Kategorie: Rumänien
40. Ändern
Wie repräsentativ ist das und wessen Sicht wird da repräsentiert? Abschnitt aus dem Wikipedia-Artikel “Deutsche Literatur”
Rumäniendeutsche Literatur [Bearbeiten]
Der meistgelesene zeitgenössische rumäniendeutsche Autor, der in Rumänien wirkt, ist Eginald Schlattner. Mittlerweile in Deutschland schreibt die Banater Autorin Herta Müller.
Vorher wirkte Adolf Meschendörfer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Kronstadt.
Obwohl die meisten deutschsprachigen Menschen aus Rumänien ausgewandert sind, hat sich im Banat eine neue Literaturgruppe Die Stafette zusammengefunden, aus der neue deutschsprachige Autoren, die die Rumäniendeutsche Literatur weiterführen, hervorgehen könnten.
24. Unterlassungsklage
Dr. Claus Stephani hat sich mit einer Unterlassungsklage gegen den Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und Richard Wagner durchgesetzt. Das Oberlandesgericht München verbietet der Siebenbürgischen Zeitung, eine „weitergehende IM-Tätigkeit von Dr. Claus Stephani“ zu behaupten. / Siebenbürgische Zeitung 8.3.
Als juristisch Unbeleckter find ichs recht lustig, daß sich jemand die Mühe macht, eine Äußerung verbieten zu lassen, und die verbotenen Aussagen in seinem eigenen Blog dokumentiert, hier.
19. Dilemma
Im Zuge der heftigen Debatten um Oskar Pastiors IM-Akte stand von Anfang an die Frage im Raum, ob auch sein literarisches Werk neu bewertet werden müsse. Als Stefan Sienerth vor zweieinhalb Jahren mit seiner Entdeckung an die Öffentlichkeit trat, dass Oskar Pastior von Juni 1961 bis April 1968 als IM „Stein Otto“ beim rumänischen Geheimdienst Securitate unter Vertrag gestanden hatte, plädierte er am 17. September 2010 im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa für eine „neue Lesart“ von Pastiors Werk: „Seine Lyrik hat eine eigenartige Bildlichkeit – und eine neue Untersuchung vor diesem Hintergrund ist bestimmt nicht uninteressant.“ (…)
Beispiele für die Verunsicherung im Umgang mit dem literarischen Oeuvre von Oskar Pastior ließen sich viele nennen. Hier sei lediglich ein weiteres herausgegriffen, um das Ausufern der Diskussion zu verdeutlichen. In der Zeitung für Literatur Volltext vom 29. März 2011 hat der Publizist und Schriftsteller Felix Philipp Ingold die Frage aufgeworfen, „inwieweit Pastiors hermetischer Formalismus [...] als subversiv beziehungsweise als simulativ zu gelten hat und ob bei ihm allenfalls ,zwischen Zeilen‘ schon längst festgeschrieben steht, was sein ,Ordner‘ erst heute an Dokumenten freigibt“, um dieser Hypothese zufolge ein close reading zu fordern, das „im Hinblick auf ,verschwiegene‘ oder ,verdunkelte‘ oder ,verfremdete‘ Informationen“ unerlässlich sei, „da der Autor [...] sein zweites Trauma, den IM-Dienst, bis zu seinem Lebensende konsequent tabuisiert hat“.
Weil zahlreiche Spekulationen und Unterstellungen die Auseinandersetzung mit Pastiors IM-Vergangenheit begleitet haben, sieht es die Oskar-Pastior-Stiftung als ihre Aufgabe an, die Debatte zu versachlichen und mit ebenso detaillierten wie fundierten Forschungsergebnissen nicht allein für biografische, sondern auch für literarische Klarstellungen zu sorgen. Ein erster Schritt auf diesem Weg war das Symposion mit ausgewiesenen Literaturexperten am 23. Juni 2012 in Berlin (diese Zeitung berichtete), dessen Ergebnisse nun ein Sonderband der Zeitschrift TEXT + KRITIK unter dem Titel „Versuchte Rekonstruktion – Die Securitate und Oskar Pastior“ präsentiert. / Edith Konradt, Siebenbürgische Zeitung
Versuchte Rekonstruktion – Die Securitate und Oskar Pastior. Herausgegeben von Ernest Wichner. Text + Kritik, Zeitschrift für Literatur, Sonderband, München, 2012. ISBN 978-3-86916-199-0, Euro 24,00
Oskar Pastior: Lesen gehn … Gedichte, gelesen und teilweise kommentiert von Oskar Pastior, Urs Allemann, Oswald Egger, Péter Esterházy, Michael Krüger, Michael Lentz, Herta Müller, Ulf Stolterfoht und Ernest Wichner. 2 CDs, 142 Minuten, Hörbuch Hamburg, 2013, ISBN 978-3-89903-380-9, Euro 14,99
82. Schlesaks Tagebuch
Dieter Schlesak, der 1969 Rumänien verlassen hatte, veröffentlicht seit 2.3. sein “Tagebuch 1968 – 2013″ in seinem Blog.
Die Reisen nach Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, die lebensentscheidende Begegnung mit Linde im S. Fischer Verlag am 13. November 68 vormittags. Das Hotel Kupferschmidt, die Parvisgeschichte (Lindes Maker, der wegen Drogenhandel im Knast gesessen hatte! Dann rauskam und uns im Bett überfiel, wir vögelten gerade. Er hatte die Tür eingetreten und schlug mit seiner Aktentasche auf mich ein.)
Flug Köln -Hamburg.Hamburg-Frankfurt.Wieder Frankfurt. Manthey kennengelernt. HR.November 1968, die Einladung auf den Sonnenberg, das Treffen mit der tschechischen Delegation.Die Tagebücher ziemlich diffus notiert.Heute am 12.7.2012, so viele Jahre später -Notizen in den TBs (lose Blätter)gefunden:Für Dieter-MichaelIch sehe das Wort nichtUnd kann es sprechenDie Jacke halt ich aufDie du verloren hastIn mir und überall hinausBis an den Rand der Luft.Bist du ein Sprechgerätder Fernen?Als ich dann erst nach einem halben Jahr, März 1969 nach Bukarest zurückfuhr, sagte Magdalena und auch meine Redaktionskollegen: Du hast dich verändert so als wärst du sehr weit, als könntest du hier nicht mehr ankommen. Und T. (so nannte ich mich: „Totalitäre Seele“) wusste das. Er war „gebrochen“, schwach und distanziert geworden.
49. Stadt der toten Dichter
Eine Reise nach Czernowitz, ukrainisch Tscherniwzi, beginnt in der eigenen Bibliothek. Kaum eine Provinzstadt hat so viele Dichter und Denker hervorgebracht wie die alte Hauptstadt der Bukowina: Die Lyriker Paul Celan und Rose Ausländer, auch der berühmte Biochemiker und Essayist Erwin Chargaff wurden hier geboren, die Schriftsteller Karl Emil Franzos und Mihail Eminescu sowie der Psychoanalytiker Wilhelm Reich gingen hier zur Schule. Nicht umsonst wird die Stadt am Pruth als “Stadt der toten Dichter” bezeichnet. (…)
Mit Beginn der österreichischen Herrschaftsperiode wurde eine Einwanderungspolitik in Gang gesetzt, die eine beispiellose Völkervielfalt mit sich brachte. Vor allem Deutsche, Juden, Armenier und Ungarn ließen sich in der bis dahin überwiegend von Ukrainern und Rumänen besiedelten Gegend nieder. Der Aufstieg von Czernowitz vom abgelegenen Provinznest zur multiethnischen Großstadt erfolgte in beachtlichem Tempo und endete erst 1918 mit dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie. (…)
Wie entleert und seelenlos muss dieses Czernowitz gewesen sein, nachdem man* die Juden, Roma, Rumänen und Polen deportiert, versklavt und ermordet, die Deutschen “heim ins Reich geholt” hatte. / Georg Christoph Heilingsetzer, Die Welt
*) vornehm gesagt. Wikipedia sagt (übrigens auch mit einem merkwürdig passivischen Akzent):
Am 28. Juni 1940 wurde die Stadt von der Sowjetunion besetzt, der Großteil der deutschen Bevölkerung wurde nach Verhandlungen mit Deutschland anschließend „Heim ins Reich“ geholt. Von 1941 bis 1944 gehörte Czernowitz wieder zu Rumänien, das mit dem Dritten Reich verbündet war. In dieser Zeit kam es zur Ermordung und Deportation eines großen Teils der jüdischen Gemeinde. Als 1944 die Rote Armee die Stadt erneut einnahm, wurden die noch verbliebenen deutschen Bewohner der Stadt vertrieben, auch ein Großteil der rumänischsprachigen Bevölkerung verließ Czernowitz. Es siedelten sich nun tausende Ukrainer und Russen in der Stadt an. Die ehemals deutschsprachige Kultur der Stadt verschwand fast vollständig.
Die ukrainische Fassung ergänzt:
Während der sowjetischen Periode verschwanden die Deutschen und Polen, sank die Zahl der Rumänen (17%), Juden und stieg die Zahl der Ukrainer (62%) und Russen (11%).
Muttersprache, nach der Volkszählung von 2001:
- Ukrainisch – 79,2%,
- Russisch – 15,27%
- Rumänisch / Moldovan – 4,34%
- Polnisch – 0,12%
- Hebräisch (?? “єврейська” evtl. auch Jiddisch?) - 0,11%
- Weißrussisch – 0,09%
- Armenisch – 0,05%
- Bulgarisch – 0,03%
- Deutsch – 0,03%
- Gypsy – 0,02%
- Ungarisch – 0,01%
Die deutsche Version hat leider keine Liste berühmter Bewohner der Stadt. In der ukrainischen heißt es:
Berühmte Einwohner der Stadt (vor dem Krieg, 1941):
Die deutsche Dichterin Rose Ausländer (1901-1988), der österreichische und rumänische Historiker Daniel Verenko (1847-1940), der deutsche Dichter, Romancier, Dramatiker, Übersetzer, Journalist, Schauspieler George Drozdowsky (1899 – 1987), der deutsche Dichter Paul Celan (1920-1970 ), der Biochemiker Erwin Chargaff (1905-2002), der jüdische (jiddische) Schriftsteller Itzik Manger (1901-1969), die rumänische Pianistin Karol Mikuli (1821-1892), der deutsche Schriftsteller und Journalist Gregor von Rezzori (1914-1998), der jüdische Schriftsteller Elizer Shtaynbarh (1889-1932), die ukrainischen Schriftsteller Yuri Fedkovich (1834-1888) und Olga Kobylyanskaya (1863-1942).
In Czernowitz arbeitete der rumänische Dichter Mihai Eminescu (1850-1889), der Schriftsteller und Journalist Karl Emil Franzos (1848-1904), der Dichter und Übersetzer Alfred Margul-Sperber (1898-1967), der Dichter Moses Rosenkranz (1904-2003), der Tenor Joseph Schmidt (1904-1942) und der Wirtschaftswissenschaftler (damals Finanzminister) Joseph Schumpeter (1883-1950).Berühmte Einwohner der Stadt in der Nachkriegszeit (1941)
Vladimir Ivasyuk – 1949-1979 – ukrainischer Komponisten und Dichter. Held der Ukraine;
Ivan Mykolaychuk – 1941-1987 – ukrainischer Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor;
Dmitry Hnatiuk – ukrainische Opernsängerin (Bariton);
Sofia Michailowna Rotaru – Sängerin;
Arthur Kogan – Schachspieler, Großmeister.
Die englische Fassung nennt:
Many well-known historical figures were born in the city, including poet and writer Paul Celan, actress Mila Kunis, musician and essayist Roman Vlad and Selma Meerbaum-Eisinger, the former Speaker of the Parliament Arseniy Yatsenyuk, anarchist political activist Zamfir Arbore, and the Vienna Secession artist Oskar Laske. Many other famous people lived and worked in the city, such as Ukrainian national poet Ivan Franko, the first President of Ukraine Leonid Kravchuk, Romanian national poet Mihai Eminescu, Yiddish actress Sidi Tal, novelist Aharon Appelfeld, Eudoxiu Hurmuzachi, Aron Pumnul, Ciprian Porumbescu, Ion Nistor, Gala Galaction, economist and political theorist Joseph Schumpeter, jurist and sociologist of law Eugen Ehrlich, Nikolai Vavilov, Abraham Goldfaden, Ruth Wisse, and Avigdor Arikha.
Die rumänische nennt u.a. bemerkenswert viele weitere deutsch- und anderssprachige Autoren:
Moisei Fișbein (n. 1947), Alfred Gong (geboren als Alfred Liquornik) (1920–1981), Alfred Kittner (1906–1991), Dan Pagis (1930–1986), Gregor von Rezzori (d’Arezzo; 1914–1998), James Immanuel Weissglas, auch bekannt als Ion Iordan, (1920–1979), Hermann Bahr (1863-1934), Isaac Schreyer, auch Herbert Urfahr (1890 – 1948), Eliezer Steinbarg (1880–1932).
13. Empathie und Akten
Die Kontroverse zwischen den Siebenbürger Schriftstellern Hans Bergel und Eginald Schlattner teilt seit Jahrzehnten ein Publikum, das in diesem aussergewöhnlichen Konflikt fast immer eindeutig Partei ist. Es ist einer der markantesten Fälle von moralischer Aufladung eines historischen Geschehens, das seinen Ausgangspunkt vor über fünfzig Jahren im kommunistischen Rumänien nahm: Ein Militärgericht in Kronstadt (Brasov) verurteilte 1959 in einem Schauprozess gegen eine Gruppe junger Schriftsteller aus der deutschen Minderheit fünf Angeklagte zu insgesamt 95 Jahren Haft und Arbeitslager, aus denen diese 1965 durch Amnestie freikamen und die 1968 rehabilitiert wurden. Die Anklage lautete seinerzeit im Zusammenhang mit den Verfolgungswellen nach dem ungarischen Aufstand von 1956 auf Unterwühlung der kommunistischen Gesellschaftsordnung. Heute lebt von den Verurteilten Wolf von Aichelburg, Georg Scherg, Andreas Birkner, Harald Siegmund und Hans Bergel nur noch Letzterer – und der damalige «Kronzeuge» Eginald Schlattner. (…)
Der Schriftsteller und Journalist William Totok verweist in der von ihm redigierten «Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik» auf Nuancenverschiebungen bei der Übersetzung von Dokumenten, die in dem 1992 den Fall ausführlich darstellenden Band «Worte als Gefahr und Gefährdung» des Münchner Instituts für Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) erschienen. So ist laut Totok Bergels Behauptung im Prozess, dass er das kommunistische Regime akzeptiere, durch Auslassungen verschleiert. Auch sei früh von einer Securitate-Mitarbeit Schlattners die Rede gewesen, obwohl dies nicht der Fall war. Schlattner hatte zwei Jahre in Haft gesessen, bevor er die belastenden Aussagen machte. Der später zum evangelischen Pfarrer gewordene Autor war selbst bis zum Ende des Regimes Objekt der Überwachung durch die Geheimpolizei. Totok weist zudem darauf hin, dass es keineswegs allein die Aussagen Eginald Schlattners gewesen seien, die zur Belastung der Angeklagten geführt hatten. Vielmehr habe eine wichtige Rolle auch ein von Temeswarer Germanisten produziertes «Gutachten» über Bergels Erzählung «Fürst und Lautenschläger» gespielt. William Totok mahnt mehr Empathie mit allen Formen der Repression durch die Securitate an, zumal sehr viel mehr Personen in deren Informationssystem involviert waren. / Markus Bauer, NZZ 3.1.
7. Spiritualität und Gesundheit
Spiritualität (Sorin Cerin)
1460. In einer kranken und gescheiterten Gesellschaft wird aus Spiritualität ein Ödipuskomplex.*
Aus: Wisdom Collection (2009). Englische Übersetzung bei archive.org. Die Sammlung umfaßt 7012 Aphorismen in 6 Büchern. Sorin Cerlin ist ein rumänischer Philosoph und Autor von Aphorismen, Essays, Romanen und Gedichten. Er wurde 1963 in Baia Mare geboren.
*) Nach dem Englischen.
48. Kampf gegen “Volksfeinde”
Iulia Motoc, die im Verfassungsgerichtshof dem Neototalitarismus der USL entgegentritt, wurde von Antena 3 als „psychisch krank“ diffamiert. Cristi Danilet, der als Richter seine Unabhängigkeit beweist, wurde von dem Sender wegen eines Fotos, das ihn mit seiner Tochter zeigt, Pädophilie unterstellt.
Horia-Roman Patapievici, einer der prominentesten Intellektuellen des Landes, ist seit mehreren Monaten arbeitslos. Der 55 Jahre alte Physiker und Philosoph bewohnt eine Zweizimmerwohnung in einem Plattenbau am Stadtrand von Bukarest. Seine Nachbarn haben aufgehört, ihn im Stiegenhaus zu grüßen. Auf der Straße beschimpfen und bespucken ihn Unbekannte, bei der Eröffnung der Bukarester Buchmesse wurde er vor wenigen Tagen von einem Besucher attackiert. Patapievici war Mitarbeiter des Instituts für das Studium der Dokumente des kommunistischen Geheimdienstes Securitate und leitete zuletzt sieben Jahre lang das Rumänischen Kulturinstitut (IRC). Er verwandelte dessen ausländische Dependancen, die mit vergilbten Prospekten für rumänische Folklore warben, in Zentren der kulturellen Begegnung, die ein neues, weltoffenes Rumänien präsentierten.
Während die rumänischen Kulturinstitute in Stockholm, Wien und Istanbul, in Paris, London und New York Lob und Anerkennung ernteten, setzte in Bukarest eine beispiellose Kampagne gegen den IRC-Präsidenten ein. Jahrelang verleumdete der TV-Sender Antena 3 Patapievici als „Pornograph“, als „Zerstörer der Nationalkultur“ und „Feind des Volkes“, der eigentlich gar „kein Rumäne“ sei. Dieser Hass, sagt Patapievici, habe mitten in der Gesellschaft eine Atmosphäre entstehen lassen, wie sie in Deutschland in den dreißiger Jahren geherrscht habe. Er sei dieser Hetze ohnmächtig ausgeliefert: „Wie soll ich mich verteidigen? Soll ich etwa im Fernsehen auftreten und sagen, dass ich kein Pornograph und kein Volksfeind bin?“ In den Wohnungen des Plattenbaus, in dem er wohnt, läuft Antena 3 ununterbrochen. Im Juni wurde Patapievici von der Regierung Ponta mit Hilfe einer Notverordnung in einem Handstreich abgesetzt. (…)
Ein Haupt, das sich beugt, schlägt das Schwert nicht ab, lautet ein altes rumänisches Sprichwort. Um den Gehorsam zu erzeugen, der in den Jahrhunderten der osmanischen Hegemonie und in den Jahrzehnten des kommunistischen Terrors von den Rumänen erlernt wurde, reicht es, ein paar Dutzend durch Rufmord hinzurichten. Die anderen ducken sich, aus Furcht, sonst selbst an die Reihe zu kommen. In dem Land, das seit 2007 der EU angehört, regiert die Angst. (…)
(…) wieder erteilt „Die Stimme Russlands“, der Auslandsfunk des Putin-Regimes, der USL Ratschläge. Im Sommer hatte die rumänische Redaktion des Senders Ponta dazu aufgerufen, den Forderungen der EU-Kommission nicht nachzugeben und Băsescu notfalls durch den Druck der Straße aus dem Cotroceni-Palast zu vertreiben, dem Amtssitz des Staatsoberhauptes. Jetzt rät der russische Sender dazu, die Reputation der drei rumänischen Persönlichkeiten zu zerstören, die im Westen den Eindruck erweckt hätten, in Rumänien gehe es um einen Kampf zwischen dem Rechtsstaat und einer kriminellen politischen Kaste. / Karl-Peter Schwarz, FAZ 3.12.
24. lyrikline Advent
lyrikline.org bietet zur Zeit 7596 Gedichte von 832 Dichtern aus 57 Sprachen und über 10.365 Übersetzungen in 55 Sprachen!
Und wenn Sie wollen – im Advent jeden Tag ein neuer Dichter zu entdecken.
Bisher (originalsprachig und teilweise in verschiedenen Übersetzungen zu hören und lesen):
Geert Buelens (Niederländisch)
am 05. Dezember 2012
Margarida Ferra (Portugiesisch)
am 04. Dezember 2012
Ngwatilo Mawiyoo (Englisch)
am 03. Dezember 2012
Nouri Al-Jarrah (Arabisch)
am 02. Dezember 2012
Svetlana Cârstean (Rumänisch)
am 01. Dezember 2012
171. Aus Rumänien
Wie vielfältig die rumäniendeutsche Literatur, früher im Wechselbad zwischen Tauwetter und Eiszeiten, heute in den verschiedensten Stimmen zu erkennen, noch immer ist, zeigten sodann die Lesungen von drei Autoren der mittleren Generation, Horst Samson (geboren 1954), Franz Hodjak (1944) und Hellmut Seiler (1953). Samson, in der Bărăgan-Steppe geboren, heute in Neuberg in Deutschland lebend, ließ in seinen neuen Gedichten die ganze Bandbreite seiner Thematik aufscheinen. Wie es ein kurzer Prosatext veranschaulicht, gilt sein verstärktes Interesse auch der Vertiefung seiner Biografie und den geschichtlichen Banat-Sujets.
Mit dem Lyriker Franz Hodjak – er las aus einem in Vorbereitung befindlichen Gedichtband, aber auch den Essay „Heimatlosigkeiten“ – ist man sofort mitten drin in der rumäniendeutschen Literatur wie auch in der Avantgarde der modernen deutschen Lyrik. „Einst wechselte ich hier die Sprache mit dem Zug“ – so lautet z. B. ein typischer Hodjak-Vers aus dem kompromisslosen Gedicht „Aufgelassener Bahnhof“.
Hellmut Seiler las in seinem unverkennbaren Stil zwischen Ironie und Selbstironie einige Texte aus einem neuen Lyrikband sowie einen lyrischen Prosatext. „Weh dem, der eine Heimat hat…“, bekennt der Dichter u.a . (…)
Als eine der Überraschungen dieser Tagung des Exil-P.E.N. muss man die unverkennbare Stimme des Lyrikers, Theaterautors und Regisseurs Frieder Schuller (1942, Katzendorf) hervorheben. Die Lesung aus seinem kürzlich uraufgeführten Stück „Ossis Stein“ über Oskar Pastior wurde mit reichem Beifall belohnt.
Dem Publikum von Wolfgang Schlott einfühlsam präsentiert, lasen darauf drei Banater Autoren der mittleren Schriftstellergeneration: Johann Lippet (1951) las aus seinem kürzlich erschienenen Band „Bruchstücke aus erster und zweiter Hand“. Die Lyrikerin und Prosaautorin Ilse Hehn (1943) las aus ihrem aufregenden Zyklus der Reisegedichte. Der Prosaautor Balthasar Waitz (1950) las Auszüge aus seinem Prosaband „Krähensommer und andere Geschichten aus dem Hinterland“.
Ein Vertreter der älteren Generation, der angesehene Autor Dieter Schlesak (1934) – vor Kurzem erlebte sein Erfolgsbuch „Capesius, der Auschwitzapotheker“ auch eine hebräische Ausgabe – las einfühlsame bis düster anmutende Gedankenlyrik.
Horst Samson verlas am letzten Tagungstag für den leider verhinderten Literaturhistoriker und -kritiker Dr. Walter Engel (Düsseldorf) dessen Referat „Kontraste. Innenwelt und Außenwahrnehmung des Banats in ‘Krähensommer’ von Balthasar Waitz und ‘Banatsko’ von Esther Kinsky”.
Der Prosaautor Gerhard Ortinau (1953), ehemaliges Gründungsmitglied der Aktionsgruppe Banat, trug sein berühmtes und auch heute hochaktuelles Gedicht „Die Moritat…“ vor, aber auch einen brillanten, rege Diskussionen auslösenden Text über den ehemaligen SPD-Politiker Herbert Wehner. / Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien