Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Ganze zwei Gedichte hatte Juwatschow, der sich (er hatte viele Pseudonyme) als Dichter meistens Charms nannte, zu Lebzeiten veröffentlicht. 1905 geboren, Mitte der Zwanziger zum verrückten Star der russischen Literatur aufgestiegen, verboten, verfolgt, verhaftet, verhungert 1942 in der Gefängnispsychiatrie des belagerten Leningrad. Nach und… Continue Reading „149. Charms lesen“
»Das ist das Schwerste: sich verschenken / und wissen, daß man überflüssig ist, / sich ganz zu geben und zu denken, / daß man wie Rauch ins Nichts verfließt«, heißt Selma Meerbaum-Eisingers Gedicht Tragik, entstanden Ende Dezember 1941, das sich wie ein Testament liest. Sie fügt hinzu:… Continue Reading „148. Wie Rauch ins Nichts“
Das Konzept hinter „VERSschmuggel“ verzichtete auf den üblichen Ablauf, nachdem die Dichter ihre Texte einreichen und von einem Übersetzer bearbeiten lassen. Stattdessen bildeten sich fünf Dichterpaare, die einander gegenseitig ins Deutsche bzw. Arabische übersetzten, ohne die jeweils andere Sprache zu beherrschen. In langen und… Continue Reading „147. Arabisch-Deutscher Versschmuggel“
Ich bin nicht unbedingt ein Freund von Eva Strittmatters Gedichten; aber gar nicht wenige Verse hängen mir im Kopf. Der trochäische Rotdorn meiner Kinderjahre fällt mir jedes Frühjahr ein, und ein Pasternakgedicht beginnt: „Einer ist hinausgegangen./ Und der Winter fiel auf ihn./ Mit ihm… Continue Reading „146. Beton“
Mit dem sozialistischen Realismus hatte Pasternaks Art zu schreiben nichts zu tun. Er war auf anderes aus: „Erkenntnisse, Erkenntnisse – die möchte ich in der Kunst sehen, nicht Richtungen, die ich schon erprobt habe und die ich kenne. Und nicht den Kampf zwischen den… Continue Reading „145. Neue Inhalte, zu Ende gedacht“
„Neue Heimat – neue Sprache – neue Literatur?“, fragt die Runde am 3. Juni ab 20 Uhr im Literaturhaus, mit der Rumänin Carmen-Francesca Banciu und dem Iraker Abbas Khider, seit 2000 in Deutschland. „Die ganze Welt im Gedicht“ am 4. Juni ab 20 Uhr… Continue Reading „144. Zuflucht:Literatur!“
In der Welt verkündet Alan Posener „die gute Nachricht: Der Buchhandel stirbt nicht, der Untergang des Abendlandes ist auf unbestimmte Zeit verschoben.“
Seit einigen Jahren erlebt ein großer, fast vergessener Dichter eine erstaunliche Renaissance: Stefan George, der als Ästhetizist und Erneuerer der deutschen Lyrik um 1900 begann und sich, umgeben von einem Kreis ihm ergebener junger Männer, zum poetischen Staatsgründer und Kritiker der Moderne wandelte. Im… Continue Reading „142. George-Renaissance“
In #133 berichtete ich über die neue französische Ausgabe der Moskauer Hefte Ossip Mandelstams. Dort ist als letztes Gedicht ein Liebesgedicht vom Februar 1934 enthalten, das in Ralph Dutlis Ammann-Ausgabe „Moskauer Hefte. Gedichte“ fehlt. Es gibt einen Grund dafür, den Ralph Dutli dankenswerterweise aufklärt.… Continue Reading „141. Anderer Band, andere Frau“
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