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Archiv für den Tag 2. Dezember 2009

Im Netz seit 1.1.2001

18. «I cha nid rappe»

Den neuen Kutti-MC-Song «I cha nid rappe, Bob Dylan nid singe»  gibt’s zur Feier des 2. Dezembers gratis hier zum downloaden:
http://www.xmascalendar.ch/

Und wer sich auch für Jürg Halter interessiert: Seit dem 10. Oktober 2009 erscheint im «Tages-Anzeiger» jeden zweiten Samstag eine Kolumne von Jürg Halter. Hier können Sie sie jeweils ein paar Tage nach deren Publikation lesen.

17. „Licht ins Dunkel bringen“

Wer die Geschichte von Sandra M. (Name von der Redaktion geändert) aus Simmern liest, der fragt sich „Wieviel Leid erträgt eine Seele?“ Ihre Hölle, sagt sie, begann im Alter von viereinhalb. Über Jahre hinweg sei sie genötigt und misshandelt worden. Sie schwieg, blieb stumm, bis ihre seelischen Wunden durch das Schicksal ihrer Tochter wieder aufrissen. Ihre Lebensgeschichte hat sie nun in einem Buch verarbeitet. Eigentlich sollte es eine Autobiografie werden, „doch plötzlich reimte sich alles“, erzählt sie.  Vergangenheitsbewältigung in Reimform.

„Licht ins Dunkel bringen“, so hat sie ihr Werk genannt. Wer misshandelt wird, bleibe stumm, weiß die 38-Jährige aus Erfahrung. Jetzt will sie nicht länger stumm sein. Ihre Gedichte seien ein Befreiungsschlag. In Bezug auf ihre Peiniger auch ein Rundumschlag. Sie nennt in ihrem Werk keine Namen, beschreibt die Personen als „Wichte“, und doch ist sie sich sicher: „Sie werden sich alle wieder erkennen“. / Wochenspiegel Region Hunsrück

16. Wirklichkeitsverdichter

Von den Dichtern können wir etwas über die Präzisierung des Blicks lernen. Sie zeigen uns kleine Sprünge in der Wirklichkeit und eröffnen damit eine Genauigkeit, die nur durch das Schauen erwirkt werden kann. Philippe Jaccottet, der 1925 im schweizerischen Waadtland zur Welt kam, ist ein solcher Wirklichkeitsverdichter. Sein umfangreiches, in französischer Sprache geschriebenes Werk umfasst Lyrik, Essays und Prosa, für die er mit vielen Preisen ausgezeichnet wurde wie etwa mit dem Petrarca-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis. Jaccottet hat hinzu Ossip Mandelstams Lyrik aus dem Russischen übersetzt.

Kaum ein zeitgenössischer Dichter hat so oft die inneren Landkarten und die Idee eines erweiterten Blicks umkreist und ist dabei wie Philippe Jaccottet ein genauer Beobachter seiner eigenen Zeit geblieben. Im deutschsprachigen Gebiet ist vor allem sein lyrisches Werk bekannt. Auch seine Betrachtungen über die Bilder von Giorgio Morandi haben ihre Leser gefunden, in denen er gleichsam aus der Stille der Gemälde heraus die Wirklichkeit der Pinselstriche sichtbar gemacht hat. In dem Gedichte- und Prosaband “Der Unwissende” notierte er einmal, man müsse achtsamer denn je mit den Worten umgehen, jetzt, da Gott tot sei. / Marica Bodrozić, Ö1

Philippe Jaccottet, “Notizen aus der Tiefe”, aus dem Französischen übersetzt von Elisabeth Edl, Wolfgang Matz und Friedhelm Kemp, Hanser Verlag

15. Geld

10 Euro für den lebenden Dichter, 775.000 für den toten: soviel wurde in Paris für eine Ausgabe von Baudelaires Fleurs du Mal gezahlt. / sfr

14. Prix Goncourt

Der Goncourt-Preis für Lyrik 2009 geht an den marokkanischen Lyriker Abdellatif Laâbi  für sein Gesamtwerk, teilte die Akademie Goncourt mit. Abdellatif Laâbi, 67, schreibt in französischer Sprache. Er hat zahlreiche Gedichtbände veröffentlicht, ebenso Romane und Theaterstücke sowie Übersetzungen arabischer Dichter ins Französische. In den 70er Jahren wurde er für sein politisches Engagement zu zehnjähriger Haft verurteilt, danach ging er nach Frankreich. Der jährlich verliehene Preis wird außer dem Hauptpreis in den Sparten Lyrik, Novelle, Biographie und Erstlingsroman verliehen. Er ist nur mit symbolischen 10 Euro datiert, steigert aber in der Regel die Verkaufszahlen.

Die deutschsprachige Wikipedia meint in einem sehr kurzen Artikel: “Wie alle Literaturpreise krönt auch der Prix Goncourt eher nur zufällig Werke, die in der Literaturgeschichte Bestand haben.” Das ist eine sicher ehrenwerte Meinung, wenn auch nicht direkt Information. Die wichtige Information, daß es auch “Spartenpreise” gibt für solche Nebengleise wie Lyrik, fehlt aber. Für genauere Information wechsle man zur französischen oder englischen Fassung.

Laâbi vgl. L&Poe

2003    Jul    #    Prominenz bei den Frauenfelder Lyriktagen
2003    Aug    #    Versschmuggel
2004    Jun    #65.    Menschen von Madrid, verzeiht!
2005    Mai    #87.    Léopold Sédar Senghor-Preis
2005    Aug    #60.    Brennende Wörter in Liège
2006    Apr    #57.    Preis für Abdellatif Laabi
2008    Aug    #57.    Zeitgenössische Poesie Palästinas
2009    Feb    #67.    Prix Max Jacob

13. Meine Anthologie: Vokale

Während des Textenet-Festivals habe ich mich mehrfach mit dem Thema beschäftigt.

95. Draesners Sprachmusik

123. Gedächtniszeilen

126. Mischsprache

133. Überraschungsgast

134. Zeilen

Just da saß ich in einem Wartezimmer, wartend und lesend. Ich hatte ein robustes Taschenbuch eingesteckt, ein Suhrkamp-Taschenbuch (Mann kann es in einer Hosentasche tragen, der Arzt sagte: Ihr Gesangbuch). Es war Marcel Beyers Gedichtband “Falsches Futter” (Suhrkamp 1997). Ich konnte lange und konzentriert lesen, gefesselt. Auf Seite 15 ein Vokalgedicht, von deutsch-österreichischer Geschichte durchtränkt wie das ganze Buch:

Kalbsdeutscher Rauschzustand

HOCHDEUTSCH ich stolpere übern Eisentritt,
gruftdunkel, Grabenkoller, lieg und blättere,
Soldatenbücherei Band 79. Ob auch ein
Buchstab nur das nervenfeuchte U. Das I
zwischen den Beinen lange nicht benutzt. Das
E darunter hängt dreiviertel abgefroren. Und
über mir die schwarze Luft und dröhnt. Die
A’s und O’s der Nebenmänner. Derweil das
Blättern HOCHDEUTSCH reg dich! Es wär, ganz
Mund, als Mann verkleidet, etwas zu entdecken,
ECHT RUSSIN, Hose runter. Liegen bleibt. Ich
stehe wieder, schaue übern Rand ins
Dunkel, Wiener Brevier mit Daumen
Zeigefinger aufgeschlagen. Da, unerwartet,
gewittert es von gegenüber, flammenzüngig,
aus einem Lauf. Das Buch klappt zu. Es
sind die Laute alle nun zu hören, zitterndes
Tirili, das aus der Leiche quillt. Dann
ist es schon vorbei HOCHDEUTSCH. Und
alles übertönend der LEOPOLDI HERMANN
quetscht, über Rot-Weiß-Rot,
Powidltatschkerln aus.

Meine Anthologie: Wortfest

12. Faßbuller

sagten wir als Kinder (das war im Mitteldeutschen, wo man Hart- und Weich-B nicht so genau unterscheidet). Einer dieser Typen hat ein Gedicht für einen anderen geschrieben, oder gesprochen, und die FAZ hat es ein schlechtes Gedicht genannt, und alle anderen schreiben auch darüber – es scheint wichtig zu sein. Hier was Google davon weiß (ich bin bloß der Chronist):

Bayern München: Woher hat Karl-Heinz Rummenigge sein Gedicht für Franz

Bild.de – ‎Vor 56 Minuten‎

Es war ein Höhepunkt auf der Jahreshauptversammlung der Bayern. Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge las ein „Liebesgedicht“ für den scheidenden Präsidenten
Auf der Internetseite http://www.apk-gedichte.de bietet Anette Pfeiffer-Klärle einen Gedicht-Service für Feiern und Glückwunschkarten an (29 bis 99 Euro). …

Rummenigge-Gedicht für Beckenbauer: Der “Danke-Bär” auf Video

fussball-extreme.de – ‎Vor 4 Stunden‎

Das Rummenigge-Gedicht zum Abschied von Franz Beckenbauer auf der Jahreshauptversammlung – ein ganz besonders, persönliches Geschenk vom Boss an den

Raab interpretiert Rummenigges Gedicht neu

Abendzeitung – ‎Vor 12 Stunden‎

“Danke, danke, danke sehr – man nennt mich auch den Danke-Bär”. Stephan Raab hat in seiner Sendung “TV Total” Rummenigges Dankes-Ode an Franz Beckenbauer

11. Akademie

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat den Pianisten Alfred Brendel, den Schriftsteller Marcel Beyer und den Wissenschaftstheoretiker Michael Hagner als Mitglieder aufgenommen. Brendel, der heute in London lebt, sei nicht nur ein Meister des Klavierspiels, sondern habe glänzend geschriebene musikalische Schriften und Gedichtbände vorgelegt, teilte die Akademie am Montag in Darmstadt mit. Beyer ist der Akademie zufolge “einer der wichtigsten Schriftsteller seiner Generation”. Hagner sei “einer der gegenwärtig profiliertesten und kreativsten Wissenschaftshistoriker”, der zeige, wie kulturelle, ästhetische und soziale Aspekte in den Erkenntnisprozess einfließen. / SZ 24.11.

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