Kategorie: Wales
95. R. S. Thomas
Klingende Namen waren es, die am 28. März 2001 die Gedenkfeier für den im Herbst des Vorjahrs verstorbenen walisischen Dichter R. S. Thomas in der Westminster Abbey bestritten. Der irische Nobelpreisträger Seamus Heaney. Andrew Motion, damals britischer Poet Laureate. Der schottische Lyriker und Romancier John Burnside, der in den letzten Jahren auch das hiesige Lesepublikum erobert hat. Und natürlich eine profilierte Stimme aus der Heimatregion des Verstorbenen, die Dichterin und Literaturvermittlerin Gillian Clarke. Ein würdiges Aufgebot für einen der Grossen in der britischen Literaturlandschaft des 20. Jahrhunderts – auch wenn R. S. Thomas sein Leben konsequent fernab der Öffentlichkeit geführt hatte. (…)
In seiner Verurteilung dessen, was er als materialistische, entseelte Moderne sah, konnte Thomas – der keineswegs zur literarischen Selbstinszenierung neigte – auch einmal das Gewand und den apodiktischen Ton des Apostels annehmen: «Und ich, Thomas, sah den Verfall / zum Bösen. Die alten, schlechten Gewohnheiten / wurden neu erlernt. Männer vermieteten ihr / Gewissen; Frauen wurden hart, schrill.» / Angela Schader, NZZ
Romane, so R. S. Thomas in «Sozusagen», seien lediglich «zum Vertagen der Wahrheit», zum Füllen der leeren Seiten, zum allmählichen Ausmalen der einmal entworfenen Figuren gut, während das Gedicht in einem Wimpernschlag alles zu fassen vermag: «Das Buch schliesst, wo die Poesie beginnt.»
R. S. Thomas: In zierlichen Schlingen. Gedichte, englisch/deutsch. Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Kevin Perryman. Babel-Verlag, Fuchstal 2012. 84 S., € 24.–. Sonderdruck mit Originalradierung von Vroni Schwegler € 164.
105. Vernetzung
Der Liechtensteiner Künstler Vlado Franjevic hat sich in letzter Zeit mit seinen Ideen von lyrischer Vernetzung international Aufmerksamkeit verschafft.
Ceris Dien aus Wales liesst am 20. März an der Universität von Bangor in Wales neben anderer Poesie auch Franjevics Gedicht «Berührung der Stille» auf Englisch sowie «Mobiles Objekt» und «Gedicht über die Transformation» aus Franjevics Lyrikband «Uraufführung» auf Walisisch. Doch das ist noch lange nicht alles. A. Okhi Irawan Bandung auf Jawa, übersetzt derzeit Franjevics Gedichtesammlung «Berührung der Stille» aus dem Englischen ins Indonesische, AainaA A.R. Ritz [? sic] aus Malaysia überträgt dieselben Texte ins Französische und Malaysische und «Volksblatt»-Korrespondent Wiesław Piechocki ins Polnische. Sudhir Sharma aus Mumbai hat ebenfalls Interesse an dem Projekt bekundet, desgleichen Alex Kassandrinos aus Athen. / Volksblatt 15.3.
92. Philip Gross gewinnt TS Eliot-Preis
Philip Gross, Professor für Creative writing an der University of Glamorgan in Pontypridd (Wales) gewinnt den diesjährigen TS Eliot Poetry Prize (mit £15,000 ein ganzes Stück besser dotiert als unser Huchel) für den Band “The Water Table”.
Der ursprünglich aus Cornwall stammende Autor hat sich gegen hochklassiger Mitbewerber, unter ihnen zwei frühere Preisträger, durchgesetzt. Nicht einen Augenblick habe er damit gerechnet, sagt er. Er sei schon hoch erfreut darüber gewesen, daß er es auf die Shortlist gebracht hat. “Ich bewundere die 9 anderen Autoren und bin froh darüber, daß ich Autor war und nicht Juror.” Der Erfolg sei eine große Ermutigung für ihn. Es bedeute, daß seine Arbeit gelesen werde, gründlicher gelesen – was die Lyrik am meisten brauche, seien gute Leser. / Karen Price, Western Mail 20.1.
6. Ausgezeichnet
Den John Tripp Award for Spoken Poetry 2009 für die beste Lyrikperformance in Wales gewann Dafydd Wyn aus Ammanford. Der jüngste Teilnehmer, der 19jährige Liam Johnson, bekam den zweiten Preis der Jury und zugleich den Publikumspreis. / poetrylibrary.org
42. Wales: Keine Preisverleihung
Beim Nationalen Eisteddfod, einem jährlich stattfindenden Fest der Literatur, der Musik und des Gesangs in Wales, wird in diesem Jahr kein Preis verliehen. Für den Wettbewerb waren nur sieben Texte in walisischer Sprache eingereicht worden, was die Jury unerwartet und enttäuschend fand. Den Texten fehlten Vision, Gedanken und Gespür für Ordnung und Klarheit. Es sei wichtig, den hohen Standard vergangener Wettbewerbe zu halten. / Wales Online 10.8.