Kategorie: Pakistan
41. Solidarität
271 bekannte Dichter, unter ihnen Nobel- und Pulitzerpreisträger ebenso wie Gewinner kontinentaler und nationaler Literaturpreise, Präsidenten von internationalen Poesiefestivals, PEN-Clubs und Schriftstellerverbänden aus 88 Ländern unterzeichneten einen offenen Brief an führende Politiker der Welt, in dem sie ihre Solidarität mit dem Volk der Hazara bekunden. Seit über hundert Jahren wurden die Hazara in Afghanistan und Pakistan Opfer systematischer Verbrechen wie Völkermord, Sklaverei, sexueller Mißbrauch, Kriegsverbrechen und Diskriminierung.
Der Hazaradichter Kamran Mir Hazar, der den Brief entwarf, erklärte, daß die Hazara in Afghanistan trotz der Anwesenheit internationaler Truppen regelmäßig von den Taliban und Regierungskräften angegriffen werden. Straßen der Hazara werden blockiert, Autos angehalten und die Reisenden ermordet. Millionen Hazaras flohen aus Afghanistan nach Ländern wie der Türkei, Griechenland, Australien und Indonesien. In Pakistan wurden kürzlich, am 10.1., bei einem Anschlag mehr als 100 Hazaras getötet.
Der Offene Brief ist auf Englisch, Spanisch, Italienisch, Hazaragi/Dari und Azeri auf
http://www.HazaraRights.com
zugänglich.
116. Shah Abdul Latif Bhittai
Die Redner auf der Zweiten Internationalen Latifkonferenz aus Anlaß des 269. Todestages des berühmten Sufidichters Shah Abdul Latif Bhittai (1689-1752) diskutierten über die Rolle von Liebe, Frieden, Toleranz, Widerstand, Musik, Geschichte und selbst der Lage der Frauen in Bhittais Gedichten.
Seine Lyrik kann verschieden interpretiert werden, sagte Dr. Fehmida Hussain, Vorsitzende des Amtes für die Sindhisprache. “Ishq [Liebe] ist die Seele seiner Poesie. Manche assoziieren sie mit Rebellion, andere mit Frieden und Toleranz.”
Die nächsten zwei Sprecher zeigten aber, wie unterschiedlich man Bhittais Poesie auslegen kann. “Bhittai gilt in Sindh als Sufi, aber in Belutschistan wird er als Revolutionär verehrt”, sagte Abid Mir, der Lyrik an der Universität von Belutschistan lehrt.
Agar wo hakim jin ke saye main maroo rehte hain
Agar wohi rahzan banjayen to maroo Thar main kya karain?
[Die Herrscher, in deren Schatten das Volk von Thar lebt / wenn es rücksichtslos wird, was bleibt dem Volk von Thar übrig?]
Mir bezieht die Verse auf die herrschende Situation in Belutschistan.
Der Dichter Agha Saleem, der Bhittais Poesie ins Englische übersetzt hat, machte auf die imaginative Qualität seiner Lyrik aufmerksam und las Strophen aus verschiedenen Gedichten vor, die die Vorstellungskraft anregen.
Saleem forderte die Wissenschaftler auf, das Sindh-Erbe in Musik, Instrumenten und Melodien zu bewahren. / Tribune
57. In your language
A Preliminary Sketch Concerning a Language
By Afzal Ahmed Syed
In your language every line begins from an opposite end. The pronunciation of its words changes from day to night and their orthography changes with the change of seasons. A new word enters it on some special day and on some days a familiar word is made obsolete. The shape of its letters changes with your change of clothes. You make no effort to put together words that are crushed under feet from your carelessness, because your language is the world’s richest. The first kiss, the second kiss and any count of kisses are all identified in your language with separate words. If anything ever causes you to become tearful, all the books in the whole world written in your language become drenched.
translated from the Urdu by Musharraf Ali Farooqi
from: Asymptote. Issue Oct 2012
Afzal Ahmed Syed
has translated works by a number of East European poets including Miroslav Holub (Czech), Yehuda Amichai (Hebrew), Dunya Mikhail (Arabic), Tadeusz Borowski (Polish), Zbigniew Herbert (Polish), Jan Prokop (Polish), Tadeusz Rozewicz (Polish), Wisława Szymborska (Polish), Aleksander Wat (Polish), Marin Sorescu (Romanian), Osip Mandelstam (Russian), Orhan Veli (Turkish), as well as Gabriel Garcia Marquez, Jean Genet, William Saroyan and Jonathan Treitel. His website can be found
here
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21. Miraji (1912-1949)
Damals versuchten die drei Dichter Miraji, Tasadduq Husain Khalid und Rashid, freie Verse in die Urdu-Dichtung einzuführen. Am mutigsten und zuversichtlichsten unter ihnen Miraji. Er bezog seine Inspiration aus drei Quellen: der westlichen Literatur, der modernen Psychologie und der alten Hindumythologie.
Er veröffentlichte eine Reihe von Artikeln in der Zeitschrift Adabi Duniya , die Maulana Salahuddin in Lahore herausgab. Darin stellte er führende westliche und östliche Dichter vor, darunter François Villon, Charles Baudelaire und Mallarmé, Whitman und Poe, DH Lawrence und Katherine Mansfield, Puschkin, Heine, Sappho, Li Bai und die Inder Chandidas und Vidyapati Von jedem übersetzte er ausgewählte Gedichte
Stärker als jeder Zeitgenosse verdient er es, als moderner Dichter im wahrsten Sinne des Wortes “Moderne” angesehen zu werden. Vielleicht hat Akhtar Suliman recht, wenn er ihn einen Vorläufer der modernen Urdudichter nennt. / Intizar Husain, dawn.com
94. Metaphern für Schmerz
In einer Veranstaltung in der Pakistanischen Akademie der Künste – Pakistan Academy of Letters (PAL) – wurde unter dem Titel “Schmerz in eine Metapher verwandeln” der Gedichtband ‘Write me in Red’ der Lyrikerin Sadaf Raza diskutiert.
Es ist ihr zweiter Band nach ‘Like a Sleepwalker’. Ihr neues Buch soll bei Kampagnen gegen häusliche Gewalt eingesetzt werden.
Publikum und Diskussionsteilnehmer feierten die Freiheit des Ausdrucks, Poesie und den Zauber der Worte. “Write me in Red” drücke Mut, Haltung und Selbstvertrauen gegenüber von Frauen erlittenes Blut, Leiden und Grausamkeit aus.
Zeilen aus dem Buch wurden vorgetragen: “Ich bin dazu da, in Rot geschrieben zu werden. Es ist die Farbe meiner Wut. Die Farbe meines Aufstands. Die Farbe meiner Unschuld. Rot steht mir.”
Jehan Ara Mueen sagte, daß Sadaf über Frauen schreibe, die ihre Gefühle hochhalten und mit Erinnerungen und Erfahrungen gegen ihre Ketten und die erdrückenden Traditionen unserer Gesellschaft ankämpfen. Mufti Jamiluddin sprach von einer großen Stimme des Aufbegehrens. Samar Minallah las ihr Gedicht ‘Smithereens on Rape’ (Splitter über Vergewaltigung) und sagte, Sadaf habe den Schmerz und das Trauma der Vergewaltigungsopfer und ihrer Familien ausgedrückt. Tahira Abdullah sagte, Sadaf trage die Wut gegen diese ungerechte Gesellschaft in sich, aber das habe sie nicht bitter und zynisch gemacht.
Iftikhar Arif sagte, daß überall in der Welt große Dichtung von Autorinnen geschrieben werde und fügte hinzu, in dieser Zeit müsse sie sich auf all diese Frauen beziehen und sich nicht allein auf Silvia beschränken. Er sagte, man dürfe nicht Liebeslieder singen, wenn das Haus brennt. Sie tue was getan werden müsse. Literatur wolle nicht nur unterhalten, sondern schockieren und im Leser Emotionen wie Wut, Freude, Trauer und Verachtung hervorrufen. / The news 23.7.
127. Anschlag auf Dichtertreffen in Karatschi
Die indischen Dichter Manzar Bhopali und Iqbal Ashar gehörten zu den Überlebenden eines Anschlags auf eine “mushaira”, ein traditionelles Dichtertreffen in der Hafenstadt Karatschi. Mindestens ein Mensch kam bei dem Angriff der etwa ein Dutzend Bewaffneten ums Leben. Das Treffen wurde anschließend planmäßig fortgesetzt. / Outlook India 27.3.
90. Gestorben
Der Paschtodichter Murad Shinwari starb am Sonnabend in Khyber im Alter von 85 Jahren. Er wurde in seiner Heimatstadt Landi Kotal begraben. Zahlreiche Autoren und Stammesälteste nahmen am Begräbnis teil.
Er galt als Pionier der modernen Paschtodichtung, u.a. soll er die ersten Blankverse in paschtunischer Sprache verfaßt haben. / dawn.com
105. Pakistani-amerikanischer Dichter gestorben
Der in Pakistan geborene Dichter und Schwulenaktivist Ifti Nasim (64), der in Chicago an einer Herzattacke starb, wurde einst in seinem Heimatland wegen seiner sexuellen Orientierung verfolgt. Nasim kam 1971 in die USA und wurde als Urdudichter bekannt. Er gründete Sangat, eine Schwulen- und Lesbenorganisation, und half vielen schwulen und lesbischen Pakistani und Indern in die USA auszureisen. / Times of India
81. Sindhidichter verunglückt
Der Sindhidichter Hassan Dars starb am Donnerstag im Alter von 45 Jahren in Hyderabad an einem Verkehrsunfall. Seine Anhänger betrauern ihn als einen inspirierenden und sozial aktiven Dichter. Er war mit der Dichterin Amar Mahboob verheiratet, die beiden wurden in ihren unterschiedlichen Schreibstilen bewundert.
In seiner Jugend regte der Kampf um Demokratie junge Künstler und Journalisten dazu an, ihr Talent für sozialen Wandel im Land einzusetzen. In dieser Zeit blühte die Sindhilyrik auf, hunderte Bände mit Gedichten und Kurzgeschichten wurden veröffentlicht, die den Widerstand der Massen thematisierten.
Auch Hassan schrieb mehrere lange Gedichte, die später in Urdu und Englisch übersetzt wurden. Bekannte Sänger vertonten seine Gedichte.
Der Kritiker Rauf Nizamani schrieb, Hassan Dars war der Dichter der Politik und der Liebe. Seine Gedichte seien außergewöhnlich in ihrer Bildsprache. Sein Tod sei ein großer Verlust für die Sindhiliteratur.
Angesichts der tragischen Umstände seines Todes wurde eine offizielle Untersuchung des Unfalls gefordert. Die Regierung solle sich um die Sicherheit des Straßenverkehrs und die Verbesserung der medizinischen Notfallversorgung kümmern. / Jan Khaskheli, The News.com (Pakistan)
29. Lyrikwelle in Afghanistan
Als der BBC-Kriegskorrespondent Jonathan Charles afghanische Zivilisten einlud, ihm ihre Kriegsgedichte zu schicken, war er auf die Flut, die ihn erreichte, nicht vorbereitet.
Unter den Einsendungen findet sich Zeugenschaft, Wut, Propaganda und Katharsis.
… Am schockierendsten die Erzählung einer Frau, die jetzt in Kanada im Exil lebt. Sie schreibt von einem Ehepaar, das versuchte, zwei seiner Kinder zu verkaufen, um den Rest ihrer Familie zu ernähren.
Es gibt heute nicht nur den Rückgang einer großen Tradition, sondern auch die Explosion einer neuen Lyrik in Afghanistan.
In jedem Staat finden abendliche Lyriklesungen statt.
Wir hören sogar, daß britische Soldaten Menschen zu solchen Lesungen fahren und sie beschützen, während drinnen die Lyriker zornige Verse über die Invasionstruppen vortragen. / BBC
Dort auch:
- Words and war
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- Spirtual journey
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- Great poetry
The enduring appeal of Iran’s Shahnameh