Startseite » 2012 » März » 30

Archiv für den Tag 30. März 2012

Im Netz seit 1.1.2001

134. Wort und Leben

What kind of beast would turn its life into words?
What atonement is this all about?
–and yet, writing words like these, I’m also living.

Adrienne Rich (1929-2012) aus: Love Poem VII (hier ganz)

133. Adrienne Rich gestorben

Die amerikanische Lyrikerin Adrienne Rich starb am Dienstag im Alter von 82 Jahren. The New Yorker schreibt:

Ihre Stimme wird seit drei Generationen gehört. Von ihrem 1963 veröffentlichten Gedicht “Snapshots of a Daughter-in-Law”, einer modernistischen Collage, die leichtfertige Aussagen über das Leben von Frauen bei Horaz, Diderot, Eliot und Shakespeare in dichte, wütende Strophen über häusliche Gefangenhaltung umformt (“Dolce* ridens, dulce loquens / she shaves her legs until they gleam / like petrified mammoth-tusk”) [süß lachend, süß redend / rasiert sie ihre Beine bis sie glänzen / wie versteinerter Mammutstoßzahn] bis zu ihren umfangreichen späten Gedichten, die die Liebe zwischen zwei Frauen behandeln, weitete sie kontinuierlich Kategorien weiblicher Identität aus. Sie war eine Entdeckerin, “tauchend ins Wrack”, so der Titel eines ihrer bekanntesten Gedichte, um uns dabei zu helfen, das zu finden, was nackt und unbeschwert in uns selbst schlummert: “das Wrack und nicht die Geschichte vom Wrack / das Ding selbst und nicht die Mythe.”

Auf der Website Links zu Gedichten, die sie zwischen 1953 und 1958 in der Zeitschrift veröffentlichte.

*) offensichtlich Tippfehler für dulce

Die Schaffung einer Gesellschaft ohne Herrschaft: So lautete das Ziel einer der größten Feministinnen unserer Zeit. Ihr Mittel: Die Poesie. / Süddeutsche Zeitung

Weitere Nachrufe: die Standard (“Ich schreibe als Frau, als Lesbe und als Feministin”) / NZZ / Washington Post / Los Angeles Times / Guardian

132. Bezahlungsmodell

Doch alles spricht dafür, dass sich in der aufziehenden Spotify-Simfy-Google-Ära ein pauschales Bezahlungsmodell durchsetzen wird – egal ob man das jetzt Geräteabgabe, Kultur-Flatrate oder anders nennt. Vielleicht sollten sich alle, denen es ernst ist mit der fairen Bezahlung der Künstler, noch einmal mit einem Projekt des Max-Planck-Instituts für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht befassen. Fünf Rechtswissenschaftler haben in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre dort den Ansatz verfolgt, dass Künstler immer angemessen bezahlt werden sollen – egal, ob sich das Werk vermarkten lässt oder nicht. Als die Forscher im Jahr 2000 der damaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin den Entwurf zu einem geänderten Urhebervertragsrecht vorlegten, war sie bereit, einen entsprechenden Gesetzesentwurf zu verabschieden. Der Juraprofessor Karl-Nikolaus Pfeifer, der dem Magazin brandeins in der Dezember-Ausgabe davon erzählte, verschwieg auch nicht das traurige Ende dieser Initiative: ‘Die Buchverlage haben einen Sturm der Empörung entfacht. Sie wollten die Beteiligung der Urheber unverändert lassen, sie also nur eventuell im Erfolgsfall beteiligen. Wenn sie selbst kein Geschäft machten, sollte der Autor auch nichts dafür bekommen können.’

Urheber und Verwerter haben mitnichten die gleichen Interessen und selten verhandeln sie auf Augenhöhe.  / Jürgen Ziemer, Süddeutsche Zeitung 20.3.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 286 Followern an