Kategorie: São Tomé e Príncipe

80. Schaue empor und liebe deine Frau!

Die Ausrufezeichen machen den Appell sofort deutlich, auch wenn man das Gedicht von Francisco José Tenreiro nicht versteht. “Negro! Levanta os olhos pro sol rijo e ama tua mulher na terra húmida e quente!”, in deutscher Übersetzung: “Schwarzer Mann! Schaue empor zur kräftigen Sonne und liebe deine Frau auf der feuchten und warmen Erde!”

Auch wenn das auf den ersten Blick so klingt: Es handelt sich dabei nicht um eine romantisch-laszive Aufforderung. Vielmehr ist es eine Ermahnung an die unterdrückte schwarze Bevölkerung, ihre Fesseln abzustreifen und auf dem Boden des Vaterlandes Neues zu erschaffen. Der Dichter selbst erlebte es nicht mehr, dass seine Landsleute dieser Aufforderung nachkamen, die sie heute auf ihren Geldscheinen lesen können. Tenreiro starb 1963 im Alter von gerade mal 42 Jahren. Erst 1975 jedoch wurde sein Heimatland São Tomé und Príncipe unabhängig. / Frank Stocker, Die Welt

078. Lusophone Lyrik

Das Büchlein versammelt 22 jüngere portugiesischsprachige Lyrikerinnen und Lyriker aus drei Kontinenten: Afrika mit den Ländern Angola, Guinea-Bissau, Moçambique und São Tomé e Príncipe, Lateinamerika mit Brasilien sowie Europa mit der spanischen Region Galicien und Portugal. Der Herausgeber und Übersetzer Michael Kegler stellt überwiegend neuere und hierzulande unbekannte Namen vor, die in den fünfziger bis siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts geboren sind. Darunter befinden sich die Poetin und Literaturwissenschafterin Ana Paula Taveres oder Ondjaki aus Angola, von dem ein Roman in deutscher Übersetzung vorliegt, Ivo Machado, José Antonio Gonçalves, der 2005 mit 50 Jahren schon starb, und Ana Luísa Amaral aus Portugal sowie Conceição Lima aus São Tomé e Príncipe. Von keinem einzigen dieser Autoren liegt bis heute ein eigener Lyrikband in deutscher Übersetzung vor. Das weist in der hiesigen Rezeption auf eine Lücke hin, die es allmählich zu schliessen gilt. Ein schöner Anfang ist nun gelungen, bei dem sich viele Neuentdeckungen machen lassen. / NZZ

Hotel Ver Mar. Gedichte aus Angola, Brasilien, Galicien, Guinea-Bissau, Mosambik, Portugal und São Tomé e Príncipe. Hrsg. und aus dem Portugiesischen übersetzt von Michael Kegler. TFM-Verlag, Frankfurt a. M. 2009. 103 S., Fr. 21.–.

Lusophonie in L&Poe:

2002    Apr    #    Der Tagesspiegel interviewt
2008    Mai    #97.    Die vererbte Sehnsucht – Saudade in Afrika
2008    Jul    #61.    9. poesiefestival berlin erfolgreich beendet
2009    Jun    #15.    Preis für Armenio Vieira