Kategorie: Norwegen
98. Konkret machen
In Dichterforen* feiert er seine ewige Wiederkehr, der Streit zwischen verständlicher und unverständlicher Lyrik. Man könnte ihn mit einem Buchtitel des polnischen Poeten Tadeusz Rozewicz kommentieren: „Letztendlich ist die verständliche Lyrik unverständlich“. Oder die Debatten toben lassen und zu den Gedichten des Norwegers Olav H. Hauge greifen. Hauge, 1908 in Ulvik am Hardangerfjord geboren und 1994 dort gestorben, bewegt sich jenseits solcher Positionen.
In seinen Gedichten bezieht Hauge sich häufig auf die Mythen der „Edda“. „Die Tradition“, so vermerkt er in seinem Tagebuch, „ist ein starker Fluss, der die Baumstämme vieler tragen kann.
Es nützt nichts, das Holz auf der eigenen Pisse zu flößen, es kommt nicht weit.“ Aber Hauge sah auch, dass Formen sich erschöpfen. Er las viel (Quasimodo, Guillevic, Whitman, Hardy), übersetzte (Hölderlin, Trakl, Brecht und Celan), und obwohl er abgeschieden lebte, war er mit den geistigen Strömungen seiner Zeit vertraut. Was er an der modernen Lyrik nicht mochte, war ihre Hybris. Hauge störte es, dass das moderne Gedicht mit Bildern überfrachtet war**. Witzigerweise rief er in seinem Tagebuch ausgerechnet Aristoteles als Kronzeugen zu Hilfe, der davor gewarnt hatte, zu groß zu bauen, denn „eine Stadt soll nicht größer sein, als man von einem Hügelrücken aus überblicken kann“. Er zog daraus den Schluss: „Vereinfache, versuche den Kern zu fassen, es konkret zu machen.“ / Volker Sielaff, Tagesspiegel
Olav H. Hauge:
Gesammelte Gedichte.
Edition Rugerup, Hörby 2012.
336 Seiten, 24,90 €.
*) In Dichterforen? Hier möchte ich widersprechen. Das stimmt doch fast nur für die BELLAtriste-Debatte. Die schon ein paar Jahre zurückliegt. Alles andere, was in den letzten Jahren tönt, sind nicht wechselseitige Dichterfehden, sondern eine kleine Gruppe von Autoren – man kann kaum sagen einer Fraktion oder Richtung – verbreitet von Fall zu Fall via Agenturmeldungen, in Laudationes, Leserforen und Blogs übelgelaunte Angriffe auf von ihr akademisch und unverständlich genannte Autoren, die selten namentlich genannt werden.
**) Kennzeichnend für diese Pseudodebatten ist ja gerade, daß keine ästhetischen Argumente vorgebracht werden. Bild-Überfrachtung ist kein Merkmal einer bestimmten Richtung, sondern geht eher quer durch Scheinfronten. Es gibt “unverständliche” Gedichte ganz ohne Bilder und mit Bildern überladene “verständliche”. Ach gäbe es doch Dichterfehden!
31. Dürrson, Szymborska, Hauge
1959 erschien sein erster Gedichtband, “Blätter im Wind”, viele weitere sollten folgen. Zudem übersetzte er aus dem Französischen: Rimbaud, Michaux und Yvan Goll. Dürrson, der 2008 auf Schloß Neufra bei Riedlingen starb, blieb zeitlebens der große Ruhm versagt. Sein aus dem Nachlass von Volker Demuth publizierter Band “Denkmal fürs Wasser” (Verlag Klöpfer & Meyer, Tübingen 2012) bietet nun eine gute Gelegenheit, den Dichter Dürrson neu- und wiederzuentdecken.
Dürrson hat mit diesem Buch dem alles umspannenden Raum des Wassers ein Denkmal gesetzt, das sich, darf man so sagen, “gewaschen hat”. Dabei wäre ihm das Material zu diesem weitausgreifenden Projekt beinahe außer Kontrolle geraten: einmal wurde das Manuskript von einem Windstoß über die Reling eines Schiffes gefegt, ein anderes Mal samt dem Fahrzeug, in dem es sich befand, gestohlen. Dürrson versuchte, das Möglichste aus seinem Gedächtnis zurückzugewinnen, aber freilich, die ursprüngliche Fassung blieb, wie er in einer Nachbemerkung zum Buch schreibt, “uneinholbar”.
Wir können nicht darüber richten, wie viel von der “Gurgelsprache der Quellen” Dürrson tatsächlich noch zu retten gelang. Bei diesem Dichter jedenfalls begegnet uns das Wasser in vielerlei Gestalt, wird es nahezu zu einem eigenen Charakter: mal unbezwinglich, mal vom Menschen domestiziert. Und Dürrson warnt: “wer ihm Rhythmen / austreiben will und // also den Fluss begradigt / verkrümmt stattdessen / die Erde.” Dürrsons großer Zyklus “Denkmal fürs Wasser” ist zugleich Lehrgedicht und Formenlehre des Meeres, seiner “Ur-Hohlformen”, “Wellungen Faltungen Ein- und Aus- / stülpungen”.
(…)
Mehr Ruhm zu Lebzeiten abbekommen hat eine Dichterin, von der es jetzt ebenfalls Gedichte aus dem Nachlass gibt: Wislawa Szymborska. Die 1996 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnete Polin hat das Buch “Glückliche Liebe und andere Gedichte” (Suhrkamp Verlag, 2012) noch zusammen mit dem Verlag geplant; nun ist es allerdings zu ihrem Vermächtnis geworden, denn Szymborska starb im Februar diesen Jahres. Sie sei, schreibt ihr Kollege Adam Zagajewski, stets um das “Originelle, Spannende” bemüht gewesen: “Sie liebte Konversation, gab sich ausgefallenen Lektüren hin und war an den unterschiedlichsten Wissenschaften interessiert.”
Die sie freilich auch hinterfragte, wie etwa ihr Gedicht “Träume” verrät: “Wider das Wissen und die Lehren der Geologen, / ihrer Magneten, Kurven und Karten spottend – / der Traum türmt im Bruchteil einer Sekunde / Berge vor uns auf, so steinern, / als stünden sie in der Wirklichkeit.” Über Teenager, alte Professoren, Verkehrsunfälle, Blinde und über Scheidung schreibt Szymborska in ihrem letzten Buch, und sie tut es so heiter und sarkastisch, wie man es seit je von ihr gewohnt ist.
Für den deutschsprachigen Leser zu entdecken ist endlich auch der Lyriker Olav H. Hauge. Hauge kannte jeden Grashalm seiner norwegischen Heimat, er bedichtete das Borstgras ebenso wie den Goldhahn, einen Fichtenwald oder einen einfachen Hauklotz. Nichts Geringes unter der Sonne, alles konnte dem 1908 in Ulvik Geborenen, der so sehr in der bäuerlichen Kultur seiner Heimat verwurzelt war, im Dichten bedeutsam sein. Aber Hauge übersetzte auch: Hölderlin, Trakl, Brecht und Celan ins Norwegische. Und er wusste: “Ein gutes Gedicht / soll riechen – nach Tee / oder nach roher Erde und frischgespaltenem Holz.” Es mutet ein wenig seltsam an, dass viele norwegische Kritiker das 4000 Seiten umfassende Tagebuch des Dichters als sein Hauptwerk betrachten. Denn immerhin ist auch Hauges Poesie in über 100 Sprachen übersetzt und wird gelesen. Die 340 Seiten starke, von Klaus Anders in der Edition Rugerup (Gesammelte Gedichte, 2012) herausgegebene, übersetzte und kommentierte Auswahl schliesst da nur eine Lücke, von der man bislang nur nicht wusste, dass es sie gab. Weit ist Hauges poetischer Kosmos: “Frage den Wind, / voran den sachten. / Er schweift weit / und kommt oft zurück / mit guter Antwort.”
/ Volker Sielaff, Dresdner Neueste Nachrichten 8.10.
- Werner Dürrson: ”Denkmal fürs Wasser” (Verlag Klöpfer & Meyer, Tübingen 2012)
- Wisława Szymborska: “Glückliche Liebe und andere Gedichte”, aus dem Polnischen von Renate Schmidgall (Suhrkamp Verlag, 2012)
- Olav H. Hauge: “Gesammelte Gedichte”, Hrsg. Klaus Anders (Edition Rugerup 2012)
43. Volksfeind
Seltsamer Kauz, dieser steppende Conférencier im Glitzerfrack. Lobt die schönen Menschen, die schöne Stadt, das schöne Theater. Und klagt im nächsten Moment radebrechend: „Weiß ich wirklich nicht, wo ist meine Heimat.“ Unvermittelt lässt er Heiner Müllers Lyrik in seine Rede gewittern, „im Regen aus Vogelkot im Kalkfell“, und im nächsten Moment droht er einem Zuschauer „Ich hau dir Fresse ein“. Aber hey, nur Spaß! Ein unberechenbarer Zeitgenosse, dieser Badearzt Tomas Stockmann. Noch dazu ist er schwarz. / Patrick Wildermann über eine Ibseninszenierung, Potsdamer Neueste Nachrichten
51. Mehr als ein gutes Dutzend. Lyrik 2011 (5)
Anthologie ∙ Einzeltitel ∙ Essayband ∙ Zeitschrift
Wird in den nächsten 2 Tagen in alphabetischer Folge ergänzt. Nachträge der Leser sind durchaus erwünscht und erbeten und können hier als Kommentar eingetragen werden. (Bitte erst unter dem jeweiligen Buchstaben eintragen, hier also nur N – Sch. Die ergänzten Titel werden in die Liste übernommen, in den Kommentaren können Sie nachlesen, was unserm geballten Sachverstand entgangen war, M.G.)
- Shafiq Naz (Hg.) · Der deutsche Lyrikkalender für junge Leser 2012. Jeder Tag ein Gedicht, 366 Gedichte von 200 Autorinnen und Autoren von den Anfängen bis zur Gegenwart, darunter ∙ Ernst Moritz Arndt ∙ Rose Ausländer ∙ Hans Bender ∙ Rolf Dieter Brinkmann ∙ Manfred Chobot ∙ Matthias Claudius ∙ Klaus Peter Dencker ∙ Annette von Droste-Hülshoff ∙ Marie von Ebner-Eschenbach ∙ Manfred Enzensperger ∙ Theodor Fontane ∙ Günther Bruno Fuchs ∙ Stefan George ∙ Günter Grass ∙ Peter Handke ∙ Heinrich Heine ∙ Hendrik Jackson ∙ Mathias Jeschke ∙ Franz Kafka ∙ Axel Kutsch ∙ Oskar Loerke ∙ Martin Luther ∙ Christian Morgenstern ∙ Wilhelm Müller ∙ Andreas Noga ∙ Novalis ∙ Martin Opitz ∙ Oswald von Wolkenstein ∙ Walther Petri ∙ August von Platen ∙ Monika Rinck ∙ Joachim Ringelnatz ∙ Paul Scheerbart ∙ Raoul Schrott ∙ Volker von Törne ∙ Georg Trakl ∙ Ludwig Uhland ∙ Friedrich Theodor Vischer ∙ Jan Wagner ∙ Robert Walser ∙ Albin Zollinger, 430 Seiten, Tischkalender mit Spiralbindung, Alhambra Publishing, B-Bertem 2011.
- Cyprian Kamil Norwid: Über die Freiheit des Wortes. Poem. Aus dem Polnischen von Peter Gehrisch. Leipziger Literaturverlag. 220 Seiten.
- Gisela Noy · Gänge ans Licht, mit drei Graphiken von Berthold Mallmann, 36 Seiten, handfadengebundene Broschur, numeriert und signiert, Atelier Verlag, Andernach 2011.
- Hellmuth Opitz · Die Dunkelheit knistert wie Kandis, 126 Seiten, Hardcover, Pendragon Verlag, Bielefeld 2011.
- Jutta Over · Grünland Grauland, 24 unpaginierte Seiten, geheftete Broschur, Machandel Verlag, Haselünne 2011.
- José Emilio Pacheco: Früher oder später. Edition Delta (Aus dem Spanischen von Juana und Tobias Burghardt)
- Bert Papenfuß: Pro tussi à gogo. Broschur, 28 S. Schock Edition, EdK/Distillery, Berlin 2011.
- Alexej Parschtschikow: Erdöl. Gedichte. Übersetzung: Hendrik Jackson. kookbooks 2011
- Teresa Pascual ∙ Die geordnete Zeit & Rebellion des Salzes – El temps en ordre & Rebellió de la sal. Gedichte [zweisprachig]. Aus dem Katalanischen von Juana und Tobias Burghardt. Titelbild von Juana Burghardt. 161 Seiten, broschiert, Edition Delta, Stuttgart 2011.
- Miodrag Pavlović: Mißhelligkeiten, alte und neue. Gedichte. Aus dem Serbischen von Peter Urban. Leipziger Literaturverlag. 152 Seiten.
- Francesco Petrarca, Canzoniere, aus dem Italienischen übersetzt von Karl-Heinz Stierle, gebunden, 273 Seiten, Insel Verlag 2011.
- Annelotte Piper (Hg.): Kaum berührt, zerfällt die Mauer der Nacht.28 japanische Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts. Mit Gedichten von Yosano Akiko, Nagase Kiyoko, Fukao Sumako, Sagawa Chika, Machida Shizuko, Ishigaki Rin, Nakamura Chio, Mitsui Futabako, Uchiyama Tomiko, Ibaragi Noriko, Shinkawa Kazue, Shiraishi Kazuko, Tada Chimako, Kora Rumiko, Takarabe Toriko, Kawata Ayane, Kanai Mieko, Tomioka Taeko, Yoshihara Sachiko, Aoki Harumi, Tatara Chieko, Arai Toyomi, Yoshiyuki Rie, Ito Hiromi, Isaka Yoko, Hirata Toshiko, Inaba Mayumi und Kawaguchi Harumi. Mit einem Geleitwort von Yoko Tawada. Aus dem Japanischen von Annelotte Piper. Deutsche Erstausgabe. 368 Seiten. München: dtv, Dezember 2011.
- Kai Pohl (Hg.): floppy myriapoda. Subkommando für die freie Assoziation. Heft 18. Mit Gedichten von Niccolò Agnoli, Ernst-Jürgen Dreyer, Emmanuel Eni, Ernst Fuhrmann, Alex Galper, Rex Joswig, Andreas Paul, Kai Pohl, Clemens Schittko, Schwartz, HEL Toussaint, Johannes Witek u. a. Broschur, 40 S. EdK/Distillery, Berlin, Oktober 2011.
- Kai Pohl ∙ Clemens Schittko ∙ da kapo mit CS-Gas, 59 Seiten, Broschur, fixpoetry.Verlag, Hamburg 2011.
- Kai Pohl: Phantomkalender. Broschur, 24 S. Distillery, Berlin 2011.
- Traian Pop (Hg.) · BAWüLON. Süddeutsche MATRIX für Literatur und Kunst, 1. Ausgabe, Essay, Lyrik und Prosa, Gedichte von Johann Lippet · Horst Samson · Rainer Wedler u.a., 106 Seiten, Broschur, Pop Verlag, Ludwigsburg 2011.
- Traian Pop (Hg.) · Matrix. Zeitschrift für Literatur und Kunst, 24. Ausgabe, Essay, Lyrik und Prosa, Gedichte von Róža Domašcyna ∙ Benedikt Dyrlich ∙ Kito Lorenc ∙ Friederike Mayröcker ∙ William Totok u.a., 192 Seiten, Broschur, Pop Verlag, Ludwigsburg 2011.
- Magorzata Poszewska (Hg.): Ein Fenster bis zum Horizont / Okno po horyzont. 198 Seiten. edition art science, St. Wolfgang. Reihe: Lyrik der Gegenwart, Band 10.
- Kevin Prufer, Wir wollten Amerika finden. Ausgewählte Gedichte. Zweisprachig. Übersetzt von Norbert Lange und Susanna Mewe. luxbooks, 2011.
- Hans Raimund/Friedrich Danielis: “Choral Variationen”. Edition Thurnhof, Reihe oxohyph 2011, 24 Euro, ISBN 978-3-900678-15-9. Auflage 400, 20 Exemplare erschienen als Vorzugsausgabe im Holzschuber mit einem Autograph von Hans Raimund und einer Arbeit von Friedrich Danielis, 180 Euro.
- Arne Rautenberg: Miami Bach. Illustration/ Grafik: Olrik Kohlhoff. 8 Bögen, keine Nummerierung. Cordel Kiel 2011.
- Arne Rautenberg: Triebabfuhr. Gedichte mit Zeichnungen von Thomas Palme, 24 Seiten. Cordel Kiel 2011.
- Tom Raworth: Logbuch. Gedichte. Übersetzung: Ulf Stolterfoht. 96 Seiten, Format: 13.5 x 21 cm, gebunden, Softcover. Das Wunderhorn 2011.
- Marcel Reich-Ranicki (Hg.) ∙ Frankfurter Anthologie. Vierunddreißigster Band, Gedichte und Interpretationen, Gedichte von H. C. Artmann · Gottfried Benn · Bertolt Brecht · Walter Helmut Fritz · Wolfgang Hilbig · Peter Huchel · Theodor Kramer · Alfred Lichtenstein · Friederike Mayröcker · Helga M. Novak u.v.a., 317 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011.
- Walter Rheiner. Versensporn – Heft für lyrische Reize Nr. 1. Edition POESIE SCHMECKT GUT, Jena 2011.
- Walter Rheiner · Ausgewählte Gedichte (edition grillenfänger 27). 48 Seiten, Broschüre, Klammerheftung, Potsdam, udo degener verlag 2011.
- Øyvind Rimbereid · Herbarium, aus dem Norwegischen von Klaus Anders, 85 Seiten, Klappenbroschur, Edition Rugerup, Berlin · S-Hörby 2011.
- Jan Volker Röhnert ∙ Notes from Sofia. Bulgarische Blätter, Gedichte, Notate, Erzählung, 148 Seiten, Klappenbroschur, edition AZUR, Dresden 2011.
- Ludwig Rubiner · Das himmlische Licht. Gedichte (edition grillenfänger 26). 32 Seiten, Broschüre, Klammerheftung, Potsdam, udo degener verlag 2011.
- Tuvia Rübner · Lichtschatten. Gedichte. 102 Seiten, gebunden, Aachen, Rimbaud Verlag 2011.
- Peter Rühmkorf: Poesiealbum 293. Hg. u. ausgewählt von Richard Pietraß, Grafik Horst Janssen. Märkischer Verlag Wilhelmshorst 2011, 32 S.
- Wilhelm Runge · Das Denken träumt. Gedichte (edition grillenfänger 30). 62 Seiten, Broschüre, Klammerheftung, Potsdam, udo degener verlag 2011.
- Gabriele Sander (Hg.): Die Welt hebt an zu singen. Musik-Gedichte. Reclam. 192 Seiten.
- Julia Sander ∙ Der Fernseher blinkt in Blitzblau Augengeflatter, 24 unpaginierte Seiten, Handsatz und Handfadenbindung von Karl-Friedrich Hacker, footura black, Itzehoe 2011.
- Ulrike Almut Sandig ∙ Dickicht, 80 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Lesebändchen, Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2011.
- Jordi de Sant Jordi · Der letzte Trobador. Eine Anthologie. Herausgegeben und übersetzt von Hans-Ingo Radatz (Reihe: Katalanische Literatur des Mittelalters, Bd. 5), 120 Seiten, broschiert, Berlin – Münster – Wien – Zürich – London, LIT Verlag 2011.
- Knut Schaflinger ∙ Schneebrand, 103 Seiten, Klappbroschur, Edition POEMA, Verlag Ralf Liebe, Weilerswist 2011.
- Valeri Scherstjanoi: Mein Futurismus. Mit einem Nachwort von Michael Lentz. Matthes & Seitz Berlin 2011, 191 S.
- René Schickele · Ausgewählte Gedichte (edition grillenfänger 22). 48 Seiten, Broschüre, Klammerheftung, Potsdam, udo degener verlag 2011.
- Clemens Schittko: Manifest der Nachhut. Broschur, 28 S. Schock Edition, EdK/Distillery, Berlin 2011.
- Clemens Schittko: Und ginge es demokratisch zu. sUkUltUr 2011.
- Tibor Schneider • Christiane Schweitzer • Anselm Treichler (Hg.), ]trash[pool. Zeitschrift für Literatur und Kunst, 2. Ausgabe, Lyrik und Prosa von Richard Duraj, Sascha Kokot, Lucia Leidenfrost, Jinn Pogy, Jan Skudlarek u.a., 106 Seiten, Broschur, Tübingen 2011.
- Wieland Schmied · Ein Irrer schreibt an einen Blinden. Ezra Pound Studien III (Rimbaud-Taschenbuch Nr. 72), 112 Seiten, broschiert, Aachen, Rimbaud Verlag 2011.
- Stefan Schmitzer : scheiß sozialer frieden . Gedichte. Wien: Edition Korrespondenzen, 2011. Mit einem Nachwort von Clemens Setz, gebunden, 21 x 13 cm, 96 Seiten.
- Ernst Schönwiese · Baum und Träne (Lyrik-Taschenbuch Nr. 74), 72 Seiten, broschiert, Aachen, Rimbaud Verlag 2011.
- Karl-Heinz Schreiber ∙ Das Wundern der Romantizierer generiert altmodische Beulen, 38 Seiten, geheftete Broschur, Silver Horse Edition, Marklkofen 2011.
- Natalia Shchyhlevska · Verschränkungen. Leben und Werk von Autoren aus der Bukowina anhand von Briefen und Nachlässen (Bukowiner Literaturlandschaft Bd. 58).7 Abb., 124 Seiten, gebunden, Aachen, Rimbaud Verlag 2011.
120. Stimmen der Völker in Liedern/Voices of the World in Song

Der Bernstein-Verlag bereitet die Eröffnung einer trilingualen Weltpoesie-Reihe unter dem Titel »Stimmen der Völker in Liedern/Voices of the World in Song« vor, in der jeweils national-literarische Kostbarkeiten versammelt werden. In der Originalsprache und einer englischen sowie deutschen Übersetzung, nach Möglichkeit auch mit einer Audio-CD der in allen drei Sprachen rezitierten Verse versehen, präsentieren die Bände »Welt-Poesie« – auch und in bewusster Anlehnung an Herders »Stimmen der Völker in Liedern«. Herausgeber der Reihe sind Katharina Mommsen (Palo Alto, Kalifornien) und Martin Bidney (Binghamton, New York). Den Auftakt des Unternehmens werden drei Bände bilden: Adam Mickiewicz, André Bjerke und Alexander Pushkin. / BernsteinBlog
86. Edition Rugerup
Rugerup, 17.05.2010
Liebe Freunde der Edition Rugerup,
Ilma Rakusa hat kürzlich in einer sehr schönen Rezension von Innokentij Annenskijs “Wolkenrauch” die Edition Rugerup in der NZZ “verdienstvoll” genannt. Da ging mir auf, daß “verdienstvoll” nichts mit “verdienen” zu tun hat. Was nicht so schlimm wäre, kämen im Herbst nicht eine Anzahl schöne Bücher heraus und somit Kosten auf uns zu.
Wir suchen deshalb Bücherpaten, die ihr Lieblingsprojekt unterstützen. Geplant sind:
“Beredter Norden – schottische Lyrik seit 1900”
65 schottische Dichter werden von 26 herausragenden ÜbersetzerInnen vorgestellt. Iain Galbraith hat seit über einem Jahrzehnt an dieser außergewöhnlichen Anthologie gearbeitet, die nicht nur eine neue Welt öffnet, sondern auch deutlich Spaß macht.
“So schmeckt ein Stern – norwegische Lyrik des 20. Jahrhunderts”
Klaus Anders und Andreas Struve haben die schönsten norwegischen Gedichte des letzten Jahrhunderts ausgewählt, übersetzt und mit einem Vor- und Nachwort bereichert.
“Legende vom Abholen” – ein neuer (und grandioser) Gedichtband von Thomas Kunst, dessen “Estemaga” wir vor zwei Jahren veröffentlicht haben.
“Das Schachspiel”
Jan Kochanowski (1530 – 1584) war der erste Dichter, der auf polnisch (und nicht etwa auf latein) schrieb und gilt bis heute als Begründer der polnischen Dichtkunst. In diesem erzählenden Gedicht spielen zwei Edelmänner Schach um die Hand der dänischen Prinzessin, einem verhilft sie diskret zum Sieg. Thomas Daiber hat das Gedicht nicht nur in überzeugenden Reimen und Rhythmen übersetzt, sondern auch in einem klugen Nachwort kommentiert. Die Schachpartie kann man nachspielen!
Derek Mahon – Ausgewählte Gedichte
Mahon wird in Irland als einer der großen Dichter aus der Generation von Seamus Heaney geschätzt, viele halten ihn für dem Nobelpreisträger ebenbürtig. Margitt Lehbert und Hans-Christian Oeser stellen sein Werk erstmals auf deutsch umfassend vor.
Ob wir das alles schaffen? Wenn nicht, das Frühjahr 2011 kommt bestimmt! Aber ein wenig zittern wir vor den Druckkosten, das schöne Aussehen unserer Bücher liegt uns sehr am Herzen. Wenn eines dieser Projekte Sie besonders begeistert, können Sie durch eine Patenschaft helfen, das Buch zu ermöglichen.
Es grüßt sehr herzlich Margitt Lehbert
Nimrod Förlag AB Edition Rugerup
Önneköp 8047 24298 Hörby Schweden
tel/fax: +46 415-60337 email: info@rugerup.de
www.rugerup.de
Rugerup in L&Poe
81. Lockerer werden
Ehrlich gesagt ist mir Frank Milautzckis Klage über “die Poesie, wie sie gegenwärtig in Deutschland en vogue ist”, zu wohlfeil (allein weil zu viele Leute mit den gegensätzlichsten Meinungen oder Absichten sie teilen können) und als Erklärungsmuster zu schlicht. (Lockerer werden!) Ich zitiere sie aber um des von ihm angefügten wunderbaren Zitats aus einem Interview mit Margitt Lehbert willen:
Die Poesie, wie sie gegenwärtig in Deutschland en vogue ist, bewegt sich zu oft in Kanälen, die kaum mit den welthaltigen und –bezüglichen zusammenfließen. Deswegen ist kein Wunder was Margitt Lehbert, die Übersetzerin und deutsche Verlegerin des Buches von Håkan Sandell, in einem Interview mit Volker Sielaff im März des Jahres 2008 im Poetenladen darlegt:
„Ich finde es schade, daß man im deutschen Sprachraum so wenig Poesie liest. So hat der wirklich außergewöhnliche Dichter Yehuda Amichai in Berlin vor etwa 70 Menschen gelesen. In Iowa City, eine Uni-Stadt mit damals 70.000 Einwohnern, kamen 800 Menschen, um diesen Mann zu erleben, und das, obwohl er auf Hebräisch dichtet und man „nur“ die Übersetzungen verstand. Was ich mir wünsche, wäre ein lockerer, ein freudvoller, ein nahezu erotischer Umgang mit der Poesie, eine Lust an der Sache. Les Murray freut sich immer besonders, wenn er dort veröffentlichen kann, wo es nicht ausschließlich literarisch zugeht, und ich gebe ihm da Recht. Deshalb achte ich auch so sehr auf die Ausstattung meiner Bücher, es soll Lust bringen, sie in die Hand zu nehmen, Lust bringen, sie aufzuschlagen, Lust bringen, sie zu lesen.“
80. Guckloch zum Hades
Mitten im Warenhausgetümmel öffnet sich ein Guckloch zum Hades. Vielfältige Bezüge zur Musik, zu Orpheus, Odysseus und andere antike Gestalten oder zu Transzendenz und Herzensbildung der Romantik beleben die trivialsten Verhältnisse. Der seit 1998 in Norwegen lebende Sandell nennt sich selbst einen “Retrogardisten”. Seine Verse sind nicht auf avantgardistische Wortwelten erpicht. Sie notieren Momente jener “großen epischen Erzählung, welche Geschichte ist”, wie es in “Randzeichnung” heißt. Ideen, Motive und Figuren vergangener Kunstepochen greift Sandell in seinem lyrischen Alltagstagebuch auf und wickelt sie auf überraschende Weise weiter. Vor allem die Gotik zieht sich durch sein gesamtes Werk. Welch eine turbulente Lektüre: mal gibt er den Heiligen Sebastian, mal geht er einen faustischen Pakt mit dem Leibhaftigen ein, lässt ihn die Feder führen – und pflegt ihn schließlich zu Tode. / Dorothea von Törne, Die Welt 12.12.
Tagebuch, Abendwolken.
Von Håkan Sandell. Aus dem Schwedischen von Margitt Lehbert. Edition Rugerup, Hörby. 160 S., 19,90 Euro.
Vgl. Rezension von Frank Milautzcki, fixpoetry.com
(mit Leseprobe: Geburt!)
Dort außerdem über
Ich habe satt gelebt.
Von Paul Fleming. Insel, Frankfurt/M. 122 S., 12,80 Euro.
endpunkt.
Von John Updike. Rowohlt, Reinbek. 110 S., 19,90 Euro.
Letzte Gedichte
Von Michael Hamburger. Aus dem Englischen von Jan Wagner ed. al. [sic?!] Folio, Wien/Bozen. 176 S., 22,50 Euro.
14. poesiefestival berlin erfolgreich beendet
Am 5. Juli 2009 ging das zehnte poesiefestival berlin erfolgreich zu Ende.
Mit der szenischen Uraufführung des Langpoems Fredy Neptune von Les Murray in der Regie von Leopold von Verschuer ging das poesiefestival berlin gestern, 05.07.09, erfolgreich zu Ende. Fredy Neptune ist eine furiose Odyssee des gleichnamigen Helden durch die großen Arenen des 20. Jahrhunderts, immer auf der Suche nach dem eigenen Fühlen. Insgesamt zeigte das poesiefestival berlin unterschiedlichste poetische Strömungen und Arbeitsweisen aus der ganzen Welt, häufig in Verbindung mit anderen Medien und Künsten wie Tanz, Theater, Musik, Film und Performance. Über 140 Dichter und Künstler waren aus 23 Ländern nach Berlin gereist. Schwerpunkte waren in diesem Jahr die Poesie des Südlichen Afrika, Polens und der USA. Zwei Revuen widmeten sich der Poesie der zwei untergegangenen Länder DDR und BRD. Zu Höhepunkten des Festivals gerieten die Auftritte der Pulitzer-Preisträgerin Rita Dove (USA), Olga Sedakova (Russland), Keorapetse Kgositsile (Südafrika), Chiwoniso Maraire (Simbabwe), Julien Herbert (Mexiko), Saul Williams (USA), Barbara Köhler (Deutschland), Maja Ratkje (Norwegen) und Piotr Sommer (Polen). Das umfangreiche Programm für Kinder war gemeinsam mit LesArt, dem Zentrum für Kinderliteratur, und den Berliner Kinderbibliotheken erarbeitet worden.
Die multimediale Ausstellung „POESIS : Sprachspiele“ zeigte Positionen internationaler Künstler wie Eduardo Kac, Yoko Ono oder Simon Biggs zum Thema Sprachkunst.
Noch bis 21. August läuft im Instituto Cervantes Berlin die Ausstellung „Bverso Brossa“ mit Werken des katalanischen Künstlers Visueller Poesie Joan Brossa und bis 17. September bei LesART die Ausstellung „Poesie für Kinder“ mit illustrierten Gedichten der Weltliteratur aus der Edition des Berliner Kindermann Verlages. Bereits jetzt haben über 8.500 Menschen die über 50 Veranstaltungen in der Akademie der Künste und an anderen Orten in den Berliner Bezirken besucht.
Das poesiefestival berlin ist ein Projekt der Literaturwerkstatt Berlin in Kooperation mit der Akademie der Künste.
86. Olga Sedakova beim Poesiefestival Berlin
Viele ihrer Gedichte hat die bekennende orthodoxe Christin Olga Sedakova in einem Holzhaus in Azarowka, zwei Stunden südlich von Moskau, geschrieben, in das sie sich zum Arbeiten gern zurückzieht. Seit dem Zerfall der Sowjetunion ist sie lesend, vortragend und unterrichtend aber auch viel auf Reisen, ein gern gesehener Gast an Universitäten und bei westeuropäischen Festivals. Ihren prominentesten Bewunderer fand sie allerdings in dem selbst Gedichte schreibenden Papst Johannes Paul II., der sie ingesamt vier Mal empfing und ihre Gedichte im russischen Original las. Nichts anderes als die Form führt für Sedakova ins „Zentrum der Welt“, denn um „Einverleibung“, um Zugehörigkeit geht es ihr. Ein kathartisches Moment durchzieht die meisten ihrer Gedichte, aber nicht im Sinne von Handlungsanweisungen, die Dichtung ohnehin nicht geben kann, sondern von der Sprache selbst ausgehend. Was Olga Sedakova anstrebt, ist eine „intime Verbindung mit der Form“: ihr Wirken, das im besten Falle auch den Leser ihrer Gedichte verwandelt zurücklässt. „Ein Dichter will, was jeder wollen will“, beginnt eines ihrer Gedichte, das am Ende vom „Nichts“ zum „Laut“ hinführt. Das Nichts ist hier nicht still und leer, sondern eines, auf dessen „Speeresspitze alles zirpt. // Und wenn mit flüchtigem Blick dorthin man schaut, / ist, wie die Träne, Zufall selbst der Laut.“ Am Sonnabend, 27. Juni, liest Olga Sedakova zusammen mit Rita Dove (USA), Julián Herbert (Mexiko), Kgafela oa Magogodi (Südafrika), Bernard Noel (Frankreich), Maja Ratkje (Norwegen), Adam Wiedemann (Polen), Barbara Köhler und Adolf Endler um 20 Uhr bei „Weltklang – Nacht der Poesie“ in der Akademie der Künste am Hanseatenweg. Im Eintrittspreis von 8/5 € ist eine Anthologie mit allen Texten enthalten. Am 29. Juni, 18.30 Uhr führt Sedakova mit Anja Utler in der Akademie ein „Poesiegespräch“. / Tagesspiegel 26.6.