Lyrikzeitung & Poetry News

28. Februar 2011

131. Europa als Gedanke, Gewissheit und Realität

Einsortiert unter: Deutsch, Deutschland — Tags:, , , — lyrikzeitung @ 21:12

Geistige Gummibärchen … ist eine gelegentliche Kolumne zur Poesie des Medienspeak. Und wenn der Freiherr von und zu ein Medium ist, so könnte ich ihn stundenlang, hundertseitenlang zitieren. Ich verkneife mir das und schreibe mal ausnahmsweise etwas Eigenes hierhin. Zumindest nach meinem jetzigen Kenntnisstand:

Der europäische Bürger, mit argumentativen Begründungsversuchen für Entscheidungen auf EU-Ebene nicht eben verwöhnt, empfindet wenig eigene Betroffenheit und bringt daher auch nur ein geringes Engagement für den Prozess auf, dem er sich zunehmend als Objekt ausgesetzt sieht. Verschieben wir es doch auf Morgen. Froh zu sein, bedarf es wenig – ein Leben in Freiheit ist nicht leicht, und die Demokratie nicht vollkommen. Aber wir hatten es nie nötig, eine Mauer aufzubauen, um unsere Leute bei uns zu halten und sie daran zu hindern, woanders hinzugehen. Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt West-Berlin, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf, sagen zu können: Ich bin ein Berliner. Und das ist auch gut so. Sie liebt dich, auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt.

Europa als Gedanke, Gewissheit und Realität könnte, am Ende dieser Stufenleiter angelangt und auf dem Wege zur Tradition, zum Scheitelpunkt zwischen Konservatismus und Moderne werden, der weder die Option der Gradwanderung (sic!) noch die Gelegenheit der Verbindung jener Elemente auszuschließen vermag. Aber denk ich an Deutschland in der Nacht, haben andere Mütter auch schöne Söhne.

Vgl. auch hier, hier, hier und hier:

130. American Life in Poetry: Column 310

Einsortiert unter: Englisch, USA — Tags:, , — lyrikzeitung @ 20:16

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

A friend saw a refrigerator magnet that read, PARENTING: THE FIRST 40 YEARS ARE THE HARDEST. And lots of parents, thinking their children have moved on, discover one day that those children are back. Here Marilyn L. Taylor, Poet Laureate of Wisconsin, writes of that.

Home Again, Home Again

The children are back, the children are back—
They’ve come to take refuge, exhale and unpack;
The marriage has faltered, the job has gone bad,
Come open the door for them, Mother and Dad.

The city apartment is leaky and cold,
The landlord lascivious, greedy and old—
The mattress is lumpy, the oven’s encrusted,
The freezer, the fan, and the toilet have rusted.

The company caved, the boss went broke,
The job and the love affair, all up in smoke.
The anguish of loneliness comes as a shock—
O heart in the doldrums, O heart in hock.

And so they return with their piles of possessions,
Their terrified cats and their mournful expressions,
Reclaiming the bedrooms they had in their teens,
Clean towels, warm comforter, glass figurines.

Downstairs in the kitchen the father and mother
Don’t say a word, but they look at each other
As down from the hill comes Jill, comes Jack.
The children are back. The children are back.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2009 by Marilyn L. Taylor, whose most recent book of poetry is “Going Wrong,” Parallel Press, 2009. Poem reprinted from “Wisconsin Poets Laureate,” Marsh River Editions, 2009, by permission of Marilyn L. Taylor and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

 

129. Thomas-Kling-Poetikdozentur

Einsortiert unter: Deutsch, Deutschland — Tags:, , — lyrikzeitung @ 18:43

Zum Sommersemester 2011 richtet die Kunststiftung Nordrhein-Westfalen an der Universität Bonn eine
Thomas-Kling-Poetikdozentur ein, die vorerst für drei Jahre geplant ist. Erster Dozent wird der Kölner Autor und Übersetzer Stefan Weidner sein.

Vorgesehen ist, daß Schriftsteller und Übersetzer aus NRW für jeweils zwei Semester ein Stipendium erhalten, mit dem sie eigene Lehrveranstaltungen durchführen können. Die Auswahl der Dozenten wird von Vertretern der Stiftung und der Uni Bonn getroffen.

Mehr

128. Deutsche Geschichte

Einsortiert unter: Deutsch, Deutschland — Tags:, , , , — lyrikzeitung @ 11:03

Der junge Bernward Vesper (August Diehl) gründet schon als Literaturstudent einen eigenen Verlag, um die Blut- und Boden-Lyrik seines Vaters, eines glühenden Nazi-Verehrers, neu herausgeben zu können. An der Universität Tübingen lernt Bernward zwei bezaubernde junge Frauen kennen: Gudrun Ensslin (Lena Lauzemis) und deren Freundin Dörte. Gudrun und Bernhard teilen sich eine Wohnung, um gemeinsam den Verlag führen zu können. / Ulrike Mau, Die Welt

„Wer wenn nicht wir“ von Andres Veiel startet am 10. März bundesweit in den Kinos.

Will Vesper:

Dem Führer (März 1933)

So gelte denn wieder
Urväter Sitte:
Es steigt der Führer
aus Volkes Mitte.

(usw.)

 

27. Februar 2011

127. „Und der Text entschwebt“

Die zweisprachige deutsche Ausgabe bringt es auf 337 Seiten, sie dokumentiert ein einzigartiges Projekt: 27 renommierte deutsche Lyriker und Übersetzer folgten der Aufforderung des Wiesbadener luxbooks Verlags, Gedichte eigener Wahl zu übersetzen – sicherlich nicht zuletzt, weil Ashberys Texte wichtig waren für ihr eigenes Schreiben.

Mehrfachfassungen waren also von Beginn an ein Ziel. Mit sechs Varianten hält das Gedicht „Like a Photograph“ die Spitze. Und wer meint, dass zumindest der Titel immer nüchtern mit „Wie ein Foto“ wiedergegeben würde, irrt: „Einem Lichtbild gleich“ dichtet Jan Volker Röhnert und der Text entschwebt. / Gisela Trahms, Poetenladen

Im Januar 2011 Platz 1 der SWR-Bestenliste!

Eine Bestenliste, auf die immer wieder auch Lyrikbände kommen. Im Februar wieder zweimal Lyrik, darunter schon wieder einer von luxbooks:

Platz 6 (-) 32 Punkte
TADEUSZ DABROWSKI: Schwarzes Quadrat auf schwarzem Grund
Ausgewählte Gedichte. Zweisprachig Übersetzt von Andre Rudolph, Monika Rinck und Alexander Gumz.
Luxbooks Verlag
19,80 Euro
ISBN 3-939557-94-3
140 Seiten

Mittelschwere Lektüre

Der erste in Deutschland veröffentlichte Gedichtband des jungen polnischen Lyrikers Tadeusz Dabrowski: Lyrik der Sichtbarkeit, des Offensichtlichen, das poetische Geheimnis liegt auf der Oberfläche verborgen. Mit einem Nachwort von Michael Krüger.

Außerdem:

Platz 8-9 (-) 25 Punkte

PIERRE DE RONSARD: Amoren für Marie

Das zweite Buch der Amoren mit den Sonetten und Madrigalen für Astrée. Französisch – Deutsch. Übersetzt von Georg Holzer.
Elfenbein Verlag
24,00 Euro
ISBN 3-941184-05-9
278 Seiten

Mittelschwere Lektüre

Pierre de Ronsard ist einer der großen Dichter des 16. Jahrhunderts. Er hat das Französische literatur- und liebesfähig gemacht. Die von ihm lyrisch gepriesene, angebetete, manchmal störrische, manchmal bereitwillige Marie ist seine Geliebte, aber zugleich eine andere Frau: die früh verstorbene Geliebte von Heinrich III., der die Gedichte in Auftrag gegeben hat. Die Sprache der Liebe ist nie individuell.

 

126. Fußball-Lyriker

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Karlsruhe (hbl). Am letzten Tag der Ausstellung „Im Wildpark“, Sonntag, den 27. Februar, wird der Fußball-Lyriker Stan Lafleur aus seinen Werken vorlesen. /Boulevard Baden

125. Neuentdeckungen bei luxbooks

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Einige Monate geriet die «luxbooks»-Produktion ins Stocken, bis ein grosszügiger Spender die Fortsetzung der Arbeit ermöglichte. Für 2011 sind nun wieder zahlreiche Neuentdeckungen angekündigt, darunter die Débuts schriller experimenteller Stimmen (Dagmara Kraus, Simone Kornappel) und die Präsentation des jungen Amerikaners Ben Lerner, dessen eigenwillige Sonette in der Übersetzung von Steffen Popp bereits vor Erscheinen mit einem renommierten Poesiepreis aufgezeichnet wurden. Keine schlechten Aussichten also, um die Gegenwartslyrik aus ihrem oft bejammerten Minoritätenstatus herauszuführen. / Michael Braun, NZZ

124. René Char multimedial in München

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Am Ende schmort jede Szene doch im eigenen Saft. Dabei könnten Schnittstellen und gemeinsame Veranstaltungen unterschiedlicher Kunstformen den Horizont erweitern und sich dazu auf Traditionen berufen. Etwa angesichts der Gedichtsammlung ‘Le Marteau sans Maïtre’ von René Char: Da schuf Pablo Picasso 1945 die Radierungen für eine bibliophile Edition des französischen Dichters, während Pierre Boulez später drei der Texte seiner gleichnamigen Komposition zugrundelegte. / Michael Stallknecht, Süddeutsche 18.2.

 

123. Zwei Anthologien

Wie steht es um die deutschsprachige Lyrik der Gegenwart? Dass sie die derzeit spannendste Gattung ist, pfeifen die Spatzen von den Dächern, doch weiß man auch, dass die Leserschar für Lyrik nicht gerade groß ist. Zwei neue Lyrik-Anthologien stellen sich dieser Herausforderung auf ganz unterschiedliche Weise. …

Der Literaturkritiker Michael Braun und der Autor und Übersetzer Hans Thill verantworten im Heidelberger Verlag Das Wunderhorn einen Band mit dem programmatischen Titel „Lied aus reinem Nichts“. Er versammelt „Deutschsprachige Lyrik des 21. Jahrhunderts“, nimmt also eine willkürliche Zäsur zum Anlass, die „ästhetisch wagemutigsten Schreibverfahren und substantiellsten und eindringlichsten Versuche lyrischen Sprechens“ vorzuführen, wie es recht vage heißt. … Die hierarchiefreie Kommunikation von Motiven und Sprechweisen ist das erklärte Ziel dieser Sammlung, deren muntere Anarchie den Leser dazu einlädt, wie ein schnüffelnder Hund durch die Verse zu streunen.

Michael Braun/Hans Thill (Hg.): Lied aus reinem Nichts. Deutschsprachige Lyrik des 21. Jahrhunderts. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2010. 246 Seiten, 26,80 €.

„In diesem Land“ ist eine aufregende Mentalitätsgeschichte deutscher Befindlichkeiten, an der gerade der subjektive Blick fasziniert. Die meisten Gedichte beziehen sich gar nicht explizit auf Deutschland, und doch wird in der Art, wie jeder Autor sein eigenes lyrisches Idiom ausbildet, seine Haltung kenntlich.

Im Juni 2000 schrieb Thomas Brasch: „Zersprungenes enges Land ganz wie aus Glas /warst du und ganz aus Glas bin ich/vereinigt wer die Welt; geteilt war sie mein Maß/jetzt ist sie hin WOHIN o Schreck und lächerlich.“

Michael Lentz/Michael Opitz (Hg.): In diesem Land. Gedichte aus den Jahren 1990–2010. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2010. 637 Seiten, 18 €.

/ Meike Feßmann, Tagesspiegel

26. Februar 2011

122. Four Quartets

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Im Théâtre Lionel-Groulx in Sainte-Thérèse tanzt die Choreographin Deborah Dunn zu den „Four Quartets“ von T.S. Eliot. / Mehr

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