Yves Bonnefoy: Streichend schreiben. Gedichte. Aus dem Französischen von Elisabeth Edl und Wolfgang Matz. Stiftung Lyrik-Kabinett, München 2012. 79 S., Fr. 21.–.
Kategorie: Frankreich
27. Gestorben
Der bretonische Schriftsteller Alain Jégou starb am 6.5. nach langer Krankheit im Alter von 65 Jahren. Hier ein Blog zu seinem Werk, auch mit Texten, die er über die Beat Poets und die Lyrik der Indianer schrieb.
7. Streichend schreiben
Mit 87 Jahren veröffentlichte der grosse französische Lyriker und Essayist Yves Bonnefoy einen schmalen Gedichtzyklus, der sich von all seinen vorhergegangenen unterschied. Es handelt sich um 28 Sonette des italienischen Typus – mit jeweils zwei Quartetten und zwei Terzetten –, doch ohne Reime. Trotzdem: Die Form ist streng, und gerade diese Strenge erwies sich als ungemein befruchtend. «Der Zwang», so Bonnefoy in seinem kurzen Vorwort, «wurde zum Bohrer, durchdrang Ebenen der Abwehr, schuf Zugang zu Erinnerungen, die verschlossen geblieben waren, ja unterdrückt.» Bonnefoy nennt sein Verfahren, das darin besteht, im Rahmen der vorrangigen Form auf die Klangwirklichkeit der Wörter zu bauen, «streichend schreiben» (französisch «raturer outre»). Ein Prozess der Reduktion und Dekonstruktion, der unverhofft zu neuen Sinnverknüpfungen und Einsichten führte. / Ilma Rakusa, NZZ 23.4.
5. Gestorben
Die Dichterin Eather Dohollau, keltischen Ursprungs, die seit 1958 in Saint-Brieuc lebte, starb im Alter von 88 Jahren. Im Jahr 2000 wurde sie zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. / ouest france
109. Kunst, Spektakel, Revolution No. 4
»Die Verwirklichung der Poesie«
Call for Papers!
Gerade ist die dritte Ausgabe der Broschüre „Kunst, Spektakel, Revolution“ erschienen und schon beginnen wir mit der Redaktionsarbeit für die vierte Ausgabe. Die vierte Nummer unserer (beinahe) jährlichen Publikation wird die Revolutionsepoche zwischen 1789 und 1871 behandeln und dabei insbesondere in den Blick nehmen, welche Tendenzen sich in der Dichtung zu dieser Zeit Bahn brachen – dementsprechend steht das Thema der Ausgabe unter dem Titel „Die Verwirklichung der Poesie“. Das Heft wird sich, dokumentierend und ergänzend, am letztjährigen Themenblock der Reihe orientieren, in dem wir uns mit Friedrich Hölderlin, Heinrich Heine, Comte de Lautréamont, Arthur Rimbaud und Charles Baudelaire auseinandergesetzt haben.
Während sich Hölderlin und Heine vor dem Hintergrund der deutschen Misere, in je unterschiedlicher Weise, auf die Impulse bezogen, welche die französische Revolution der weltweiten Emanzipationsbewegung gab, befinden sich Lautréamont, Rimbaud und Baudelaire in Frankreich in einer Situation, in welcher der deutsch-preußische Frankreich-Feldzug eine emanzipatorische Bestrebung zu zerstören drohte. Diese fünf Dichter sind jedoch nicht eigentlich „politische“ Dichter, die bloß die Forderungen politischer „Parteien“ zu ihrem Inhalt gemacht hätten. Ihr Vermächtnis ist nicht die Formulierung eines positiven Programms – vielmehr drückt sich in ihrer Formsprache die Tendenz einer Negativität aus, die zur Aufhebung einer schlechten Gegenwart drängt. Gleichzeitig wird an ihnen das Besondere sowie die Beschränkung der Dichtkunst sichtbar – was diese vorwegnahm, drängt in einem historischen Ereignis zur Wirklichkeit, das nicht Kunstgeschichte ist: Die erste große proletarische Erhebung in der Pariser Commune von 1871, in der zahlreiche Momente der ganzen Moderne kulminierten und die unter Aufsicht der preußischen Militärs von der französischen Bürgerklasse blutig niedergeschlagen wurde. Sich dieses Ereignis von unserer Gegenwart her neu zu erschließen und kritisch-historisch anzueignen, bedeutet aber gerade im Blick auf die Poesie, sich der Gebrochenheit der Revolutionsgeschichte bewusst zu werden: Das Dunkle und Düstere bei Hölderlin, auf den sich später auch Paul Celan bezog, die Flucht Heines vor dem Antisemitismus aus Deutschland und die rasende Vernichtungswut bei Lautréamont weisen darauf hin, dass in dieser Poesie auch bereits Momente erkennbar sind, die mit dem Geschichtsbruch zu tun haben, der sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland vollzog und der auch die Geschichte der Revolution nicht unangetastet lässt.
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Soweit der inhaltliche Rahmen des letztjährigen Themenblocks. Für das Heft ist die Redaktion auf der Suche nach weiteren AutorInnen! Insbesondere in drei Themengebieten wollen wir noch Texte haben:
1.) Die französische Revolution von 1789
Wir suchen dringend eine/n AutorIn, der/die einen einführenden Text über die französische Revolution von 1789 (und die darauffolgenden Erhebungen) schreiben kann. Zum einen erachten wir es als immens wichtig, die französische Revolution wieder ins Gespräch zu bringen, da kaum Wissen über dieses, das Wesen der Moderne prägende, Ereignis zirkuliert, zum anderen geht es um ein Ereignis, welches die deutsche Philosophie und Dichtung entscheidend beeinflusst hat. Es soll darum gehen, eine Auseinandersetzung mit der Dichtung des 19. Jahrhunderts historisch-materialistisch zu rahmen, wobei folgende Fragen berührt werden sollen: Welche neuen Bedingungen schaffen die bürgerlichen Revolutionen? Von welchen gesellschaftlichen Gruppen werden diese Auseinandersetzungen getragen? Wie stehen sie in einem Zusammenhang mit der Konstituierung des modernen Proletariats und einer möglichen proletarischen Revolution? Welche Versprechungen und Hoffnungen sind damit verbunden, deren möglich-und-wirklich-Werden und das Ausbleiben ihrer Einlösung auch den Erfahrungshintergrund der modernen Dichtung bilden? Welche Rollen spielen die Agrar- und Hungerrevolten in der französischen Revolution, inwiefern agieren Bauern, Handwerker, Arbeiter und Arbeitslose unabhängig von der Bourgeoisie? Was bedeutet die französische Revolution für Frauen und den Frühfeminismus? Wie etablieren sich mit der französischen Revolution spezifische gesellschaftliche Bereiche, die wir heute als Öffentlichkeit und Kultur kennen? Usw. – hierbei sind gern auch unkonventionelle Textformate gefragt (cut-up’s etc.).
2.) Comte de Lautréamont
Wir suchen dringend eine/n AutorIn, der/die einen Text über Comte de Lautréamont beitragen könnte. Der Text soll die Auseinandersetzung mit Lautréamont fortführen, den wir bereits in unserem zweiten Heft begonnen haben (siehe: hier). Im oben beschriebenen Zusammenhang soll Lautréamont als Dichter des Negativen vorgestellt werden, der den katastrophischen Verlauf des 20. Jahrhunderts bereits antizipierte. Folgende Aspekte erscheinen uns dabei als beachtenswert: Raserei und Rausch der Gewalt in der Dichtung / das Verhältnis der Vernunft zu ihrer dunklen Seite, die sich gewaltvoll Bahn bricht / Repression in den Bildungsanstalten des 18. und 19. Jahrhunderts und Revolte der Jugend / das Verhältnis von Revolution und Gewalt / das Programm einer neuen Dichtung, nach dem nicht ein einziger, sondern alle dichten sollen / Sexualität und Gewalt bei Lautréamont.
3.) Autorinnen des 19. Jahrhunderts
In der Nachbereitung des vierten Themenblocks der Veranstaltungsreihe „Kunst, Spektakel, Revolution“, ist uns aufgefallen, dass wir mit Hölderlin, Heine, Lautréamont, Rimbaud und Baudelaire ausschließlich Männer in der Dichtung behandelt haben. Ohne es bewusst intendiert zu haben, haben wir damit einen männlich geprägten Blick auf die Literaturgeschichte reproduziert – ein selektiver Blick, der sich sachlich nicht rechtfertigen lässt, denn es gibt in der von uns fokussierten Epoche zahlreiche Dichterinnen, deren Wirken auch für den Themenkomplex »Verwirklichung der Poesie« interessant und wichtig sein dürfte. Ohne es kaschieren zu wollen, hoffen wir, dieses Ungleichgewicht in der vierten Broschüre wenigstens ein Stück weit korrigieren zu können und fordern euch daher auf, uns Portraits von Autorinnen des 18. und 19. Jahrhunderts zuzuschicken (für unseren Themenkomplex bspw. relevant: Olympe de Gouges, Mary Darby Robinson, Karoline von Günderrode, Bettina von Armin, Rahel Varnhagen, uvm.). Auch sie sollen im Kontext der gescheiterten oder ausgebliebenen Revolution und der Widersprüche der Moderne behandelt werden. Dabei soll es nicht darum gehen, Literatinnen in erster Linie unter dem Aspekt ihrer Weiblichkeit zu lesen, sondern ihre Werke immanent ernst zu nehmen – auch wenn dabei das Geschlechterverhältnis ein wichtiger Aspekt ist, was sich für Frauen vor allem als ein Schreiben gegen Widerstände dargestellt hat, wie es Virginia Woolf in ihren literaturhistorischen Essays beschrieben hat.
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Alle oben genannten Aspekte und Fragestellungen sind nicht als strenge inhaltliche Vorgaben zu verstehen – wir sind offen für eure inhaltlichen Vorschläge, auch wenn sie in einer Verschiebung oder Korrektur unserer Fragestellung bestehen. Wir nehmen dabei auch Texte an, die unabhängig von den oben genannten Punkten, auf unterschiedliche Weise auf die bisherigen Ausgaben von „Kunst, Spektakel, Revolution“ reagieren. Wichtig ist uns dabei ein Zugang zur Geschichte, der im Benjamin’schen Sinne in einem „Gegen-den-Strich-bürsten“ besteht und von einem rächenden Motiv geleitet wird, das sich einer universellen Emanzipation der menschlichen Gattung verpflichtet sieht. Bezüglich Format und Umfang dienen die Texte der bisherigen drei Ausgaben zur Orientierung (siehe hier: http://spektakel.blogsport.de/broschur/).
Wenn ihr einen Text beisteuern wollt, bitte schickt uns bis zum 19. Mai 2013 ein Abstract an folgende Emailadresse: ksr-reihe[at]web.de (die Redaktion behält sich vor, Textvorschläge abzulehnen). Über einen Deadline-Termin kommunizieren wir dann.
72. Neuer Houellebecq, alter Houellebecq
15 Jahre nach seinem letzten Gedichtband kehrt der vielfach preisgekrönte, aber auch umstrittene französische Autor Michel Houellebecq zur Poesie zurück. Der Band “Configuration du dernier rivage” (zu deutsch etwa: Gestalt des letzten Ufers) soll laut Verlag am 17. April bei Flammarion erscheinen. Er umfasst fünf Kapitel mit kurzen, schwermütigen Gedichten mit und ohne Reim auf knapp 90 Seiten. (…)
Goncourt-Preisträger Houellebecq hat seine Karriere mit Gedichten begonnen, zum Romanschreiben ist er eher zufällig gekommen. “Sollte ich alt werden, schreibe ich vielleicht jede Menge Gedichte. Ein alter Dichter gefällt mir… Und Gedichte sind toll, weil man nicht unter Druck gesetzt wird.” / Die Presse
57. Überlebensmittel
Manche der aus sechs Nationen stammenden Verfasser haben nur ein Gedicht hinterlassen, andere schrieben drei, vier oder fünf. André Verdet und Yves Boulongne hatten die Texte versteckt und nach Befreiung des Lagers mit nach Frankreich genommen. Schon der Besitz von Schreibmaterial war im KZ Buchenwald strengstens verboten. Gleich nach dem Krieg, 1945, gaben Verdet und Boulongne eine Gedicht-Anthologie in nur drei Exemplaren heraus, eine zweite Auflage ebenfalls in französischer Sprache erschien 1995. Jetzt liegt die mit dem originalen Vorwort von André Verdet eingeleitete Anthologie erstmals auch auf Deutsch vor. Ihre Premiere erlebt die Neuerscheinung aus dem Wallstein Verlag am morgigen Donnerstag zur Leipziger Buchmesse im Rahmen der Reihe “Leipzig liest” (Sächsische Akademie der Wissenschaften, 18 Uhr). (…)
Die Gedichte waren für die Häftlinge Überlebensmittel, sie halfen ihnen “sich als Mensch zu behaupten und sich selbst zu retten”, beschreibt Annette Seemann. Es geht um den Lageralltag, um Hunger, Kälte, Todesangst, aber auch um Liebe, Heimat, die Solidarität unter den Häftlingen. / Christiane Weber, Thüringische Landeszeitung
In Weimar wird das Buch am Montag, 18. März, 18 Uhr, in der Herzogin Anna AmaliaBibliothek vorgestellt.
33. Der Schornstein lacht
Nun legen Wulf Kirsten und Annette Seemann mit “Der gefesselte Wald. Gedichte aus Buchenwald” eine wahrlich ungewöhnliche Anthologie in französischer und deutscher Sprache vor. Dabei folgen sie der Originalausgabe von André Verdet aus dem Jahr 1945.
Als Annette Seemann anlässlich des Todes von Jorge Semprún dessen Gedicht “Uralter Traum” aus dem Französischen übersetzte, zudem das Vorwort von André Verdet, reifte der Plan, das Ganze dem deutschen Leser zweisprachig in die Hand zu geben. Dass Annette Seemann die Übersetzung auf sich genommen hat, ist mit Dankbarkeit zu würdigen. Mich lassen diese Gedichte und ihre Entstehungsumstände nicht mehr los. Die Anthologie mit 25 vorwiegend französischen, aber auch polnischen, russischen und deutschen Beiträgen entstand im Lager selbst. Kirstens Nachwort erhellt die Umstände. Es gab ein “Zentrum klandestinen Kulturlebens der französischen Deportierten”, ja, es gab einen Schreibwettbewerb. Man bedenke unter welchen Bedingungen! “Der Zeichner und Lyriker Jacques Lamy berichtete: “Schreiben im Konzentrationslager war streng verboten und wurde in der Regel mit dem Strang bestraft.” (…)
Was für eine innere Kraft gehört dazu, diese Realität in die surreale Metapher zu treiben, über das Krematorium und einen unmenschlichen Lageralltag mit Hunger, Demütigung und Tod zu schreiben.
“Durchsichtige Gespenster. / Fremdartige Tänzer vereisten Lichts. / [...] Der Schornstein lacht.”, heißt es bei Yves Darriet. Und bei René Salme lesen wir: “Im Wind / Schnaubende Fetzen von Nebel. / [...] Flammen, rotes Heulen, / Schreiende Bäume, Skeletten gleich, / Im Wind”. / Martin Straub, Thüringische Landeszeitung
Der gefesselte Wald. Gedichte aus Buchenwald. Französisch-Deutsche Ausgabe. Herausgeber Wulf Kirsten und Annette Seemann, kommentiert und mit einem Nachwort von Wulf Kirsten, aus dem Französischen übersetzt von Annette Seemann, Wallstein Verlag, Göttingen, 189 S., 19.90 Euro.
18. Lampingsche Variable
Sollte es wirklich, wie Enzensberger suggeriert, am Ende mehr Verfasser als Leser von Gedichten geben? Allerdings fallen einem schon Lyrikbände ein, die sich auf Anhieb und nicht erst im Lauf eines Jahrhunderts sehr viel besser verkauften als 1.354 Mal. Wolf Wondratscheks im Selbstverlag erschienene Gedichtsammlung „Chuck’s Zimmer“ von 1974 soll binnen kurzem eine sechsstellige Auflagenhöhe erreicht haben. Lawrence Ferlinghettis „A Coney island of the mind“ ist angeblich in einem Jahr eine Million Mal verkauft worden. Aber das sind natürlich Ausnahmen. Gerade die Klassiker der Moderne erreichten nur ein viel kleineres Publikum. Selbst Charles Baudelaires „Fleurs du mal“, ein Paradebeispiel für großen, aber späten Erfolg, erschien in einer ersten Auflage von gerade 1.100 Exemplaren. Die zweite, vier Jahre später, betrug immerhin schon 1500. Stephane Mallarmés „L’apres-midi d’un faune“ kam zuerst in einer Auflage von 195 Exemplaren auf den Markt – wenn man da von einem Markt reden kann. Rimbauds „Une saison en enfer“ wurde 500 Mal gedruckt und war nach 40 Jahren noch nicht vergriffen. (…)
Sobald man das Radio einschaltet, hört man dagegen unentwegt, unterbrochen nur von Verkehrsmeldungen oder Nachrichten und kurzen, durchaus überflüssigen Überleitungen: Lyrik. Sie heißt allerdings anders: nämlich Schlager, Song, Chanson, auch Lied. Kurt Tucholsky hat sie, nicht ganz freundlich, „Lyrik der Antennen“ genannt. Möglicherweise ist diese Art von Gedichten gleichfalls ein Anachronismus, aber das hat noch keiner gemerkt. Man verlangt nach ihr, und nicht nur in dieser Hinsicht ist sie auf der Höhe der Zeit. Gar nicht so selten ist sie auch auf der Höhe des Geschmacks. Längst haben sich Chansonniers, Songwriters und Liedermacher einen Ruf als Dichter verdient. Und zwar zu Recht. Die Namen kennt jeder.
Die erste Verbindung, die das Gedicht einging, war die mit der Musik. Es ist bis heute ihre erfolgreichste. Wieviele auch immer solchen Lyrikdarbietungen im Fernsehen oder im Radio zuhören mögen: Es sind durchweg weit mehr als 1354. Das ist allenfalls die Verkaufszahl sehr erfolgloser Alben, die aber auch nicht im Radio gespielt werden. Ansonsten muss man ständig mit einem Vielfachen von 1354 rechnen, das allerdings nicht genau zu ermitteln ist. Insofern ist der Schluss erlaubt, dass die Zahl der Lyrikleser und -hörer sehr veränderlich ist, wechselnd von Medium zu Medium, vielleicht sogar von Autor zu Autor – eben eine Variable. Und jetzt hat sie auch einen Namen.
/ Dieter Lamping, literaturkritik.de
Lampings Literaturhinweise
- Hans Magnus Enzensberger: Bescheidener Vorschlag zum Schutze der Jugend vor den Erzeugnissen der Poesie. In: Ders.: Mittelmaß und Wahn. Gesammelte Zerstreuungen. Frankfurt a.M. 1988, S. 23-41. Zitate S. 23.
- Hans Magnus Enzensberger: Meldungen vom lyrischen Betrieb. Drei Metaphrasen. In: Ders.: ZICKZACK. Drei Aufsätze. Frankfurt a.M. 1997, S. 182-199. Zitate S. 184.
- Kurt Tucholsky: Lyrik der Antennen. In: Ders.: Gesammelte Werke in 10 Bänden. Hg. von Marie Gerold-Tucholsky und Fritz J. Raddatz. Band 9: 1931. Reinbek bei Hamburg 1993, S. 280-282.
- Zu den Verkaufszahlen der Klassiker: Octavio Paz: Die andere Stimme. Dichtung an der Jahrhundertwende. Aus dem Spanischen von Rudolf Wittkopf. Frankfurt a.M. 1994, insbes. S. 85-105.
85. Gestorben
Er war Schriftsteller, Herausgeber, Regisseur von Dokumentarfilmen und Reportagen, Ethnhologe. Alain Gheerbrant starb am 21.2. im Alter von 92 Jahren. 2010 erschien der Gedichtband “L’Homme troué” (vielleicht: Der löcherige Mann). / ActuaLitté
Schon am 20.1. starb in Japan mit 101 Jahren die Dichterin Toyo Shibata. Ihr letzter Gedichtband wurde 1,6 Millionen mal verkauft. / ActuaLitté (hier mehr)
53. Frühling der Dichter
Frankreich begeht vom 9.-24.3. zum 15. Mal das Festival “Frühling der Dichter”, das in diesem Jahr unter dem Motto «la grâce, la légèreté et la liberté» (Anmut, Leichtigkeit, Freiheit) steht. Auf einer Pressekonferenz erklärte der künstlerische Leiter des Festivals, Jean-Pierre Siméon, man wolle die Präsenz der Poesie in der Stadt bekräftigen. Er zitierte Paul Éluard: “das Gedicht ist der kürzeste Weg von einem Menschen zum nächsten”*. Er vergaß auch nicht die Krise zu erwähnen, die sich aus der Kürzung der Fördermittel ergibt und schloß mit dem Aufruf: “Das 21. Jahrhundert wird poetisch sein oder es wird nicht sein.”**
*) zur gefälligen Verwendung nicht nur am Valentinstag empfohlen
**) Kennern der französischen Literatur des 20. Jahrunderts verständlicher als Nichtkennern.
