Die indischen Dichter Manzar Bhopali und Iqbal Ashar gehörten zu den Überlebenden eines Anschlags auf eine “mushaira”, ein traditionelles Dichtertreffen in der Hafenstadt Karatschi. Mindestens ein Mensch kam bei dem Angriff der etwa ein Dutzend Bewaffneten ums Leben. Das Treffen wurde anschließend planmäßig fortgesetzt. / Outlook India 27.3.
29. März 2012
3. März 2012
13. Indischer Mangoverkäufer
Der Band enthält eine Auswahl aus Shiv K. Kumars neun Gedichtbänden aus vier Jahrzehnten. Immer wiederkehrende Themen sind unter anderem Tempel, Hurenhäuser, Liebe, Sex, Familie, Straßen und Städte. Das Gedicht “Ein indischer Mangoverkäufer” ist typisch für Shiv Kumar.
“Durch die Schlitze ihrer geflickten Bluse eine nackte Schulter, zwei weiße Monde werfen jedes Pferd aus der Bahn/ Die argwöhnischen Augen jenes alten Mannes – träge Vögel, pickend an ihren Mangonippeln.”
Seine besten Gedichte werfen einen um, sind wild und ungeschliffen. / Gopikrishnan Kottoor, The Hindu 3.3.
Which Of My selves Do You Wish To Speak To? Selected Poems, Shiv K. Kumar, Penguin India.
25. Januar 2012
95. Füller statt Tastatur
Mamata Banerjee ist nicht nur Ministerpräsidentin (Chief Minister) des indischen Bundesstaates Westbengalen, sondern auch eine bekannte Dichterin. In einer Rede zur Eröffnung der Buchmesse Kolkata (Kalkutta) erklärte sie, warum sie weiterhin lieber mit Tinte schreibt. “Schriftsteller müssen es gleich aufschreiben, wenn sie eine Idee haben. Wenn sie eine Tastatur benutzen, geht der Rhythmus ihrer Gedichte verloren,”, sagte die 57jährige. / IBN live
4. Januar 2012
14. Festival in Kerala
In der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Kerala, Thiruvananthapuram (früher Trivandrum) beginnt am 16.1. ein internationales Lyrikfestival, das dem Dichter Rabindranath Tagore gewidmet ist. An dem Festival nehmen 25 ausländische und 50 indische Dichter teil. Die Eröffnungslesung bestreitet der Dichter O N V Kurup. / ibn live
16. Dezember 2011
66. Dichter zurückpfeifen
Die Bharatiya Janata Party (BJP) [eine rechtskonservative hindunationalistische Partei] im Bundesstaat Karnataka scheint nach Zensur zu schreien. Der Minister für Kultur und die Landessprache Kannada Govind Karjol sagte jetzt, Dichter sollten nicht das Recht haben, Politiker zu kritisieren. “Das Politikerbashing durch Literaten ["litterateurs" steht im englischen Text] hat jedes Maß überschritten. Wir müssen sie zurückpfeifen. Sie tragen Gedichte vor und äußern abschätzige Kommentare gegen Gesetzgeber und Minister. Wir alle über Parteigrenzen hinweg sollten uns dessen bewußt sein und etwas unternehmen.”
Aber weit gefehlt! Ein Politiker der JD(S)-Partei sagte: “Nur weil ihnen die Regierung Stipendien gibt, sollten sie uns loben? Man darf die Meinungsfreiheit nicht unterdrücken. Das ist das falsche Signal. Die Schriftsteller hüten unser Gewissen.” / India Today
9. Dezember 2011
19. November 2011
84. Dalitpoesie
Dalit-Poeten, die beim Hay-Festival im indischen Bundesstaat Kerala auftraten, wurden mit der provokatorischen Frage konfrontiert, warum sie sich selber als “Dalit”, Unberührbare brandmarkten, wo sie auch auf Malayalam schreiben könnten. (Dalit ist die Selbstbezeichnung einer heterogenen Gruppe mit diversen Religionen und Sprachen, siehe unten). “Ihre Gedichte haben viele Leser. Warum sprechen Sie von Dalit-Lyrik? Ist es nicht, als ob Sie sich selbst freiwillig in Ketten legten?”
Dalit-Poeten wie MB Manoj, Vijila Chirappad, MR Renukumar und Sunny M Kappikad nahmen an der Veranstaltung teil. Kappikad sagte, Enttäuschung über seine früheren revolutionären Ideale habe ihn zum Schreiben gebracht. Er sei aktives Mitglied einer revolutionären Partei gewesen, aber als er bemerkte, daß die Dalit-Ideologie aus der Partei verschwunden sei, habe er zu schreiben begonnen. / Times of India
Wikipedia sagt:
Dalit ist die Selbstbezeichnung der Nachfahren der indischen Ureinwohner, die aus rassistischen Gründen als „Unberührbare“ aus dem Kastensystem der kriegerischen indoarischen Einwanderer bzw. Eroberer bis heute oft ausgeschlossenen sind. Der Begriff entwickelte sich aus dem Sanskritwort दल् , dal; er wird übersetzt mit zerbrochen, zerrissen, zerdrückt, vertrieben, niedergetreten, zerstört und Der-Zur-Schau-Gestellte.
In der westlichen Welt, insbesondere im deutschen Sprachraum, werden sie teilweise auch als Paria bezeichnet;Gandhi nannte sie Harijan (im Westen ungenau als Kinder Gottes übersetzt, eigentlich: „Vishnu-Geborene“). Diese Bezeichnung wurde von den Dalits immer abgelehnt, da sie nicht als schützenswerte Kinder, sondern als gleichberechtigte Menschen und Inder gesehen werden wollen. Der im Westen oftmals gebrauchte Begriff „Kastenlose“ ist unpräzise, da die Unberührbaren durchaus einer Kaste (Jati) angehören, wenn auch keiner Varna.
Jyotiba Phule, der Vater der indischen Sozialrevolution, benutzte das Wort Dalit im späten 19. Jahrhundert für die Opfer des Kastensystems.
Die englische Version geht auch auf Dalitliteratur ein:
One of the foremost and earliest dalit scholar is Shri Valmiki, author of the famous epic poem Ramayana.[59] Shri Valmiki is considered to be oldest and greatest poet in Indian history. He is called Maha Kavi or Adi Kavi in Sanskrit.
18. November 2011
83. Unbekanntes von Tagore
Das Auktionshaus Sotheby’s versteigert ein unbekanntes Notizheft des berühmten indischen Dichters Rabindranath Tagore aus dem Herbst 1928. Es enthält 12 Gedichte und Liedtexte auf Bengali, darunter einige stark überarbeitete Fassungen zuvor veröffentlichter Texte. Das Buch wird auf $150.000 bis 250.000 geschätzt.
Tagore, der 1913 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, schrieb tausende Gedichte. / artdaily.org
8. November 2011
32. Nicht mehr so laut
Die indische Zeitung Deccan Chronicle sprach mit dem Malayalam-Dichter K. Satchidanandan, der Anfang Oktober in britischen Wettbüros als Anwärter auf den Literaturnobelpreis gehandelt wurde:
Sie gehörten zu denen, die die Moderne in der Malayalamlyrik ausriefen. Wie sehen Sie das heute?
Ihc habe immer noch das Gefühl, daß die 60er Jahre eine Zeit der Erneuerung waren, in der Lyrik wie in allen anderen Künsten. Es herrschte eine ungewöhnliche Brüderlichkeit zwischen den Künstlern, die alle auf der Suche nach etwas waren, dessen sie sich nicht sicher waren – einer Sprache der mondernen Erfahrung.
Selbst die progressiven Autoren hatten damals keine moderne Sprache. Sie waren progressive Romantiker, als andernorts Dichter wie Neruda eine völlig andere Sprache führten.
Woran liegt es Ihrer Meinung nach, daß die Moderne heute auf dem Rückzug ist?
Vielleicht der Einfluß des Marktes, karrieristisches Kalkül der Dichter.
Wie bewerten Sie die 70er Jahre als Zeit politischer Turbulenzen, als nach allgemeiner Ansicht die Malayalamlyrik eine Hochzeit hatte?
Lyrik und Revolution waren eins. Einige der modernen Autoren wurden politisiert. Wenn ich unfreundlich bin, kann ich sagen, die Brüderlichkeit war auf dem Rückzug.
Und heute?
Die absolute Zerrissenheit gibt es nicht mehr. Der Konkurrenzdruck unter den Dichtern verhindert jeden sinnvollen Diskurs. Die Dichter sehen mehr nach innen, sind subtiler geworden und nicht mehr so laut.
22. Oktober 2011
99. Gestorben
Der Dichter (poet, lyricist) Mullanezhy Neelakanthan starb am Sonnabend nach einer Herzattacke im Alter von 63 Jahren.
Mullanezhy, den Freunde und Kollegen gewöhnlich ‘Mullan Mushu’ nannten, glaubte fest daran, daß die Lyrik nicht nur um der Literatur willen da sein dürfe, sondern auch als Katalysator für soziale Reformen fungieren müsse. Seine Gedichte wurden meist auf der Bühne und bei sozialen Kampagnen vorgetragen. / The Hindu 22.10.