Seltsamer Kauz, dieser steppende Conférencier im Glitzerfrack. Lobt die schönen Menschen, die schöne Stadt, das schöne Theater. Und klagt im nächsten Moment radebrechend: „Weiß ich wirklich nicht, wo ist meine Heimat.“ Unvermittelt lässt er Heiner Müllers Lyrik in seine Rede gewittern, „im Regen aus Vogelkot im Kalkfell“, und im nächsten Moment droht er einem Zuschauer „Ich hau dir Fresse ein“. Aber hey, nur Spaß! Ein unberechenbarer Zeitgenosse, dieser Badearzt Tomas Stockmann. Noch dazu ist er schwarz. / Patrick Wildermann über eine Ibseninszenierung, Potsdamer Neueste Nachrichten
14. Mai 2012
14. Dezember 2011
29. Juli 2010
120. Stimmen der Völker in Liedern/Voices of the World in Song

Der Bernstein-Verlag bereitet die Eröffnung einer trilingualen Weltpoesie-Reihe unter dem Titel »Stimmen der Völker in Liedern/Voices of the World in Song« vor, in der jeweils national-literarische Kostbarkeiten versammelt werden. In der Originalsprache und einer englischen sowie deutschen Übersetzung, nach Möglichkeit auch mit einer Audio-CD der in allen drei Sprachen rezitierten Verse versehen, präsentieren die Bände »Welt-Poesie« – auch und in bewusster Anlehnung an Herders »Stimmen der Völker in Liedern«. Herausgeber der Reihe sind Katharina Mommsen (Palo Alto, Kalifornien) und Martin Bidney (Binghamton, New York). Den Auftakt des Unternehmens werden drei Bände bilden: Adam Mickiewicz, André Bjerke und Alexander Pushkin. / BernsteinBlog
18. Mai 2010
86. Edition Rugerup
Rugerup, 17.05.2010
Liebe Freunde der Edition Rugerup,
Ilma Rakusa hat kürzlich in einer sehr schönen Rezension von Innokentij Annenskijs “Wolkenrauch” die Edition Rugerup in der NZZ “verdienstvoll” genannt. Da ging mir auf, daß “verdienstvoll” nichts mit “verdienen” zu tun hat. Was nicht so schlimm wäre, kämen im Herbst nicht eine Anzahl schöne Bücher heraus und somit Kosten auf uns zu.
Wir suchen deshalb Bücherpaten, die ihr Lieblingsprojekt unterstützen. Geplant sind:
“Beredter Norden – schottische Lyrik seit 1900”
65 schottische Dichter werden von 26 herausragenden ÜbersetzerInnen vorgestellt. Iain Galbraith hat seit über einem Jahrzehnt an dieser außergewöhnlichen Anthologie gearbeitet, die nicht nur eine neue Welt öffnet, sondern auch deutlich Spaß macht.
“So schmeckt ein Stern – norwegische Lyrik des 20. Jahrhunderts”
Klaus Anders und Andreas Struve haben die schönsten norwegischen Gedichte des letzten Jahrhunderts ausgewählt, übersetzt und mit einem Vor- und Nachwort bereichert.
“Legende vom Abholen” – ein neuer (und grandioser) Gedichtband von Thomas Kunst, dessen “Estemaga” wir vor zwei Jahren veröffentlicht haben.
“Das Schachspiel”
Jan Kochanowski (1530 – 1584) war der erste Dichter, der auf polnisch (und nicht etwa auf latein) schrieb und gilt bis heute als Begründer der polnischen Dichtkunst. In diesem erzählenden Gedicht spielen zwei Edelmänner Schach um die Hand der dänischen Prinzessin, einem verhilft sie diskret zum Sieg. Thomas Daiber hat das Gedicht nicht nur in überzeugenden Reimen und Rhythmen übersetzt, sondern auch in einem klugen Nachwort kommentiert. Die Schachpartie kann man nachspielen!
Derek Mahon – Ausgewählte Gedichte
Mahon wird in Irland als einer der großen Dichter aus der Generation von Seamus Heaney geschätzt, viele halten ihn für dem Nobelpreisträger ebenbürtig. Margitt Lehbert und Hans-Christian Oeser stellen sein Werk erstmals auf deutsch umfassend vor.
Ob wir das alles schaffen? Wenn nicht, das Frühjahr 2011 kommt bestimmt! Aber ein wenig zittern wir vor den Druckkosten, das schöne Aussehen unserer Bücher liegt uns sehr am Herzen. Wenn eines dieser Projekte Sie besonders begeistert, können Sie durch eine Patenschaft helfen, das Buch zu ermöglichen.
Es grüßt sehr herzlich Margitt Lehbert
Nimrod Förlag AB Edition Rugerup
Önneköp 8047 24298 Hörby Schweden
tel/fax: +46 415-60337 email: info@rugerup.de
www.rugerup.de
Rugerup in L&Poe
12. Dezember 2009
81. Lockerer werden
Ehrlich gesagt ist mir Frank Milautzckis Klage über “die Poesie, wie sie gegenwärtig in Deutschland en vogue ist”, zu wohlfeil (allein weil zu viele Leute mit den gegensätzlichsten Meinungen oder Absichten sie teilen können) und als Erklärungsmuster zu schlicht. (Lockerer werden!) Ich zitiere sie aber um des von ihm angefügten wunderbaren Zitats aus einem Interview mit Margitt Lehbert willen:
Die Poesie, wie sie gegenwärtig in Deutschland en vogue ist, bewegt sich zu oft in Kanälen, die kaum mit den welthaltigen und –bezüglichen zusammenfließen. Deswegen ist kein Wunder was Margitt Lehbert, die Übersetzerin und deutsche Verlegerin des Buches von Håkan Sandell, in einem Interview mit Volker Sielaff im März des Jahres 2008 im Poetenladen darlegt:
„Ich finde es schade, daß man im deutschen Sprachraum so wenig Poesie liest. So hat der wirklich außergewöhnliche Dichter Yehuda Amichai in Berlin vor etwa 70 Menschen gelesen. In Iowa City, eine Uni-Stadt mit damals 70.000 Einwohnern, kamen 800 Menschen, um diesen Mann zu erleben, und das, obwohl er auf Hebräisch dichtet und man „nur“ die Übersetzungen verstand. Was ich mir wünsche, wäre ein lockerer, ein freudvoller, ein nahezu erotischer Umgang mit der Poesie, eine Lust an der Sache. Les Murray freut sich immer besonders, wenn er dort veröffentlichen kann, wo es nicht ausschließlich literarisch zugeht, und ich gebe ihm da Recht. Deshalb achte ich auch so sehr auf die Ausstattung meiner Bücher, es soll Lust bringen, sie in die Hand zu nehmen, Lust bringen, sie aufzuschlagen, Lust bringen, sie zu lesen.“
80. Guckloch zum Hades
Mitten im Warenhausgetümmel öffnet sich ein Guckloch zum Hades. Vielfältige Bezüge zur Musik, zu Orpheus, Odysseus und andere antike Gestalten oder zu Transzendenz und Herzensbildung der Romantik beleben die trivialsten Verhältnisse. Der seit 1998 in Norwegen lebende Sandell nennt sich selbst einen “Retrogardisten”. Seine Verse sind nicht auf avantgardistische Wortwelten erpicht. Sie notieren Momente jener “großen epischen Erzählung, welche Geschichte ist”, wie es in “Randzeichnung” heißt. Ideen, Motive und Figuren vergangener Kunstepochen greift Sandell in seinem lyrischen Alltagstagebuch auf und wickelt sie auf überraschende Weise weiter. Vor allem die Gotik zieht sich durch sein gesamtes Werk. Welch eine turbulente Lektüre: mal gibt er den Heiligen Sebastian, mal geht er einen faustischen Pakt mit dem Leibhaftigen ein, lässt ihn die Feder führen – und pflegt ihn schließlich zu Tode. / Dorothea von Törne, Die Welt 12.12.
Tagebuch, Abendwolken.
Von Håkan Sandell. Aus dem Schwedischen von Margitt Lehbert. Edition Rugerup, Hörby. 160 S., 19,90 Euro.
Vgl. Rezension von Frank Milautzcki, fixpoetry.com
(mit Leseprobe: Geburt!)
Dort außerdem über
Ich habe satt gelebt.
Von Paul Fleming. Insel, Frankfurt/M. 122 S., 12,80 Euro.
endpunkt.
Von John Updike. Rowohlt, Reinbek. 110 S., 19,90 Euro.
Letzte Gedichte
Von Michael Hamburger. Aus dem Englischen von Jan Wagner ed. al. [sic?!] Folio, Wien/Bozen. 176 S., 22,50 Euro.