen.” / ActuaLitté

8. November 2011

29. Prix du Québec / Prix Athanase-David

Der Prix du Québec / Prix Athanase-David, der angesehenste Literaturpreis Québecs, geht an den Dichter, Psychiater und Essayisten Joël Des Rosiers für sein Gesamtwerk.

Der Preis wurde 1977 gestiftet. Er ist einer von 12 nationalen Preisen, die Québec jährlich für Leistungen für Kunst und Wissenschaft sowie die Förderung der französischen Sprache vergibt.

Die Journalistin Francine Bordeleau nennt Des Rosiers “einen aus der langen Reihe der Schriftsteller-Ärzte von Empedokles und Rabelais bis Arthur Conan Doyle, Louis-Ferdinand Céline, Gottfried Benn, Antonio Lobo Antunes oder André Breton, Maurice Blanchot, Jacques Stephen Alexis und Jacques Ferron.

Joël Des Rosiers stammt aus einer alten Familie im Süden Haitis. Vom Vater hat er die Liebe zur Literatur (er las ihm unter anderem Baudelaires Gedicht « À une dame créole » vor), von der Mutter, die als Neuropsychologin arbeitete, das Interesse an der Erforschung der Psyche. Mit 10 Jahren verließ er mit seinen Eltern, die in Opposition zur Dikatator standen, er kam nach Chicago, New York und schließlich nach Montréal und damit zur französischen Sprache.

/ Robert Berrouet-Oriol, AlterPresse 7.11.

26. Juli 2011

103. Tchicaya U Tam’si-Preis

Seit 1990 vergibt das Afro-arabische Kulturforum in Assilah (Marokko) in jedem zweiten Jahr einen nach den kongolesischen Dichter Tchicaya U Tam’si (1931 – 1988) benannten Literaturpreis.  In diesem Jahr erhielt ihn der marokkanische Autor und Übersetzer Mehdi Akhrif und die senegalesische Autorin Fama Diagne Sene.

Mehdi Akhrif veröffentlichte seit 1979 Lyrik und Prosa und übersetzte u.a. Fernando Pessoa. Fama Diagne Sene, Direktorin der zentralen Universitätsbibliothek in Bambey (Senegal) veröffentlichte Lyrik, Novellen, Kindergeschichten, Romane und Dramen. Sie erhielt 1997 den  Grand Prix du Sénégal pour les Lettres und 2003 den Prix de la Poésie in Genf.

Der Preis wurde bisher u.a. an Edward J. Maunick (Insel Mauritius), René Depestre (Haïti), Ahmed Abdel Mo’ti Higazi (Ägypten) und Niyi Osundare (Nigeria) vergeben. Die Jury wird von dem senegalesischen Schriftsteller Alioune Badara Bey geleitet, der auch Präsident des senegalesischen Schriftstellerverbands ist. / El Watan 26.7.

5. Mai 2011

18. Jack Hirschman auf Lesereise

Jack Hirschman, der 1933 als Sohn russischer Juden aus der zweiten Einwanderergeneration in der Bronx geboren wurde, ist ein Linker, ein kompromissloser Dichter, der einen Großteil seines Lebens buchstäblich auf der Straße verbracht und im Verlauf seines Lebens mehr als 100 Gedichtbände (z.B. »Endless Treshold«, »All That’s Left«, »Front Lines«) entweder selbst geschrieben und veröffentlicht oder als Arbeiten anderer Dichter aus dem Russischen, dem Italienischen, dem Albanischen und sechs weiteren Sprachen übersetzt und dadurch in den Vereinigten Staaten bekannt gemacht hat, darunter etwa einen Auszug aus Rilkes »Duineser Elegien« oder Anthologien von Pier Paolo Pasolini und Antonin Artaud. Er ist zudem Mitherausgeber des Werkes »Open Gate: An Anthology Of Haitian Creole Poetry«. …

Vor kurzem ist mit »Wer trägt Sorge / Who Cares« in der kleinen österreichischen Edition BAES von Hirschman ein zweisprachiger Gedichtband (Übersetzung: Jürgen Schneider) erschienen, aus dem er im Mai in Österreich und Deutschland lesen wird:

5. Mai in Innsbruck: Buchhandlung Thalia, Museumsstraße 4 (19 Uhr)
6. Mai in München: Lothringer Straße 13 (19 Uhr)
7. Mai in Berlin: Rumbalotte Continua, Metzer Straße 9 (21 Uhr)

/ ostblog.de 

Hier eine Seite von Odile Endres mit zwei Übersetzungen von Hirschman-Gedichten

9. Juni 2010

48. Flaschenpost

Einsortiert unter: Französisch, Haiti, Kreolisch — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 09:27

Franketienne, durch das Erdbeben vom 12. Januar wurde ein großer Teil Haitis bis auf den Grund zerstört. Wie stark hat das Erdbeben auch das kulturelle Leben vernichtet?

Haiti steht zurzeit unter Vormundschaft. Es ist nicht souverän. Alle Entscheidungen werden von den Geldgeberländern getroffen. Die Pläne zum Wiederaufbau wurden von außen entwickelt, Autoritäten, die aus dem Innern Haitis kommen und scheinbar über Macht verfügen, haben komplizenhaft an diesem Vorgehen mitgewirkt. Der Erziehung, einer der wichtigsten Säulen der haitianischen Kultur, wurde in diesen internationalen Plänen ein allzu geringer Platz eingeräumt.

Welche Möglichkeiten sehen Sie für sich als Schriftsteller, der seit fünfzig Jahren das kulturelle Leben Haitis mitgeprägt hat, auf den Wiederaufbau Einfluss zu nehmen?

Jedes Kunstwerk, jeder literarische Text ist wie eine Flaschenpost, die man ins Meer geworfen hat. Es gibt keinerlei Gewissheit, dass die Botschaft eines Tages gehört wird. Wer das behauptet, ist eher ein politischer Aktivist, der die Feder gegen ein Gewehr einzutauschen sucht. Mit der Feder kann man jedoch niemanden zwingen, sein Verhalten zu ändern. Was kann der Satz eines Schriftstellers zum Beispiel gegen die Amerikaner ausrichten, wenn gleichzeitig das eigene Volk unter Zelten ausharrt und auf Trinkwasser wartet! Dieses Volk richtet heute seine Hilferufe nicht mehr an Legba (Vodou-Gott, Hüter des Weges) und Ogoun-Ferraille (Kriegsgott), sondern an Jesus. Es löst sich damit von den eigenen Wurzeln.

Der Französisch und Kreolisch schreibende haitianische Schriftsteller Franketienne im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, 8.6.

Vgl. L&Poe 2005 Aug #86. Inselpreis

22. Januar 2010

101. Derek Walcott 80

Einsortiert unter: Englisch, Haiti, Irland, St. Lucia — Schlagworte: , , — lyrikzeitung @ 18:24

Große Schriftsteller – darunter die Nobelpreisträger Séamus Heaney aus Irland und den Nigerianer Wole Soyinka – lud Walcott in seine Heimat nach Castries ein, der Hauptstadt des karibischen Inselstaats St. Lucia, der zum britischen Commonwealth gehört. Doch dann erschütterte ein schweres Erdbeben Haiti. Dort wurzelt Walcotts künstlerisches Schaffen. / Monsters & Critics

21. Januar 2010

96. Papiertauben für Haiti

Einsortiert unter: Haiti — Schlagworte: , , , , — lyrikzeitung @ 11:42

Hier nenne ich mit Entschiedenheit, aus der Ferne aufgeschnappt, drei junge Stimmen der haitianischen Poesie:  Bonel Auguste (geboren 1973), James Noël (1978), Farah Martine Lhérisson (1970).

Die beiden ersten habe ich zufällig durch Internetpublikationen entdeckt, durch Flüsterpropaganda, namentlich aus der Feder des Kritikers und Schriftstellers Lyonel Trouillot (siehe seine aktuelle Chronik aus Port-au-Prince bei lePoint.fr). / Patrice Beray, mediapart.fr

(beigefügt je ein Gedicht der Autoren)

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