Die indischen Dichter Manzar Bhopali und Iqbal Ashar gehörten zu den Überlebenden eines Anschlags auf eine “mushaira”, ein traditionelles Dichtertreffen in der Hafenstadt Karatschi. Mindestens ein Mensch kam bei dem Angriff der etwa ein Dutzend Bewaffneten ums Leben. Das Treffen wurde anschließend planmäßig fortgesetzt. / Outlook India 27.3.
29. März 2012
20. Februar 2012
90. Gestorben
Der Paschtodichter Murad Shinwari starb am Sonnabend in Khyber im Alter von 85 Jahren. Er wurde in seiner Heimatstadt Landi Kotal begraben. Zahlreiche Autoren und Stammesälteste nahmen am Begräbnis teil.
Er galt als Pionier der modernen Paschtodichtung, u.a. soll er die ersten Blankverse in paschtunischer Sprache verfaßt haben. / dawn.com
26. Juli 2011
105. Pakistani-amerikanischer Dichter gestorben
Der in Pakistan geborene Dichter und Schwulenaktivist Ifti Nasim (64), der in Chicago an einer Herzattacke starb, wurde einst in seinem Heimatland wegen seiner sexuellen Orientierung verfolgt. Nasim kam 1971 in die USA und wurde als Urdudichter bekannt. Er gründete Sangat, eine Schwulen- und Lesbenorganisation, und half vielen schwulen und lesbischen Pakistani und Indern in die USA auszureisen. / Times of India
18. Juni 2011
81. Sindhidichter verunglückt
Der Sindhidichter Hassan Dars starb am Donnerstag im Alter von 45 Jahren in Hyderabad an einem Verkehrsunfall. Seine Anhänger betrauern ihn als einen inspirierenden und sozial aktiven Dichter. Er war mit der Dichterin Amar Mahboob verheiratet, die beiden wurden in ihren unterschiedlichen Schreibstilen bewundert.
In seiner Jugend regte der Kampf um Demokratie junge Künstler und Journalisten dazu an, ihr Talent für sozialen Wandel im Land einzusetzen. In dieser Zeit blühte die Sindhilyrik auf, hunderte Bände mit Gedichten und Kurzgeschichten wurden veröffentlicht, die den Widerstand der Massen thematisierten.
Auch Hassan schrieb mehrere lange Gedichte, die später in Urdu und Englisch übersetzt wurden. Bekannte Sänger vertonten seine Gedichte.
Der Kritiker Rauf Nizamani schrieb, Hassan Dars war der Dichter der Politik und der Liebe. Seine Gedichte seien außergewöhnlich in ihrer Bildsprache. Sein Tod sei ein großer Verlust für die Sindhiliteratur.
Angesichts der tragischen Umstände seines Todes wurde eine offizielle Untersuchung des Unfalls gefordert. Die Regierung solle sich um die Sicherheit des Straßenverkehrs und die Verbesserung der medizinischen Notfallversorgung kümmern. / Jan Khaskheli, The News.com (Pakistan)
7. Februar 2011
29. Lyrikwelle in Afghanistan
Als der BBC-Kriegskorrespondent Jonathan Charles afghanische Zivilisten einlud, ihm ihre Kriegsgedichte zu schicken, war er auf die Flut, die ihn erreichte, nicht vorbereitet.
Unter den Einsendungen findet sich Zeugenschaft, Wut, Propaganda und Katharsis.
… Am schockierendsten die Erzählung einer Frau, die jetzt in Kanada im Exil lebt. Sie schreibt von einem Ehepaar, das versuchte, zwei seiner Kinder zu verkaufen, um den Rest ihrer Familie zu ernähren.
Es gibt heute nicht nur den Rückgang einer großen Tradition, sondern auch die Explosion einer neuen Lyrik in Afghanistan.
In jedem Staat finden abendliche Lyriklesungen statt.
Wir hören sogar, daß britische Soldaten Menschen zu solchen Lesungen fahren und sie beschützen, während drinnen die Lyriker zornige Verse über die Invasionstruppen vortragen. / BBC
Dort auch:
- Words and war
Jonathan Charles explores poetry from the front line
- Spirtual journey
How poetry became a refuge for Imtiaz Dharker
- Great poetry
The enduring appeal of Iran’s Shahnameh
15. Oktober 2010
60. Pakistan erklärt
Vier pakistanische Autoren erklären westlichen Kollegen, wie man sich ihrem Land literarisch am besten nähern kann:
Wenn Sie die Nase voll haben von Mangos, dann lesen Sie:
Najam Hussain Syed
Afzal Ahmed Sayed
Hasan Dars
Das sind alles Dichter? Dichter, die nicht auf Englisch schreiben? Nicht mal auf Urdu? Sie könnten ihr Dienstmädchen fragen oder den genial-verrückten Onkel, ob er ihnen ein wenig beim Übersetzen hilft.
/ Mohammed Hanif, SZ 9.10.
Hier die englische Fassung des Originalartikels aus der Literaturzeitschrift “Granta”, deren Nr. 112 einen Pakistan-Schwerpuinkt hat. (Online auch das Gedicht “Life and Time” von HASINA GUL)
13. Oktober 2010
50. Tägliche Lyrikkolumnen (in Asien)
Unter den Personen, die Pakistan zu seinen Gründervätern zählt, befindet sich auch ein Dichter: Muhammad Iqbal (1877–1938). Das ist nicht verwunderlich, denn in ganz Asien gilt das Gedicht als unmittelbarer Ausdruck der Bildung eines Menschen. Dazu war Iqbal ein bedeutender Philosoph des 20. Jahrhunderts. Individualität, freie Persönlichkeitsentfaltung und Leidenschaft für das Wohl aller sah er als Grundlage des Islam und war dabei in Kants, Hegels, Nietzsches und Bergsons Werk bewandert wie kein anderer islamischer Denker. Dies alles goss er in Verse, wurde so zum islamischen Gegenstück zu Tagore und nach seinem Tod zum Nationaldichter Pakistans. Seine Philosophie ist Schulfach in Pakistan, und viele Tageszeitungen im Lande haben eine tägliche Kolumne mit seinen Versen. / Stephan Popp, NZZ 5.9. 09
12. Oktober 2010
49. Muhammad Iqbal in Ost und West
In Deutschland ist der muslimische Dichter und Philosoph Muhammad Iqbal nur einem kleineren Kreis bekannt. Das Südasien-Institut der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg wollte am Freitag auf der Frankfurter Buchmesse den indischstämmigen Muhammad Iqbal dem deutschen Publikum weiter vorstellen und gewährte einen kleinen Einblick in seine Arbeit und Denkweise. Leider war jedoch auch diese Veranstaltung nur von einer ausgewählten, hauptsächlich fremdsprachigen, Zuhörerschaft besucht, so dass sie auch in englischer Sprache stattfand.
Muhammad Iqbal (1877 — 1938) machte zunächst in Lahore (damals noch British-India, heute Pakistan) seinen Master of Arts in Philosophie. Von 1905–1907 studierte er in Cambridge, München und Heidelberg Rechtswissenschaften und Philosophie und promovierte an der Universität München in Philosophie. Für das Studium in Deutschland war er gezwungen, die deutsche Sprache zu erlernen und so kam er mit den Werken Hegels, Kants und Goethes im Original in Kontakt.
Die Jahre im „Abendland“ bildeten die Basis für Iqbals spätere philosophische, politische und auch lyrische Arbeiten. Wenngleich er die Europäer als Ausbeuter der Muslime betrachtete und anprangerte, war er doch von Grundzügen der westlichen Philosophie beeindruckt und insbesondere Goethes Werken. / Jana Witte*, booklove.de
In L&Poe:
- 2001 Okt # Bitter Chill of Winter
- 2007 Okt #80. Petöfi auf Punjabi
- 2007 Nov #40. Iqbaltag
- 2009 Jun #92. Zwei große asiatische Dichter
- 2009 Sep #29. Islamischer Modernist
*) siehe Kommentar
9. Juni 2010
49. Sprachwechsel
Global Literature ist eine Literatur in Bewegung, eine Literatur ohne festen Wohnsitz, eine Literatur der Unbehaustheit, sehr oft überdies eine Literatur der Nicht-Muttersprachlichkeit, die von Sprachwechslern geschrieben wird. Türken, Serben, Bosnier, Bulgaren, Ungarn, Tschechen, Russen wandern in die deutsche Sprache ein und mutieren zu deutschsprachigen Schriftstellern: Feridun Zaimoglu, Dimitre Dinev und Ilija Trojanow, Libuše Moniková, Wladimir Kaminer und Vladimir Vertlib, Terézia Mora und Saša Stanišić.
Die überwiegende Mehrzahl dieser Sprachwechsler wechselt allerdings ins Englische. Inder, Peruaner, Palästinenser, Äthiopier, Karibik-Bewohner, Kurden, Afghanen, Pakistani, Libanesen, Tamilen, Bangladescher, Somalier, Vietnamesen, Chinesen lassen ihre Herkunftssprachen hinter sich und beginnen, auf Englisch zu schreiben. Die führende Sprache der einstigen Kolonialherren ist zur Lingua franca der postkolonialen globalen Literatur geworden, ironischerweise.
Die Sprache, insbesondere das Englische, ist demokratisch. Man kann sich der englischsprachigen Literatur von überall her zugesellen: „Jeder kann die englische Sprache zu seiner Heimat erklären, und niemand kann aus ihr verbannt werden“, sagt etwa der Schriftsteller Aleksandar Hemon, ein gebürtiger Bosnier aus Sarajevo mit serbischen und ukrainischen Wurzeln, der in Chicago lebt und seine Bücher auf Englisch schreibt. / Sigrid Löffler in Falter : Buchbeilage 10/2010 vom 10.3.2010 (Seite 4)
18. Januar 2010
84. Der Dichter, der den Taliban trotzte
“Wenn es ein Paradies auf Erden gäbe, wäre es das schöne Swat-Tal. Es war voller Geschichte und Traditionen der Liebe und des Friedens”, sagt Abdurrahman Roghani, 58, ein wichtiger Pashtuni-Autor und sozialer Aktivist aus dem pakistanischen Swat-Tal. Als Bewohner der Stadt Matta wurde er von den Taliban wegen seiner romantischen Verse, progressien Ideen und seiner geachteten Stellung in der Region angegriffen.
Nach Ausbruch der Kämpfe zwischen Talibankämpfern und der pakistanischen Armee im Mai 2009 war der Dichter einer von bis zu 2,5 Millionen Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mußten.
Aber in der Endphase der Kämpfe kehrte auch er in seine Heimatstadt zurück.
“Man kann die Seelen der Menschen nicht mit Gewalt unterdrücken. Es ist unmöglich, den immerwährenden Strom des Lebens aufzuhalten. Man kann ihn mit Geschick und Weisheit verändern, aber er läßt sich nicht aufhalten, indem man Mauern errichtet”, sagt er mit Bezug auf die Maßnahmen der Militanten, die jeden künstlerischen Ausdruck verboten und hunderte Musikläden im Tal schlossen. … Seine Gedichte haben einen traurigen Ton angenommen, seit er soviel Tod und Zerstörung erleben mußte, sagt er. … “Dieses Gefühl der Verzweiflung spiegelt sich in meinen Arbeiten”, sagt er und rezitiert ein neues Gedicht:
“Der Imam flößt meinem Herzen Furcht ein / Die Worte meiner Geliebten wurden schal und verloren die Wärme ihres Herzens / Der Führer der Nation hat sein Gewissen verkauft / Die Blumen der Hoffnung sind versengt / Der Fluß Swat ist mit Menschenblut getränkt.” / Shaheen Buneri, Radio Free Europe/ Radio Liberty 28.12.