Kategorie: Äthiopien

48. 13. poesiefestival berlin erfolgreich beendet

Mit einem großen Lyrikmarkt ging am Sa, 9.6.2012 das 13. poesiefestival berlin erfolgreich zu Ende.

Über 11.000 Besucher kamen zu den 52 Veranstaltungen, insgesamt waren mehr als 200 Beteiligte aus 51 Ländern zu Gast, darunter u.a. Michael Palmer (USA), Yan Jun (China), Abdelwahab Meddeb (Frankreich/Tunesien), Ngwatilo Mawiyoo (Kenia), Fátima Miranda (Spanien), Monika Rinck (Deutschland) sowie Max Prosa und die Band Erdmöbel.

Das 13. poesiefestival berlin hatte einen politischen Fokus. Autoren aus Syrien sprachen über ihre Sicht auf die Revolution im Land, Dichter aus Äthiopien, Kenia und Ägypten diskutierten über die Situation in den Ländern entlang des Nils und die Rolle, die die Poesie bei der Bewältigung der Probleme spielt. Mit renshi.eu feierte ein Kettengedicht seine Premiere, bei der Dichter aus allen EU-Ländern ihre Gedanken zur Krise Europas zu Wort brachten. Ausgang und Abschluss für das Kettengedicht schrieb der griechische Dichter Yannis Stiggas. Die Texte sind ab 13.9. auf der Webseite www.lyrikline.org zu hören und zu lesen.

Das 13. poesiefestival berlin findet statt vom 1. – 9.6.2012 in der Akademie der Künste, Hanseatenweg. Weitere Informationen unter www.literaturwerkstatt.org.

12. Klangkörper Nil

Mo 4.6. 20:00 Uhr

Akademie der Künste, Hanseatenweg, Studiofoyer, Eintritt € 8 / 5

Mit Al-Saddiq Al-Raddi Dichter, Herausgeber von Al-Sudani newspaper, Sudan Euphrase Kezilahabi Dichter, Philosoph, Tansania Ngwatilo Mawiyoo Dichterin, Schauspielerin, Musikerin, Kenia Fatima Naoot Dichterin, Übersetzerin, Ägypten, Hama Tuma Dichter, Äthiopien / Frankreich  Moderation Laura López Castro Musikerin, Berlin

»Klangkörper Nil« stellt den Farbreichtum der poetischen Landschaften am Nil vor – in Klang, Form und Format, von klassischer Lesung bis Spoken Word-Performance. Sechs Dichter stellen in den Sprachen Amharisch, Englisch, Arabisch und Swahili ihre eigene klangvolle Rebellion gegen Unterdrückung, Gewalt und Terror vor.
Al-Saddiq Al-Raddi stellt dem schonungslosen Alltag im Sudan, den beengten Horizonten und der grausamen Armut die reiche Spiritualität seiner mystischen und fantastischen Werke entgegen. Euphrase Kezilahabi erneuert in seinen Gedichten die Swahili-Sprache, bereichert sie mit neuen, flexibleren Ausdrucksformen und Themen, die sich nicht an den Traditionen orientieren, sondern an den alltäglichen Überlebenskampf anknüpfen. Drei äthiopische Regierungen verwiesen Hama Tuma des Landes. Mit Satire und geschärfter Feder führt er den Kampf gegen die Kriege in seinem Land von Frankreich aus fort. Die Performance-Dichterinnen Ngwatilo Mawiyoo und Fatima Naoot reißen das Publikum mit in die Tiefen einer Revolution, die gelebt wurde und wird. Die Spoken Word Dichterin Ngwatilo Mawiyoo, auch bezeichnet als »priest of the art of performed poetry«, thematisiert das Leben und den Alltag diverser kenianischer Communities in ihren Texten und stellt sie melodisch vor. Fatima Naoot verfolgt in ihren Gedichten Tag für Tag neugierig die Veränderungen in ihrem Land, führt den Leser dabei an der Hand und blickt mit offenen Augen und feinen Worten auf Themen wie religiösen Fundamentalismus, die Entwicklungen der Gesellschaft sowie die Poesie des Nil.

10. 13. poesiefestival berlin

Einige der klangvollsten Stimmen der internationalen Gegenwartslyrik kommen vom 1. – 9. Juni zum 13. poesiefestival berlin der Literaturwerkstatt Berlin. Mit dabei sind u.a. Ken Bastock (Kanada), Horácio Costa (Brasilien), Ngwatilo Mawiyoo (Kenia), Abdelwahab Meddeb (Tunesien/Frankreich), Michael Palmer (USA) Hama Tuma (Äthiopien), JUN Yan (China), Fatima Naoot (Ägypten).

Zum diesjährigen Übersetzungsworkshop VERSschmuggel treffen Dichter aus Brasilien auf ihre deutschsprachigen Kollegen und übersetzten sich gegenseitig. Lyrikline.org nutzt die Gelegenheit, um mit einigen Autoren ins Studio zu gehen und sie für die Webseite aufzunehmen.

Während des Festivals treffen sich zudem die internationalen Partner von lyrikline.org. Das Treffen bietet ein Forum für den Ideen- und Erfahrungsaustausch, für die Diskussion von Problemen und Perspektiven, und es dient der stärkeren Vernetzung über Ländergrenzen hinweg.

Weitere Informationen unter www.poesiefestival.org

49. Sprachwechsel

Global Literature ist eine Literatur in Bewegung, eine Literatur ohne festen Wohnsitz, eine Literatur der Unbehaustheit, sehr oft überdies eine Literatur der Nicht-Muttersprachlichkeit, die von Sprachwechslern geschrieben wird. Türken, Serben, Bosnier, Bulgaren, Ungarn, Tschechen, Russen wandern in die deutsche Sprache ein und mutieren zu deutschsprachigen Schriftstellern: Feridun Zaimoglu, Dimitre Dinev und Ilija Trojanow, Libuše Moniková, Wladimir Kaminer und Vladimir Vertlib, Terézia Mora und Saša Stanišić.

Die überwiegende Mehrzahl dieser Sprachwechsler wechselt allerdings ins Englische. Inder, Peruaner, Palästinenser, Äthiopier, Karibik-Bewohner, Kurden, Afghanen, Pakistani, Libanesen, Tamilen, Bangladescher, Somalier, Vietnamesen, Chinesen lassen ihre Herkunftssprachen hinter sich und beginnen, auf Englisch zu schreiben. Die führende Sprache der einstigen Kolonialherren ist zur Lingua franca der postkolonialen globalen Literatur geworden, ironischerweise.

Die Sprache, insbesondere das Englische, ist demokratisch. Man kann sich der englischsprachigen Literatur von überall her zugesellen: „Jeder kann die englische Sprache zu seiner Heimat erklären, und niemand kann aus ihr verbannt werden“, sagt etwa der Schriftsteller Aleksandar Hemon, ein gebürtiger Bosnier aus Sarajevo mit serbischen und ukrainischen Wurzeln, der in Chicago lebt und seine Bücher auf Englisch schreibt. / Sigrid Löffler in Falter : Buchbeilage 10/2010 vom 10.3.2010 (Seite 4)