Kategorie: Amazigh
73. Festival der modernen marokkanischen Lyrik
In der Stadt Chefchaouen fand das 27. nationale Festival der modernen marokkanischen Lyrik statt. Das Festival würdigte in diesem Jahr das Schaffen des Dichters Mohamed Mimouni, der zu den Säulen der modernen Lyrik Marokkos gezählt wird.
Zum erstenmal waren auf dem Festival Amazigh-(Berber-)Poeten aus dem westlichen Rif vertreten, außerdem Dichter aus den Maghrebstaaten wie Bouzid Harzallah, Lamiss Saidi und Abdellah Hamel aus Algerien und Fatima Ben Mahmoud aus Tunesien. / Libération (Marokko)
95. Kann ein Dichter sterben?
Der Dokumentarfilm “Kann ein Dichter sterben?” (“Un poète peut-il mourir ?”), eine Würdigung des Schriftstellers und Journalisten Tahar Djaout, der 1993 ermordet wurde, nimmt am 7. Internationalen Festival des Orientalischen Films (Festival International du Film Oriental de Genève, FIFOG) in Genf teil. Das Festival findet vom 28.4.-6.5. statt. Der Film ist der einzige algerische Beitrag in der Kategorie Dokumentarfilm. Regisseur ist Abderrazak Larbi Cherif.
Der 80minütige Film verfolgt die Entwicklung des ersten Intellektuellen, der in Algerien Opfer des Terrorismus wurde. Die Sprache ist Tamazight mit französischen Untertiteln. / Dépêche de Kabylie
Aufgrund seiner Unterstützung des Säkularismus und seiner ablehnenden Haltung dem Fanatismus gegenüber verübte die Groupe Islamique Armé am 26. Mai 1993 ein Attentat auf Djaout, dem er, im Alter von 39 Jahren, eine Woche später erlag. / wiki
44. Hervorbringung eines Genres aus der Interjektion
«Aïe! aïe!», gesprochen «Ayèye», das ist ein wohlgegründeter Schrei, der, indem er seine Energie aus der Lunge und seinen Schwung aus der Kehle nimmt, sich schreiend erhebt bis an die fernsten Horizonte der Zeit, des Raums und des Commonsense, die intime Botschaft des algerischen Beduinensangs.
Bevor ich auf die Volkspoesie, die Quasida, zu sprechen komme, hier gesungen von Cheïkh El hâdj Khelifi Ahmed und in einem Booklet transkribiert, zusammengestellt von Abdelkader Bendamèche, muß ich unterstreichen, daß jede unserer Regionen ihre eigene Seele hat, wie sie sich aus den Falten unserer Geschichte herausgebildet hat. Die Volksdichtung unseres Landes bietet Beispiele gesungener Poesie, bei der das artikulierte Wort durch eine der ersten Silben konstituiert wird, in welcher sich, sage ich, der Gemütszustand der algerischen Identität überträgt.
Die wiederholt vorgetragene Interjektion «aïe!» hat ein eigenes Genre hervorgebracht, die «ayèye», eine Art chanson de geste (Heldenlied), in dem der Dichter-Sänger seinen körperlichen oder seelischen Schmerz ausdrückt, aber auch seine Begeisterung für alles, was ihn in der göttlichen, menschlichen oder physischen Natur anzieht.
Ist das lyrische Poesie? Zweifellos. Ebenso zweifellos epische Poesie. Liebespoesie auch. Die Liebe ist hier von islamischer Mystik gefärbt, von Ritterschaft, Moral, Weisheit…, selten von Erotik.
Übrigens lasse ich mir nicht ausreden, daß das französische Epos – das mittelalterliche «Chanson de geste» – von den Dichtern der karolingischen Zeit seit Karl Martel, «dem Bezwinger der Sarrasins [Sarrazenen, in Wirklichkeit der «Mauren»]», wiederbelebt wurde. Zum Beispiel könnte es sein, daß Wesensmerkmale arabisch-andalusischer Erzählungen in vereinfachter Form das Rolandslied von 1080 angeregt haben. Der Dichter heißt Trouvère in Langue d’oïl oder Troubadour in Langue d’oc, Arabisch «târab ad-doûr» (Spieler eines runden Instruments, dem tambour [bendîr?]).
/ Kaddour M’HAMSADJI, L’Expression
ECH-CHEÏKH EL HÂDJ KHELIFI AHMED: HUIT CD DE POÉSIES POPULAIRES CHANTÉES (PUBLICATION CONÇUE ET RÉALISÉE PAR ABDELKADER BENDAMÈCHE)
66. Amazigh-Poesie
Der Dichter Mohamed Ajedad erhält den ersten Preis des regionalen Wettbewerbs der Amazigh-Poesie in Ifrane (Marokko). Der zweite Preis geht an El Houssine Aferiou und der dritte zu gleichen Teilen an Ali Abbouchi und Said Makaoui.
An dem Wettbewerb nahmen etwa 20 Amazigh-(Berber-)Dichter teil. / biladi.ma
48. Befreites Wort
Der Aufstand gegen Muammar Ghadafi ließ nicht nur die Waffen sprechen, sondern befreite auch das Wort in einem Land, das seit 42 Jahren von der Diktatur erstickt wird.
Dutzende junge Libyer wie Abdallah, Jungen und Mädchen, Studenten, aber auch Arbeitslose entdecken als angehende Journalisten oder Poeten seit dem ersten idealistischen Aufschwung der Rebellion Mitte Februar ihre Berufung.
Der Aufstand rief auch in Benghasi, der Hauptstadt der Rebellion im alten Cyrenaika, ein Aufblühen neuer Zeitschriften und öffentlicher Wortnahmen hervor, oft in Form von Gedichten, die auf dem Platz der Revolution vorgetragen werden. …
Abdallahs Zeitschrift heißt “Tamort”, das heißt in der Berbersprache Amazigh “Heimatland”. Jede Woche gibt er 6 Seiten auf Arabisch und 2 auf Englisch heraus. Die letzte Nummer ehrt das Andenken des letzten Königs Idris Almadhe Al Sonose, der 1969 von Oberst Ghadafi gestürzt wurde, und enthält auch ein Interview mit dem neuen italienischen Konsul, den Rom nach dem Aufstand entsandt hat. / La Depeche 11.6.
26. Poesiefestival in Agadir
Marokkanische und ausländische Dichter treffen in Agadir zum Poesiefestival Founoun zusammen. Die zum drittenmal stattfindende Veranstaltung will die marokkanische Dichtung in aller sprachlichen Vielfalt pflegen und Anregungen zu ihrer Erforschung geben.
Auf dem Festival kann man der ganzen Vielfalt marokkanischer Poesie begegnen, auf Arabisch ([Hoch-]Literatur, Zaǧal [eine aus Andalusien stammende arabisch-spanische Gedichtform in dialektaler Umgangssprache] und Hassania), Amazigh (Berbersprachen: Tarifit, Tamazight, Tachelhit), Französisch, Spanisch und Jüdisch-Marokkanisch. / Afrique Hebdo
1. Libyscher Dichter gefoltert
Die Verhaftung des Amazigh- (Berber-) Dichters Rabia Cherir, Direktor des Kulturzirkels der Stadt Zaouia, löst in kulturellen Kreisen Beunruhigung aus.
Die vom offiziellen libyschen Fernsehen am 28.4. verbreiteten Bilder, die Ghadafi-Büttel bei der Folterung des rebellischen Dichters zeigen, haben Empörung ausgelöst.
Der Dichter wurde wegen seiner Unterstützung der Revolution verhaftet. Sein Aufenthaltsort ist unbekannt. Wie Freunde des Dichters sagten, bleibe die Kampagne für seine Befreiung auf einen kleinen Kreis ägyptischer Journalisten beschränkt. Sie appellieren an internationale Organisationen zur Verteidigung der Menschenrechte, für seine Befreiung Druck auf das Regime in Tripoli auszuüben. / Kabyle.com
Mehr:
Arabische Intellektuelle kritisieren das “komplizenhafte Schweigen” Algiers siwel.info
Libyens Berber fordern von der internationalen Gemeinschaft Anerkennung ihrer kulturellen und politischen Selbstbestimmung. Sie wollen in einem demokratischen und laizistischen Staat leben. Sie fordern Anerkennung der Berbersprache neben dem Arabischen und die Trennung von Religion und Staat. siwel.info
145. 9. Festival der Amazigh-Lyrik in Aït Smaïl (Béjaïa)
Dichter aus verschiedenen “berberophonen” Regionen Algeriens trafen sich am letzten Wochenende zum 9. Festival der Berberpoesie, das dem Andenken an den Schriftsteller Mouloud Mammeri gewidmet war.
Zum Abschluß des Festivals wurden Preise für die besten Gedichte verliehen, die von einer Wissenschaftlerjury ausgewählt wurden. Der erste Preis ging an den jungen Dichter Ibri Hamid aus Aïn El Hammam (Tizi Ouzou). Preise gingen auch an Gedichte, die in anderen Varianten der Berbersprache vorgetragen wurden, wie in Zenati Ouargli und Chaoui. / Hakim Kebir, El Watan 29.3.
Amazigh (Plural Imazighen) ist laut deutschsprachiger Wikipedia “eine Fremdbezeichnung für eine Reihe von Ethnien in Nordafrika westlich des Nils, also in den Ländern des Maghreb, die eine Berbersprache sprechen”. Aber vermutlich hat die englischsprachige Version eher Recht, die sagt, daß sich die von Fremden “Berber” genannten Völker selber Amazigh nennen und ihre Sprache Tamazight, nach dem Berberwort für “die Freien”. Zu den Berberstämmen gehören u.a. Tuareg, Kabylen und Chleuh. Das Wort Berber wird entweder vom Lateinischen “Barbar” oder vom Arabischen abgeleitet. In Algerien sind (oder waren?) die Berber einer massiven Arabisierung ausgesetzt. Die Zahl der weltberühmten Berber ist Legion, sie reicht vom Heiligen Augustinus bis zum Fußballstar Zidane.
78. Poesiefestival in Marrakesch
In Marrakesch fand am 14. und 15.5. zum 5. Mal ein internationales Dichtertreffen statt. Es stand unter dem Motto “Die Poesie – eine universelle Brücke zwischen den Kulturen”. Dabei wirkten auch das Goethe-Institut und das Instituto Cervantes mit. Es gab auch einen Akzent auf “gewisse Dichter im Exil oder im Gefängnis”.
[Namen dieser gewissen Dichter fallen nicht. Auch über den deutschen oder spanischen Beitrag schweigt der Artikel. Die Website des Goethe-Instituts Marokko schweigt über das Festival und bringt lediglich halbwegs einschlägig einen Artikel über Herta Müller. Außerdem verweist sie auf einen Veranstaltungskalender in französischer Sprache, bei dem z.B. Oskar Pastior auftaucht, von dem eine französische Ausgabe präsentiert wurde. Aber der Kalender geht nur bis April.]
In einem Wettbewerb wurden junge Dichter zwischen 16 und 20 aufgerufen, Texte in den Sprachen Arabisch, Amazigh (Berbersprache) und Französisch einzureichen. Der Preis für Amazigh ging an Jamal Ennaciri, der für Arabisch an Boustane Chaimae und für Französisch an Jad. / aufaitmaroc 16.5.
16. Kabylische Poesie
Von dem 1998 herausgegebenen Band “Isefra n at zik” erschien jetzt eine zweisprachige Ausgabe (Tamazight – Französisch). Sie umfaßt 430 anonym überlieferte Gedichte. Das Buch enthält eine CD, auf der Tassadit At Ouvavas einige Lieder singt bzw. vorträgt. Die Lieder, aufgenommen vor langer Zeit, sind nicht bearbeitet und bezeugen eine Jahrhunderte zurückreichende mündliche Kultur im heimatlichen Land der Kabylen – so sang man sie im Haus oder auf dem Feld.
Tassadit At Ouvavas, die verstorbene Mutter des Herausgebers, ist eine wahre Bibliothek der Oralität, die ihm diesen Schatz überliefert hat. Der Herausgeber Ramdane At Mansour heißt mit seinem kabylischen Namen Ramdane Ouahès. Er war Universitätsprofessor und hat zwei Gedichtbände und eine Übersetzung des Koran in die Berbersprache veröffentlicht. 2008 wurde er vom Haut Commissariat à l’Amazighité für seine Verdienste um die Berberkultur ausgezeichnet.
Buch + CD kosten 26 Euro. Versandkosten nach Frankreich: 3 Euro.
Tamazight: Berbersprache in Nordafrika
Kabylen: die Berber Algeriens
Amazight heißen die Berber in ihrer Sprache (Berber wurden sie von den Römern genannt: “Barbaren” wie die Germanen) – Die Verbindung wiederholt sich lustigerweise im 20. Jahrhundert. L&Poe-Nachricht vom Februar 2005:
Sidi H’Ammu ist der berühmteste chleuh-Dichter des 16. Jahrhunderts. Chleuh ist eine Berbersprache in Südwestmarokko. Da das Wort “chleuh” in Frankreich pejorativ besetzt ist, verwendete man es nach dem zweiten Weltkrieg auch für die Deutschen.