Kategorie: Kroatien
101. Die schlechte war wirklich schlecht
Beim Perlentaucher berichtet der kroatische Dichter Marko Pogačar über Schlägereien in Istanbul und beim Lyrikfestival im polnischen Bydgoszcz und sonstige Integrationserfahrungen. Ein Ausschnitt vom Festival, vor der Schlägerei:
In Polen, weit im Nordwesten, bei Bydgoszcz. Was wolltest du dort? Ich habe an einem Lyrikfestival teilgenommen, ich wollte:nichts. Wie bist du dorthin gekommen? Ich wurde in einem Auto hingefahren. Aus Berlin hat mich ein Freund mitgenommen, ein Pole, der die Sprache kennt und die Straßen. Auf dem Weg fuhren wir durch den Ort Bagdad. Welche Marke hatte das Auto? Ich weiß nicht. Was ist mit dieser Dichtung? Handelte es sich um Chiffren? Ja und nein. Es gab alle Arten von Dichtung, wie das bei Lyrikfestivals so ist. Die schlechte war wirklich schlecht.
109. Lügen, warum nicht?
Er ist nicht zu verstehen ohne seine erste Profession. Zvonko Makovic, 1947 in Osijek geboren, hat an der Universität Zagreb einen Lehrstuhl für moderne Kunst und visuelle Kommunikation inne. So gibt es auch in seinem dichterischen Werk zahlreiche Bezüge zur bildenden Kunst. Die Betrachtung von Bildern, die seiner Meinung nach weniger lügen als Worte, hat einen direkten Einfluss auf seine Poetologie. Makovic ist ein skeptischer Phänomenologe. Er schaut die Dinge an, die ihn umgeben, er spricht ihre Namen aus – aber er zweifelt daran, dass damit viel gesagt ist.
Man kann Makovics Schreibverfahren mit den Techniken moderner Maler vergleichen, die ihre Gegenstände bis auf die Grundformen zurückführen wollen. / Volker Sielaff, Tagesspiegel
Zvonko Makovic: Lügen, warum nicht? Gedichte. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2012. 100 S., 18 €.
61. Flussi Diversi
Die Arbeitsgemeinschaft Alpen-Adria lädt zum vierten Dichter-Symposium nach Caorle bei Venedig. Schirmherr der diesjährigen Veranstaltung ist der ungarische Dichter Géza Szöcs.
Flussi Diversi – Poesie in alpen-adriatischer Vielfalt
27-29 Mai 2011
http://flussidiversi.jimdo.com/
Liste der teilnehmenden Dichter:
Antonio Cassuti (Italia)
Augusto Debernardi (Italia)
Conny Stockhausen (Italia)
Diana Rosandić (Croazia)
Egon Günther (Germania)
Enrico Grandesso (Italia)
Eros Olivotto (Italia)
Fabio Franzin (Italia)
Flavio Ermini (Italia)
Gábor Nagy (Ungheria)
Gerhard Altmann (Austria)
Géza Szöcs (Ungheria)
Giacomo Scotti (Italia)
Gianluca Chierici (Italia)
Ida Travi (Italia)
Isabella Panfilo (Italia)
Iztok Osojnik (Slovenia)
Linda Mavian (Italia)
Luciano Cecchinel (Italia)
Marina Moretti (Italia)
Mario Rossetti (Italia)
Marko Kravos (Italia)
Maurizio Mattiuzza (Italia)
Mila Haugová (Slovacchia)
Nikola Kraljic (Croazia)
Patrizia Valduga (Italia)
Renata Visintini Lambertini (Italia)
Roberto Nassi (Italia)
Tiziano Brogliato (Italia)
Tomaso Kemeny (Italia)
18. Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung 2011 geht an Jean Krier
Förderpreise für Olga Martynova und Nicol Ljubić
Jean Krier erhält den mit 15.000 Euro dotierten Adelbert-von-Chamisso-Preis 2011. Mit dem Chamisso-Preis ehrt die Robert Bosch Stiftung seit 1985 herausragende literarische Leistungen in deutscher Sprache, verfasst von Autoren, deren Muttersprache oder kulturelle Herkunft nicht die deutsche ist. Damit ist dieser im literarischen Leben des deutschsprachigen Raums etablierte Preis der einzige seiner Art in Deutschland. Der luxemburgische Dichter Krier überzeugte mit seinem jüngsten Band „Herzens Lust Spiele“, mit dem er laut der Jury auf originelle und beeindruckende Weise die deutschsprachige Lyrik bereichert. Die diesjährigen Förderpreise in Höhe von jeweils 7.000 Euro gehen an Olga Martynova und Nicol Ljubić. Die Preise werden am 16. März 2011 in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz verliehen.
Jean Krier wurde 1949 in Luxemburg geboren, wo er heute lebt. Neben Beiträgen in Literaturzeitschriften wie „Akzente“ und „manuskripte“ veröffentlichte er mehrere weithin beachtete Gedichtbände. Jean Krier wird mit dem Chamisso-Preis 2011 für die freirhythmischen Elegien seines jüngsten Bandes „Herzens Lust Spiele“ (poetenladen 2010) geehrt. Seine deutschsprachigen Wortteppiche, die er subtil mit französischen Einsprengseln spickt, speisen sich aus Erfahrungsmomenten und Lektüreerlebnissen. Die scheinbar prosanahen Texte nehmen die europäische Tradition der literarischen Moderne des 20. Jahrhunderts auf und erweitern deren thematisches und sprachliches Spektrum. Mit seinem Gesamtwerk bereichere der Luxemburger Dichter die deutschsprachige Lyrik und leiste auf originelle Weise einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis der ihn prägenden Kulturen, so die Jury des Chamisso-Preises.
Olga Martynova wurde 1962 bei Krasnojarsk in Sibirien geboren. Sie wuchs in Leningrad auf und zog 1991 mit ihrem Mann Oleg Jurjew nach Deutschland. Heute lebt Olga Martynova in Frankfurt am Main und schreibt Gedichte auf russisch, Essays und Prosa auf deutsch. Sie erhält den Chamisso-Förderpreis für ihren Roman „Sogar Papageien überleben uns“ (Literaturverlag Droschl 2010), der deutlich macht, dass die Gegenwart Europas in Wahrheit aus zahlreichen kleinen Vergangenheiten besteht. Die Jury sieht in Olga Martynovas Roman zauberhafte poetische Capriccios, die Erinnerungsaugenblicke festhalten und sich zu einer herben Komödie über die Zeit verbinden, in der die Grausamkeiten und Absurditäten der europäischen, insbesondere der russischen Geschichte des 20. Jahrhunderts nicht verschwiegen werden. Über die Missverständnisse und Anziehungskräfte zwischen Russen und Deutschen lasse sich aus ihrem Text, der auch ein Liebesroman ist, vieles lernen, so die Jury.
Nicol Ljubić wurde 1971 in Zagreb geboren und ist in Schweden, Griechenland, Russland und Deutschland aufgewachsen. Heute lebt er in Berlin, arbeitet als Autor und Journalist. Für seine Reportagen wurde er mehrfach ausgezeichnet. Den Chamisso-Förderpreis erhält Nicol Ljubić für seinen Roman „Meeresstille“ (Hoffmann und Campe), dessen souveräne Komposition aus Realitätspartikeln und fiktionalen Passagen die Schuldfrage des Balkankrieges der 1990er Jahre explizit offen lässt. Die Liebe zur serbischen Studentin Ana, deren Vater eines grausamen Kriegsverbrechens angeklagt ist, führt Robert, einen Berliner Doktoranden der Geschichte, zu den Wurzeln seiner eigenen, aus Kroatien stammenden Familie. Nach Überzeugung der Jury wird im Roman in ergreifender Weise die fundamentale Frage verhandelt, ob nach dem Krieg mit seinen grausamen Verbrechen und den zurückbleibenden Traumata wechselseitiges Vertrauen möglich ist oder ob das Geschehene jeglicher Liebe dauerhaft im Wege steht.
Die Juroren des Adelbert-von-Chamisso-Preises 2011 sind: Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel), Zsuzsanna Gahse (Autorin und Chamisso-Preisträgerin 2006), Clemens-Peter Haase (Goethe-Institut), Ina Hartwig (Literaturkritikerin) und Dorothea Westphal (Deutschlandradio Kultur).
Jean Krier in L&Poe
103. Gestorben
Der indische Dichter A Ayyappan starb im Alter von 61 Jahren in Thiruvananthapuram. Er war ein bekannter modernistischer Malayalamdichter. Sein Bohèmeleben und seine anarchische Lyrik gewann ihm viele Bewunderer. / Times of India
Die kroatische Schriftstellerin Vesna Parun ist am Montag im Alter von 88 Jahren in einem Seniorenheim nördlich von Zagreb gestorben, berichteten Medien des Landes. / Der Standard
65. Wien: Die Stimmen der Nachbarn hören
Der Hauptverband des Österreichischen Buchhandels (HVB) lädt zur BUCH WIEN 10 Internationale Buchmesse (18.–21. November) und Lesefestwoche (15.–21.November): Erwartet werden rund 200 heimische und internationale AutorInnen, dieihre Neuerscheinungen vorstellen. Ganz im Sinne der Brückenfunktion Wiens gilt einbesonderes Augenmerk der Literatur aus Südost- und Zentraleuropa.
In Kooperation mit KulturKontakt Austria und unter Mitwirkung internationaler Kulturinstitute sind zur BUCH WIEN auch in diesem Jahr zahlreiche AutorInnen geladen, u. a. stellt die beeindruckende ukrainische Erzählerin Oksana Sabuschko in der Hauptbücherei am Gürtel ihren neuen Roman „Museum der vergessenen Geheimnisse“ vor. Im Rahmen der Nacht der Poesie wird die Taschenbuchreihe tradukita poezio vorgestellt, die der südosteuropäischen Lyrik gewidmet ist und von TRADUKI und der edition korrespondenzen herausgegeben wird. Erwartet werden Luljeta Llheshanaku aus Albanien, Lidija Dimkovska aus Makedonien und Marko Pogacar aus Kroatien. / bücher.at
59. Kroatische Lyrik in Fellbach
Hochkarätige kroatische Künstler verwandeln Fellbach während des 4. Europäischen Kultursommers in ein pulsierendes Zentrum für Musik, Tanz, Literatur, Theater, Kleinkunst und bildende Kunst. Neben Kroatien ist als zweites Gastland Österreich geladen. …
Die kroatische Lyrik, die von der Schönheit der Sprache und den dunklen Flecken der Vergangenheit erzählt, meldet sich in der Übersetzung sechs namhafter deutscher Lyriker zum ersten Mal auch auf Deutsch zu Wort. Den neuen Band “Konzert für das Eis”aus der Reihe “Poesie der Nachbarn” stellen Hans Thill und Zvonko Makovic am Mittwoch, 28. April, 20 Uhr in der Stadtbücherei vor.
42. Radovan Ivšić ist tot
Der surrealistische Dichter und Dramatiker Radovan Ivšić starb im Alter von 89 Jahren, teilte der französische Verlag Édition Gallimard gestern mit. Während der deutschen Besetzung Kroatiens, aber auch unter der kommunistischen Titoherrschaft durfte er nicht publizieren. 1954 verließ er Kroatien und ging nach Frankreich. Dort schloß er sich den Surrealisten an und schrieb Gedichte und Theaterstücke. 2004 erschien bei Gallimard eine Sammlung unter dem Titel Poèmes. / Actua Litté 8.1.
Texte von Ivšić sind in dem legendären Band “Das surealistische Gedicht” (“surrealistischer Ziegelstein”) enthalten, der im Jahr 2000 in 3. Auflage bei Zweitausendeins erschien. In späteren Jahren schrieb Ivšić vorwiegend Französisch. (Die fremde Sprache, sagt Ivšić, half ihm Distanz zu gewinnen). Der Berliner Autor Richard Anders, der in den 60er Jahren als Lektor in Zagreb arbeitete, erzählt, daß Ivšić – in dessen Zagreber Wohnung er unterkam – ihn in den Kreis um André Breton einschleuste und was er von ihm über automatisches Schreiben lernte. (Richard Anders: Wolkenlesen. Über hypnagoge Halluzinationen, automatisches Schreiben und andere Inspirationsquellen. Greifswald 2003).
Mehr: culturenet.hr (engl.) /
“Radovan Ivsic, Surrealist Radovan Ivsic, der Dinosaurier des Surrealismus, verbrachte das 20. Jahrhundert in Poesie, Dramaturgie und politischem Engagement” mehr
Radovan Ivsic, European surrealist, cafebabel
Foto: Mit André Breton
Toyen – Radovan IVSIC. (Grafik)