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68. Meine Anthologie 13: Friedrich Hölderlin, Mnemosyne

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Mnemosyne*

Reif sind, in Feuer getaucht, gekochet
Die Frücht und auf der Erde geprüfet und ein Gesetz ist,
Daß alles hineingeht, Schlangen gleich,
Prophetisch, träumend auf
Den Hügeln des Himmels. Und vieles
Wie auf den Schultern eine
Last von Scheitern ist
Zu behalten. Aber bös sind
Die Pfade. Nämlich unrecht
Wie Rosse, gehn die gefangenen
Element und alten
Gesetze der Erd. Und immer
Ins Ungebundene gehet eine Sehnsucht. Vieles aber ist
Zu behalten. Und not die Treue.
Vorwärts aber und rückwärts wollen wir
Nicht sehn. Uns wiegen lassen, wie
Auf schwankem Kahne der See.

Wie aber Liebes? Sonnenschein
Am Boden sehen wir und trockenen Staub
Und heimatlich die Schatten der Wälder und es blühet
An Dächern der Rauch, bei alter Krone
Der Türme, friedsam; gut sind nämlich,
Hat gegenredend die Seele
Ein Himmlisches verwundet, die Tageszeichen.
Denn Schnee, wie Maienblumen
Das Edelmütige, wo
Es seie, bedeutend, glänzend auf
Der grünen Wiese
Der Alpen, hälftig, da, vom Kreuze redend, das
Gesetzt ist unterwegs einmal
Gestorbenen, auf hoher Straß
Ein Wandersmann geht zornig,
Fern ahnend mit
Dem andern, aber was ist dies?

Am Feigenbaum ist mein
Achilles mir gestorben,
Und Ajax liegt
An den Grotten der See,
An Bächen, benachbart dem Skamandros.
An Schläfen Sausen einst, nach
Der unbewegten Salamis steter
Gewohnheit, in der Fremd, ist groß
Ajax gestorben,
Patroklos aber in des Königes Harnisch. Und es starben
Noch andere viel. Am Kithäron aber lag
Elevtherä, der Mnemosyne Stadt. Der auch, als
Ablegte den Mantel Gott, das Abendliche nachher löste
Die Locken. Himmlische nämlich sind
Unwillig, wenn einer nicht die Seele schonend sich
Zusammengenommen, aber er muß doch; dem
Gleich fehlet die Trauer. **

Aus der “LyrikMail” von  http://www.textgalerie.de/, 20.4.2000

*) gr.: Gedächtnis, Erinnerung; die Mutter der 9 Musen

**) dem /eben Beschriebenen/ gleich fehlet  (verfehlt das Gebotene) die Trauer: der Trauernde begeht denselben Fehler wie derjenige, der “nicht die Seele schonend sich zusammengenommen”.

Laut Beißner “Hölderlins letzte Hymne” (dat. Herbst 1803); nach neuerer Ansicht keineswegs die “letzte”, sondern lediglich der letzte (fast) vollendete Entwurf, und in wesentlich spätere Zeit zu datieren (Spätherbst 1805 – 1806).
“Nicht drohender Verlust des Gedächtnisses ist also das zentrale Thema des Gedichts, sondern die vom Dichter kraft der Erinnerung gestiftete Unsterblichkeit.” Friedrich Hölderlin, “Bevestigter Gesang”. Die neu zu entdeckende hymnische Spätdichtung bis 1806 (hg. Dietrich Uffhausen). Stuttgart: Metzler 1989, S. 261.

© (Für Auswahl und Kommentar) Michael Gratz 2000.


1 Kommentar

  1. àxel sanjosé sagt:

    auch carles riba (1893-1955), neben espriu und maragall einer der drei ganz großen katalanischen lyriker des 20. jahrhunderts (hierzulande wegen seiner klassizistischen diktion den auf “moderne lyrik” geeichten lektor/inn/en schwer zu vermitteln), mochte offenbar diesen text.

    1922/23 verbrachte er ein jahr in deutschland, größtenteils in münchen, und stieß auf einen auf der iberischen halbinsel noch gänzlich unbekannten zeitgenossen goethes: friedrich hölderlin. seine lyrik warf ihn um.

    mit den jahren übersetzte er eine auswahl aus der hölderlinschen lyrik, die erstmals 1944, da auf katalanisch, als illegaler druck erschien (hölderlin als untergrund-lektüre, auch nicht schlecht). heute zählt hölderlin im katalanischsprachigen raum zu den meistrezipierten lyrikern deutscher zunge.

    ein unmittelbares zeugnis von ribas begeisterung ist folgendes gedicht, das im zweiten Band der “Estances” (1938) erschien und in der werkausgabe mit der datierung 29.6.1922 versehen ist. das vorangestellte zitat ist auch im orignal auf deutsch:

    Uns wiegen lassen, wie
    Auf schwankem Kahne der See.
    (Hölderlin)

    Feliç qui ha viscut dessota un cel estrany,
    i la seva pau no es mudava;
    i qui d’uns ulls d’amor sotjant la gorga brava
    no hi ha vist terrejar l’engany.

    I qui els seus dies l’un per la vàlua de l’altre
    estima, com les parts iguals
    d’un tresor mesurat; i qui no va a l’encalç
    del record que fuig per un altre.

    Feliç és qui no mira enrera, on el passat,
    insaciable que és, ens lleva
    fins l’esperança, casta penyora de la treva
    que la Mort havia atorgat.

    Qui tampoc endavant el seu desig no mena:
    que deja els rems, i ajagut
    dins la frèvola barca, de cara als núvols, mut,
    s’abandona a un aigua serena.

    Glücklich, wer unter fremdem Himmel gelebt hat,
    und sein Friede wechselte nicht;
    und wer, den Malstrom in Liebesaugen erspähend,
    dort nicht Verrat kreisen sah.

    Und wer den Wert seiner Tage, eines wie des andern
    gleich schätzt, wie gleiche Anteile
    eines abgemessnen Schatzes; und wer nicht nachstellt
    der Erinnerung, die fliehend der nächsten weicht.

    Glücklich, wer nicht schaut ins Vergangne,
    das uns unersättlich aufwärts treibt
    zur Hoffnung, dem keuschen Unterpfand jener Frist,
    die der Tod uns eingeräumt hat,

    – wer selbst sein eignes Verlangen nicht schürt,
    sondern das Ruder lässt und, liegend
    in schwankem Kahn, den Blick zu den Wolken, stumm
    sich einem nüchternen Wasser überlässt.

    [übers.: à.s.]

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