Lyrikzeitung & Poetry News

3. Mai 2012

10. 13. poesiefestival berlin

Einige der klangvollsten Stimmen der internationalen Gegenwartslyrik kommen vom 1. – 9. Juni zum 13. poesiefestival berlin der Literaturwerkstatt Berlin. Mit dabei sind u.a. Ken Bastock (Kanada), Horácio Costa (Brasilien), Ngwatilo Mawiyoo (Kenia), Abdelwahab Meddeb (Tunesien/Frankreich), Michael Palmer (USA) Hama Tuma (Äthiopien), JUN Yan (China), Fatima Naoot (Ägypten).

Zum diesjährigen Übersetzungsworkshop VERSschmuggel treffen Dichter aus Brasilien auf ihre deutschsprachigen Kollegen und übersetzten sich gegenseitig. Lyrikline.org nutzt die Gelegenheit, um mit einigen Autoren ins Studio zu gehen und sie für die Webseite aufzunehmen.

Während des Festivals treffen sich zudem die internationalen Partner von lyrikline.org. Das Treffen bietet ein Forum für den Ideen- und Erfahrungsaustausch, für die Diskussion von Problemen und Perspektiven, und es dient der stärkeren Vernetzung über Ländergrenzen hinweg.

Weitere Informationen unter www.poesiefestival.org

9. Februar 2012

32. Arabische Kulturrevolution

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‘Hast du jemals davon geträumt, dass die einfachen Leute auf die Straße gehen und “nein” sagen könnten?’ Der aus dem Irak Saddam Husseins geflohene, heute in Deutschland lebende Schriftsteller und Lyriker Abbas Khider – Verfasser des Romans ‘Der falsche Inder’ (Edition Nautilus) – stellte diese Frage seiner ägyptischen Kollegin Mansura Eseddin bei den Arabischen Literaturtagen an diesem Wochenende in Frankfurt.  …

Auffällig an diesen Literaturtagen war, in welchem Maße schreibende Frauen diskursbestimmend waren. Man ahnt im Gegenzug die Krise der patriarchalischen arabisch-männlichen Identitäten. Vielleicht sind ja die Frauen das Subjekt einer arabischen Kulturrevolution, die bereits im Gange ist und auch keines Voltaire mehr bedarf, dessen Fehlen Boualem Sansal beklagte. Wenn das kein ‘arabischer Traum’ ist, wie jener, von dem Abbas Khider in Frankfurt als ‘von einer neuen Art Liebe’ sprach. Das wäre dann auch Politik und erst recht Literatur. / VOLKER BREIDECKER, Süddeutsche Zeitung 23.1.

8. Februar 2012

26. Islam Erwache

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Der “Islamische Revolutionsführer” Ayatollah Seyyed Ali Khamenei betonte die wichtige Rolle der Literatur im “Islamischen Erwachen”.

Er sprach am Montag in Teheran bei einem Treffen mit iranischen und ausländischen Literaten beim “Internationalen Kongreß für die Literatur des Islam ischen Erwachens”.

Er forderte die literarischen Figuren der islamischen Länder auf, Gedichte zu schreiben, die die “Erhebung des Islamischen Erwachens” beförderten.

An dem Treffen nahmen Gäste aus Tunesien, Ägypten, Libanon, Bahrain und mehreren anderen Ländern teil und lasen Gedichte zu Ehren des Propheten Mohammed, des “Islamischen Erwachens” und des 33. Jahrestages der Islamischen Revolution. / Tehran Times

5. Oktober 2011

19. Warum lesen die Ägypter keine Gedichte mehr?

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Am 24.9. feierten ägyptische Dichter den World Poetry Movement Day mit Lesungen überall in Kairo. Wie üblich blieben die Besucherzahlen klein. Man fragt sich: warum haben die Leute aufgehört, Lyrik zu lesen, und kann die ägyptische Revolution ihr das Publikum wiederbringen?

4 ägyptische Dichter sagen ihre Meinung bei al-Masry al-Youm.

Ibrahim Dawood sagt: “Es macht mich froh, wenn der Leser sich anstrengt, um Kenntnis zu erlangen, statt die typischen Arbeiten zu lesen, die ihn mit einfachen Antworten abspeisen. Dichter, die es darauf anlegen, den Lesern zu gefallen, schaden der Lyrik.” Sallem Al-Shahbany erwartet, daß die Revolution zu mehr Experimenten in der Lyrik führt.

Weitere Beiträge von Amin Haddad und Ashraf Youssef.

Über die Autoren wird gesagt: Ibrahim Dawood gehört zu den prominentesten free-verse-Autoren, Amin Haddad gehört ebenfalls zur Generation der 80er Jahre und verwendet Umgangssprache. Seine Gedichte seien meist politisch, einfach und doch tief, und er trägt sie gern zur Laute vor. Ashraf Youssef schreibt freie Verse in modernem Standard-Arabisch. Er experimentiert gern mit der Sprache und baut Sufisentenzen in seine Gedichte ein. Sallem Al-Shahbany schreibt in Umgangssprache mit ägyptischem Dialekt und orientiert sich an Folklore und Kinderliedern. / Ola El-Saket

29. September 2011

135. Widersprüchliche Berichte

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„Wir haben schon gewonnen.  Es fragt sich nur, wie viel,“ sagt der tunesische Internetaktivist Slim Amamou, der nach dem Sturz des alten Regimes für 5 Monate Staatssekretär in der Übergangsregierung war.

„Heute ist die Zensur weitestgehend aufgehoben“, sagte er. Das Agence Tunisienne d’Internet (ATI), die oberste Zensurbehörde, habe Berufung gegen alle Zensurbestrebungen eingelegt und einen Wandel zu einer Behörde vollzogen, die nun die Freiheit des Internets verteidige.

Nun ehrte ihn die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin mit dem Menschenrechtspreis.

Schlechtere Nachrichten aus Ägypten:

„Im Moment geht es wieder abwärts. Es gibt Verbote, Zensuren, die Talkshows im Fernsehen scheinen gesteuert und Journalisten werden verhaftet und gefoltert.“ Im September 2011 wurde etwa die Redaktion des Fernsehsenders Al Dschasira in Kairo durchsucht und danach geschlossen. Die Repressionen der Militärjunta werden als Rückkehr in die Ära Mubaraks gewertet.

(…) „Der Protest ist noch im Gange. Die Menschen werden nicht mehr ihren Mund halten“, sagte Kassem.

/ Tagesspiegel 27.9.

Skeptisch ist dagegen der kürzlich mit dem Goethepreis geehrte Dichter Adonis. “Es gab keine arabische Revolution”, sagt er. Köpfe seien ausgetauscht worden, aber die Strukturen blieben. Der Nouvel Observateur sprach mit ihm.

Lang ist die Liste seiner auf Französisch vorliegenden Bücher:

Le regard d’Orphée
Adonis
Editions Fayard, 20,90 €

Mémoire du vent
Adonis
Gallimard, 8,46 €

Le livre
Adonis
Seuil, 23,75 €

La priere et l’epee
Adonis
Mercure de france, 18,83 €

Le temps des villes
Adonis
Mercure de france, 18,83 €

La forêt de l’amour en nous
Adonis
Mercure de france, 15,96 €

Introduction à la poétique arabe
Adonis
Sindbad-Actes Sud, 12,32 €

Identité inachevée et ouverte
Adonis
Rocher Eds Du, 10,93 €

Commencement des corps, fin de la mer
Adonis
Mercure de france, 13,30 €

Chronique des branches
Adonis
La Difference, 5,08 €

Chants de Mihyar le Damascène
Adonis
Gallimard, 9,98 €

Celebrations
Adonis
La Difference, 14,25 €

Tombeau pour New York Prologue à l’histoire des tâ’ifa Ceci est mon nom
Adonis
Sindbad-Actes Sud, 10,00 €

16. September 2011

83. Revolution gegen Moderne

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Ein Glück, dass die ägyptische Revolution auch die Literatur der Moderne hinweggefegt hat. Die neuen Autoren wollen vor allem leicht und geerdet sein

meint Hamdy Abou Golayyel im Freitag:

Tatsächlich äußerte sich die oppositionelle Haltung der Moderne gegenüber den totalitären Regimes nie als Widerspruch, sondern allenfalls als Einspruch von Anhängern derselben Ideologie. Adonis, der große syrische, im Exil lebende Dichter der Moderne, schrieb: „Es kam ein schöner Sturm, aber die schöne Verwüstung blieb aus.“ Im Klartext – die Dichtung der Moderne muss ja immer erklärt werden – bezieht sich der „schöne Sturm“ auf die Befreiungsbewegung, die wiederum die Diktatur brachte, während die „schöne Verwüstung“, die alles auslöscht, auf sich warten lässt. Vergleicht man nun die Äußerungen von Adonis als berühmter Persönlichkeit der Moderne und die Äußerungen von Gamal Abdel Nasser als berühmter Persönlichkeit der Befreiungsbewegung, so lässt sich in den Ansichten über Modernisierung, Entwicklung und „Ausradieren“ der alten Zeiten, eine Ähnlichkeit, ja beinahe sogar schon eine Deckungsgleichheit feststellen.

Die Moderne war, wegen der Komplexität und Rätselhaftigkeit ihrer mit Bildern überladenen, fast schon karikaturistisch überzeichneten Sprache, ein Unglücksfall für die ägyptische und arabische Literaturgeschichte. (…)

Am schlimmsten war offenbar die ägyptische Lyrik betroffen, während der Roman weitestgehend verschont geblieben war. Zwischen den Gedichten von Osama al-Danasoury, den ich und viele andere auch für den Autor „neuer“ ägyptischer Literatur schlechthin halten, und den Gedichten gekrönter Häupter der arabischen Moderne wie Adonis, oder der ägyptischen Moderne wie Mohammed Afifi Matar, besteht ein gewaltiger Unterschied, allein schon in Bezug auf Sprache, Thematik und Haltung des Autors. Auf der einen Seite die Modernisten, leuchtendes Beispiel für den wortgewandten, gewissenhaften, gut informierten und gerechten Dichter, der sich, jederzeit gesprächsbereit, für die gesamte Nation einsetzt. Auf der anderen Seite Osama al-Danasoury, ein ganz normaler Mensch, der mit sprachlicher Schlichtheit und Leichtigkeit ausführlich Sorgen und Nöte beschreibt, die die finster dreinblickenden Herren Modernisten als banal, ja geradezu belanglos abgetan hätten.

3. September 2011

8. Falscher Zeitpunkt

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Ungeachtet der Proteste, die Äußerungen von Adonis zur Lage in Syrien in der arabischen Welt verursacht hatten, erhielt der 1930 in der Nähe der Küstenstadt Latakia geborene Dichter am vergangenen Sonntag den Frankfurter Goethe-Preis – einer von vielen arabischen Literaten, die mit dem demokratischen Aufbruch in ihrer Weltregion ausgezeichnet werden. Neben dem Goethe-Preis für Adonis ist im September der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis in Osnabrück für Tahar Ben Jelloun zu verzeichnen, im Oktober der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Boualem Sansal und im November der Hermann-Kesten-Preis für den ägyptischen Verleger Mohammed Hashim. Fehlt nur noch der Literaturnobelpreis. Auch dafür ist Adonis ein Kandidat.

Als Dichter und Vorreiter der literarischen Moderne in der arabischen Welt hätte er ihn zweifellos verdient – ist aber das Jahr 2011 der beste Zeitpunkt dafür? …

Der entscheidende Unterschied zwischen Adonis und den säkular und emanzipatorisch orientierten Kräften in Nordafrika ist nicht inhaltlicher Natur, sondern beruht auf einem irritierenden Timing. Adonis äußert seine Vorbehalte gegen die Protestierenden, während diese erschossen und eingeschüchtert werden, bevor sie ihre Ansichten überhaupt richtig äußern können. Und es mutet eigenartig an, die Verbesserung der Verhältnisse nicht mit der Abschaffung des ersten und offensichtlichsten Übels beginnen zu wollen, nämlich der Diktatur, sondern sie an Bedingungen zu knüpfen und den Unterdrückten zunächst einmal die rechte, und das heißt in diesem Fall die westlich-laizistische Gesinnung, vorschreiben zu wollen.

Diese herablassende Skepsis gegenüber den Revolutionen ist aber nicht nur die von Adonis und anderen abgehobenen, sich in Maximalforderungen gefallenden Intellektuellen, sondern sie ist auch in Europa weit verbreitet, ja sie bildete bis weit in den arabischen Frühling hinein die Grundlage der offiziellen westlichen Politik. / Stefan Weidner, Süddeutsche Zeitung 29.8.

26. Juli 2011

103. Tchicaya U Tam’si-Preis

Seit 1990 vergibt das Afro-arabische Kulturforum in Assilah (Marokko) in jedem zweiten Jahr einen nach den kongolesischen Dichter Tchicaya U Tam’si (1931 – 1988) benannten Literaturpreis.  In diesem Jahr erhielt ihn der marokkanische Autor und Übersetzer Mehdi Akhrif und die senegalesische Autorin Fama Diagne Sene.

Mehdi Akhrif veröffentlichte seit 1979 Lyrik und Prosa und übersetzte u.a. Fernando Pessoa. Fama Diagne Sene, Direktorin der zentralen Universitätsbibliothek in Bambey (Senegal) veröffentlichte Lyrik, Novellen, Kindergeschichten, Romane und Dramen. Sie erhielt 1997 den  Grand Prix du Sénégal pour les Lettres und 2003 den Prix de la Poésie in Genf.

Der Preis wurde bisher u.a. an Edward J. Maunick (Insel Mauritius), René Depestre (Haïti), Ahmed Abdel Mo’ti Higazi (Ägypten) und Niyi Osundare (Nigeria) vergeben. Die Jury wird von dem senegalesischen Schriftsteller Alioune Badara Bey geleitet, der auch Präsident des senegalesischen Schriftstellerverbands ist. / El Watan 26.7.

20. Juli 2011

81. Ausländer unerwünscht?

Auch Ägypten hat ein Problem mit im Land geborenen “Ausländern”:

Der ägyptische General Hassan al-Rowini, Mitglied des SCAF (Supreme Council of the Armed Forces, Arabisch المجلس الأعلى للقوات المسلحة‎), hat Verärgerung bei ägyptischen Intellektuellen ausgelöst mit einer Bemerkung über den palästinensischen Dichter Tamim al-Barghuti. Der General sagte in einer Fernsehsendung, Ausländer wie Barghuti sollten nicht über ägyptische Angelegenheiten sprechen. Er wundere sich, daß ein junger Mann mit “komischem Akzent und unägyptischen Gesichtszügen” Fragen der nationalen Sicherheit diskutiere. Ägypten mit seinen 86 Millionen Menschen warte nicht auf einen Palstinenser, um die Politik des Landes zu bestimmen. Schriftsteller wie Bahaa Taher, Sonallah Ibrahim, Ahmed Fuad Negm und Abdel Rahman al-Abnudi verurteilten die Erklärung des Generals als diskriminierend und wiesen darauf hin, daß alle Araber und alle Menschen gleich seien

Tamims Gedichte wurden wiederholt während der Revolution auf dem Tahrirplatz vorgetragen und gesungen. Er wurde 1977 in Kairo als Kind des palästinensischen Dichters Murid al-Barghuti und der ägyptischen Romanautorin Radwa Ashur geboren und studierte in Kairo und Boston. 1999 besuchte er Palästina zum erstenmal, um seine Sammlung “Mijana”, Gedichte in palästinensischem Dialekt, vorzustellen. / Ola El-Saket, Al-Masry al-youm

27. Juni 2011

132. Arabische Lyrik beim poesiefestival

Einsortiert unter: Arabisch, Ägypten, Palästina, Tunesien — Schlagworte: , , , , , , — lyrikzeitung @ 09:14

Schnelle Veränderungen erwartet Hint Shoufani nicht, solange es an demokratischer Gesinnung mangelt. Die Palästinenserin, Jahrgang 1978, gehört zu den schillerndsten Figuren der arabischen Frauenliteratur, ihre Themen sind: „Tod, Politik und Sex“.

Aus ihren englischen Gedichten spricht Pessimismus, aber auch eine kraftvolle Sinnlichkeit, die sich in assoziativen Wortketten den Weg bahnt. …

Aggressiven Rap zu hämmernden Hip-Hop-Beats schmettert der 22-jährige Tunesier El Général. Seine Protesthymne „Rais Lebled“ (Chef meines Landes) ist eine direkte Aussprache mit Staatschef Ben Ali. Über Facebook fand das zensierte Video seinen Weg in die Welt, mittlerweile gilt es als Auslöser für den Sturz des Kleptokraten. Die provokative Diktatoren-Konfrontation sucht auch die junge Ägypterin Hend Hammam. Ihr Gedicht „Brief an den Präsidenten der Republik“ formuliert eine in rhythmischen Reimversen verfasste Anklage gegen Hosni Mubarak: scharfzüngig, in einfachem Umgangsarabisch. Mit ihrem Landsmann Deeb teilt sie ein zentrales Anliegen: die Demokratisierung in der Kunst antizipieren, durch den Gebrauch des landeseigenen Dialekts, der noch die untersten Schichten erreicht. / Martin Ernst, Tagesspiegel

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