Kategorie: Makedonien
45. poesiefestival berlin
Das 14. poesiefestival berlin fragt nach den Orten der Dichtkunst, nach der „Heimat Poesie“. Vom 7.-15. Juni 2013 präsentiert die Literaturwerkstatt Berlin in der Akademie der Künste am Hanseatenweg die Bandbreite und Vielseitigkeit internationaler zeitgenössischer Dichtkunst.
Zu Gast sind u.a. Christian Bök (Kanada), Breyten Breytenbach (Südafrika), TJ Dema (Botswana), Oswald Egger (Südtirol), Kosal Khiev (USA/Kambodscha), Ursula Krechel (Deutschland), Ise Lyfe (USA), Nikola Madzirov (Mazedonien), Luis García Montero (Spanien), Don Paterson (UK), Tomaž Šalamun (Slowenien), Ana Tijoux (Chile), Natan Zach (Israel) und Adam Zagajewski (Polen).
Hier das komplette Programm.
Kartenvorverkauf
Vorverkauf in der Akademie der Künste
Tel 030. 200 57-1000/-2000
Hanseatenweg 10, 10557 Berlin-Tiergarten
Pariser Platz 4, 10117 Berlin-Mitte
Täglich 10:00–19:00
Im Internet unter: www.adk.de oder www.poesiefestival.org
Festivalpass, gültig für alle Veranstaltungen:
60 EUR/40 EUR, erhältlich in der Akademie der Künste.
Ort
(soweit nicht anders angegeben):
Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
10557 Berlin-Tiergarten
S-Bahn Bellevue / U9 Hansaplatz/ Bus 106
Informationen
Literaturwerkstatt Berlin
Tel 030. 48 52 45 0
www.literaturwerkstatt.org
20. Außen und innen
Schriftsteller aus Mazedonien sind dünn gesät,
so beginnt Jan Koneffke einen Artikel in der NZZ, etwas verkürzt vielleicht, aber nach Sachlage kann er nur “außerhalb Mazedoniens” meinen, wobei säen ein zu vielerlei Gedanken anregendes Bild wäre / ist. Den Außenfokus nimmt die Fortsetzung des Satzes auf:
und kaum einer weiss, was die mazedonische Kultur ausmacht. Eine Chance, diese näher kennenzulernen, bietet die Lektüre der Gedichte von Nikola Madzirov. Der 1973 in Strumica geborene Autor macht seit einiger Zeit in der internationalen Lyrikszene Furore.
Also lesen wir so: draußen nimmt man fast nur den einen wahr. Und das lohnt sich aus inneren
Nikola Madzirovs Gedichte, mittlerweile im Band «Versetzter Stein» auch auf Deutsch nachzulesen, reiben sich an ganz unterschiedlichen Grenzen: den europäischen Grenzen der Erwartung und den balkanischen des Schmerzes. Wenn es einmal heisst: «Wir warten auf den Wind / wie zwei Flaggen an einem Grenzübergang», spricht er die Grenzerfahrung einer Generation aus, die, ausser in Zukunftserwartung und erinnertem Schmerz zu leben, vor allem in Unsicherheit verharrt. Denn die Grenzen sind nur die eine Seite der Münze, deren andere Seite den Stempel der Unbehaustheit trägt. «. . . durch die Erzählungen meiner Vorfahren», schreibt Madzirov in einem seiner ausserordentlich dichten Essays, «habe ich begriffen, dass das Heim eine Erinnerung ist, die man nicht erben kann. Nach jedem Krieg gibt es viele verlassene Häuser, aber es gibt noch viel mehr verlassene Heime.» Madzirov, dessen Name sich vom arabischen Wort «Madziri» ableitet, einst die Anhänger Mohammeds bezeichnete und heute so viel bedeutet wie: Menschen ohne Zuhause, weiss nur zu genau, dass eine verordnete kollektive Erinnerung die «verlassenen Heime» nicht ersetzen kann.
und äußeren Gründen (und diese beiden Richtungen kreuzen sich wild):
Wir sprachen über die Welt der Poesie und die Weltliteratur, über Kundera, Calvino, Tranströmer, junge und alte Philosophen, zeitgenössische Künstler – für sein Alter war er fast einschüchternd gebildet –, nicht zuletzt über europäische und balkanische Grenzerfahrungen. In allerletzter Minute hatte er das Visum für Slowenien erhalten. Und einige Monate zuvor war ihm fast die Einreise nach Griechenland verweigert worden, in das Land, das seine Vorfahren während der Balkankriege zu Beginn des vorigen Jahrhunderts als Flüchtlinge hatten verlassen müssen. Da der Staat Makedonien von den griechischen Behörden nicht anerkannt wurde, besass auch sein Pass keine Gültigkeit. Was folgte, war stundenlanges Warten, bis man ihm einen Ersatzausweis aushändigte, mit dem er die Grenze überschreiten durfte.
Ein paar Jahre später wiederum, als ich im bulgarischen Veliko Tarnovo Nikola Madzirov und seine Gedichte erwähnte, handelte ich mir einen Rüffel ein: Das Makedonische existiere gar nicht, es sei lediglich eine Spielart des Bulgarischen. Mein kluger, durchaus sympathischer Gesprächspartner, ein Radiojournalist, konnte es sich nicht verkneifen, einen geschmacklosen Witz zum Besten zu geben: «Was ist ein Makedonier, der sich gewaschen hat? – Ein waschechter Bulgare!» Erneut stellte ich fest, dass die kollektive Identität auf dem Balkan (freilich nicht nur dort) nicht selten auf den negativen Prinzipien von Exklusivität und Abgrenzung beruht, einer kulturellen Überheblichkeit, die nur die Kehrseite tief reichender Minderwertigkeitsgefühle ist.
78. Geträumtes Südosteuropa
Nikola Madzirovs Gedichte enthalten so etwas wie die geträumte Geografie Südosteuropas. Innere und äußere Grenzen, die in der Realität des heutigen Balkans oft holzschnittartig Ethnien, Religionen und gemeinsame Vergangenheiten voneinander scheiden, werden durchlässig. Sie verschwimmen und vereinigen sich zu einer Welt, die dem alten Jugoslawien nur insofern entspricht, als nachträgliche Erinnerungen eine Art verschollene Polaroidfotografie beschreiben. Anstelle klarer Konturen tritt eine Melancholie, die ihres Gegenstands nur im Modus des Nachfühlens und Nachtastens habhaft werden kann. / Jan Volker Röhnert, Tagesspiegel
Nikola Madzirov: Versetzter Stein.
Gedichte. Aus dem Mazedonischen von Alexander Sitzmann.
Edition Lyrik Kabinett, Hanser Verlag 2011.
64 Seiten, 14,90 €.
64. Wie eine Neonröhre
In seinen Versen macht der junge mazedonische Dichter eine Atmosphäre des Übergangs und des nicht Umgrenzten spürbar. Das Ich fühlt sich hier «wie ein Traum, ein Zwischengeschoss», wahlweise auch «wie eine Neonröhre, die in einem leeren / Hausflur flackert». / NZZ 13.12.
Nikola Madzirov: Versetzter Stein. Gedichte. Aus dem Mazedonischen von Alexander Sitzmann. Verlag Carl Hanser, München 2011. 64 S. Fr. 21.90.
48. Mehr als ein gutes Dutzend. Lyrik 2011 (4)
Anthologie ∙ Einzeltitel ∙ Essayband ∙ Zeitschrift
Wird in den nächsten 3 Tagen in alphabetischer Folge ergänzt. Nachträge der Leser sind durchaus erwünscht und erbeten und können hier als Kommentar eingetragen werden. (Bitte erst unter dem jeweiligen Buchstaben eintragen, hier also nur Kr – Na. Die ergänzten Titel werden in die Liste übernommen, in den Kommentaren können Sie nachlesen, was unserm geballten Sachverstand entgangen war, M.G.)
- Michael Krüger (Hg.) ∙ Akzente. Zeitschrift für Literatur, Heft 2/April 2011: Moderne hebräische Lyrik, zusammengestellt von Ariel Hirschfeld, aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer, 108 Seiten, Broschur, Verlag Carl Hanser, München 2011.
- Alexej Krutschonych: Phonetik des Theaters. Hg. von Valeri Scherstjanoi. Leipzig: Reinecke & Voß 2011. 81 S.
- Georg Kulka: Sichtbarkeit. Aufzeichnende Prosa. Prosagedichtezyklus, hochroth Verlag 2011.
- Thomas Kunst · Legende vom Abholen, 109 Seiten, Klappbroschur, Edition Rugerup, Berlin · S-Hörby 2011.
- Kunstverein Kunstgeflecht (Hg.): Rhein! Zeitschrift für Worte, Bilder, Klang Nr. 2 (Oktober), Kidemus: Köln 2011. Lyrik von Kurt Drawert, Armin Foxius, Frederike Frei, Thomas Geduhn, Harald Gröhler, Gert Heidenreich, Franz Hodjak, Yaak Karsunke, Jochen Kelter, Regine Mönkemeier, Albert Ostermeier, Elisabeth Plessen, Manfred Pricha, Carmen Elisabeth Puchianu, Francisca Ricinski-Marienfeld, Kurt Roessler, Said, Joachim Sartorius,Rolf Stolz, A. J. Weigoni.
- Axel Kutsch (Hg.) · Versnetze_vier. Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart von 216 Autorinnen und Autoren, darunter Andreas Altmann ∙ Michael Arenz ∙ Hans Bender ∙ Hans Georg Bulla ∙ Uwe Claus ∙ Crauss ∙ Hugo Dittberner ∙ Richard Dove ∙ Hans Eichhorn ∙ Peter Ettl ∙ Karin Fellner ∙ Brigitte Fuchs ∙ Claudia Gabler ∙ Andrea Heuser ∙ Franz Hodjak ∙ Jürgen Israel ∙ Peter Kapp ∙ Ulrich Koch ∙ Christoph Leisten ∙ Vesna Lubina ∙ Marie T. Martin ∙ Jürgen Nendza ∙ Andreas Noga ∙ Irmhild Oberthür ∙ Antje Paehler ∙ Tom Pohlmann ∙ Arne Rautenberg ∙ Francisca Ricinski ∙ Horst Samson ∙ Vera Schindler-Wunderlich ∙ Marita Tank ∙ Ralf Thenior ∙ Beate Ünver ∙ Marianne Ullmann ∙ Ruth Velser ∙ Jürgen Völkert-Marten ∙ Ron Winkler ∙ Mario Wirz ∙ Maximilian Zander ∙ Rosemarie Zens, Vorwort des Herausgebers, 329 Seiten, Broschur, Verlag Ralf Liebe, Weilerswist 2011.
- Stan Lafleur/Helena Becker: Das Lachen der Hühner. Liechtenstein-Gedichte und Papierschnitte, parasitenpresse, Köln 2011
- James Laughlin: Dylan schrieb Gedichte. Aus dem US-Amerikanischen von Christine Pfammatter. Leipziger Literaturverlag. 136 Seiten.
- lauter niemand e.V. (Hg.): lauter niemand. Die Berliner Zeitschrift für Lyrik und Prosa. 11. Ausgabe. Lyrik von Clemens Schittko, Sylvia Geist, Philipp Güntzel, Isabella Roumiantsev, Catherine Hales, Elke Engelhardt, Sina Klein, Richard Duraj, Andrea Scholl, Kerstin Becker, Martina Winter, Levin Westermann, Niklas Lem Niskate, Sonja vom Brocke, Charlotte Warsen, Thomas Steiner, Jan Imgrund, Dieter M. Gräf, Theresa Klesper, Claudia Gabler, Philippe Kottoros, Carl-Christian Elze, Lutz Steinbrück, Tom Nisse, Roberto Yañez, Tibor Schneider, Kirsten Hartung, Simone Hirth, Julian Walther, Robert Bahr, Prosa von Ulrike Almut Sandig, David Frühauf, Dirk Alt, Yulia Marfutova, Stephan Roiss, Martin Lechner, Guy Helminger, Joachim Wendel, Florian Wacker, Marie T. Martin, Bernd Gonner.
- Radmila Lazić: Das Herz zwischen den Zähnen. Gedichte. Aus dem Serbischen von Mirjana & Klaus Wittmann. Leipziger Literaturverlag. 160 Seiten.
- Ivo Ledergerber · Besuch bei einem Freund, 92 Seiten, Hardcover, Waldgut Verlag, CH-Frauenfeld 2011.
- Wilhelm Lehmann, Poesiealbum 297. Auswahl Axel Vieregg, Grafik Herbert Tucholski. Märkischer Verlag Wilhelmshorst 2011. 32 S.
- Christian Lehnert · Aufkommender Atem, 99 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Suhrkamp Verlag, Berlin 2011.
- Anton G. Leitner · Arne Rautenberg (Hg.) · Das Gedicht, 19. Ausgabe: götterschöner freudefunken, Gedichte von Melanie Arzenheimer ∙ Jürg Beeler ∙ Brigitte Fuchs ∙ Norbert Göttler ∙ Ulla Hahn ∙ Erich Jooß ∙ Christine Langer ∙ Andreas Peters ∙ Ilma Rakusa ∙ Robert Schindel ∙ Babette Werth ∙ Johannes Zultner u.v.a., 135 Seiten, Broschur, Anton G. Leitner Verlag, Weßling 2011.
- Anton G. Leitner (Hg.) ∙ Gedichte für Zeitgenossen. Lyrik aus 50 Jahren von H. C. Artmann ∙ Ingeborg Bachmann ∙ Werner Dürrson ∙ Jörg Fauser ∙ Axel Kutsch ∙ Mario Wirz u.v.a., 142 Seiten, Taschenbuch mit Schutzumschlag, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011.
- Anton G. Leitner, Die Wahrheit über Uncle Spam und andere Enthüllungsgedichte, mit einem Nachwort von Ulrich Johannes Beil, 128 Seiten, Broschur, Daedalus-Verlag, Münster 2011.
- Michael Lentz · Textleben. Über Literatur, woraus sie gemacht ist, was ihr vorausgeht und was aus ihr folgt, herausgegeben sowie mit Vor- und Nachwort versehen von Hubert Winkels, 576 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Lesebändchen, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2011.
- Ben Lerner: Die Lichtenbergfiguren. Gedichte, zweisprachig. Übersetzt von Steffen Popp. Mit e. Nachwort von Matthias Göritz. luxbooks.americana, Wiesbaden 2011.
- Lettre International. Europas Kulturzeitung. Heft 95. Winter 2011. 138 S. Wassili Dimow: Kafkasus. Ein Poem. Beiträge von Péter Nádas, Slavoj Žižek, Friedrich Kittler u.v.a.
- Liao Yiwu: Massaker. Frühe Gedichte. Übersetzt von Hans Peter Hoffmann, hochroth Verlag 2011.
- Ernst Wilhelm Lotz · Wolkenüberflaggt (edition grillenfänger 20). 52 Seiten, Broschüre, Klammerheftung, Potsdam, udo degener verlag 2011.
- Wolfram Lotz: Fusseln. Liste. Köln: Parasitenpresse 2011 (paradosis Nr. 8). 16 S.
- Gertrud Luick-Conrad: Lebenslinien. Esslingen: Civitas Imperii Verlag 2011.
- Nikola Madzirov · Versetzter Stein, aus dem Mazedonischen von Alexander Sitzmann, 64 Seiten, Hardcover, Edition Lyrik Kabinett bei Hanser, München 2011.
- Zvonko Maković: lügen. warum nicht? Gedichte. Übersetzung: Alida Bremer. 96 Seiten, Format: 13.5 x 21 cm, gebunden, Softcover. Das Wunderhorn 2011.
- Nadeschda Mandelstam: Erinnerungen an Anna Achmatowa . Aus dem Russischen von Christiane Körner. Kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Pawel Nerler. Bibliothek Suhrkamp 1465, Berlin 2011. 205 S., mit zahlreichen Abbildungen.
- Horst-Ulrich Mann [d.i. Ulrich Horstmann]: Kampfschweiger. Gedichte 1977–2007. Verlag Shoebox House, Hamburg 2011. 187 S., € 16.90
- Julia Mantel ∙ dreh mich nicht um, Bilder von Petrus Akkordeon, Vorworte von Kurt Drawert und Jörg Sundermeier, 47 Seiten, Broschur, fixpoetry.Verlag, Hamburg 2011.
- Peter Marggraf (Hg.) · Berichte aus der Werkstatt, 10. Ausgabe, Bilder von Peter Marggraf, Gedichte von Hans Georg Bulla ∙ Uwe Claus ∙ Georg Oswald Cott ∙ Hugo Dittberner ∙ Paul Klee ∙ Gerd Kolter ∙ Heiner Müller ∙ August von Platen ∙ Rainer Maria Rilke, 40 Seiten, Format 23 x 33 cm, San Marco Handpresse, Neustadt 2011.
- Alfred Margul-Sperber (Hrsg.) · Die Buche. Eine Anthologie deutschsprachiger Judendichtung aus der Bukowina. Aus dem Nachlass herausgegeben von George Guțu, Peter Motzan und Stefan Sienerth. Mit Gedichten von Rose Ausländer · Uriel Birnbaum · Klara Blum · Paul Celan · Zeno Einhorn · Norbert Feuerstein · Ernst Maria Flinker · Robert Flinker · Benjamin Fuchs · David Goldfeld · Lotte Jaslowitz · Josef Kalmer · Alfred Kittner · Ewald Ruprecht Korn · Artur Kraft · Josef I. Kruh · Kamillo Lauer · Siegfried Laufer · Ariadne Baronin Löwendal · Hugo Maier · Itzig Manger · Alfred Margul-Sperber · Tina Marbach · Salome Mischel · Johann Pitsch · Moses Rosenkranz · Heinrich Schaffer · Isaac Schreyer · Jakob Schulsinger · Erich Singer · Isak Sonntag · Klaus Udo Tepperberg · Victor Wittner · Kubi Wohl. 469 Seiten, gebunden, 2. Auflage, Aachen, Rimbaud Verlag 2011.
- Jean-Michel Maulpoix: Schritte im Schnee. Prosagedichte. Aus dem Französischen von Margret Millischer. Leipziger Literaturverlag. 140 Seiten.
- Ernst Meister · Gedichte, ausgewählt von Peter Handke, 150 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Lesebändchen, Suhrkamp, Berlin 2011.
- Burkhard Meyer-Sickendiek · Lyrisches Gespür. Vom geheimen Sensorium moderner Poesie, 571 Seiten, Broschur, Wilhelm Fink Verlag, München 2012.
- Suzanna Mikesh, “wann eigentlich haben wir damit aufgehört” 97 Gedichte, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, HC mit Schutzumschlag, Lesebändchen und Faksimilie auf dem Umschlag, ISBN: 978-3-935259-83-5, erscheinen im worthandel : verlag, 2011, 19,80 Euro (www.worthandel.de/wh_voe/aufgehoert.htm)
- Anja Möbest (Hg.): Alles auf Anfang. Trennungsgedichte. Reclam. 96 Seiten.
- Esther Mohnweg: Zuerst versinkt der Horizont. Berlingedichte und Fotografien. Leipziger Literaturverlag. 124 Seiten.
- Shafiq Naz (Hg.) · Der deutsche Lyrikkalender 2012. Jeder Tag ein Gedicht, 366 Gedichte von 300 Autorinnen und Autoren von den Anfängen bis zur Gegenwart, darunter Hans Assmann von Abschatz ∙ Friedrich Ani ∙ Jürgen Becker ∙ Irène Bourquin ∙ Ann Cotten ∙ Crauss ∙ Michael Donhauser ∙ Jutta Dornheim ∙ Elke Erb ∙ Peter Ettl ∙ Wolfgang Fienhold ∙ Walter Helmut Fritz ∙ Claudia Gabler ∙ Sylvia Geist ∙ Caroline Hartge ∙ Kerstin Hensel ∙ Angelika Janz ∙ Markus Manfred Jung ∙ Gottfried Keller ∙ Thomas Kling ∙ Wilhelm Lehmann ∙ Alfred Lichtenstein ∙ Friederike Mayröcker ∙ Ernst Meister ∙ Jörg Neugebauer ∙ Hans Erich Nossack ∙ Hellmuth Opitz ∙ Jutta Over ∙ Silke Peters ∙ Marion Poschmann ∙ Bertram Reinecke ∙ Sophie Reyer ∙ Christian Saalberg ∙ Horst Samson ∙ Suleman Taufiq ∙ Jesse Thoor ∙ Unbekannter Dichter ∙ Jürgen Völkert-Marten ∙ Florian Voß ∙ Christian Wagner ∙ A. J. Weigoni ∙ Annemarie Zornack ∙ Stefan Zweig, 440 Seiten, Tischkalender mit Spiralbindung, Alhambra Publishing, B-Bertem 2011.
114. Versetzter Stein
Makedonien, vormals südlicher, an Griechenland und Bulgarien grenzender Teil Jugoslawiens, ist hierzulande weitgehend unbekannt. Noch unbekannter dürfte die Lyrik dieses Landes sein. Ihr Beginn wird mit den Werken der Brüder Konstantin und Dimitar Miladinov auf den Beginn des 19. Jahrhunderts datiert. Seit den 1960er-Jahren findet alljährlich in Struga, dem Geburtsort der Brüder, ein internationales Poesiefestival statt, und der wichtigste Literaturpreis des Landes ist nach ihnen benannt. 2007 erhielt ihn der 1973 geborene Lyriker, Essayist und Übersetzer Nikola Madzirov für einen Gedichtband, der nun unter dem Titel “Versetzter Stein” auch auf Deutsch erschienen ist.
Der Name Madzirov leitet sich ab von “Madziri”, einem arabischen Wort. Es bezeichnete ursprünglich die Anhänger Mohammeds, die ihm von Mekka nach Medina folgten und bedeutet heute: Menschen ohne Zuhause. So wurden die Vorfahren des Autors bezeichnet, die infolge früherer Balkankriege ihre Heimat verlassen mussten, als diese an Griechenland fiel. / Carsten Hueck, DLR
Nikola Madzirov: Versetzter Stein
Aus dem Makedonischen von Alexander Sitzmann
Edition Lyrik Kabinett bei Hanser, München 2011
61 Seiten, 14,90 Euro
114. Meine Anthologie: Gegen Grammatiker
Aus der “Griechischen Anthologie”, Buch XI: Trink- und Scherzepigramme
322
Der Grammatiker umtriebiges Geschlecht, Wurzelgräber der Musen
Anderer, traurige Motten im Flug von Distel zu Distel,
Quälgeister der großen Geister, wagt es, euch mit Erinna zu brüsten,
wadenbeißende kläffende Köter des Kallimachos,
Poetenpest, Kinderverschatter,
verzieht euch, heimlich nagende Schädlinge der schönklingenden Dichtung!
Γραμματικῶν περίεργα γένη, ῥιζωρύχα μούσης / ἀλλοτρίης, ἀτυχεῖς σῆτες ἀκανθοβάται, / τῶν μεγάλων κηλῖδες, ἐπ’ Ἠρίννῃ δὲ κομῶντες, / πικροὶ καὶ ξηροὶ Καλλιμάχου πρόκυνες, / ποιητῶν λῶβαι, παισὶ σκότος ἀρχομένοισιν, / ἔρροιτ’, εὐφώνων λαθροδάκναι κόριες. (Antiphanes)
Eine mehrbändige Ausgabe der Anthologia Graeca wird im Stuttgarter Verlag ANTON HIERSEMANN KG vorbereitet. Die Übersetzungen stammen von Dirk Uwe Hansen (Greifswald), Jens Gerlach (Hamburg), Peter von Moellendorff (Gießen), Kyriakos Savvidis (Bochum) und Christoph Kugelmeier (Saarbrücken). Der erste Band wird voraussichtlich noch in diesem Jahr erscheinen. Das 11. Buch kommt in den 3. Band und wird von Christoph Kugelmeier übersetzt. Die obige Übersetzung stammt von Dirk Uwe Hansen (nicht aus der Ausgabe).
Eine metrische Übersetzung von Dietrich Ebener in Dietrich Ebener (Hg.): Die Griechische Anthologie. 3. Band. Berlin u. Weimar: Aufbau Verlag 1981, S. 83
Wikipedia ist hier noch einsilbig bzw. -sätzig:
Antiphanes of Macedon is the author of ten epigrams in Greek Anthology; one of these is headed as Antiphanes of Megalopolis and may be by another poet.
Die katalanische Version hat dagegen 4 Sätze:
Antífanes (Antiphanes, Ἀντιφάνης) fou un poeta epigramàtic grec.
Alguns dels seus epigrames es conserven a l’antologia grega. Va viure després de Meleagre, en temps de l’emperador August. Filip de Tessalònica va incorporar alguns dels seus epigrames a la seva antologia, cosa que ens els ha conservat.
Die Aufbau-Ausgabe sagt:
Antiphanes: Von Makedonien bzw. Megalopolis, 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts u.Z.
Lustig ist, daß Megalopolis beinahe die griechische Übersetzung von “Mecklenburg” ist, bzw. umgekehrt, Meckel = michel, groß (Gegensatz zu Luxemburg = lützel, little burg). Nur “Stadt” statt “Burg”. Die Herzöge von Mecklenburg waren ja trotz des deutschen Namens Slawen wie die Makedonier seit dem Mittelalter. Makedonien wiederum hat auch “groß” im Namen:
The name Macedonia (Greek: Μακεδονία, Makedonía) is related to the ancient Greek word μακεδνός (Makednos). It is commonly explained as having originally meant ‘a tall one’ or ‘highlander’, possibly descriptive of the people.
Außerdem umfaßt das slawische Wort “grad”, “gorod” sowohl Stadt als Burg (Petrograd = Stadt Peters = Petersburg). Im übrigen wird auch der Name “Gratz” von dem Wort abgeleitet, also Stadt- oder Burgbewohner. Hochgewachsene Stadtbewohner zwischen Deutschen und Slawen oder zwischen Dichtung und Grammatik. Stimmt schon. [Andere Deutung: gracz, polnisch Spieler]
52. Poesieraum Balkan

“Opas freund /najden hat aus dem brunnen / einen römischen soldaten /gezogen“ heißt es in einem Gedicht der jungen Serbin Dragana Mladenovic. „ einen legionär /und hat ihn in der kirche getauft / auf den namen simeon … aber für mich ist das /langweilig deshalb / stelle ich mir vor / ich sei / ein mädchen / aus der nachbarschaft”. Der ganze Balkan ist ein gewaltiger Poesieraum, was Serbien als Gastland der nächste Woche beginnenden Leipziger Buchmesse ganz besonders unter Beweis stellen wird: Welcher Reichtum findet sich etwa in der Anthologie „Eintrittskarte“, die ein Panorama der Lyrik des 21. Jahrhunderts entwirft.
Doch es ist unmöglich, all das, was einem an junger serbischer Lyrik begegnet, losgelöst vom Poesiediskurs in ganz Ex-Jugoslawien zu betrachten, so eng verwandt sind die slawischen Sprachen Südosteuropas, als dass keiner den anderen nicht nicht verstünde, zu eng sind die Kulturlandschaften dies- und jenseits von Donau, Save, Morawa und Drina verflochten.
Ein Beispiel für die Verschmelzung vieler Orte in einer Person ist Lidija Dimkovska, 1971 im makedonischen Skopje geboren, in Bukarest promoviert, der Liebe wegen (wenn man ihren Gedichten glaubt) in Ljubljana ansässig. Ihre Verse sind wilde Jumpcuts, die ungebändigt die Widersprüchlichkeit des postkommunistischen Lebensgefühls einfangen. / Jan Röhnert, Tagesspiegel
Dragana Mladenovic: Nachbarschaft. Gedichte. Aus dem Serbischen von Jelena Dabic. 160 Seiten, 16 €.
Lidija Dimkovska: Anständiges Mädchen. Gedichte. Aus dem Makedonischen von Alexander Sitzmann. 164 Seiten, 16 €. Beide bei Edition Korrespondenzen, Wien 2011.
Dragoslav Dedovic (Hg.): Eintrittskarte. Serbien: Panorama der Lyrik des 21. Jahrhunderts. Zweisprachige Ausgabe. Drava Verlag, Klagenfurt 2011. 359 Seiten, 29,80 €.
9. lyrikline
Neues auch vom Berliner Ohrenschmaus:
Kurz vor Weihnachten präsentieren wir einen israelischen Weihnachts- und Poesiefilm, basierend auf einem Gedicht von Jan Wagner (Deutschland).
Freuen kann man sich für 2011 schon einmal auf neue Dichter aus dem Maghreb, aus Italien, Israel, Katalonien, Zypern, Belgien, Russland und aus Skandinavien, und natürlich noch auf viele andere mehr.
Neue Autoren
Auf lyrikline.org sind zahlreiche Autoren neu. Mit dabei sind u.a. Gedichte des Booker-Preisträgers Michael Ondaatje (Kanada), der vor allem durch seinen Roman „Der englische Patient“ bekannt wurde. Cole Swensen (USA) und Yang Lian (China/USA) sind weitere nordamerikanische Autoren, die jetzt online zu lesen und zu hören sind. Ebenfalls neu sind die afrikanischen und asiatischen Dichter Nina Kibuanda (DR Kongo) und Babangoni wawa Chisale (Malawi) sowie Alaa Khaled (Ägypten), Zakaria Mohammed (Palästina) und Monzer Masri (Syrien).
Aus Europa sind neu dazugekommen:
Ulrikka S. Gernes (Dänemark), Konstantin Ames (Deutschland), María Eloy-García (Spanien) und die griechischen Dichter Jazra Khaleed, Dimitra Kotoula und Yannis Stiggas.
Neue Gedichte
gibt es von Gerhard Falkner (Deutschland).
Neue Übersetzungen
Außerdem wurden wieder zahlreiche neue Übersetzungen eingestellt:
Ins Arabische: Gerhard Falkner (Deutschland)
Ins Chinesische: Jan Wagner (Deutschland)
Ins Deutsche: Babangoni wawa Chisale (Malawi), María Eloy-García (Spanien), Ulrikka S. Gernes (Dänemark), Alaa Khaled (Ägypten), Jazra Khaleed (Griechenland), Nina Kibuanda (Kongo), Dimitra Kotoula (Griechenland), Zakaria Mohammed (Palästina), Monzer Masri (Syrien), Michael Ondaatje (Kanada), Yannis Stiggas (Griechenland), Cole Swensen (USA), Yang Lian (China/USA)
Ins Englische: Tsead Bruinja (Niederlande), Hélène Gelèns (Niederlande), Ulrikka S. Gernes (Dänemark), Jazra Khaleed (Griechenland)
Ins Französische: Tsead Bruinja (Niederlande)
Ins Hebräische: Monika Rinck (Deutschland), Jan Wagner (Deutschland)
Ins Litauische: Tsead Bruinja (Niederlande)
Ins Spanische: Tsead Bruinja (Niederlande)
Ins Türkische: Arjen Duinker (Niederlande), Joan Margarit (Spanien), Nikolai Madzirov (Mazedonien), Thomas Möhlmann (Niederlande), Ulrike Draesner (Deutschland)
Ins Ungarische: Jan Wagner (Deutschland)
65. Wien: Die Stimmen der Nachbarn hören
Der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels (HVB) lädt zur BUCH WIEN 10 Internationale Buchmesse (18.–21. November) und Lesefestwoche (15.–21.November): Erwartet werden rund 200 heimische und internationale AutorInnen, dieihre Neuerscheinungen vorstellen. Ganz im Sinne der Brückenfunktion Wiens gilt einbesonderes Augenmerk der Literatur aus Südost- und Zentraleuropa.
In Kooperation mit KulturKontakt Austria und unter Mitwirkung internationaler Kulturinstitute sind zur BUCH WIEN auch in diesem Jahr zahlreiche AutorInnen geladen, u. a. stellt die beeindruckende ukrainische Erzählerin Oksana Sabuschko in der Hauptbücherei am Gürtel ihren neuen Roman „Museum der vergessenen Geheimnisse“ vor. Im Rahmen der Nacht der Poesie wird die Taschenbuchreihe tradukita poezio vorgestellt, die der südosteuropäischen Lyrik gewidmet ist und von TRADUKI und der edition korrespondenzen herausgegeben wird. Erwartet werden Luljeta Llheshanaku aus Albanien, Lidija Dimkovska aus Makedonien und Marko Pogacar aus Kroatien. / bücher.at