Startseite » 2011 » Oktober » 07

Archiv für den Tag 7. Oktober 2011

Im Netz seit 1.1.2001

33. Falbs Hybridstil

Es ist wohl einfach so, dass sich die wahren und entscheidenden Gründe für die Wirkung dieses Gedichts (und manch anderer) nicht ordentlich analytisch erfassen, beschreiben, benennen lassen, ein Sachverhalt, den Gerhard Falkner (im Nachwort zu Falbs Band „die räumung dieser parks“, 2003) sehr klar formuliert hat: Es ist „diese Klippe auf das Unverständliche hinaus, (der) echte Poesie ihre seltsam berauschende Wirkung verdankt“.

Natürlich stehen die Falbschen Biotope nicht völlig isoliert in der lyrischen Landschaft. In mancher Hinsicht ähnliche Gedichte schreibt der US-amerikanische Lyriker Ben Lerner (*1979, „The Lichtenberg Figures“, deutsche Ausgabe 2011). „Mein Hybridstil hat sich zu einem eigenen Genre entwickelt“, heißt es in einem seiner Gedichte- Das trifft zu, aber lange vor Lerner und Falb hat Gottfried Benn in seinem Buch „Doppelleben“ (1950) den „Stil der Zukunft“ als „Montagekunst“ bezeichnet  und beschrieben: „Nichts wird stofflich-psychologisch mehr verflochten, alles angeschlagen, nichts durchgeführt. Alles bleibt offen … Wenn der Mann danach ist, kann der erste Vers aus dem Kursbuch sein und der zweite eine Gesangbuchstrophe und der dritte ein Mikoschwitz und das Ganze ist doch ein Gedicht …“

Man sollte nicht argwöhnen, dass Gedichte, wie sie Benn vorausgesehen hat, Falb, Lerner und andere in unseren Tagen geschrieben haben, frei sind von jeglichem Ernst, jeder Aussage. Ernst und Aussage sind „disguised“ in diesen Gedichten, auf hinterhältige Art. „Ich wünschte, alle schwierigen Gedichte wären tief. / Hupen Sie, wenn Sie wünschten, alle schwierigen Gedichte wären tief“ (Ben Lerner). / Maximilian Zander über ein Gedicht von Daniel Falb, Fixpoetry

32. Klickkonzert

Wenn der Nobelpreisträger bekanntgegeben wird, müssen allerorten schnell Artikel her. Google wird befragt, und da es ein Lyriker ist, leitet Google an Lyrikseiten weiter. Die Aufrufzahlen verdoppelten, verdreifachten sich gestern gegenüber dem Durchschnitt auf über 1.800 und scheinen heute noch anzusteigen. (Na wenn’s der Wahrheitsfindung dient…).

31. bis der boden brot kotzt*

Mittwoch, 12.10.2011, 21 Uhr, Rumbalotte continua**:
floppy myriapoda – Subkommando für die freie Assoziation
Release Heft 18 zum Thema “Kinder, Küche, Knast”

Programm:
+ SARAHROTH will keine Kinder.
+ Kamil Majchrzak zerstört die Familie.
+ Clemens Schittko sagt “JA!” zum Nein.
+ Tom de Toys stiftet an zur Massenhysterie.
+ Bertram Reinecke toppt die Lebensmittelindutrie.
+ Die lebende Repetiermaschine Rex Joswig intoniert ein Gedicht von Kai Pohl.
+ Emmanuel Eni und Silvia Koerbl entdecken die Kochkünste des schwarzen Mannes in Europa.

Anschließend: Gepflegter Hangout mit DJ Caruso.

Eintritt frei.

+++

Heft 18 mit Beiträgen von (i. d. R. i. A.) Johann Heinrich, Tom Nisse, Kai Pohl, Anna Hoffmann, Rex Joswig, Scheiffele, Jonathan Pohl, Paul Günter Krohn, Emmanuel Eni, Julia Sohn-Nekrasov, Ann Cotten, Ernst Fuhrmann, Johannes Witek, SARAHROTH, Petra Coronato, Ernst-Jürgen Dreyer, Helmut Höge, Eberhard Loosch, Ronald Galenza, Anette Lang, Joachim Wendel, Clemens Schittko, Schwartz, HEL Toussaint, Ni Gudix, Martin Dakovic, Bernd Volkert, Andreas Paul, Kamil Majchrzak, Maria Zalinska, Niccolò Agnoli, Ralf S. Werder, Alex Galper, Andreas Hansen, Hans Horn, Jörg Burkhard, Siegfried Strauch, Arne Rautenberg, Robert Bosshard, Matthias Reichelt.

Sonderbeilage »lauter heiland« mit Beiträgen von (i. d. R. i. A.) Knobi, Alexander Krohn, Dagmar Schnürer, Capo D. Aster, Benedikt Maria Kramer, Ralf S. Werder, Alexander Heinich, Jörn Sack, Thomas Steiner, Otfried Rautenbach, Bernadette Grubner, »Matthias« BAADER Holst, Tom de Toys.

+++

* »bis der boden brot kotzt« ist eine Zeile aus dem Gedicht Heimat von Anna Hoffmann.

+++

** Rumbalotte continua, Metzer Str. 9, 10405 Berlin, www.rumbalotte-continua.de

+++

Den Flyer gibt es hier: http://www.floppymyriapoda.de

30. Reaktionen auf die Nobelpreisvergabe

Zitat des Tages bei der New York Times:

“He is to Sweden what Robert Frost was to America.”

JOHN FREEMAN, the editor of the literary magazine Granta, on Tomas Transtromer, who won the Nobel Prize in Literature.

FAZ / Harald Hartung meinen:

“Nah der Realität, doch nicht von dieser Welt”

Etwas überraschend titelt der Spiegel:

“Überraschende Auszeichnung”

(Die Wettbüros wissen es seit vielen Jahren besser, und das müßte auch schon im Spiegel gestanden haben)

Weitere Würdigungen: NZZ (Hans Jürgen Balmes) / Märkische Allgemeine (Karim Saab) / Die Presse /

Peinlich:

Riesenpanne im serbischen Staatsfernsehen: Der Sender RTS hat den Literaturnobelpreis zeitweise fälschlich Dobrica Cosic, dem serbischen Nationaldichter und jugoslawischen Ex-Präsidenten zuerkannt. RTS entschuldigte sich am Nachmittag bei seinen Zuschauern und auch bei dem 89-Jährigen, dass dieser als diesjähriger Preisträger genannt wurde. …

Auch die Website des britischen “Guardian” war zunächst auf die Täuschung hereingefallen, hatte sich aber wenige Minuten später korrigiert. / Spiegel

Hier ein Brief in Nordamerika lebender Bosnier an das Nobelpreiskomitee vom Februar diesen Jahres, in dem es aufgefordert wird, den Preis nicht an Cosic zu vergeben, da er mitverantwortlich für serbische Kriegsverbrechen sei.

29. Magang-Ma-Mbuju Wisi

poetenladen.de hat eine Stele für den am 31.8. verstorbenen gabunischen Lyriker Magang-Ma-Mbuju Wisi veröffentlicht (s. Nachricht #69 vom vergangenen September).

28. Auskunft

Gibt es bestimmte Menschen, die Lyrik besonders mögen?

Thomas Anz: «Tendenziell sind es Leute, die etwas introvertiert sind. Sie suchen in der Lyrik ein Wiedererkennen eigener Probleme, die dort sehr dicht bearbeitet werden. Oder sie wollen eine Zeitstimmung wiedererkennen. Es ist eher ein Lesertypus, der nicht pragmatisch und realistisch ist, sondern nachdenklich und für Schönes aufgeschlossen. Andererseits gilt Lyrik einem breiten Publikum immer noch als die Literatur, die am meisten Literatur ist. Das merkt man daran, dass unglaublich viele Leute Gedichte schreiben, auch wenn diese oft ganz furchtbar schlecht sind.»

/ Der Marburger Literaturwissenschaftler Thomas Anz im Gespräch mit Doreen Fiedler, news.de / dpa

27. Lyrik-Geschichten, die das Leben schrieb

Im Fernsehen bei einem bekannten Moderator das Opfer eines Justizirrtums. Ein Lehrer wird von einer neuen Kollegin, die er erst zweimal kurz sprach und die ihn, nach einem Streit im Lehrerzimmer, in dem sie etwa 5 Minuten allein waren, beschuldigt, sie anal vergewaltigt zu haben. Er wird zu 5 Jahren Haft verurteilt und muß sie auch absitzen. Erst danach findet er einen Anwalt, der von seiner Unschuld überzeugt ist und erreicht, nach weiteren 5 Jahren, einen freilich arg verspäteten Freispruch, wegen erwiesener Unschuld.

Das Gericht, in erster Instanz, fragte sich nicht, wie, unter den Umständen, Analverkehr in weniger als 5 Minuten mit einer Frau, die sich wehrt, an einem nicht abgeschlossenen öffentlichen Ort möglich ist. Es störte sich auch nicht daran, daß die Frau 15 Minuten später in einem anderen Gebäude ganz normal Unterricht abhielt, wissen Sie zu welchem Thema? Das lyrische Ich, man denke, sagt das Fernsehn.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 284 Followern an