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Archiv für den Tag 17. Oktober 2011

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73. Open Mike – Die Termine

Das Mikro ist offen: 15 Minuten beim open mike

Für 23 junge Autoren entscheiden beim open mike 15 Minuten über den Erfolg. Ausgewählt aus über 700 Einsendungen, ist für sie beim Finale am 5. und 6. November in der Wabe in Berlin 15 Minuten das Mikro geöffnet, um Jury und Publikum von ihren Texten zu überzeugen und die versammelte literarische Welt auf sich aufmerksam zu machen. Drei Preise können die Juroren Felicitas Hoppe, Tilman Rammstedt und Kathrin Schmidt vergeben, einen für Lyrik. Insgesamt steht ein Preisgeld von 7500 EUR zur Verfügung. Dem Gewinner des Preises der taz-Publikumsjury winkt ein Textabdruck in der taz.

Der open mike bietet über den Wettbewerb hinaus mit Lesereise, Autoren-Workshop, Kolloquium und Schreibwerkstätten eine umfassende literarische Nachwuchsförderung.
Das Wettbewerbswochenende wird durch ein Rahmenprogramm ergänzt: Autoren und Wissenschaftler diskutieren am Vortag des Wettbewerbs in einem Kolloquium das Politische in der Literatur mit open mike-Teilnehmern der letzten Jahre. Am Vorabend stellen mit Konstantin Ames, Sebastian Polmans und Rabea Edel traditionell ehemalige open miker ihre neuen Bücher vor. Direkt nach dem Wettbewerb geht es für die Gewinner nach Frankfurt, Zürich und Wien, wo sie sich und ihre Texte der literarischen Öffentlichkeit vorstellen, begleitet von Juror Tilman Rammstedt. Beim Workshop im Februar 2012 kommen alle Finalisten noch mal zusammen und arbeiten in konzentrierter Atmosphäre mit Autoren und Lektoren an ihren Texten.
Auch für ganz junge Autoren gibt es ein Angebot: Kostenlose Prosa- und Lyrik- Schreibwerkstätten für junge Autoren von 16-23 Jahren bieten die ehemaligen open miker Tom Schulz in Berlin und Thomas von Steinaecker in Frankfurt am Main an, “open poems“ und „open writing“, beide starten in der Woche nach dem open mike.

Die Wettbewerbstexte des 19. open mike erscheinen als Anthologie im Allitera Verlag und sind ab dem 2.11.2011 in den Buchhandlungen Anakoluth, Prenzlauer Berg, und ebertundweber, Kreuzberg, erhältlich, danach im Buchhandel oder unter www.allitera.de.
Am 13.11.2011 um 0:05 Uhr sendet Deutschlandradio Kultur die Reportage „19. open mike“.

Der 19. open mike ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation in Zusammenarbeit mit der WABE und dem Allitera Verlag.

Termine

Freitag, 4.11.2011, 14 -18 Uhr
Kolloquium „Was macht einen Text politisch?“
– Nur auf Einladung -
Podium: Andres Veiel (Regisseur und Autor), Thomas Ernst (Literaturwissenschaftler), Tom Schulz (Autor), Katja Lange-Müller (Autorin)
Moderation: Ina Hartwig (Literaturkritikerin, Frankfurt)
Ort: Literaturwerkstatt Berlin, Knaackstr. 97/Kulturbrauerei, 10435 Berlin

Freitag, 4.11.2011, 20 Uhr
Leben und Schreiben nach dem open mike
In Lesung und Gespräch: Konstantin Ames (Berlin), Rabea Edel (Berlin), Sebastian Polmans (Niederkrüchten)
Moderation: Karin Heyl (Crespo Foundation, Frankfurt)
Ort: WABE , Danziger Str.101, 10405 Berlin, Eintritt 5 EUR/erm. 3 EUR

19. open mike – Internationaler Wettbewerb junger deutschsprachiger Prosa und Lyrik
Samstag, 5.11. 2011
ab 14 Uhr: Lesungen 19. open mike
Sonntag, 6.11. 2011
ab 12 Uhr: Lesungen 19. open mike
ca. 16.45 Uhr: Bekanntgabe der Preisträger des 19. open mike durch die Juroren Felicitas Hoppe, Kathrin Schmidt und Tilman Rammstedt
Ort: WABE , Danziger Str.101, 10405 Berlin, Eintritt frei

Lesereise der open mike-Preisträger 2011
Mittwoch, 9.11.11, 20 Uhr
Literaturhaus Zürich
mit Jurymitglied Tilman Rammstedt
Ort: Literaturhaus Zürich, Limmatquai 62, CH-8001 Zürich
www.literaturhaus.ch

Donnerstag, 10.11.11, 19 Uhr
Literaturhaus Wien
mit Jurymitglied Tilman Rammstedt
Ort: Literaturhaus Wien, Seidengasse 13, A-1070 Wien
www.literaturhaus.at

Freitag, 11.11.11, 20 Uhr
open mike@ orange peel
mit Jurymitglied Tilman Rammstedt
Ort: orange peel, Kaiserstraße 39, 60309 Frankfurt am Main
www.orange-peel.de

Die Lesereise zum 19. open mike ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Zürich, dem Literaturhaus Wien und Volltext im Rahmen der BUCHWIEN Lesefestwoche und text&beat@orangepeel.

Schreibwerkstätten

Ab 9.11. 2011
Open poems
Lyrik-Schreibwerkstatt für junge Dichter von 16–23 Jahren.
Leitung: Tom Schulz
open poems findet jeden zweiten Mittwoch statt, jeweils von 17:00 bis 18:30 Uhr.
Termine 2011: 9.11., 23.11., 7.12., 21.12.
Anmeldung erforderlich unter: mail@literaturwerkstatt.org
Ort: Literaturwerkstatt Berlin, Knaackstr. 97/Kulturbrauerei, 10435 Berlin

Ab 11.11.2011
Open writing
Prosa-Schreibwerkstatt für junge Autoren von 17 bis 23 Jahren.
Leitung: Thomas v. Steinaecker
Open writing findet an insgesamt neun Freitagen von 14 bis 18 Uhr statt, Termine und Infos unter: www.crespo-foundation.de
Bewerbung (2-5 Seiten Prosa und Lebenslauf) bis zum 11.10. an: Katrin Krampe, Crespo Foundation, Tel. 069 – 27 10 7950, katrin.krampe@crespo-foundation.de
Ort: Crespo Foundation, Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt

72. Ćišinski-Preis für Benedikt Dyrlich

Die Stiftung für das sorbische Volk verlieh Benedikt Dyrlich am vergangenen Samstag den Ćišinski-Preis 2011. Dyrlich habe „in und außerhalb der Lausitz, vor allem aber im slawischen Ausland“ für sorbische Lyrik geworben, begründet die Stiftung ihre Entscheidung. / vorwärts.de

71. Phlox existiert

vielleicht doch. Jedenfalls mehren sich die Anzeichen. Für den dradio Büchermarkt bespricht Hubert Winkels Valeri Scherstjanoi und (Ursula März) spricht über

“Helm aus Phlox” – ein poetologisches Gemeinschaftswerk

– Enno Stahl spricht mit Monika Rinck darüber. Nächste Woche wird man vielleicht weitersehn. Vgl. hier

  • Ann Cotten, Daniel Falb, Hendrick Jackson, Steffen Popp, Monika Rinck: Helm aus Phlox. Zur Theorie des schlechtesten Werkzeugs, Merve Verlag, 317 Seiten, 20 Euro.
  • Alexej Krutschonych: Phonetik des Theaters. Herausgegeben von Valeri Scherstjanoi. Verlag Reinecke & Voß, Leipzig 2011 120 Seiten, 10 Euro. ISBN 978-3-9813470-5-0
  • Valeri Scherstjanoi: Mein Futurismus, 160 S., Matthes & Seitz Berlin, Mai 2011, ISBN 978-3882216189

70. Authentisch

Der Begriff “authentisch” wird vornehmlich im Kontext der Quellenkritik verwendet. Ein in diesem Sinn unverfänglicher Gebrauch des Wortes liegt beispielsweise bei David Hume vor, dem vor 300 Jahren geborenen Philosophen, der sich 1775 mit der Echtheit der vermeintlich original-gälischen Ossian-Gedichte beschäftigte, die in der Lesewelt einen gewaltigen Eindruck hinterlassen hatten.

“Gerade die Art, in welcher es das Dokument der Öffentlichkeit präsentiert wird, schafft einen Vorbehalt gegen seine Authentizität … Man hätte doch erwarten können, dass der vorgebliche Sammler und Übersetzer der Öffentlichkeit mitgeteilt hätte: ‘Dieses Teil bekam ich von dieser Person, an diesem Ort; jenen anderen Teil von einer anderen Person. Ich korrigierte meine erste Fassung durch die Erzählung einer dritten … ‘ Durch eine solche Geschichte der allmählichen Entdeckungen hätte er dem Ganzen das Ansehen der Wahrscheinlichkeit gegeben.”

In dem Text über die Authentizität der Schriften Ossians scheinen zunächst zwei Zuschreibungen vorrangig: Ein Dokument unbekannter Herkunft wird nach Jahren wenn nicht Jahrhunderten “vorgefunden”, es ist plötzlich einfach “da”, im wörtlichen Sinne vorhanden, “zur Hand”. Zum andern wird gefragt, ob das Dokument echt und original sein kann. Zu der Positivität des Dokuments kommt eine Prüfung der Plausibilität. Kommen in dem Text vielleicht Sachen vor, welche der Datierung und Lokalisierung des alten Dokuments widersprechen?

Um dies zu überprüfen, sucht David Hume nach Anzeichen, die dafür sprechen, dass dieser Text nicht so alt sein kann, wie von ihm behauptet wird. Wenn sich das Personal in den gälischen Gedichten aus dem barbarischen 3. Jahrhundert so chevaleresk benimmt wie üblicherweise nur Ritter des 17. Jahrhunderts, dann kommen Zweifel auf. Wenn in dem unbekannten Bild eines Meisters Farben verwendet werden, die es zur behaupteten Zeit noch nicht gegeben haben kann, dann muss das Bild gefälscht sein. Am Schluss einer solchen einfachen Prüfung des Authentischen, mag sie nun für die Gedichte Ossians, die Schriften der Vorsokratiker, für Hitlers Tagebücher oder für überraschend aufgetauchte Bilder auf einer Auktion gelten, stehen klare Wertungen: Was vorliegt, ist Original oder Fälschung. / Versuch über das Authentische. Von Matthias Sträßner. DLF

Außerdem u.a.:

  • Drittens: Rilkes Torso. Das Authentische wird zum Archaischen.
  • Fünftens: Nacktkultur, Fidus und Birkenstock. Die Berufung des Authentischen auf Heidegger ist ein Übersetzungsproblem.
  • Sechstens: Blut und Wein in Ernst Jüngers Tagebuch oder: Warum authentische Tagebücher häufig besonders künstlich sind.

 

69. Böhmen am Meer

Das annähernd sechs Meter breite Ölgemälde “Böhmen liegt am Meer” von 1995 (…) ist seit der Eröffnung des Museums das Entreebild zu Sammlungspräsentationen wie zu monografischen und Themenschauen. Wie des Öfteren bei Kiefer ist der Bildtitel ein Zitat aus einem Gedicht von Ingeborg Bachmann. Die dunklen, rätselhaften Verse, Frucht eines Prag-Aufenthalts der Dichterin, sprechen von Verlust und Finden, von Prüfung, Hoffnung und Gnade. Die Symbolik des ans Meer versetzten Landes erscheint als Chiffre einer sowohl individuellen wie kollektiven, geschichtlichen Utopie: der Rettung aus abgründiger Verlorenheit. “Von Grund auf weiß ich jetzt, und ich bin unverloren.” Bei Kiefer deutet sich dieser utopische Gehalt in Wagenspuren an, die über ein kriegsversehrtes, aschfarbenes Feld zum Horizont führen. Wie eine Verheißung erhebt sich über der Horizontlinie in weicher Schreibschrift ein Schriftzug mit den vier Worten des Titels. Das Bild liest sich darin als Aufforderung zum Aufbruch. Böhmen liegt nicht dort, wo wir es vermuten. / Hans-Dieter Fronz, Badische Zeitung 17.10.

68. Endlos-Haiku

Seit 2002 schreibt der Schriftsteller und Theologe Franz Dodel an einem “Endlos-Gedicht” – unter dem Titel “Nicht bei Trost”. Im strengen Versmaß des Haiku – abwechselnd fünf und sieben Silben – strickt er sich jeden Tag ein paar Zeilen voran: “Ich schreibe diesen Text als / ob ich jemandem / die Füße pflegte: ohne / zu fragen wohin / er zu gehen gedenke”.

In “Motive” schildert Franz Dodel, einer der diesjährigen Gewinner des Berner Literaturpreises, welchen Trost er in der Non-Stop-Lyrik findet. / ORF

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