Lyrikzeitung & Poetry News

31. Dezember 2010

116. und letztens 2010: No comment

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Eine Meldung, die ich nicht unkommentiert durchlassen mag, und es im kurzen Jahrrest nicht mehr schaffe: der Deutschlandfunk stellt den Lyrikkalender ein. Das ist für sich traurig, aber sie tuns auch noch mit der dümmsten aller Begründungen. Nach 5 Jahren und 1800 Gedichten müsse man aufhören, wenn man den Qualitätsstandard halten will: es gebe einfach nicht mehr genug gute Gedichte, die man in 1 Minute vorlesen könne. Peng! aus! die schließen nicht nur ihren Kalender, sondern die deutsche Lyrik gleich mit! Darüber reden wir noch; ich auch.

Nächstes Jahr. Dann wird die Lyrikzeitung 10 Jahr alt. Genau gesagt morgen.

Ich wünsche allen Lesern eine gute Feier ins Neue und viele unerhörte Gedichte 2011!

115. Sandburg / Auf Katzenfüßen

Einsortiert unter: Deutsch, Deutschland — Tags:, , — lyrikzeitung @ 02:16

Heute wird der Dichter Rolf Haufs 75 Jahre alt und schenkt uns zum Geburtstag eine „Tanzstunde auf See“. …

Er hält bis heute seine Gedichte frei von Effekten, Pointen und, zumal, von Botschaften und Meinungen. Seine Gedichte, auch und gerade die neuen „Tanzstunde auf See“ lassen stets ihre autobiografische Grundierung erkennen, dazu oft einen surrealistischen Einschlag. „Nebel kommt sagt Sandburg / Auf Katzenfüßen“. Er ist vielleicht der große Unbekannte unter unseren gegenwärtigen Dichter, aber sicher einer der bedeutendsten.

Bei Haufs wird das Leben zur Literatur und das Ich zu einem Spiegel, in dem sich die gegenwärtige Welt reflektiert. Manchmal sogar in einem, allerdings nur scheinbar unmittelbarem Verständnis. Wenn er zum Beispiel seine Freundin einfach auf die Straße schickt: „Kerstin Hensel läuft über die Schönhauser Allee“, dann wird auch in solchen Versen der Stoff, die private Begebenheit transformiert. Frau Hensel erkundigt sich nach der „Jahreszeit“, die „Leute“ lachen über „französische Dessous“, trinken „einen Kaffee“ und die Allee öffnet sich zu einem (kleinen) Universum. / Martin Lüdke, FR 31.12.

Rolf Haufs: Tanzstunde auf See. Gedichte. Carl Hanser Verlag, München 2010, 96 S., 14,90 Euro.

30. Dezember 2010

114. Locker

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Ein Berliner Fachblatt berichtet unter der Überschrift „LOVE-NEWS GEDICHTE ÜBER NUTTEN ++ OHNE RAT VON OMA ++ FRAUEN WOLLEN’S ÖFTER“:

Der Berliner Autor Peter Wiese hat einen Lyrik-Roman geschrieben, in dem er aus dem Leben von Prostituierten erzählt. Schwermütige Geschichten in lockeren Versen. „Die Töpferin“ ist im Frieling-Verlag erschienen, Preis: 15,90 Euro.

 

113. Vorlaß

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Der Lyriker Wulf Kirsten fühlte sich schon früh vom schwäbischen Parnass angezogen. Er durfte bereits zu DDR-Zeiten aus Weimar an den Neckar reisen, um dort über Hölderlin zu forschen. Den damaligen Bibliotheksleiter Paul Raabe habe er sehr geschätzt, erinnert sich Kirsten, und schon damals sei der Gedanke aufgekommen, „auch meine eigene Sammlung einmal dorthin zu geben“.

Inzwischen ist dieser Wunsch durch einen Vorvertrag Realität geworden. Kisten mit handschriftlichen Gedichtentwürfen und Korrespondenzen stehen in der Weimarer Wohnung zur Abholung bereit – natürlich für ein „angemessenes Honorar“, wie Kirsten nicht zu erwähnen vergisst. …

Im Deutschen Literaturarchiv befinden sich seit geraumer Zeit auch Manuskripte des Frankfurter Schriftstellers Martin Mosebach und des erst 48-jährigen Büchnerpreisträgers Durs Grünbein.

Grünbein sei „ein Freund des Hauses“, betont Ulrich Raulff, so habe sich dieser kleine Vorlass (er besteht aus dem Manuskript „Aroma“ und einer Art Collage-Tagebuch mit dem Titel „Buch der Reflexe“) fast von selbst ergeben. Man gehe gewöhnlich auf Autoren zu, deren Archive man haben wolle. / Heimo Schwilk, Die Welt

 

112. Pöbel

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Noch ein Zitat aus dem Artikel aus Stuttgart, #112:

„Weißt du“, sagt Nikita, „im Slam hat der Pöbel die Macht, und seine Entscheidungen sind nun mal dumm und ungerecht. Manchmal gewinnt einer nur, weil er richtig angezogen ist.“ / Stuttgarter Nachrichten

111. Stimme

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Das ist wohl der Traum eines jeden unbekannten Poeten: Die eigenen Verse mal von einer allseits bekannten Stimme gesprochen zu hören. Von einer Stimme, die man auch noch blind erkennt. Diesen Traum hat sich der hallesche Dichter Marschel Schöne gerade erfüllt. Dem 34-Jährigen ist nämlich das Kunststück gelungen, mit Rolf Hoppe einen der wenigen wirklich berühmten ostdeutschen Schauspieler für sein CD-Projekt „Frühlingslieder“ zu gewinnen.

Und das ist nicht das einzige Kunststück an der Sache. Die Gedichte selbst sind – jedes für sich – auch eins. Sonst hätte Hoppe ihnen wohl auch kaum seine Stimme geliehen. Wunderbar aus der Zeit gefallen wirkt, was Schöne da zu Papier gebracht hat. / DETLEF FÄRBER UND WENDELIN STEINKÜHLER, Mitteldeutsche Zeitung

(Nun ja, so klingen die Verse: „Der junge Trieb / er fragt nicht was er soll und kann / sprießt unverzagt ins Blau hinein“)

110. Wort

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Nur ein Wort:

„Jeder fungierte für die anderen als Lyrik-Polizei“, erinnert sich Ben Harper an die Sessions, die Anfang des Jahres stattfanden. / Hamburger Morgenpost

29. Dezember 2010

109. Nur nicht die Poesie

In seinem angestammten Haus in der im damaligen Vatikanstaat gelegenen Stadt Recanti, hoch über der Adria, schrieb der italienische Dichter Giacomo Leopardi, der größte, den sein Land nach Dante hervorgebracht hat, etwas, das sich jeder Lyrikleser einprägen sollte: „Alles seit Homer ist besser geworden, nur nicht die Poesie.“

Der kanadische Kritiker Michael Lista in einem Artikel über die fünf besten Lyrikbände des Jahres, von denen nur eins von einem Kanadier stammt und eins eben die neue Übersetzung Leopardis ist. Hier die Liste:

  • Canti by Giacomo Leopardi, translated by Jonathan Galassi (FSG)
  • Maggot by Paul Muldoon (FSG)
  • Rain by Don Paterson (Faber and Faber)
  • Every Riven Thing by Christian Wiman (FSG)
  • All This Could Be Yours by Joshua Trotter (Biblioasis)


/ National Post 29.12.

 

108. Ernste Themen, hartes Brot

Einsortiert unter: Deutsch, Deutschland — Tags:, , , — lyrikzeitung @ 19:02

„Die meisten unserer Mitglieder befassen sich mit ernsten Themen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Martin von Arndt aus Markgröningen im Kreis Ludwigsburg. Das ist die baden-württembergische Besonderheit im Unterschied zu den anderen Regionalverbänden des Schriftstellerverbands. Der Schwabe ist wohl ein ernster Mensch, und seine prominentesten ernsten Literaten sind Martin Walser und Rolf Hochhuth, zumindest unter den Lebenden. Der Verband hat 300 Mitglieder, und vielleicht gibt es noch einmal 200 nicht organisierte Schriftsteller in der Gegend. Sie teilen eines: ein hartes Brot. „Man braucht eine ganz, ganz, hohe Frustrationstoleranz, um mit den Absagen von Agenten und Verlagen klarzukommen“, sagt Martin von Arndt. Pro Buch sind es im Schnitt 50. / Stuttgarter Nachrichten

107. Projektiver Vers

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Als Charles Olson 1966 von seinem Übersetzer Klaus Reichert im Literarischen Colloquium Berlin vorgestellt wurde, war dies bereits der zweite Versuch einer deutschen Eingemeindung. 15 Jahre vorher hatte nämlich der junge Freiburger Rainer Maria Gerhardt mit dem Amerikaner einen kleinen Briefwechsel unterhalten. Es ging seinerzeit vor allem darum, im Nachkriegsdeutschland die Stichworte der Moderne, einer zeitgenössischen Literatur, aufzunehmen. Und die entscheidende Programmschrift, eben die Theorie des Projektiven Verses, hatte Olson bereits 1950 in einer Literaturzeitschrift veröffentlicht. / Gerd Schäfer, DLR

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