Lyrikzeitung & Poetry News

30. September 2010

128. Rumäniendeutsche Schriftsteller im Fadenkreuz der Securitate

Filmpremiere in Berlin – „An den Rand geschrieben. Rumäniendeutsche Schriftsteller im Fadenkreuz der Securitate“ – und Podiumsgespräch

05.10.2010

Berlin/Neue Bundesländer

Am 5. Oktober 2010 um 20.30 Uhr wird der Film „An den Rand geschrieben. Rumäniendeutsche Schriftsteller im Fadenkreuz der Securitate“ von Helmuth Frauendorfer erstmalig gezeigt. In der Ankündigung heißt es: „Sie wurden bespitzelt, bedroht und verhaftet. Ein dichtes Netz von Informanten wurde um sie gespannt, um Desinformation zu streuen und Verleumdungs- und Zersetzungsmaßnahmen gegen sie durchzuführen. Am Beispiel seiner Schriftstellerkollegen erzählt Helmuth Frauendorfer die Geschichte deutschsprachiger literarischer Entwicklungen im rumänischen Banat in den siebziger und achtziger Jahren und deren Behinderung durch den Machtapparat des Diktators Nicolae Ceauşescu. Erst aus den Geheimdienstakten erfuhren die Autoren, wie hartnäckig ihre Verfolgung nicht nur in Rumänien, sondern auch nach der Ausreise in die Bundesrepublik war.“

Nach der Begrüßung durch Dr. Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, und der Filmvorführung findet ein Podiumsgespräch mit Herta Müller, Gerhardt Csejka, Helmuth Frauendorfer, Johann Lippet, Horst Samson, William Totok und Richard Wagner statt. Moderiert wird das Gespräch von Ernest Wichner, Leiter des Literaturhauses Berlin.

Die gemeinsame Veranstaltung der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, des Instituts für Kultur und Geschichte Südosteuropas und des Literaturhauses Berlin findet im Hackesche Höfe Kino,

Rosenthaler Straße 40/41,
10178 Berlin, statt.

Anmeldung ist erforderlich bei
André Kockisch, Telefon: (0 30) 98 60 82-4 13
(0 30) 98 60 82-4 13
E-Mail: a.kockisch[ät]stiftung-hsh.de.

Ort: Hackesche Höfe Kino, Berlin
Veranstalter: Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, IKGS, Literaturhaus Berlin

127. „Das Berlin meiner Gedichte“

Vielleicht muss man so alt und weise sein wie Bora Ćosić, um sich ganz ungeniert zu seinem Berlin-Gefühl zu bekennen. Der serbische Dichter, eigentlich geladen, um im Rahmen des Festivalschwerpunkts „Fokus Osteuropa“ über die Ungewissheiten des Exils Auskunft zu geben, gestand seinen Zuhörern im Haus der Kulturen der Welt, er habe sich die Liebe zu dieser Stadt zugezogen wie einen Virus. Dann las er aus seinem neuen Lyrikband „Die Toten. Das Berlin meiner Gedichte“. Ein Gedicht darin besingt die „gehortete Kälte“ der Gemälde Caspar David Friedrichs in der Alten Nationalgalerie. Ein anderes beschwört die Geister Nabokovs und des Petersburger Dichters Andrej Bely am Wittenbergplatz. Es ist Heimatlyrik eines Heimatflüchtigen, also genau die Art von europäisch beseelter Dichtung, der man im Bötzowviertel misstraut. Dabei überwindet sie nicht nur die notorischen west-östlichen Gräben, sie versöhnt auch die Welt mit Berlin. / Andreas Kilb, FAZ.net 23.9.

126. Securitate-Tagung in Jena

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Erst raubt die Diktatur den Opfern ihre Zukunft, dann die Vergangenheit: In Jena wurde über die Verbrechen der Securitate und Oscar Pastiors Enttarnung diskutiert. Es gab ein explosives Aufeinandertreffen von Wissenschaftlern und Zeitzeugen. / Hubert Spiegel, FAZ.net 29.9.

125. „Ich war IM“

Einsortiert unter: Deutsch, Deutschland — Tags:, , — lyrikzeitung @ 01:45

Die Meldung der vergangenen Woche: Büchnerpreisträger Oskar Pastior war IM. Warum er all die Jahre geschwiegen hat, fragen nun jene Blätter, deren Rauschen der Grund seines Schweigens war: die Pein, die Not, sich verständlich zu machen in einem Wald aus Spiegeln, die jedes Wort im Mund schon verkehren.

Brechen Sie das Schweigen, bittet mich das ND. Sagen Sie: Ich war IM … – Das Organ jener Partei, deren Schild und Schwert das Ministerium für Staatssicherheit war, soll die Bühne deiner Offenbarung sein? Niemals.

Die Zeitung ist eine andere geworden, anders als jene, die bleiben durften, was sie waren. Denn Siegen macht dumm. Nur Niederlagen geben zu denken, weil sie am Weitermachen hindern.

Also sprich. / Sagt Jens-Fietje Dwars, und tuts, ND 29.9.

29. September 2010

124. Krefelder Workshop: POETISCHE EXPERIMENTE

Einsortiert unter: Deutsch, Deutschland — Tags:, , , , , — lyrikzeitung @ 20:11

Von Lyrik und Prosa zu Visueller Poesie, Songs, Hörclips und Performances

* WORKSHOP FÜR AUTORINNEN *

Referentinnen:

  • Tanja Dückers
  • J. Monika Walther
  • Manja Präkels
  • Judith Kuckart
  • Angelika Janz

Das Literaturbüro Ruhr e.V., die Autorinnenvereinigung e.V. und das Frauenkulturbüro NRW laden interessierte Autorinnen zur Teilnahme an der Veranstaltung „Poetische Experimente“ am 16. Oktober 2010 (11 bis 20 Uhr) in die Kulturfabrik Heeder, Krefeld ein.

Die Veranstaltung richtet sich an Autorinnen, die neue Programme für öffentliche Auftritte entwickeln, Marketingstrategien umsetzen und Genregrenzen überschreiten möchten.

Die Referentinnen beginnen jeweils mit einem Impulsvortrag, und in den anschließenden Werkstätten treffen die teilnehmenden Autorinnen auf ihren „literarischen Coach“.

SA. 16. Oktober 2010
Kulturfabrik Heeder
Virchowstr. 130, 47805 Krefeld
EINTRITT FREI

Programm:

  • 11.00 Uhr – Begrüßung Elisabeth Roters-Ullrich Motto:„Ich zähle dazu, aber ich komme nicht vor“. Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek Einige Notizen zur sozialen Lage von Schriftstellerinnen
  • 11.30 Uhr – Tanja Dückers Zur Lebenssituation von Kreativen und Kulturschaffenden heutzutage / Kulturwirtschaft Persönliche literarische Entwicklung
  • 12.30 Uhr – J. Monika Walther: Hörspiel, Hörcollage – Lage auf dem Hörspielmarkt
  • 13.30 Uhr Mittagspause
  • 14.30 Uhr – Manja Präkels: Wort und Ton: Texte zum Klingen bringen. Vertonung anhand von Beispielen
  • 15.30 Uhr – Judith Kuckart: Mit dem Schreiben leben, Grenzgebiete
  • 16.30 Uhr – Angelika Janz: Text/Bild-Korrespondenzen

Zwischendrin gibt es immer wieder Zeit für Diskussionen und Erfahrungsaustausch mit den Referentinnen.

Ab 18.00 Uhr – Öffentliche Veranstaltung:

„POETISCHE EXPERIMENTE“

Im „Sprachlaboratorium“ auf der Probebühne der „Kulisse“ lassen die Autorinnen ihrer Fantasie freien Lauf. Die Referentinnen und einige Teilnehmerinnen lesen, improvisieren und spielen.

(weiterlesen…)

123. Fundgrube

Sonett 66 „Tyr’d with all these for restfull death I cry“, Shakespeares verzweifelter Aufschrei der Welterkenntnis, wurde unter anderem übersetzt von Wolf Biermann, Volker Braun, Paul Celan, Lion Feuchtwanger, Stefan George, Stephan Hermlin, Karl Kraus, Gustav Landauer, Florens Christian Rang, Herbert Rosendorfer, Johannes Schlaf, Douglas Sirk, Ulrich Sonnemann, Dorothea Tieck und Günter Zehm. Ulrich Erckenbrecht hat hunderte Übersetzungen zusammengetragen und an die 200 davon in einem kleinen Band vorgelegt. Eine Fundgrube fürs vergleichende Lesen. / FR 23.9.

Ulrich Erckenbrecht: Shakespeares Sonette. MuriVerlag, Kassel 2010, 330 Seiten, 10 Euro.

122. Sie sollten sich unterwerfen

Einsortiert unter: Rußland — Tags:, — lyrikzeitung @ 18:57

Der hervorragend kommentierte Briefwechsel erinnert an die in Vergessenheit geratende Gewalt des Kommunismus. Bis ins kleinste Detail glaubte die Partei alles regeln zu müssen, alles regeln zu können. Pasternak durfte nicht veröffentlichen, wurde aber gleichzeitig gedrängt, die Leistungen der Ölarbeiter in Baku zu verherrlichen. Es ging der Partei nicht allein darum, den selbstständigen Köpfen das Leben zu verunmöglichen. Sie sollten nachgeben. Sie sollten ihre Empfindungen, ihre Einsichten verraten und sich der Partei unterwerfen. Und froh sollten sie sein, dass man sie nicht umbrachte im Paradies, das der Kommunismus werden sollte. / Frankfurter Rundschau 19.9.

Boris Pasternak/ Kurt Wolff: Briefwechsel. Hrsg. v. Evgenij u. Elena Pasternak unter Mitarbeit v. Fedor Poljakov. Verlag Peter Lang, 206 S., 24,80 Euro.

121. Tuvia Rübners Deutsch

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Man lässt sich leicht täuschen von diesen Gedichten, lässt sich verleiten, nur das Lichte zu sehen: ‘Spätes Lob der Schönheit’ heißt der neue Gedichtband des 1924 geborenen, 1941 nach Palästina entkommenen Tuvia Rübner, und ‘Spätes Lob der Schönheit’ ist auch der Titel eines der zentralen Gedichte dieses Bandes: ‘Was, in meinem Alter?’ wundert sich hier das lyrische Ich, als es an einem Gemälde von Mark Rothko erst vorbeigeht, dann aber, geheimnisvoll angezogen, immer wieder zu ihm zurückkehrt, zu seinem Ultramarin wie überhaupt zu des Malers ‘Farben von vierzig Geschlechtern’: ‘wie das Laub im Abendwind/ rauschen die Stimmen/ fast lautlos/ und sagen dieses und jenes/und alle die Farben erglühen/ Abtönungen des Roten, des Gelben/des Braunen, des Blauen, des Orangen/und Grünen – /welch Lobgesang dem Dasein’. …

In Pressburg geboren – ‘dieser Henkerstadt mit dem heimeligen Gesicht/an der die Erinnerungen hängen wie schmierige Fetzen’ – überlebte Rübner als einziger seiner Familie den Holocaust. Im Kibbuz arbeitete er erst als Schafhirte, wurde dann Bibliothekar, Lehrer und schließlich Professor für Literaturwissenschaft in Haifa. Seine Gedichte schreibt Rübner seit über fünfzig Jahren auf Hebräisch, übersetzt sie dann aber selbst ins Deutsche.

Dieses Deutsch nun ist von ungewöhnlicher Leichtigkeit, von einer Leichtigkeit, die das Alter möglicherweise mit sich bringt. Sie zeugt vor allem aber von einer großer sprachlicher Souveränität: Der Tradition durchaus eingedenk, schreibt Rübner frei und unbeschwert und scheinbar nur für sich. / Tobias Lehmkuhl, SZ 30.9.

TUVIA RÜBNER: Spätes Lob der Schönheit. Rimbaud Verlag, Aachen 2010. 76 Seiten, 18 Euro.

120. Seite 383 im „Echtermeyer“

Einsortiert unter: Deutsch, Deutschland — Tags:, , , — lyrikzeitung @ 05:05

Kleinlaut ist bloß das erste Wort. „Neulich“, beginnt das Gedicht von Friedrich Rückert, „deutschten auf Deutsch vier deutsche Deutschlinge deutschend, sich überdeutschend am Deutsch, welcher der Deutscheste sei“. 1819 hat Rückert diese Zeilen geschrieben. Sie haben an Aktualität nicht eingebüßt. Folglich finden sie unbestritten Platz auf Seite 383 im „Echtermeyer“. Bald 175 Jahre, ein gutes Alter, hat diese Gedicht-Sammlung erreicht. Sie hat in lyrischen Zirkeln Kult-Status und wird von der Wissenschaft als maßgebend geschätzt. Nun ist im Jubiläumsjahr die 20. Ausgabe dieser kanonischen, gleichwohl subjektiven Auswahl deutschsprachiger Gedichte erschienen. 850 Gedichte aus 12 Jahrhunderten von A wie Achim von Arnim bis Z wie Ulrich Zieger… / Hans-Peter Schreijäg, Schwarzwälder Bote

119. Lissabon

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Diese Anthologie leistet, was man sich von jeder Sammlung literarischer Texte wünscht: Mit jeder gelesenen Seite wird deutlicher, wie bemerkenswert die portugiesische Literatur des 20. Jahrhunderts ist. Die von der Übersetzerin Gaby Wurster getroffene Auswahl der Texte zeugt von ebensolchem Augenmaß wie die Komposition derselben in vorliegendem Band. Am Anfang steht ein Ausschnitt aus dem »Buch der Unruhe« von Fernando Pessoa und am Ende das Gedicht »Lissabon mit seinen Häusern« des spät entdeckten portugiesischen Klassikers. Zwischen dieser Klammer finden sich zahllose interessante Autoren, die repräsentativ für die zeitgenössische portugiesische Dichtung stehen. / Kai Agthe, ND 29.9.

Lissabon. Eine literarische Einladung. Hrsg. von Gaby Wurster. Verlag Klaus Wagenbach. 139 S., geb., 15,90 €.

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