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Archiv für den Tag 24. Dezember 2009

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154. “’Twas the Night Before Christmas” Redux

from Bob & Margery’s Poetry Blog

Thursday December 24, 2009

It’s Christmas Eve, and of course we in the Western world are hearing the lines of the classic poem “A Visit from St. Nicholas” echoing in our minds. In the U.S., First Lady Bess Truman began a traditional annual reading of that poem that continues today—the White House blog has just posted a video of this year’s reading by Michelle Obama at the Children’s National Medical Center, “The First Lady Reads ‘The Night Before Christmas’.” And the poem has worked its way so deeply into the general consciousness of Christmas time that it serves as the most inviting of targets for parody—most recently by Illinois Senator Roland Burris, commenting on the health care reform debate in the U.S. Senate:

from The New York Times “Prescriptions” blog:
Acrimony, and Poetry, in the Senate,” by David M. Herszenhorn
“It was the night before Christmas and all through the Senate, the right held up our health care bill, no matter what was in it….”

More on “A Visit from St. Nicholas
Who really wrote the classic Christmas recital poem?
Parodies of “The Night Before Christmas” collected at About.com’s Urban Legends site

153. Stillste Nacht

Milena Oda, geboren 1975, lebt in Berlin und schreibt Prosa, Theaterstücke, Lyrik und Essays. 2002 wurde sie für den Literaturwettbewerb Open Mike in Berlin und 2007 für den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt nominiert. 2007 erschien im Verlag BUCHENpresse das Kunstbuch »Piquadrat«. 2009 wurde in Alexandria/Ägypten ihr Theaterstück »Mehr als Meer« zweisprachig in Deutsch und Arabisch herausgegeben. www.milenaoda.com

In der Zeitung junge Welt am 24.12. ihr Beitrag: Die stillste Nacht

152. Stille Nacht

Das Jahr 1816 nannten sie das Jahr ohne Sommer. Ungewöhnlich kalt ist es. Selbst im Juni noch schneit es hinunter bis ins Flachland. Am schlimmsten betroffen davon ist Mitteleuropa. Ernten fallen aus. Millionen leiden an Hunger. Zehntausende sterben. Und das in einer Zeit, in der halb Europa noch unter den Folgen der Kriege ächzt, mit denen Napoleon den Kontinent bis ins Vorjahr überzogen hatte. Eine Zeit für Sehnsucht nach Besserem.

In der Kärglichkeit des Dorfes Mariapfarr, südlich von Salzburg, schreibt im Dezember desselben Jahres der Hilfspriester Joseph Mohr, 23 Jahre alt, unehelicher Sohn eines Soldaten und einer Strickerin, getrieben von jener Sehnsucht, ein Gedicht.

Er nennt es Stille Nacht, heilige Nacht.

/ Marco Lauer, FR 24.12.

151. Futurismus-Ausstellung

So radikal die Rhetorik der Manifeste, so harmlos wirkt allerdings bisweilen die Umsetzung – Luigi Russolos «Geräuschtöner» beispielsweise (wie sein Begriff «Intonarumori» übersetzt wird), die die klanglichen Möglichkeiten der Musik erweitern sollten, sind als Kuriosum in die Musikgeschichte eingegangen, ohne eine weitere Wirkung zu entfalten. Auch in der Literatur wirkt der Angriff auf die Konventionen der Sprache – Marinettis «parole in libertà» oder Fortunato Deperos Konzept einer «onomalingua» – heute als harmlose Spielerei. Doch gerade dieser Zug verleiht der Ausstellung auch einigen Charme: Die Fotografien, in denen sich Fortunato Depero mit rollenden Augen in Szene setzt, oder sein knallbuntes Bühnenbild «Magische Flora» erinnern daran, dass das Allzumännliche jederzeit ins Kindliche umschlagen kann. / Sieglinde Geisel, NZZ 24.12.

Sprachen des Futurismus. Gropius-Bau, Berlin. Bis zum 11. Januar 2010. Katalog Fr. 56.50.

150. Bewußtseinsgenie und Intuitionist

Goethe war klar, dass Schiller ein ganz anderer Typus war, einer, der sehr stark vom Intellekt, von dem Bewusstseinskonzept und von der Reflexion her kommt. Er war ein im hohen Masse absichtsvoller Poet; das wusste Goethe. Eigentlich schätzte er so etwas nicht. Aber im Kontext der Schillerschen Person bekam diese Art für Goethe eine ganz neue Würde, und es wurde ein Faszinosum, so sehr, dass Goethe, was er sonst wahrscheinlich nie getan hätte, auf einmal Fichte liest und auch im Kant herumliest und sich überhaupt sagt, dass es wahrscheinlich auch sehr schön ist, wenn man das eigene Schaffen durch Reflexion noch vermehrt begleitet.

Einerseits bewunderte Schiller diesen Typus, wie ihn Goethe verkörperte, aber auf der anderen Seite war ihm das viel zu sehr unkontrolliertes, ungefiltertes Gefühlsleben. Aber in Goethe bemerkte er die Genialität, die diese Art des geistigen Temperamentes hatte. So dass man sagen kann: Sie erlebten ihre Gegensätze, da sie sie aber im personalen Kontext des jeweils anderen erlebten, waren sie nicht davon abgestossen, sondern konnten etwas damit machen. So wurden die Gegensätze zum produktiven Stachel. So konnte Goethe an das Bewusstseins-Genie Schiller schreiben: «Fahren Sie fort, mich mit meinem Werk bekanntzumachen.» / Rüdiger Safranski im Gespräch mit der NZZ, 12.12.

149. Kleine Wunder

Manchmal beginnt der Tag der Dichterin «schlurfend». Die Worte liegen zäh im Mund, und es regt sich die Angst, nie mehr etwas schreiben zu wollen. Dann aber kann schon ein Lächeln im Café genügen – und alles brennt lichterloh. Die «wallende Seele (Brust)» und das «zirpende (zuckende) Auge» schiessen zusammen. Die Luft scheint zu brausen, während das «Schwärmen äuszerster Phantasie» die Sprache des Gedichts hervorbringt, die Tag- und Nachtbilder der Schreibenden.

Wenn Friederike Mayröcker am Schreibtisch sitzt, wollen sogar die Schneefunken im Fenster blühen. Mit leichter Hand formt sie ihren Rhythmus, bis die Buchstaben den Kopf der Dichterin umschwirren. Es ist ein Schreiben, das auf die metamorphotische Kraft der Poesie vertraut, ein Schreiben, dem alles zum Stoff werden kann. Und dieses Schreiben fand von Anfang an Gehör, einerlei, ob bei den Dichtern der Wiener Gruppe oder, später, bei Autoren wie Thomas Kling. Mit ihren weit über siebzig Prosastücken und Gedichten, Hörspielen und Kinderbüchern ist Friederike Mayröcker trotzdem ein Solitär in der literarischen Landschaft geblieben. Sie verdankt der Romantik viel und den eigenen sprachexperimentellen Versuchen, dem Surrealismus und, ein wenig, dem Dadaismus – zu einem festen Bild aber wollte sich ihr Schreiben nie fügen lassen. Ihre «äuszerste Phantasie» speist sich aus einem ganz und gar eigenen Sprach- und Weltbewusstsein, das von der Euphorie des Schreibens ebenso weiss wie vom «gerissenen Faden der / modernen Narration».

Die neuen Gedichte sind noch rhythmischer in ihrem Hang zur langen Zeile und zu Wiederholungen, fast litaneihaft muten manche der Verse an. Sie zeigen die «verborgene Sprache» des Gedichts und Friederike Mayröckers melancholisch durchsträhnten Ton. …

Aus Hölderlins berühmtem Bild «Im Winde / Klirren die Fahnen» etwa wird bei Mayröcker eine «klirrende Sonne», die durch das «Gewölb der Wipfel» stäubt. Bisweilen variiert sie auch ganze Gedichte und knüpft die einzelnen Verse über Zitate Hölderlins zusammen. An einer Stelle umreisst sie ihre Schreibart selbst: «1 Looping / ohne der Worte Sinn zu kennen».

… kleine Wunder sind Friederike Mayröckers Gedichte allesamt. / Nico Bleutge, NZZ 24.12.

Friederike Mayröcker: dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif. Gedichte 2004–2009. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 2009. 356 S., Fr. 39.50.

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