55. Jehuda Halevi

Jehuda Halevi ist vor allem als Dichter bekannt, eine der Leuchtgestalten des sogenannten Goldenen Zeitalters des jüdischen Spanien im 11. und 12. Jahrhundert. Aber wenn man Hillel Halkins neues Buch “Jehuda Halevi ” gelesen hat, wird klar, daß Halevi noch bedeutender ist, als seine Lyrik ahnen läßt.

Halevi, der um das Jahr 1070 geboren wurde, war vielleicht der beste hebräische Autor zwischen Bibel und Bialik*; der Schlüssel zu seinem Erfolg war die Einführung arabischer und islamischer Formen in einen hebräischen und jüdischen Kontext. Er lebte in einer Zeit, die man immer noch gern – und wie Halkin zeigt, ungenau – als ein Paradies des Miteinanderlebens in Erinnerung hat, in dem Christen, Moslems und Juden miteinander in Harmonie lebten. Im Gegenteil, seine Lebenszeit war geprägt von ständigen Kämpfen zwischen christlichen und islamischen Führern und regelmäßigen Judenverfolgungen von beiden Seiten. Sein klassischer Prosatext Kuzari plädiert für die Überlegenheit des Judentums über Christentum, Islam und die rationalistische Philosophie, aber er tut das in einer Weise, die manchen zeitgenössischen Juden unverzeihlich chauvinistisch, ja rassistisch vorkam. / Adam Kirsch, Tablet 9.2.

*) Chaim Nachman Bialik (1873-1934, Wolhynien/ Rußland, 1924 Israel)

1903 schockten die Pogrome von Kischinew die zivilisierte Welt. Nachdem Bialik mit einigen Ueberlebenden des Massakers gesprochen hatte, schrieb er das Gedicht „Al haSchechitah” („Auf der Schlachtbank”), in dem er den Himmel aufruft, entweder sofort Gerechtigkeit zu ueben oder die Welt zu zerstoeren, denn Vergeltung allein ist nicht genug.

Verflucht sei der, der sagt “Rache!”
Vergeltung fuer das Blut eines kleinen Kindes
Hat sich Satan noch nicht ausgedacht.

1904 entstand das Gedicht „Be Ir HaHaregah” („In der Stadt des Schlachtens”), in dem Bialik die laue Verurteilung des Massakers anprangert. Er ist erbittert wegen der fehlenden Gerechtigkeit und erschlagen durch die Gleichgueltigkeit der Natur: „Die Sonne schien, die Akazien bluehten, und die Schlaechter schlachteten.” / jafi.org

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