Kategorie: Korea

135. Kolonialsprache

«Ich bin zu einem kolonialen Untertan erzogen worden. Für mich ist es daher nicht leicht, über die japanische Sprache zu sprechen, obwohl sie das Innerste meines Bewusstseins formt. (. . .) Dies ist so, weil diese Sprache in mir mit tiefen Schmerzen und mit nicht in Worten benennbarer Trauer verwoben ist.» Diese Zeilen stammen von dem koreanischen Lyriker Kim Shi Jong, der wegen seiner kurzen und in rauem Japanisch geschriebenen Gedichte bekannt und in Japan hoch angesehen ist.

Seine Äusserung zeugt von einer lebenslangen Verstörung, die die koloniale Vergangenheit in der Psyche von Menschen zurücklassen kann. …

Seine Kindheitserinnerungen bestehen aus japanischen Kinder- und Soldatenliedern und Mythen des japanischen Kaiserhauses. 1948 reiste er illegal nach Japan, um den politischen Wirren im postkolonialen Korea zu entgehen. Seitdem lebt er als Lyriker in Japan. / Hoo Nam Seelmann, NZZ 25.1.

107. Say Hi to forever

Fast jeden Eintrag in ihrem Blog begann Daul Kim mit “Say hi to . . .”. So ließ das südkoreanische Model in seinem Internettagebuch also grüßen: Protonen, Partys, Chancen, Sadomasochisten, lange Haare, Selbständigkeit, Liebe. Meist sind es Satzfragmente, versponnene Gedichte, Schnipselfilme. Den letzten Eintrag machte die 20-Jährige am Mittwoch. Sie stellte das Musikvideo “I Go Deep” von Jim Rivers auf die Seite und schrieb: “Say hi to forever”. Grüß mir die Ewigkeit. Wenige Stunden später fand man ihre Leiche. …

Daul Kim, die 1989 in Seoul zur Welt kam, las Tolstoi, liebte Klaus Kinski, filmte, dichtete, malte. In einer Welt, in der Models neutrale Projektionsflächen der Modeschöpfer sein sollen, inszenierte sie sich als eigenes Kunstwerk. Sie färbte sich die Haare blond und wieder dunkel, gab als Hobby “Gabeln sammeln” an. Ihren Blog nannte sie “I like to fork myself”. In einem ihrer ersten Beiträge dort im April 2007 schrieb sie “Mein Leben als Daul war so unglücklich und einsam, bitte teilt meine Einsamkeit in einer anderen Welt.” Ein wenig darunter schrieb sie: “Ich mach” nur Spaß. Mir geht”s gut, ich bin nur müde.” / Claudia Fromme, Süddeutsche

005. Frühlingsbilder

Der Taoismus unterscheidet auch in der Natur Yin- und Yang-Elemente. So wurden weibliche Schamteile mit Hügeln, Tälern, Feuchtgebieten und Wäldern verglichen, als seien sie eine Landschaft, oder mit einer im Frühlingswind aufgeblühten Päonie. Erotikbilder heissen in Korea «Frühlingsbilder». / Hoo Nam Seelmann, NZZ 15.8.