Lyrikzeitung & Poetry News

23. Mai 2012

81. Gedicht mit Musik

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Der dänische Sänger Bo Skovhus spricht über Oper und über deutsche Lieder. Die singt er lieber als dänische. Über das Lied sagt er:

“Die Leute haben die Gabe des schlichten Zuhörens verloren. Dabei gibt es so viele wunderbare Gedichte, die vertont sind. Ich bin ein großer Fan von Schubert, immer wieder komme ich auf ihn zurück.”

Vermutlich sei es ein Fehler gewesen, den Liedgesang mit dem Etikett Hochkultur zu versehen. “Es ist nur ein Gedicht mit Musik. Ich erzähle eine Geschichte.” / Rheinische Post

22. Mai 2012

78. Fünf in Venedig

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Jack Hirschman (USA), John Unrau (Kanada), John Akpata (Kanada), Jacques Roubaud (Frankreich) und Thomas Kunst (Deutschland) bei einer Veranstaltung in Venedig am 5.3. 2011

77. Verstörend

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Die schönste Entdeckung war für mich Hoprichs wundersame Fähigkeit, uns mit Brüchen in seinen Gedichten aus einer gerade eingenommenen bequemen Lesehaltung wieder aufzuschrecken. Immer wieder lockt er mit Geläufigem: “Nimmst du mich, so wie ich bin”, ja sogar “Der Mond ist aufgegangen” und “Komm, lieber Mai, und mache”; manche Gedichte (wie “Ende”) schlagen einen ganz Eichendorffsch-volksliedhaften Ton an. Aber dann zieht uns der Dichter den Boden unter den Füßen weg. Immer wieder tauchen im vermeintlich Glatten (denn Hoprich beherrscht die Form und belesen ist er auch) verstörende Bilder auf: “Komm, lieber Mai, und mache / Dich aus dem Staub!”, “Alles ist müd und fern / Mich unterschlägt mein Stern”, “Es wuchern die Läuse / Im Sonnenschein”, “Im Garten der Apfelbaum / … / Verborgen im Wahnsinn des Eden-Ödem”, “Stille Nacht, heilige Nacht! / Bangende vor den Innenräumen / … / Es könnte sein, dass man nicht mehr erwacht”. Das liest man nicht bequem in den Sessel gefläzt. Hoprichs Verse liest man mit gespannter Aufmerksamkeit. / Dirk Uwe Hansen, fixpoetry

Georg Hoprich: Bäuchlings legt sich der Himmel, Gedichte//ca. 100 Seiten, ca. 10 Euro, ISBN 978-3-942901-00-0//Reinecke und Voß, Leipzig 2011

76. Europa anagrammiert

Kein Zweifel: «Europa anagrammiert / an Ego-Primärtrauma.» / Thomas Brunnschweiler, Neue Zürcher Zeitung 19.4.

Etienne Klein / Jacques Perry-Salkow: Anagrammes renversantes ou Le sens caché du monde. Flammarion, Paris 2011. 112 S. Petra Nagenkögel: Anagramme. da die bäume, die sprache, ein schlaf. Otto-Müller-Verlag, Salzburg 2012. 87 S., Fr. 27.50. Anna Isenschmid: Vier Seidenjahre Zeit. Anagramme. Verlag Martin Wallimann, Alpnach 2010. Unpaginiert, mit CD, Fr. 28.–. Die Anagramm-Sprechoper «Vier Seidenjahre Zeit» wird im Rahmen der Ausstellung «Jo Achermann, Die Quadratur des Blicks» in der Turbinenhalle in Giswil aufgeführt. 

75. Islands Atomdichter

Als nach dem Zweiten Weltkrieg Island in den Sog der amerikanischen Zivilisation und Moderne geriet und junge Autoren in der Folge die überlieferten Normen des Gedichts verabschiedeten und erst noch philosophisch wurden, stand die Insel unter Schock. Der Bauernführer Jónas frá Hriflu verurteilte ungebundene Dichtung ebenso als Zeichen des Niedergangs der Nation, wie der Literaturprofessor Sigurdur Nordal es tat. …

Der Widerstand, auf den die Atomdichtung traf, erinnert den Schriftsteller Andri Snaer Magnason an die Reaktion der Gesellschaft auf das erste Comingout von Homosexuellen in den achtziger Jahren. In seinem klugen Essay berichtet er überdies, wie er 1995 als 22-Jähriger seinen ersten Gedichtband veröffentlichte und von einem alten Mann zur Rede gestellt wurde, der sich masslos darüber aufregte, dass die Gedichte sich nicht reimten. Der Leser deklamierte Strophen aus allen Jahrhunderten und rief: «Das sind Gedichte!» Um den Zorn des Mannes zu begreifen, hörte sich Magnason alte Tonbänder an – Seeleute, die eigene Strophen zum Besten gaben, Bauern, die endlose Balladen rezitierten, wie es schon ihre 1750 geborenen Grossväter getan hatten, alte Frauen, die mit brüchiger Stimme Vierzeiler in jenem Versmass vortrugen, das in der Nation jahrhundertelang verankert war. Gedichte vermittelten Neuigkeiten und vertrieben Gespenster, sie waren überlebenswichtig. Die Atomdichter wagten in einer Zeit des Umbruchs einen Innovationssprung, den wenige verstanden, obwohl viele an Gedichten interessiert waren. / Aldo Keel, Neue Zürcher Zeitung 12.5.

Bei betagten Schiffen / Islands «Atomdichter». Die Horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik. 56. Jg., Band 2, Ausgabe 242. Zusammengestellt von Eysteinn Thorvaldsson und Wolfgang Schiffer. 418 S.

72. Volksfeindliche Musik

Die sowjetischen Kulturfunktionäre in Moskau, der Doktrin des „Sozialistischen Realismus“ folgend, verschmähten seine Musik und bezeichneten sie als „westlichen Formalismus“ und „volksfeindlich“. Aus dem sowjetischen Komponistenverband ausgeschlossen, musste der gescheiterte Komponist fortan vom Instrumentieren von Filmmusiken und privater Unterrichtstätigkeit leben. Herschkowitz lehrte in seiner Moskauer Wohnung namhafte sowjetische Komponisten wie Alfred Schnittke, Boris Tischtschenko und Sofia Gubaidulina die Zwölftontechnik Schönbergs und trug dabei entscheidend zur Verbreitung dieser, in der Sowjetunion verbotenen Musik bei.

Die einzige Aufführung seiner Kompositionen im Moskauer Exil fand 1960 statt und präsentierte zwei Liederzyklen nach Gedichten von Paul Celan und Ion Barbu. Stark an dem Gehalt der Gedichte orientiert, ist die Klavierbegleitung in diesen Liedern kein gewohnt fließendes Akkordband, sondern es ertönen punktuelle Klangereignisse, die auf Augenhöhe mit dem Ausdruck des Gesangs stehen.

Die Bandbreite der angewandten vokalen Techniken erstreckt sich vom Flüstern über den Schönbergschen Sprechgesang bis zu nahezu ariosen Passagen. Zu den expressionistischen Gedichten Paul Celans passt die Ästhetik Herschkowitz’ glänzend. Vielleicht weil sich ihre Biografien in vielem ähneln.

Doch bei der Liedvertonung des romantischen Liebesgedichts von Heinrich Heine „Wie des Mondes Abbild zittert“ wirken die Klänge im Gegensatz zur verliebt-schwärmerischen Poesie erschreckend kalt. Kaum eine Konsonanz ist in dem Zusammenspiel von Klavier und Gesang zu hören. Sind es nur unsere ungeübten Ohren, die sich nach ein paar Wohlklängen sehnen, oder hat der Komponist bewusst auf die Ästhetik des Schönen verzichtet? Ganz im Sinne Adornos, der meinte: „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben ist barbarisch.“ Auf die Musik bezogen, hätte Adorno auch gut sagen können: „Nach Auschwitz noch eine Konsonanz zu komponieren, ist barbarisch.“ Vielleicht war der tragischen Figur des Herschkowitz nicht nach Melodien zum Mitpfeifen und Harmonien zum wohligen Einschlummern. …

Seine Frau kümmerte sich nach seinem Ableben um die Herausgabe seiner musiktheoretischen Schriften. Die Musik Herschkowitz´ aber ist bis heute nicht verlegt worden. / Margarete Buch, Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien 19.5.

Vgl. auch hier: Dmitri Schostakowitsch und die sowjetische Musik der 1920er Jahre, NZZ 19.5.

21. Mai 2012

71. Literarischer März 2013

Lyrikwettbewerb um den Leonce-und-Lena-Preis und die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise

22. und 23.03.2013 in der Centralstation Darmstadt

Bewerbungsschluss ist der 15. September 2012

Wie in jedem zweiten Jahr, schreibt die Stadt Darmstadt für das Jahr 2013 den Leonce-und-Lena-Preis in Höhe von 8.000,00 EUR und die Wolfgang-Weyrauch-Förderpreise in Höhe von insgesamt 8.000,00 EUR für deutschsprachige Lyrik aus. 2013 findet der Literarische März zum 18. Mal statt.

Teilnahmeberechtigung und Bewerbungsmodalitäten

Teilnehmen können deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die nicht vor 1977 geboren sind.

Es können bis zu 12 Gedichte eingereicht werden.

Die eingereichten Gedichte dürfen zum Zeitpunkt der Bewerbung nicht in Buchform in einem Verlag erschienen sein.

Die Rechte an den Texten liegen ausschließlich bei den Verfassern.

Es bleibt den Bewerbern überlassen, ob sie auf den einzelnen Gedichten ihren Namen vermerken.

Das Lektorat entscheidet unter Ausschluss des Rechtsweges darüber, welche Autorinnen und Autoren zum Wettbewerb eingeladen werden. Die ausgewählten Autorinnen und Autoren erhalten bis Ende 2012 eine Einladung.

Lektorat

Fritz Deppert, Christian Döring, Hanne F. Juritz

Jury

Sibylle Cramer, Ulrike Draesner, Kurt Drawert, Jan Koneffke, Joachim Sartorius

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70. Benn kommt

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BENN KOMMT
(100 Jahre “Morgue”)

Von Axel Kutsch

Seht, da kommt
Herr Benn geschritten
durch die dunkle Nacht.
Kleine Aster, junge Ratten
hat er mitgebracht.

Ach, Herr Benn,
wir folgen gerne
dir an dunklen Ort.
Treiben da zu deinen Füßen
kleinen Rasensport.

69. Kino für die Ohren

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In einer inszenierten, mehrstimmigen Literatur-Performance stellen Katharina Bauer, Thomas Kade, Ralf Thenior und Ellen Widmaier am Donnerstag, 24. Mai 2012, neue Gedichte auf dem Kulturgut Haus Nottbeck in Oelde-Stromberg vor. Sie präsentieren damit die ersten vier Hefte der neuen Reihe „roterfadenlyrik“ Edition Haus Nottbeck.  Musik: Ilona Haberkamp (Saxophon).

68. ERSTE POETIKVORLESUNG AN DER HUMBOLDT UNIVERSITÄT MIT HANS THILL

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Poetikvorlesung: 29. Mai I 12. Juni I 19. Juni 2012

Ort und Zeit: 18.00 – 20.00 Uhr Theologische Fakultät der Humboldtuniversität
Erdgeschoß, Vorlesungsraum, Burgstrasse 26. Berlin-Mitte.

Die Poetikvorlesung ist für Studierende und literarisch interessierte Bürgerinnen und Bürger. Eintritt frei.

Im Sommersemester 2012 veranstaltet die Berliner Künstlerinitiative „kunstplanbau e.V.“ gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Feldtkeller (Theologische Fakultät der Humboldt Universität zu Berlin) und dem Religionsgelehrten Shri Sarvabhavana Prabhu das interreligiöse Seminar „Zu den Quellen, ein interreligiöses Sprechen Hören und Singen, Veden, Thora, Bibel, Koran“ im Rahmen des interdisziplinären Master-Studiengangs „Religion und Kultur“ an der Berliner Humboldt Universität.

Parallel dazu findet eine Reihe von Poetikvorlesungen statt, die einen prominenten Schriftsteller dazu einlädt, das literarische Potential der Religionsschriften und die religiöse Kraft der Literatur hörbar zu machen und dabei ein interessiertes Publikum aller Altersgruppen sowohl theoretisch als auch poetisch in ihr literarisches Schaffen einzuführen.

Die diesjährige Poetikvorlesung hält der Heidelberger Lyriker und Übersetzer Hans Thill, der sich in drei Vorlesungen mit dem Verhältnis von Dichtung und religiösen Texten in seinem eigenen lyrischen Schaffen beschäftigen wird: „Nicht als Geschichte einer Bekehrung, sondern als Prozess von Annäherung und Distanzierung eines Nicht-Gläubigen oder Fast-Nicht-Gläubigen“. Erzählt werden Begegnungen mit religiösen und poetischen sowie religiös-poetischen Bekundungen, Manifesten und Geständnissen, mit dem Ziel, die Sprach- und Bildwelt des Religiösen und des Poetischen zu vergleichen. Dabei geht es nicht um eine Weltanschauung oder ein Theoriegebäude, sondern um eine Auseinandersetzung mit plötzlich aufscheinenden Fragmenten poetischer, irrationaler, ekstatischer Natur.

Hans Thill studierte Sprachen sowie Geschichte, Germanistik und Jura in Heidelberg. Er ist Lyriker, Übersetzer und Mitbegründer des Verlags „Das Wunderhorn“, der 2012 mit dem Kurt-Wolff-Preis ausgezeichnet wurde. Für sein Buch „Kühle Religionen“ wurde Thill 2004 mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet. 2010 erschien sein Gedichtband „Museum der Ungeduld“ und „Lied aus dem reinen Nichts. Deutschsprachige Lyrik des 21. Jahrhunderts“. Er beteiligt sich mit zahlreichen Beiträgen an Fachzeitschriften, am Lyrikjahrbuch und an Hörspielbearbeitungen. Im September 2010 wurde Hans Thill künstlerischer Leiter des Künstlerhauses Edenkoben. Seit 2000 leitet er die jährliche Übersetzer-Werkstatt „Poesie der Nachbarn“ und ist Herausgeber der Reihe „Poesie der Nachbarn - Dichter übersetzen Dichter“, in der Gedichte aus Russland, England, der Ukraine, der Schweiz, Slowenien, Kroatien und aus Schweden zusammengestellt werden. Thill hat zahlreiche Bücher aus dem Französischen übersetzt (u. a. Fénélon, Apollinaire, Soupault, Queneau, Meddeb, Jean Giono, Assia Djebar).Mit Joachim Sartorius und Ernest Wichner gibt er die „Reihe P. Bibliothek der Modernen Poesie aus aller Welt“ heraus.

Termine der Poetikvorlesung:

  • 29. Mai 2012: „warum toben die heiden und die völker reden so vergeblich?“
  • 12. Juni 2012: „kühle religionen“
  • 19. Juni 2012: „die kleinen tagzeiten der abgestorbenen“

Am 07. Juli 2012 nimmt Hans Thill auch an einem Blockseminar teil, das im Rahmen der Seminarreihe „Zu den Quellen – ein interreligiöses hören, sprechen, singen“ stattfindet – dann mit dem Thema „beamte des himmels. unfertige angelologie nach agamben“.

Blockseminar: 07. Juli 2012 / 10.00 – 14.00 Uhr

ein interreligiöses sprechen hören und singen mit Hans Thill, Shri Sarvabhavana, Prof. Dr. Andreas Feldtkeller, Rambukwelle Devananda, Prof. Dr. Günther Bader, Prof. Melaine MacDonald und Cellist Wolfgang Sellner, Eurythmieperformance, Musik Wang Jue.

in der Galerie Peter Herrmann: Potsdamerstrasse 98 A,
Berlin-Schöneberg

Informationen zum Seminar „Zu den Quellen – ein interreligiöses hören, sprechen, singen“ an der Theologischen Fakultät der Humboldt Universität zu Berlin:

Das Seminar „zu den Quellen“ leiten der indische Religionsgelehrte Shri Sarvabhavana Prabhu gemeinsam mit dem Religionswissenschaftler Professor Dr. Andreas Feldtkeller. Die großen religiösen Gesänge, die ihrerseits literarische Meisterwerke sind, treten mit ihren unterschiedlichen Klängen im Sinne einer „vergleichenden Religionswissenschaft der Klänge“ in ein fruchtbares Gegenüber: Die Kraft der Poesie als klang- und welt-schöpfende Urklänge des Menschlichen geben zu Hören und zu Denken. Die Poetiklesung ist für Studenten, Gasthörer und interessierte Öffentlichkeit.

Projektleitung: Friederike Schinagl und Hannes Langbein, kunstplanbau e.V.

kunstplan bau fraenkelufer 38 10999 berlin, germany

+ 49(0) 30. 6154221 + 49(0) 174. 6044063
kunstplanbau@web.de
Theologische Fakultät
Master Religion und Kultur
Prof.Dr. Andreas Feldtkeller

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