Kategorie: Algerien

73. Festival der modernen marokkanischen Lyrik

In der Stadt Chefchaouen fand das 27. nationale Festival der modernen marokkanischen Lyrik statt. Das Festival würdigte in diesem Jahr das Schaffen des Dichters Mohamed Mimouni, der zu den Säulen der modernen Lyrik Marokkos gezählt wird.

Zum erstenmal waren auf dem Festival Amazigh-(Berber-)Poeten aus dem westlichen Rif vertreten, außerdem Dichter aus den Maghrebstaaten wie Bouzid Harzallah, Lamiss Saidi und Abdellah Hamel aus Algerien und Fatima Ben Mahmoud aus Tunesien. / Libération (Marokko)

5. Symbolisch verliehen, real widersetzt

Die Preistrophäe war aus Schokolade und der Scheck von 15000 Euro war nicht dabei. Die Verleihung des Arabischen Romanpreises an den algerischen Schriftsteller Boualem Sansal, den letztjährigen Träger des deutschen Friedenspreises, in den Räumen des Pariser Verlagshauses Gallimard war ein rein symbolischer Akt. Die 2008 geschaffene, von den arabischen Botschaften in Paris gestiftete und am Institut du Monde Arabe vergebene Auszeichnung war in diesem Frühjahr dem Algerier Sansal zuerkannt worden für seinen jüngsten Roman ‘Rue Darwin’, der im September bei Merlin auf Deutsch erscheinen wird. Ziel des Preises ist die ‘Festigung des Kulturdialogs’ mithilfe von literarisch hochwertigen Werken aus der arabischen Welt. …

Die für Anfang Juni vorgesehene Verleihung des Prix du roman arabe an Sansal wurde von den Stiftern aber kurzfristig abgesagt. Offiziell war von diversen Spannungen die Rede. In Wirklichkeit hing es damit zusammen, dass Sansal inzwischen im Mai als Gast am Internationalen Schriftstellerfestival in Jerusalem teilgenommen hatte. Die Hamas kritisierte diesen Israel-Besuch als eine Legitimierung der Besetzung Palästinas und als einen Affront gegen das palästinensische Volk. Die Pariser Preisstifter ließen sich in die Polemik hineinziehen und widerriefen die Wahl. Sie wiesen die Preisjury an, sich neu zu versammeln.

Die Jury, der unter dem Vorsitz von Hélène Carrère d’Encausse von der Académie Française unter anderen die Schriftsteller Tahar Ben Jelloun, Vénus Khoury-Ghata, Paule Constant, Danièle Sallenave oder der Intellektuelle und palästinensische Unesco-Botschafter Elias Sanbar angehören, widersetzte sich aber dieser Anweisung. / Süddeutsche Zeitung 23.6.

97. Lyrikbegeistert

Medellín feierte die „Inauguración“ vor viertausend lauschenden, ja begeisterten Zuhörern. Bei dreißig Grad und beständiger lauwarmer Brise saßen fünfzig Dichter aus beinahe ebenso vielen Ländern ihrem Publikum im Carlos Vieco Stadion gegenüber, und einer nach dem andern trat ans Mikrofon und sang, sprach artikuliert in den Zungen dieser Welt – bisweilen begleitet von Muschelhorn, Djembe, Tröte und Bravo-Rufen aus dem Publikum und jeweils tosendem Applaus. …

In diesem Jahr steht das größte Poesiefestival der Welt, das 2006 mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde, im Zeichen des Geistes der indigenen Völker. So sind die ersten fünf Dichter des Abends allesamt Repräsentanten nationaler Minderheiten. Eine Inuit schwingt die Trommel und beschwört die Götter ihrer Vorfahren, der lautstarke Maori Apirana Taylor, der bei der vorausgegangenen Pressekonferenz angab, dass er das Festival auch besuche, um Gemeinschaft in der großen Familie der Dichter zu finden, bläst ins Horn und überzieht seine Bühnenzeit gründlich. Vertreter anderer Volksgruppen Kolumbiens und ganz Südamerikas, gewandet in traditionelles Tuch, treten auf. / Nora Gomringer, FAZ

Zu den Teilnehmern gehören: Rachid Boudjedra (Algerien), Saba Kidane (Eritrea), Atala Uriana (Venezuela), Jane King (St. Lucia), Karenne Wood (USA), Hugo Jamioy Juagibioy (Kolumbien), Esdauletov Ulugbek (Kasachstan), Dunya Mikhail (Irak/ USA), Ion Deaconescu (Rumänien), Andreas Neeser (Schweiz), Andriy Bondar (Ukraine), Philip Hammial (Australien). Mehr

31. Kabylischer Dichter und Radiomacher gestorben

Der kabylische Radiomacher und Dichter Mohamed Benhanafi starb im Alter von 85 Jahren. Kabyle.com schreibt:

Die große Stimme des kabylischen Radio Mohamed Benhanafi verabschiedet sich und folgt unseren großen von uns gegangenen Künstlern. Das ist ein großer Verlust für unsere Kultur – noch einmal gesagt, unsere Bibliothek verliert tagtäglich Schatzkammern, die unsere Sprache bewahren konnten trotz Zensur und der Tiefschläge jener, die das Medienmonopol innehaben.

Mohamed Benhanafi, eigentlich Aït Tahar Mohamed, wurde 1927 im Dorf At-Sidi-Atmane geboren. Im Unabhängigkeitskrieg wirkte er als Kommisar in der Stadt Tiaret. Nach der Unabhängigkeit begann seine Rundfunkkarriere. Er schuf zahlreiche Sendungen. Mohamed Benhanafi ist auch ein bedeutender Dichter. Viele große Künstler sangen seine Texte. Er starb am 4.3.

44. Hervorbringung eines Genres aus der Interjektion

«Aïe! aïe!», gesprochen «Ayèye», das ist ein wohlgegründeter Schrei, der, indem er seine Energie aus der Lunge und seinen Schwung aus der Kehle nimmt, sich schreiend erhebt bis an die fernsten Horizonte der Zeit, des Raums und des Commonsense, die intime Botschaft des algerischen Beduinensangs.

Bevor ich auf die Volkspoesie, die Quasida, zu sprechen komme, hier gesungen von Cheïkh El hâdj Khelifi Ahmed und in einem Booklet transkribiert, zusammengestellt von Abdelkader Bendamèche, muß ich unterstreichen, daß jede unserer Regionen ihre eigene Seele hat, wie sie sich aus den Falten unserer Geschichte herausgebildet hat. Die Volksdichtung unseres Landes bietet Beispiele gesungener Poesie, bei der das artikulierte Wort durch eine der ersten Silben konstituiert wird, in welcher sich, sage ich, der Gemütszustand der algerischen Identität überträgt.

Die wiederholt vorgetragene Interjektion «aïe!» hat ein eigenes Genre hervorgebracht, die «ayèye», eine Art chanson de geste (Heldenlied), in dem der Dichter-Sänger seinen körperlichen oder seelischen Schmerz ausdrückt, aber auch seine Begeisterung für alles, was ihn in der göttlichen, menschlichen oder physischen Natur anzieht.

Ist das lyrische Poesie? Zweifellos. Ebenso zweifellos epische Poesie. Liebespoesie auch. Die Liebe ist hier von islamischer Mystik gefärbt, von Ritterschaft, Moral, Weisheit…, selten von Erotik.

Übrigens lasse ich mir nicht ausreden, daß das französische Epos – das mittelalterliche «Chanson de geste» – von den Dichtern der karolingischen Zeit seit Karl Martel, «dem Bezwinger der Sarrasins [Sarrazenen, in Wirklichkeit der «Mauren»]», wiederbelebt wurde. Zum Beispiel könnte es sein, daß Wesensmerkmale arabisch-andalusischer Erzählungen in vereinfachter Form das Rolandslied von 1080 angeregt haben. Der Dichter heißt Trouvère in Langue d’oïl oder Troubadour in Langue d’oc, Arabisch «târab ad-doûr» (Spieler eines runden Instruments, dem tambour [bendîr?]).

/ Kaddour M’HAMSADJI, L’Expression

ECH-CHEÏKH EL HÂDJ KHELIFI AHMED: HUIT CD DE POÉSIES POPULAIRES CHANTÉES (PUBLICATION CONÇUE ET RÉALISÉE PAR ABDELKADER BENDAMÈCHE)

32. Arabische Kulturrevolution

‘Hast du jemals davon geträumt, dass die einfachen Leute auf die Straße gehen und “nein” sagen könnten?’ Der aus dem Irak Saddam Husseins geflohene, heute in Deutschland lebende Schriftsteller und Lyriker Abbas Khider – Verfasser des Romans ‘Der falsche Inder’ (Edition Nautilus) – stellte diese Frage seiner ägyptischen Kollegin Mansura Eseddin bei den Arabischen Literaturtagen an diesem Wochenende in Frankfurt.  …

Auffällig an diesen Literaturtagen war, in welchem Maße schreibende Frauen diskursbestimmend waren. Man ahnt im Gegenzug die Krise der patriarchalischen arabisch-männlichen Identitäten. Vielleicht sind ja die Frauen das Subjekt einer arabischen Kulturrevolution, die bereits im Gange ist und auch keines Voltaire mehr bedarf, dessen Fehlen Boualem Sansal beklagte. Wenn das kein ‘arabischer Traum’ ist, wie jener, von dem Abbas Khider in Frankfurt als ‘von einer neuen Art Liebe’ sprach. Das wäre dann auch Politik und erst recht Literatur. / VOLKER BREIDECKER, Süddeutsche Zeitung 23.1.

89. Friedenspreis für Ben Jelloun

Der marokkanische Schriftsteller Tahar Ben Jelloun wird mit dem  mit 25.000 Euro dotierten Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis ausgezeichnet. Das Werk des 1944 geborenen Autors stehe im Zeichen der Toleranz und der Integration. Sein jüngster Band “Arabischer Frühling” beschäftige sich mit den Ursachen und Folgen der Demokratiebewegung, sagte am Mittwoch der Vorsitzende der Jury, der Osnabrücker Universitätspräsident Prof. Claus Rollinger.

Damit geht – als Signal an die Demokratiebewegungen in Nordafrika – erneut ein wichtiger Preis an einen nordafrikanischen Autor. Erst vor wenigen Tagen hatte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bekanntgegeben, dass der algerische Autor Boualem Sansai mit dem diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wird. “Beide Jurys haben anscheinend das gleiche Bedürfnis gehabt”, sagte Rollinger. / Der Standard

50. Rabindranath Tagore zum 150.

In diesem Jahr wird weltweit der 150ste Geburtstag von einem der größten Söhne Indiens gefeiert, nämlich von Rabindranath Tagore. In Deutschland fanden bereits viele Veranstaltungen zur Erinnerung an das Leben und Wirken von Tagore statt. Es ist mir eine große Ehre dass die Veranstalter der Indien-Woche Köln mich geeignet hielten, heute über Tagore eine Festrede zu halten. Hierfür danke ich ihnen von ganzem Herzen. / Jose Punnamparambil, Neue Rheinische Zeitung

145. 9. Festival der Amazigh-Lyrik in Aït Smaïl (Béjaïa)

Dichter aus verschiedenen “berberophonen” Regionen Algeriens trafen sich am letzten Wochenende zum 9. Festival der Berberpoesie, das dem Andenken an den Schriftsteller Mouloud Mammeri gewidmet war.

Zum Abschluß des Festivals wurden Preise für die besten Gedichte verliehen, die von einer Wissenschaftlerjury ausgewählt wurden. Der erste Preis ging an den jungen Dichter Ibri Hamid aus Aïn El Hammam (Tizi Ouzou). Preise gingen auch an Gedichte, die in anderen Varianten der Berbersprache vorgetragen wurden, wie in Zenati Ouargli und Chaoui. / Hakim Kebir, El Watan 29.3.

Amazigh (Plural Imazighen) ist laut deutschsprachiger Wikipedia “eine Fremdbezeichnung für eine Reihe von Ethnien in Nordafrika westlich des Nils, also in den Ländern des Maghreb, die eine Berbersprache sprechen”. Aber vermutlich hat die englischsprachige Version eher Recht, die sagt, daß sich die von Fremden “Berber” genannten Völker selber Amazigh nennen und ihre Sprache Tamazight, nach dem Berberwort für “die Freien”. Zu den Berberstämmen gehören u.a. Tuareg, Kabylen und Chleuh. Das Wort Berber wird entweder vom Lateinischen “Barbar” oder vom Arabischen abgeleitet. In Algerien sind (oder waren?) die Berber einer massiven Arabisierung ausgesetzt. Die Zahl der weltberühmten Berber ist Legion, sie reicht vom Heiligen Augustinus bis zum Fußballstar Zidane.