Lyrikzeitung & Poetry News

18. Juni 2011

82. Engagement-Party

Einsortiert unter: Botswana, Kenia, Simbabwe — Schlagworte: , , , — lyrikzeitung @ 08:00

Zum internationalen Kulturfestival Hifa in Simbabwe kommen junge Lyriker der afrikanischen Literaturszene mit ihren Texten und nennen Missstände beim Namen – auch wenn sie dafür von den Regierungen gegängelt werden.

Das Motto des Festivals 2011 heißt: “The Engagement-Party”. Chirikure setzt auf Dichterkollegen, die sich einmischen. Engagieren. Deswegen unter anderem hat er Ngwatilo Mawiyoo aus Kenia eingeladen. Ihre Gedichte sind typisch; nicht nur für dieses Festival, vielleicht sogar für die afrikanische Literatur insgesamt.

Mir fällt auf: Keiner der Dichter und nicht ein einziges Gedicht kommen ohne den konkreten Bezug zu den politischen und gesellschaftlichen Missständen aus. Diese Literatur richtet sich direkt an die Menschen. In Europa würde man solchen Texten schnell einen Mangel an Kunstsinn oder ästhetischem Vermögen attestieren. Für Afrikaner gehören sie zur Überlebensstrategie. Alles andere wäre Luxus. Und so klingt das bei der botswanischen Lyrikerin T.J. Dema:

“Gedichte sind ein Scheißdreck, wenn sie nichts zu lehren haben.
Ja, ich behaupte: Gedichte sind so was von sinnlos,
wenn sie nicht das Publikum erreichen,
für das sie geschrieben worden sind.”

/ Indra Wussow, DLF

Harare International Festival of the Arts – Kulturfestival Hifa

 

28. Mai 2011

122. Botswanischer Dichter gestorben

Einsortiert unter: Botswana, Englisch — Schlagworte: , — lyrikzeitung @ 15:58

Malikongwa wartete nie darauf, daß jemand von außen kommt und sein Werk würdigt. Er war Pionier im Kampf gegen Ignoranz, Analphabetismus, “literary poverty, non-history and non-being” – literarische Armut, Geschichtslosigkeit und Nicht-Existenz.

Er war ein Fußsoldat im Krieg gegen die Hegemonie der Tswana-Kultur gegen Ikalanga, beim Verschweigen und Umschreiben der Geschichte der Einheimischen, in der Suche nach der Kalanga-Sprache und -Schreibkultur. Das sind schwere und einsame Kämpfe, man gewinnt sie nur mit jenem seltenen Geist der Selbstlosigkeit und Vision. Denn Tatsache ist, daß niemand kommen wird und die Geschichte für dich aufschreiben.

Die Wahrheit ist, wenn du der Macht die Wahrheit entgegenhalten willst, mußt du sie selbst aufschreiben und veröffentlichen. Wenn du daran interessiert bist, das Denken und Fühlen deiner Leute zu bewahren, bist du auf dich selbst angewiesen. Und wenn du Wissen weitergeben willst, das nicht in der Schule gelehrt wird, mußt du es selbst veröffentlichen und verbreiten, wie ich in der Einleitung zu seinem Gedichtband “Der Duft des Kuhdungs” schrieb. / BAROLONG SEBONI: Remembering Malikongwa – Part 1, Mmegi online 27.5.

Der Dichter und Historiker Albert Malikongwa starb am vergangenen Sonnabend nach langer Krankheit in einem Krankenhaus in Gaborone. Malikongwa veröffentlichte auf Ikalanga und Englisch. Seine Gedichte wurden in zahlreichen Gedichtbänden gesammelt und in Zeitungen wie dem Guardian und Rundfunksendern wie Radio Botswana, Voice of America und der BBC verbreitet. / The Botswana Gazette

Tswana, Ikalanga: Bantuvölker im südlichen Afrika

Mehr: Botswana Guardian

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