Kategorie: Schweiz

67. Vergangenheit der Dichtung

Eine Stimme von 1905:

Romanlektüre ist zur gesellschaftlichen Mode geworden, beinahe eine Pflicht. Man treibt sie um des Reizes der Spannung willen und weil man zuweilen in die Verlegenheit gerät, vom Inhalte Zeugnis ablegen zu müssen. Ich weiß, daß viele unter höheren Gesichtspunkten lesen, daß sie losgelöst von solchen halb und halb praktischen Interessen vor “Wilhelm Meister” sitzen; aber warum findet denn nach wie vor die deutsche Lyrik, besonders die gute, keinen Absatz? Storms “Immensee” und “Schimmelreiter”, Hebbels Dramen, Kellers “Grüner Heinrich” und “Leute von Seldwyla”, Meyers “Jürg Jenatsch”, Mörikes “Mozart” werden hundertmal gelesen und wohl auch dreimal gekauft, ehe die lyrischen Schätze der Fünf auf dem Lesetische erscheinen.

Lyrische Andachten: Natur- und Liebesstimmungen deutscher Dichter, gesammelt von Ferdinand Gregori, Leipzig: Max Hesse, 1905, S. 2.

50. Arbeit in Dornbirn

Monster Poems heißt der neueste Gedichtband von Nora Gomringer, jener deutsch-schweizerischen Lyrikerin, die ihre famose Spoken-Word-Performerei lieber “arbeit als rezitatorin” nennt. Den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache erhielt Gomringer, Jahrgang 1980, ” als erste Vertreterin der Kunstform* Lyrik” und als “seine mit Abstand jüngste Trägerin”.  (…) Monströs erschienen so manchem auch die Kunstaktionen von Wolfgang Flatz. Im Flatz Museum in Dornbirn sind Nora Gomringer und das Wortart Ensemble am 16. Mai in der Reihe “Lyrik bei Flatz” zu Gast. / Petra Nachbaur, DER STANDARD, 15.5.

*) Für diesen Versuch, ein garstiges Fremdwort zu ersetzen, verdiente der Grimm-Preis auc den Grimm-Preis. (Schade nur, daß sie “Lyrik” durchließen.)

48. Schweizer Literaturpreise

Unter dem Motto «Es gibt keine Schweizer Literatur. Es gibt nur Schweizer Literaturen» hat Bundesrat Alain Berset am Donnerstag in Solothurn die ersten Schweizer Literaturpreise verliehen. Sie gingen an Erica Pedretti, Fabio Pusterla, Jean-Marc Lovay und das Übersetzungs-Festival Babel.

Die 1930 in Mähren geborene, auf Deutsch schreibende Erzählerin Pedretti, der 1957 geborene Tessiner Lyriker Pusterla und der 65-jährige Walliser Romancier Lovay erhalten für ihr Gesamtwerk je 40 000 Franken. Das Festival Babel in Bellinzona erhält gleich zwei Preise, den für Übersetzung und den für Vermittlung.

Wie der Vorläufer der Auszeichnung, der Schillerpreis, hat auch der Schweizer Literaturpreis zum Ziel, sprachgrenzenüberschreitend die Vielfalt zu fördern, wie Kulturminister Berset in seiner Festansprache betonte.

«Ohne Vielfalt würde die Schweiz nicht existieren. Die Vielfalt ist nicht Einheit. Sie erweitert die Horizonte», sagte er in seiner dreisprachigen Rede. (…)

Die Preisverleihung bildete den Auftakt zu den Solothurner Literaturtagen, die am Freitag beginnen. Sie enden am Sonntag wiederum mit einem Festakt: Franz Hohler darf dann den Solothurner Literaturpreis entgegennehmen. / NZZ 9.5.

Fabio Pusterla, geboren 1957 in Mendrisio, ist einer der ganz grossen Lyriker im italienischen Sprachraum. Er lebt in Norditalien und unterrichtet in Lugano am Gymnasium. Er veröffentlichte seit 1985 mehrere Gedichtbände, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. Er ist zudem Essayist und ein hervorragender Übersetzer aus dem Französischen und dem Portugiesischen und generell ein grosser Akteur in der Kulturszene. Aus dem Französischen hat er ein Grossteil des Werks von Philippe Jaccottet übersetzt. / srf.ch 4.4.

13. Aufzeichnungen

«Am Fenster, wo die Nacht einbricht»: Das Buch der am 14. April 2010 verstorbenen Dichterin enthält nachgelassene Aufzeichnungen aus dem Zeitraum zwischen Herbst 1996 und Jahresanfang 2010. Es handelt sich nicht um Tagebücher – Erika Burkart hat nie Diarien verfasst. Sechzehn Hefte lagen dem Herausgeber Ernst Halter vor; weitere Hefte tauchten später auf, nachdem er die Arbeit abgeschlossen hatte. Etwas mehr als die Hälfte des Textes hat Halter für die Veröffentlichung berücksichtigt und in Kapitel eingeteilt, deren Inhalte Leitthemen aus Erika Burkarts Werk aufgreifen. /

Erika Burkart: Am Fenster, wo die Nacht einbricht. Aufzeichnungen. Hrsg. von Ernst Halter. Limmat-Verlag, Zürich 2013. 306 S., Fr. 38.–.

80. Besser scheitern?

Von Felix Philipp Ingold, Zürich

Der Autor schreibt: “ein Lektüre-Notat aus meinem Arbeitsjournal”

In Gebrauchs- wie in Kunstsprachen wird zur Zeit der natürliche, alltägliche, flüchtige, provisorische Ausdruck dem mehr oder minder streng formalisierten vorgezogen: Rhetorik, Stilistik, selbst Grammatik haben kaum noch normative Funktion, die Sprachverluderung nimmt in der mündlichen wie in der schriftlichen Praxis zu, findet weithin kritiklose Akzeptanz und wird somit ihrerseits normbildend. Vorab Leserkommentare im Internet, aber auch SMS- und Mailnachrichten sowie die Tratschrhetorik der Gratispresse bieten dafür beliebig viele Belege. Hauptmerkmale dieser Rhetorik sind defekte, defizitäre, jargoneske, wortspielerische, dabei aber (für die Kommunikationsteilnehmer) problemlos verständliche Sprach- und Sprechformen; dazu gehören zahlreiche Abkürzungen, Auslassungen, fremdsprachige und privatsprachliche Versatzstücke bei durchweg schwach ausgeprägter Syntax.
Dass auch die Poesie diesen Trend aufnimmt, ist deutlich genug zu erkennen und gilt keineswegs nur für die performativen Sparten von Rap und Slam. Das aktuelle poetische Sprachdesign gibt sich heute, zumindest im deutschsprachigen Raum, als eine willkürliche, dabei spontane (improvisatorische) Hybridisierung aus Alltagsrede, Werbesprache, Songtexten und Gruppenidiomen zu erkennen.

Ich will diese Tendenz nicht bewerten, doch ich frage mich, ob es das Interesse und die Aufgabe der Poesie sein kann … sein sollte, den heruntergekommenen Status der Alltagssprache zu übernehmen, ihn künstlerisch zu kultivieren und eben dadurch zu rechtfertigen. Gelegenheitslyrik, Plauderlyrik, Gebrauchslyrik, Verbrauchslyrik, Unterhaltungslyrik, Roadlyrik, Pornolyrik, Institutslyrik, Wettbewerbslyrik scheinen die Lyrikproduktion und den Lyrikbetrieb zu dominieren, und offenkundig bestimmen diese rezenten lyrischen Sprechweisen sehr weitgehend auch die einschlägigen Rankings, Stipendien- und Preisvergaben im Bereich der Versdichtung. Sprechkunst gegen Sprachkunst: Der improvisierte Sprechakt überbietet die Geste des Schreibens, mindert sie herab zum Notat.

Jede Sprechweise hat ihren Grund und ihre Berechtigung, doch nicht jede ist gleichermassen von künstlerischem Interesse … bei weitem nicht jede behauptet sich auch in der Schrift, in der Sprachform des Gedichts. Zwar gibt es bereits wieder minderheitliche Versuche, lyrisches Sprechen strengeren Regulativen zu unterstellen, den Endreim oder die Sestine oder gar die alkäische Strophe zu rehabilitieren, doch die meisten dieser Versuche bleiben in handwerklicher Nachahmung befangen, wirken altbacken oder unfreiwillig komisch, weil die strenge beziehungsweise die angestrengte Form mit der meist trivialen alltagsweltlichen Thematik kollidiert, ohne dass diese Kollision ironisch genutzt würde; das klingt dann – in einem gern zitierten Gedicht von Ann Cotten – beispielsweise so:

Rosa Meinung ‒

In des Landgerichtes Fotze
geh ich als ein blasser Traum,
Frau ist alles, was ich kotze,
lauter Wahrheit dieser Raum.

Dass man mir mein Schwärmen nähme
denk ich, aber glaub es kaum:
Dieser Prunk im schmalen Schoße
ist der Trödelväter Schaum.

Wenn ich nur die Arme breite,
ächzt er wie ein Eichenbaum,
kracht in brüchig tausend Scheite,
schäumt, dass ich, Blitz, ihn ableite.

Brenn zu Asche, mich zu wärmen!
(Denn ich will von Deutschland lernen.)

Welches sind die Meriten … welche künstlerischen Meriten hat dieses kleine lyrische Gedicht? Die Reime allein … die Reimqualitäten können es nicht sein. Zwar richtet die Autorin besonderes Ohrenmerk auf den Gleichklang der unregelmässig gekreuzten Versenden, doch besonders kunstvoll operiert sie damit nicht. Der starke Reim ist nicht der geklotzte Reim, der die Paarung zwischen “Fotze” und “kotze” vollzieht, zwischen zwei umgangssprachlich imprägnierten Wörter also, die einander nicht nur klanglich, sondern auch bedeutungsmässig und stilistisch analog sind.

Der starke Reim ist vielmehr der diskrete Reim, bei dem die Assonanz konterkariert wird durch den Bedeutungsunterschied oder den Bedeutungsgegensatz der Wortpaarung. In solchem Verständnis wäre, auf ein simples Beispiel heruntergebrochen, der Reim “Herz::quert’s” dem naheliegenden “Herz::Schmerz” vorzuziehen, so wie “Fotze” mit “Rotsee” oder “droht’s eh” überzeugender gereimt wäre als mit “kotze”. Immerhin wird aber die Wortart variiert (Substantiv/Verb) und damit die grammatische Gleichschaltung von “Fotze::Kotze” (Substantiv/Substantiv) vermieden. ‒ Nebst dem Reim soll offenbar auch die leicht antiquierte Wortfügung den Eindruck der Künstlichkeit und damit die Kontrastbildung zur Trivialthematik des Gedichts verstärken: “In des Landgerichtes Fotze …” und “der Trödelväter Schaum” (vorgezogener Genetiv); “dass man mir mein Schwärmen nähme” (stilistisch abgehobener Konjunktiv); “dieser Prunk im schmalen Schosse” (ferne Assonanz zu “Fotze” und “kotze” dank altertümlicher Dativform).

Ann Cotten selbst hat sich zu ihren Versen ausgiebig vernehmen lassen, hat gar deren nietzscheanischen Subtext offengelegt und – der historischen Moderne eben doch verpflichtet! – beteuert, sich mit dem Gedicht beziehungsweise mit dessen lyrischem Ich keineswegs identifizieren zu wollen. Gleichzeitig befürchtet sie, dass man ihre in den Text investierten “auf­rich­tigen Regungen” verkennen und etwa für unernsten Hohn halten könnte, was von ihr durchaus ernst gemeint sei. Aber wie denn nun? Stehen da Wollen und Können im Konflikt?

“Rosa Meinung”! ‒ Im Titel (der zugleich das Themawort des Textes ist) sind Samen und Moese und mein Ei und sogar der Reim buchstäblich mitgegeben – die anagrammatische Entfaltung erschliesst ein Bündel von Bedeutungen, die verlässlich über das bessere Wissen der Autorin hinausweisen. Auch das kann die Sprache ‒ besser wissen, statt bloss besser zu scheitern wie so mancher Dichter an seinem Gedicht.

106. Balls Messgesang

Hugo Ball (1886-1927) begründete während des Ersten Weltkriegs in Zürich den Dadaismus. (Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?)

Anja Kampmann sprach im Deutschlandfunk über

Wiebke-Marie Stock: “Denkumsturz Hugo Ball. Eine intellektuelle Biografie” Wallstein Verlag

Aber bereits im Juni 1916, in der Hochphase der Dada-Zeit, entdeckt Wiebke-Marie Stock eine Dimension der Klanggedichte, die Ball fortan beschäftigen wird. Während er in einem Bischofskostüm aus Glanzpapier ein Krippenspiel aufführt, fällt ihm plötzlich etwas auf. Seine Stimme

“verfällt bei der Aufführung in die uralte Kadenz der priesterlichen Lamentation, in ‘jenen Stil des Messgesangs, wie er durch die katholischen Kirchen des Morgen- und Abendlandes wehklagt. Ich weiß nicht, was mir diese Musik eingab.”

Ball erblickt inmitten seiner Wort- und Vokalalchemie eine plötzlich aufscheinende religiöse Dimension.

 

79. manuskripte 199/2013

Im aktuellen Heft (März 2013, € 11,70, 161 S.):

2 Nachrufe auf die slowenische Dichterin Maruša Krese, von Andrea Stift:

Liebe Maruša, mein Wunsch für das Jahr 2013 war, dass einmal 365 Tage keiner stirbt, den ich gern habe. Mein Wunsch hat sich nicht erfüllt. (…)

Maruša, Du warst so politisch, dass ich Angst davor hatte, mit Dir über Politik zu reden (weil ich dachte, ich verstünde nichts. Dabei ist das nur eine Ausrede. Jeder versteht).  Du hast es zuwege gebracht, diese zwei Dinge zu vereinen, die sich für mich ausschließen: Menschlichkeit und eben Politik.

und Ilma Rakusa

Am 7. Januar 2013 hat sie ihr nomadisches Unterwegssein beendet. In Ljubljana, ihrer Geburtsstadt, im Alter von 65 Jahren. (…) Wo war ihr Ort? Sie wusste es selbst nhicht. Nicht in Slowenien, das ihr zu eng schien, nicht im hippen Berlin, nicht in San Francisco. Schon eher im versehrten Sarajevo, das sie während des Krieges immer wieder aufsuchte, um zu helfen, was ihr 1997 das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland eintrug. Nur das Prekäre, Provisorische zog sie an, eine bürgerliche Existenz im trauten Heim konnte sie sich nicht vorstellen.

Gedichte von: Martin Kubaczek, Elke Laznia (Prosagedichte), Verena Stauffer (Sonett, Terzinen), Andreas Unterweger, Sara Ventroni (Italienisch/Deutsch), Franz Josef Czernin (zungenenglisch. visionen, varianten), Marija Ivanović, Ronald Pohl, Ingeborg Horn, Milena Marković, Volha Hapeyeva

Prosa von: Ulrike Draesner, Hanna Engelmeier

Liste der Vögel, die ich von Nietzsches Balkon aus beobachten konnte: Elstern, Blaumeisen, Eichelhäher, Krähen, Buntspechte und einen nicht identifizierbaren Pseudo-Zaunkönig, Tauben.

Gundi Feyrer, Dana Ranga, Thomas Rothschild (Bruder Eichmann, Breivik und die Sopranos), Paul Nizon, Franz Schuh, Lukas Palamar u.a.

Beiträge über: Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki, Peter Waterhouse

55. Von der lit.cologne

Gedichte aus dem LED-Zeitalter also. Das klingt, nun ja, modern? Hell? Erleuchtend? Ein Beispiel. „Was nicht passt, ist die Zukunft von früher.“ Punkt. Schnell wird klar, vor allem sind die Gedichte von Judith Nika Pfeifer eins: kurz. Und: anders. Wieso die künstlerische Epoche Pfeifers als LED-Zeitalter beschrieben wird, leuchtet ein. Ihre Gedichte blinken auf, schnellen für einen kurzen Moment intensiv empor. Und hinterlassen bisweilen Dunkelheit, zumindest in der Verständnisfrage. „Ich muss ehrlich sagen, ich habe kein einziges Gedicht verstanden“, sagt ein Zuhörer.

(…) als die Wienerin ein wenig aufgeregt frei heraus mitteilte, sich bei ihren durchaus speziellen Texten teilweise gar nicht so viel gedacht zu haben. Sie einfach im Kopf gehabt hätte. Und die Interpretation doch den Lesern überlassen wolle. „So einfach ist es nicht“ tadelte sie die vorzügliche Moderatorin, Literaturkritikerin Verena Auffermann. / Michael Krämer, Kölner Stadtanzeiger

Für Schnellleser in Kurzfassung:

Gedichte aus dem LED-Zeitalter also. Das klingt, nun ja, modern? Hell? Erleuchtend? Ein Beispiel. „Was nicht passt, ist die Zukunft von früher.“ Punkt. Schnell wird klar, vor allem sind die Gedichte von Judith Nika Pfeifer eins: kurz. Und: anders. Wieso die künstlerische Epoche Pfeifers als LED-Zeitalter beschrieben wird, leuchtet ein. Ihre Gedichte blinken auf, schnellen für einen kurzen Moment intensiv empor. Und hinterlassen bisweilen Dunkelheit, zumindest in der Verständnisfrage. „Ich muss ehrlich sagen, ich habe kein einziges Gedicht verstanden“, sagt ein Zuhörer.

(…) als die Wienerin ein wenig aufgeregt frei heraus mitteilte, sich bei ihren durchaus speziellen Texten teilweise gar nicht so viel gedacht zu haben. Sie einfach im Kopf gehabt hätte. Und die Interpretation doch den Lesern überlassen wolle. „So einfach ist es nicht“ tadelte sie die vorzügliche Moderatorin, Literaturkritikerin Verena Auffermann.

6. Dringlichkeit

Der 1980 im nordrhein-westfälischen Meerbusch geborene und heute in der Schweiz lebende Westermann ist eine Ausnahmegestalt unter den jüngeren Lyrikern, die meist eine sprachexperimentelle Neuausrichtung ihrer Gattung anstreben. Westermann dagegen bekennt sich zu einer Poesie der „Dringlichkeit“, die primär die unsichere Kontur und Selbstwahrnehmung des Ich in den Blick nimmt, seinen Standort in der Verborgenheit „abseits der Dinge“. Damit hat er 2010 den „open mike“-Wettbewerb der Berliner Literaturwerkstatt in der Sparte Lyrik gewönnen.

Seine Gedichte geben sich narrativ, dabei wird das Erzählerische stets eingebunden in trancehafte Monologe, die vom Weltgefühl der Verlorenheit sprechen. Immer wieder sucht das an sich selbst zweifelnde und verzweifelnde Ich nach einer Verankerung – doch im „Kammerflimmern“ ist kein Halt zu finden. / Michael Braun, Tagesspiegel

Levin Westermann: unbekannt verzogen. Gedichte. Luxbooks Verlag, Wiesbaden 2013. 114 Seiten, 22 €.

55. Preis für Rothmann und Camenisch

Ralf Rothmann erhält den mit 20.000 Euro dotierten Friedrich Hölderlin-Preis 2013 der Stadt Bad Homburg. Der Förderpreis in der Höhe von 7.500 Euro geht an den Schweizer Arno Camenisch.

Die Jury ehrt Rothmann „für sein literarisches Werk, das sich in Gedichten, Erzählungen und Romanen durch atmosphärische Dichte und sprachliche Genauigkeit auszeichnet.“ Sein Œuvre weise über den Tag hinaus und habe sich auch dadurch repräsentativen Rang erworben, heißt es in der Begründung weiter. Die Jury setzte sich aus Jochen Hieber (FAZ), Oberbürgermeister Michael Korwisi, Kulturdezernentin Beate FleigeAnne Bohnenkamp-Renken (Freies Deutsches Hochstift), Heinz Drügh (Johann-Wolfgang-Goethe-Universität), Gerhard Kurz (Hölderlin-Gesellschaft) und Klaus Merz (Vorjahrespreisträger) zusammen. (…)

Arno Camenisch erhält den Förderpreis „für die sprachartistische Erzähltrilogie über Landschaft und Leute seiner Graubündner Herkunft. Souverän spielt der Autor in den so kurzen wie konzisen Romanen Sez Ner, Hinter dem Bahnhof und Ustrinkata mit den Idiomen, die ihn prägten: mit dem Rätoromanischen, dem Schweizerdeutschen und mit unserer Hochsprache.“ / buecher.at