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47. “Broder ist böse zu uns”

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Die Debatte um ein spätes Gedicht von Günter Grass bringt auch einiges Gute zutage. Soviel Beschäftigung mit Lyrik war nie, sagen wir fast nie. Soviel Debatte um Antisemitismus ist auch selten. Zwar wird nicht unbedingt genaues Hinsehen und Unterscheiden gefördert, dafür Glaubensstärke und Gefühl. Die Beiträge der professionellen Schreiber sind genauso aufschlußreich (so man Aufschluß sucht) wie die der fälschlich oft “schweigende Mehrheit” Genannten. Ein Leser schreibt:

Entschuldigung, aber Marcel Reich-Ranicki sollte sich das Gedicht vielleicht nochmals in aller Ruhe durchlesen und mit den negativen und diskriminierenden Wörtern “ekelhaft” und “wertlos” etwas vorsichtiger umgehen.

Günter Grass bezeichnet die Iraner als unterjochtes Volk und ich halte diese Einschätzung nicht für “wertlos”, sondern für ebenso richtig wie wichtig. Gedichte sind wie Meditationen, man muss sie einwirken lassen und verinnerlichen und sollte sich erst dann zu Wort melden, wenn man sie nicht nur mit dem Intellekt verstanden, sondern auch mit dem Herzen gefühlt hat.

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Ich empfehle auch diesen Beitrag im Freitag

Magnus Klaue: Locker vom Lyrikhocker

mit Einschluß der Leserdebatte, an der man sieht, daß es eng wird für die Redaktion, wenn sie sich zu weit von ihrer straff blogorganisierten Leserschaft entfernt. Ein paar Splitter:

Als Nicht-Germanist erlaube ich mir, Herrn Klaue – und ihm nur stellvertretend für die freitag-Kulturredaktion – zuzurufen: Schuster, bleibt bei euren Leisten!!! Lasst bitte auch im Kulturbereich nur dann Menschen zu politischen Themen schreiben, wenn diese wenigstens zwei Zoll Tiefgang in der Sache haben! … Liebe Kulturredaktion, es ist euer gutes Recht, anderer Meinung als G. Grass zu sein, aber ich muss doch sehr bitten, die Auseinandersetzung mit Ernsthaftigkeit und an Fakten orientiert zu führen. Ich bin jedenfalls kein freitags-Abonnent, um mir den gleichen dünnen Quark (siehe auch O. Guez “Der lange Schatten der Shoah”) reinzufahren, den auch Vulgär-Journalisten von Springer und Konsorten verzapfen!

– – –

Jetzt Frage ich mich: Was kann man als Bürger für einer Verbesserung dieser unhaltbaren Zustände tun? Vielleicht eine Petition einreichen: Mehr Bildung für Journalisten und Medienakteure?

– – –

Jetzt wende ich mich an diese Zeitung, an diese Redaktion:

Der Freitag hat jetzt schon eine ganze lange Reihe von Texten veröffentlicht, die in dieses Horn stoßen – wofür steht diese Zeitung?

Hier ein mehr strategischer Beitrag von einem Aktivisten, der in seiner Community (FC steht offenbar für Freitag Community) als ebenso literatur– wie politikwissenschaftlicher Fachmann anerkannt wird:

Mit dem Ausdruck “in den Focus nehmen” meinte ich, dass Broder eine echten publizistischen Angriff auf den Freitag startete, der wirklich gefährlich wäre. Davon kann bisher keine Rede sein, dazu ist Broder gar nicht in der Lage. Sobald tatsächlich irgend ein Idiot irgendetwas wirklich gefährlich Dusseliges in den freitag-Blog schriebe, könnte die Redaktion das gar nicht so schnell löschen, dass es nicht irgendein anderer Idiot, als “Verlautbarung des Freitag” irgendwo anders publizierte, womit es unlöschbar im Internet verankert wäre. Dieses Risiko geht der Freitag von Anfang an ein, er weiß das, aber er weiß auch, dass ernsthafte Leute daraus keine falschen Schlüsse im Sinne z.B. der während der Grote-Diskussion formulierten Vorstellungen ziehen würden. Die on- und offline-Leserschaft des Freitag ist m.E. zu homogen, als dass solche Angriffe das zerstören könnten. Schließlich wurde soetwas bisher in mehreren Wellen immer wieder, aber erfolglos versucht. Dass in der FC bei ein paar Wirrköpfen so getan wird, als punkte Broder irgendwo, wo er nicht sowieso verankert sei, liegt nur daran, dass sie mit ihm einer Meinung sind, denn zu glauben, dass eine Mitteilung aus der Redaktion des Tenors “Broder ist böse zu uns” irgend eine wünschbare Wirkung entfaltete, könnte nur naiv genannt werden.


2 Kommentare

  1. julius wand sagt:

    ich finde den beitrag von herrn klaue SEHR problematisch, da er wie eine schlechte hausarbeit, sehr roh und unreflektiert über politische lyrik spricht, der autor hat keine ahnung und macht ein großes thema auf. da lässt sich hinterher leicht dagegen hauen. ich frage mich, wie so eine praktikanten/studenten-schreibe in
    den freitag kommt. sehr schade.

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  2. lyrikzeitung sagt:

    eine diskussion, was in den freitag gehört, sollten sie beim freitag führen. und dort wird sie ja auch geführt. diskussion kann man sie aber nicht nennen, weil sie völlig argumentfrei geführt wird. auch sie reihen einfach mehrere “starke” behauptungen ohne den geringsten versuch einer beweisführung. er ist problematisch weil er sehr schlecht, roh und ahnungslos ist und überhaupt wie ein student schreibt? wovon SIE ahnung haben, läßt ihr kommentar an keiner stelle gucken. klaue hat andere meinungen als sie, aber vor allem argumentiert er. (es gibt übrigens sehr gute studentenarbeiten. wenn sie so dürftig wären wie die meisten communitybeiträge, hätten sie an der uni keine chance. im freitag übrigens zum glück auch nicht, sonst lohnte es nicht ihn zu lesen). – wenn ein student mitliest: communitybeiträge wäre ein interessantes thema ebenso in sprach- wie literatur- oder politikwissenschaftlicher hinsicht).

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